Marlis Radebold

deutsche Keramikerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Marlis Radebold (geb. Kirst; * 2. Oktober 1943 in Meerane) ist eine deutsche Keramikerin.

Leben und Werk

Marlis Radebold in ihrem Haus im Februar 2026.

Marlis Radebold wuchs in Gößnitz auf, wo ihr Vater Gerhard Kirst (1908–1986) als Arzt praktizierte. Ihre Mutter Doris Kirst (1920–2016) war Hausfrau und kümmerte sich um ihre drei Kinder. Marlis Radebold besuchte in Gößnitz die Grundschule und bis zum Abitur 1962 die Oberschule in Altenburg. Von 1962 bis 1964 absolvierte sie in Bürgel im VEB Kunsttöpferei Bürgel eine Lehre als Scheibentöpferin, u. a. mit Ute Scheffler. Von 1964 bis 1969 studierte sie bei Wolfgang Henze und Rudolf Kaiser in der Fachrichtung Keramik der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Zu ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen gehörten u. a. Angelika Görner, Christina Renker und Bernd Tholl (* 1942). Das Studium war auf die Ausbildung von Formgestaltern für die Industrie ausgerichtet, und es wurde nur mit Gips gearbeitet. Praktika wurden in volkseigenen Porzellan- oder Steingutwerken absolviert. Für das Diplom entwarf Marlis Radebold für den VEB Steingutwerk Torgau ein Speiseservice.

Keramiken Marlis Radebolds.

Nach dem Diplom arbeitete sie in Berlin freischaffend als Keramikerin, bis 1971 gemeinsam mit Waltraud Lippold und Christina Renker. Seitdem hat sie Berlin-Köpenick in ihrem Haus eine eigene Werkstatt, die sie nach und nach erweiterte. Sie benutzt eine Töpferscheibe, die ihr Schwiegervater gebaut hatte, einen großen alten Brennofen aus der DDR und einen kleinen Ofen für den Schrühbrand. Sie schuf „funktionell und ästhetisch anspruchsvolles Gebrauchsgeschirr“[1], vor allem Schalen, Teller, Dosen, Kannen, Kerzenhalter, Vasen und Stövchen. Sie orientierte sich „an der traditionsreiche Formenwelt der Töpferkunst, an den klassischen Grundformen alter Becher, klassizistischer Tassen und dem bäuerlichen Geschirr der Habaner.“ Nach Versuchen mit Engoben und Glasuren fand sie in der Fayence-Technik die ihr gemäße Ausdrucksweise. Die Formen der Gefäße betont sie durch feine Bemalung.

1981 beteiligte Marlis Radebold sich am III. Internationalen Keramiksymposium Römhild. Dabei fertige sie u. a. einen Krug aus salzglasiertem Steinzeug.[2] Sie nahm an Pleinairs in Mirabel teil und hatte Arbeitsaufenthalte in Krakau. Ihre Arbeiten wurden vom Staatlichen Kunsthandel der DDR vertrieben, was sie organisatorischer und finanziellen Sorgen enthob.

Nach der deutschen Wiedervereinigung brach dieser Weg ab, und sie hatte mit existenzbedrohenden Umstellungsschwierigkeiten zur Marktwirtschaft zu kämpfen, wie die große Mehrzahl der Keramikerinnen und Keramiker, von denen sich nicht wenige in ABM-Maßnahmen retten mussten. 1993 nahm sie erstmals an einem Töpfermarkt teil. 2003 hielt sie sich drei Wochen im schweizerischen Disentis auf. Dort nahm sie auf eine Ausschreibung hin als einzige Ausländerin von 12 Teilnehmern an künstlerischen Arbeiten für einen touristischen Brunnenweg teil. Dafür schuf sie keramische Schmuckelemente für einen der Brunnen.

Marlis Radebold war bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR und hatte in der DDR ab 1973 Einzelausstellungen in der Berliner Galerie Unter den Linden und in weiteren Galerien des Staatlichen Kunsthandels in Dresden, Leipzig und Rostock. Außerdem war sie auf wichtigen weiteren Ausstellungen vertreten.

Von 1993 bis 2010 hatte Marlis Radebold einen Lehrauftrag am Caspar-David-Friedrich-Institut der Universität Greifswald.

2023 beendet sie ihre freischaffende Tätigkeit. Sie beteiligt sich jedoch weiter an den jährlichen Tagen der offenen Töpferei der Töpferinnung Berlin-Brandenburg.

Marlis Radebold war bis zur Scheidung mit Jürgen Radebold verheiratet.

Selbstreflexion

„Das Drehen ist mein Element. Die spielerischen Möglichkeiten, die mir die Töpferscheibe ermöglicht, die Freude an der kreisenden auf leisesten Druck sich verändernden Tonmasse hat nie nachgelassen. Darin sehe ich meine Erfüllung.“[1]

Teilnahme an zentralen und wichtigen regionalen Ausstellungen in der DDR

  • 1973 bis 1985: Berlin, sechs Bezirkskunstausstellung
  • 1976: Berlin, Ausstellungsräume am Fernsehturm („Junge Künstler der DDR“)
  • 1977, 1980 und 1983: Magdeburg, Museum Kloster Unser Lieben Frauen („Keramik in der DDR“)
  • 1981/1982: Berlin, Ausstellungszentrum am Fernsehturm („Berliner Atelier. Formgestalter, Kunsthandwerker“)

Literatur

  • Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 734/735
  • Bettina Zinter: Marlis Radebold. Florale Linien, ästhetische Formen. In: Neue Keramik. Das internationale Keramikmagazin. 6/2018, S. 16–19

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI