Mark 82
ungelenkte Freifallbombe
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Die Mark 82 (oder einfach Mk 82) ist eine Freifallbombe der Mk-80-Serie, die in den 1950er-Jahren in den Vereinigten Staaten entwickelt wurde. Die Bombe wird noch heute produziert und ist die am weitesten verbreitete Fliegerbombe.[1]
| Mark 82 | |
|---|---|
| Allgemeine Angaben | |
| Bezeichnung: | Mark 82, Mk 82, Mk. 82, Slick |
| Typ: | Sprengbombe |
| Herkunftsland: | |
| Entwicklung: | 1950er-Jahre |
| Indienststellung: | 1960er-Jahre |
| Einsatzzeit: | im Dienst |
| Stückpreis: | ~2.000 USD |
| Technische Daten | |
| Gefechtsgewicht: | 231–257 kg |
| Länge: | 1,501–2,273 m |
| Durchmesser: | 273 mm |
| Spannweite: | 390 mm |
| Ausstattung | |
| Gefechtskopf: | 87,3 kg Tritonal, H-6 oder PBXN-109 |
| Zünder: | Aufschlagzünder, Näherungszünder, Verzögerungszünder |
| Waffenplattformen: | Kampfflugzeuge, Bomber |
| Liste von Bomben nach Herkunftsnation | |
Entwicklung
Die Mark 82 entstand Anfang der 1950er-Jahre im Rahmen der Entwicklung der Mk-80-Serie-Bomben. Im Zuge der Entwicklung entstanden die Bomben Mark 81 (111 kg), Mark 82 (231 kg), Mark 83 (421 kg) und Mark 84 (894 kg). Ende der 1950er-Jahre wurden die ersten Bomben für Tests und die Truppenerprobung ausgeliefert. Danach wurden die Entwürfe nachgebessert, woraufhin die Massenproduktion startete. In den frühen 1960er-Jahren wurde die Mark 82 an die Streitkräften der Vereinigten Staaten geliefert. Später wurde die Mark 82 auch an andere Staaten exportiert. Der erste Einsatz erfolgte während des Vietnamkriegs. Die Mark 82-Bombe wird noch heute in den Vereinigten Staaten und im Lizenzbau in weiteren Staaten produziert.[2][3]
Aufbau

Das Nominalgewicht der Mark 82-Bombe beträgt 500 Pfund (227 kg). Tatsächlich bewegt sich das Gewicht zwischen 231 und 257 kg, je nachdem welche Zünder und was für Heckteile verwendet werden. Die Mark 82-Bombe hat einen stromlinienförmigen Körper mit einer ogiven Spitze. Der Bombenkörper besteht aus Schmiedestahl, hat einen Durchmesser von 273 mm und eine Länge von 1,501 m (ohne Zünder und Heckteil). Das Leergewicht beträgt 141,1 kg. Die Wanddicke beträgt 12,8 mm und vergrößert sich zur Bombenspitze hin. Standardmäßig werden Heckteile aus geschweißten Blechen mit vier trapezförmigen Stabilisierungsflächen (Heckflossen) montiert. Anfänglich wurde das MAU-93-Heckteil verwendet, welches später durch das BSU-33-Heckteil ersetzt wurde. Das BSU-33-Heckteil versetzt die Bombe nach dem Abwurf in Drehung um die Längsachse, was deren Fall stabilisiert. Diese Heckteile haben eine Länge von 0,56 bis 0,67 m, wiegen 9,2 bis 10,8 kg und die Stabilisierungsflächen haben eine Spannweite von 383 bis 390 mm. Weiter kann auch der BSU-49-Bremsmechanismus (AIR – Air Inflatable Retarder) hinten am Bombenkörper montiert werden. Dieser hat ebenfalls vier Stabilisierungsflächen und verfügt zusätzlich über einen Ballonschirm, der sich nach dem Bombenabwurf entfaltet. Der BSU-49 hat eine Länge von 0,66 m, wiegt 25,4 kg und die Stabilisierungsflächen haben eine Spannweite von 381 mm. Daneben können auch die Snake Eye-Bremsmechanismen Mk 15 und BSU-86 mit vier kreuzförmig ausklappenden Luftbremsen verwendet werden. Bei den Streitkräften der Vereinigten Staaten wurden die Snake Eye-Heckteile in den 1990er-Jahren ausgesondert. Die Bomben der USAF waren anfänglich mit 87,3 kg Minol (TNT und Ammoniumnitrat) und sind aktuell mit Tritonal befüllt. Bei den Bomben der USN und des USMC wird H-6 (Hexogen und TNT) oder PBXN-109 verwendet. Einige Bomben aus dem internationalen Lizenzbau sind mit reinem TNT oder Composition B befüllt. Der Mk 82-Bombenkörper hat entweder einen grauen oder olivgrünen Anstrich. Ebenso existieren Mark 82-Übungsbomben mit der Bezeichnung BDU-45 und BDU-50, die einen blauen Anstrich haben. Diese haben eine verringerte Sprengstofffüllung und sind zur Gewichtskompensation mit Ballast befüllt. Bezündert sind die Mk 82 mit einem Kopf- und/oder Heckzünder. Dafür sind an der Bombenspitze und am Heck jeweils Vertiefungen mit einem Gewinde angebracht. Es können verschiedene Aufschlagzünder, Näherungszünder oder Verzögerungszünder verwendet werden. Letztere werden nur im Bombenheck eingesetzt. Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten verwenden üblicherweise den mechanischen M904-Aufschlagzünder oder den M905-Verzögerungszünder. Weiter kann an der Bombenspitze das knapp 1 m lange M1A1-36-Verlängerungsrohr an den an Aufschlagzünder montiert werden. Mit diesem als Daisy Cutter bezeichneten Zünder explodieren die Bomben dicht über dem Boden und haben so eine optimale Flächenwirkung. Aktuell werden der FMU-113-Radar-Näherungszünder sowie die Mehrzweckzünder FMU-124 und FMU-139 verwendet. Unter den Zündern kann in einer Vertiefung zusätzlich eine Verstärkerladung mit TNT oder Tetryl geladen werden. Auf halber Länge sind am Bombenkörper Bombenschlösser mit einem Abstand von 14 und/oder 30 Zoll angebracht.[2][4][5][6][7][8][9][10][11][12][13][14]
Varianten
Mark 82
Die Mark 82 ist das Standardmodell wie oben beschrieben.
Mark 94
Die Ausführung Mark 94 verwendete den Mark 82-Bombenkörper. Dieser war neben Sprengstoff mit chemischem Kampfstoff befüllt. Die Mark 94 wog 200 kg und enthielt 49 kg flüssiges Sarin.[15] Mit dem Inkrafttreten der Chemiewaffenkonvention im Jahr 1997 wurden die Mark 94-Bomben vernichtet.
BLU-111/B
Die BLU-111 wird von der United States Navy und dem United States Marine Corps verwendet. Die Bombe gleicht äußerlich der Mark 82. Sie ist aber mit 85,7 kg PBXN-109 befüllt. Dieser ist gegenüber Tritonal und H-6 weniger empfindlich. Das Gewicht der BLU-111/B beträgt 218 kg. Die BLU-111/B wird auch als Gefechtskopf der A-1-Version des AGM-154 JSOW verwendet.[16][17][18]
BLU-111A/B
Die BLU-111 wird von der United States Navy benutzt, um die Sicherheitsbestimmungen für den Einsatz auf Flugzeugträgern zu erfüllen. Sie entspricht der BLU-111/B, hat jedoch eine zusätzliche raue Brandschutzbeschichtung in grauer Farbe auf dem Bombenkörper. Dies soll einen Cook off der Bomben an Bord der Flugzeugträger verhindern. Das Gewicht der BLU-111A/B beträgt 235 kg.[16][19]
BLU-126/B
Wurde auf Grund einer Forderung der United States Navy nach einer Bombe für geringere Begleitschäden bei Luftangriffen entwickelt. Sie ist auch bekannt als „Low Collateral Damage Bomb“ (LCDB). Es handelt sich um eine BLU-111 mit einer kleineren Sprengstoffladung. Eine inerte Füllung wird zum Gewichtsausgleich hinzugefügt, wodurch die ballistische Eigenschaft der Bombe unverändert bleibt.[19][20]
BLU-129/B
Der Bombenkörper der BLU-129 bzw. Very Low Collateral Damage Weapon (VLCDW) besteht aus Kohlenstofffaser. Dadurch wird Splitterbildung minimiert, um Begleitschäden möglichst zu verhindern. Die Bombe wurde ab 2010 aufgrund einer Forderung der United States Air Force entwickelt.[19][21]
BLU-134/B
Die BLU-134 wird auch Improved Lethality Warhead (ILW) und Mark 82 Mod 7 bezeichnet. Diese Splitterbombe entstand im Rahmen des Programms Next Generation Area Attack Weapon (NGAAW). Sie gleicht äußerlich der Mark 82-Bombe verwendet aber einen Bombenkörper aus niedrigduktilem Stahl der auf der Innenseite mit Kerben versehen ist. Bei der Explosion zerlegt sich der Bombenkörper in eine große Anzahl scharfkantige Splitter, die mit hoher Energie freisetzt werden.[19][22]
BLU-140/B
Die BLU-140 ist eine Panzersprengbombe, welche auf der BLU-111 basiert.[19]
Einsatz & Wirkung

