Herzogtum Friaul

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Das Herzogtum Friaul war ein langobardisches Herzogtum im heutigen Friaul, das von 568 bis 776 bestand. Wichtigste Quelle ist die Historia Langobardorum, die Paulus Diaconus Ende des 8. Jahrhunderts im Auftrag Karls des Großen, des Frankenkönigs verfasste, der ab 774 das Langobardenreich eroberte. Sie umfasst die Zeit bis zum Jahr 744.

Geschichte

Das Herzogtum Friaul entstand während des ersten Jahres der Eroberung großer Teile Italiens durch die Langobarden unter Führung König Alboins ab 568. Nach der Besetzung Venetiens ernannte er seinen Verwandten Gisulf I. zum dux von Friaul mit der Hauptstadt Forum Iulii (Cividale). Gisulf siedelte nun von ihm ausgewählte farae (Familienverbände) dort an.

Italien in den 580er Jahren

Friaul wurde im Osten von den Julischen Alpen, im Norden von den Karnischen Alpen, im Westen von dem etwas später gegründeten Dukat Ceneda jenseits des Tagliamento und im Süden durch das Exarchat Ravenna, zu dem die Küstenregion der Adria gehörte, begrenzt. Neben Benevent, Spoleto und Trient gehörte Friaul zu den größten Dukaten des Langobardenreiches. Die Bedeutung Friauls war in der Grenzlage zu Slawen, Awaren und dem Byzantinischen Reich begründet, wie die ältere Historiographie annahm.[1]

Grasulf I. und Gisulf II. nahmen Verbindung zum oströmischen Exarchen Romanus und König Childebert II. von Austrasien auf.

Um 610 drangen die Awaren in Friaul ein, die vormaligen Nachbarn der Langobarden, als diese noch in Pannonien siedelten. Diese griffen in einigen Fällen in die inner-langobardischen Kämpfe ein. Herzog Gisulf II. kam bei der Verteidigung mit zahlreichen Männern seines Gefolges ums Leben. Die Hauptstadt Forum Julii wurde daraufhin erobert, Frauen und Kinder nach Pannonien verschleppt – die Töchter standesgemäß verheiratet, wie Paulus Diaconus betont – und die Männer getötet. Unter seinen gemeinsam regierenden Söhnen Taso und Cacco (610–625) wurde das Dukat bis Windisch-Matrei ausgeweitet. Nach deren Ermordung durch den patricius Gregor in Opitergium (Oderzo) übernahm ihr Onkel Grasulf II. das Dukat.

In all diesen Auseinandersetzungen spielten die Außenbeziehungen, also das Verhältnis zu Franken, Awaren und Slawen sowie Ostrom-Byzanz stets eine Rolle. Diese Nachbarn waren aber nicht nur eine Bedrohung für das Langobardenreich als Ganzes, sondern sie wurden auch bei internen Konflikten zwischen den Herzögen, die ausgesprochen selbstständig agierten, und den Königen eine Rolle. Aber es waren nicht nur die Auseinandersetzungen zwischen einer Art Zentrum um Pavia und peripheren Mächten innerhalb des Reiches, sondern auch konfessionelle Streitigkeiten zwischen Pavia, das bald die Katholisierung betrieb, und eher arianisch, mitunter noch heidnisch ausgerichteten Herzögen, die zu heftigen Aufständen führten.

So fiel dux Pemmo in Ungnade und König Liutprand setzte 739 Ratchis als dux ein (Historia Langobardorum VI, 51). Im Jahr 742 begleitete Ratchis König Liutprand auf einem Feldzug gegen den „rebellischen“ dux Transamund von Spoleto (Historia Langobardorum VI, 56)

Als König Liutprand und kurz darauf sein Neffe und Nachfolger Hildeprand gestorben waren, wurde Ratchis 744 selbst zum König gewählt und sein Bruder Aistulf wurde nun dux von Friaul. Als Aistulf 749 König wurde, übergab er das Dukat seinem Schwager Anselm. Als Anselm 751 Abt des Klosters Nonantola wurde folgte ihm dux Petrus.

Hrodgaud wurde 774 vom Frankenkönig Karl I., der Desiderius, den letzten König des Langobardenreiches besiegt hatte, als Herzog von Friaul eingesetzt. Hrodgaud rebellierte 776 gegen Karl, wurde aber besiegt und getötet.

Mit Hrodgauds Tod erlosch das Herzogtum Friaul und wurde von 776 bis 828 eine Mark des karolingischen Frankenreiches. Diese wurde im Zuge der Realteilung zum Ende des 9. Jahrhunderts in vier Grafschaften eingeteilt, Friaul (mit Istrien), Karantanien, Krain (mit Liburnien) und Savien.[2]

Liste der langobardischen Herzöge des Friaul

Bei den Herzögen sind die Herrschaftsdaten häufig nicht genau zu ermitteln:

  • 568–581 Gisulf I.
  • 581–590 Grasulf I., Bruder Gisulfs I.[3]
  • 590–610 Gisulf II., Sohn Grasulfs I.
  • 610–625 Taso und Cacco, Söhne Gisulfs II. (Historia Langobardorum IV, 37)
  • 625–653/660? Grasulf II., Bruder Gisulfs II. (Historia Langobardorum IV, 39)
  • um 653/660–662/663? Ago
  • um 660–? Lupus
  • um 664 Arnefrit (Sohn des Lupus, erlangte wohl nicht die Herzogswürde)
  • um 666 Wechtari
  • um 670 Landari
  • um 688 Rodoald
  • um 694 Ansfrit (Usurpator)
  • vor 700 Ado (Bruder des Rodoald; nicht als Herzog, sondern unter dem Titel eines Statthalters (Historia Langobardorum VI, 3)
  • um 703 Ferdulf
  • um 704 Corvolus
  • 706–739 Pemmo
  • 739–744 Ratchis (König der Langobarden)
  • 744–749 Aistulf (König der Langobarden)
  • 749–751 Anselm von Nonantola, Heiliger und Klostergründer
  • 751–??? Petrus, Sohn des Munichis, ebenso wie Ursus von Ceneda
  • 774–776 Hrodgaud

Quellen

Literatur

  • Wilfried Menghin: Die Langobarden. Archäologie und Geschichte, Theiss, Stuttgart 1985, ISBN 3-8062-0364-4.
  • Jörg Jarnut: Geschichte der Langobarden, Stuttgart 1982. ISBN 3-17-007515-2.
  • Angela Borzacconi, Fabio Pagano: Oggetti inscritti nella realtà funeraria del Friuli longobardo, in: Antichità Altoadriatiche LXXXIII (2016) 555–561.
Wikisource: Historia Langobardorum – Quellen und Volltexte (Latein)

Anmerkungen

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