Die Mark 82-Bombe ist eine aerodynamisch optimal geformte Mehrzweckbombe. Im englischen Sprachgebrauch wird sie auch Low-Drag, General-Purpose (LDGP) bezeichnet. Die Bombe kann von einer Vielzahl von Kampfflugzeugen und Bombern abgeworfen und gegen ein breites Zielspektrum eingesetzt werden. Für den Abwurf aus mittlerer und großer Flughöhe werden die MAU-93 und BSU-33-Heckteile mit vier Stabilisierungsflächen verwendet. Für den Abwurf aus dem Sturzflug und Tiefflug wird am Bombenheck der BSU-49 AIR-Bremsmechanismus montiert. Durch diesen wird der Fall der Bombe abgebremst, so dass sich bei deren Detonation das Flugzeug nicht mehr im Gefahrenbereich befindet. Die Mark 82 kann aus einer Flughöhe von 15 bis über 15.240 m sowie in einem Geschwindigkeitsbereich von 278 bis rund 2.500 km/h abgeworfen werden. Dabei kann das Lastvielfache maximal 5 g betragen.[2][5][8][10][23][24]
Nach dem Abwurf aus großer Höhe kann die Mark 82-Bombe rund 52 cm Beton oder 3,2 cm Stahl durchschlagen bevor sie detoniert. Explodiert die Mark 82 mit dem Aufschlagzünder auf normalem Erdreich, so erzeugt sie einen Explosionskrater mit einem Durchmesser von rund 4,6 m und einer Tiefe von rund 0,8 m. In 16 m Entfernung zum Ground Zero beträgt der Druck der Detonationswelle 1,2 Bar (120 kPa) und in einer Entfernung von 31 m noch 0,3 Bar (30 kPa). Dringt die Mark 82 ins Erdreich ein und wird mit dem Verzögerungszünder zur Explosion gebracht, entsteht ein Explosionskrater mit 10,7 m Durchmesser und 4,3 m Tiefe. Bei der Explosion zerlegt sich der dünnwandige Bombenkörper in über 1.000 scharfkantige Splitter mit einem Gewicht von 0,2 bis 19 g, die sich mit einer Anfangsgeschwindigkeit von 760 bis 2.440 m/s ausbreiten. Auf eine Distanz von 16 m können die Splitter 200 mm Beton oder 32 mm Stahl durchschlagen. Wird die Mk 82-Bombe knapp über dem Boden gezündet, haben die Splitter gegen ungepanzerte Fahrzeuge und lebende Ziele einen Wirkungsradius von rund 100 m. Einzelne Bombensplitter können bis in eine Entfernung von rund 220 m schwere oder tödliche Verletzungen verursachen. Der Sicherheitsabstand zu einer explodierenden Mark 82-Bombe beträgt 1810 m.[23][25][26][27][28][29][30]
Verwendung als Gefechtskopf
Die Mark 82 wird auch als Gefechtskopf verschiedener Präzisionsbomben und Gleitbomben verwendet.[31][32][33][34]
- AGM-154 JSOW (INS/GPS-gelenkte Gleitbombe)
- GBU-12 Paveway I/II (lasergelenkte Bombe)
- GBU-49 Paveway II (lasergelenkte Bombe)
- GBU-22 Paveway III (lasergelenkte Bombe)
- Paveway IV (lasergelenkte Bombe)
- GBU-38 JDAM (INS/GPS-gelenkte Bombe)
- GBU-38 LJDAM (INS/GPS & Laser gelenkte Bombe)
- GBU-54 LJDAM (INS/GPS & Laser gelenkte Bombe)
- JDAM-ER (INS/GPS-gelenkte Gleitbombe)
- P-JDAM (Marschflugkörper)
- Mark 62 Quick Strike Mine (Seemine)
- AASM (INS/GPS & elektro-optisch gelenkte Gleitbombe)
- Spice (INS/GPS & elektro-optisch gelenkte Gleitbombe)
- Umbani (INS/GPS & elektro-optisch gelenkte Gleitbombe)
Lizenzfertigung
Außerhalb der Vereinigten Staaten wird die Mark 82-Bombe in rund 17 Staaten, darunter Argentinien, Brasilien, Chile, Deutschland, Frankreich, Italien, Pakistan, Polen, Slowenien, Spanien, Südafrika und Südkorea im Lizenzbau produziert.[35][36]
Verbreitung
Die Mark 82-Bombe befindet sich bei den Streitkräften der Vereinigten Staaten sowie bei nahezu allen NATO-Staaten im Dienst. Daneben wird die Mark 82 weltweit exportiert.[2][35][37]
Literatur
- Jeremy Flack: Lenk- und Abwurfwaffen der NATO-Luftwaffen. Motorbuch Verlag, 2005, ISBN 978-3-613-02525-7.
- Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2003, ISBN 0-7106-0866-7.
Weblinks
- Mark 80 Family of low drag general purpose aviation bombs bei weaponsystems.net (englisch)
- Mark 82 bei Open Source Munitions Portal (englisch)
- Mk 82 bei globalsecurity.org (englisch)
- Mark 82 500 lb LDGP Bombs bei https://afarmamentmuseum.com (englisch)
- Warum diese Bombe überall eingesetzt wird | Die Mark 82 Film bei YouTube über die Mark 82 Bombe