Marte Sorge

deutsche Schriftstellerin, Lyrikerin und Redakteurin From Wikipedia, the free encyclopedia

Marte Sorge (Mädchenname und Pseudonym; bürgerlich Marte Schürer-Stolle; * 16. April 1871 in Treuen; † 27. Juli 1946 in Schmölln) war eine deutsche Schriftstellerin, Lyrikerin und Redakteurin. Sie gilt als die schöpferischste vogtländische Heimatschriftstellerin in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Als einzige Frau war sie Vorstandsmitglied der Vereinigung vogtländischer Schriftsteller und Künstler.

Marte Sorge, Porträt von 1927 aus der Anthologie Deutscher Frauengeist in Dichtung und Wissenschaft

Sorge arbeitete für verschiedene Kinderzeitschriften und war Redakteurin für die Neue Vogtländische Zeitung, das Westfälische Tagesblatt und die Offenbacher Zeitung. Darüber hinaus war sie Mitglied des Reichsverbands der Deutschen Presse. Neben Gedichtbänden verfasste Sorge Märchendramen, die an Bühnen im In- und Ausland aufgeführt wurden. An diesen Inszenierungen wirkte sie als Darstellerin auf Theater- und Freilichtbühnen mit. In ihrem literarischen Werk befasste sich Sorge mit den Höhen und Tiefen menschlichen Lebens, der vogtländischen Natur und Landschaft sowie mit historischen und heimatkundlichen Stoffen.

Politisch engagierte sie sich als Frauenrechtlerin im gemäßigten Flügel der deutschen Frauenbewegung. 1907 trat Sorge dem Frauen-Verein Plauen bei und wurde später zum Vorstandsmitglied gewählt.

Leben

Herkunft und Familie

Marte Sorge wurde am 16. April 1871 in Treuen, einer Kleinstadt im sächsischen Vogtlandkreis, geboren. Ihre Mutter war Wilhelmine Luise, geborene Walter. Der Vater, Paul Eduard Friedrich Sorge, war Kaufmann. Die Familie zog um 1880 nach Plauen, wo Sorge die Schule besuchte.[1] Später war sie Hörerin an der Universität Leipzig.[2] Die wirtschaftliche Verschlechterung der Vermögensverhältnisse der Familie sowie eine langjährige Erkrankung der Mutter prägten ihre Kindheit und Jugend.[3]

1931 heiratete Sorge erstmals im Alter von sechzig Jahren in Rom den Lehrer, Studiendirektor und späteren Professor Gottfried Hermann Schürer-Stolle (* 1863; † unbekannt), mit dem sie bis zu ihrem Tod verheiratet blieb.[2][4]

Schriftstellerischer Werdegang

Marte Sorge, Porträt aus der Anthologie Dichtung und Prosa von Leipziger Frauen (1914)

In ihrer späten Jugend begann Sorge zu schreiben und verfasste Skizzen, Novellen und Gedichte für Zeitungen und Zeitschriften, etwa für den Hannoverschen Anzeiger, den Vogtländischen Anzeiger, Von Haus zu Haus oder die Leipziger Abendzeitung. Später wurde sie Mitarbeiterin vieler Kinderzeitschriften und Redakteurin der Neuen Vogtländischen Zeitung, des Westfälischen Tagesblattes und der Offenbacher Zeitung. Diese Tätigkeiten verschafften ihr ein unabhängiges Einkommen.[5] Darüber hinaus war sie Mitglied des Reichsverbands der Deutschen Presse.[1]

Sorges Erstlingswerk war der Gedichtband Wellen und Wogen, der 1906 im Josef Singer Verlag erschien. In den folgenden Jahren veröffentlichte sie weitere lyrische und epische Werke, darunter Und fing mir einen Sonnenstrahl (1909), die Reiseerzählung Briefe aus dem Süden (1910), Frauenlieder (1914) und Klinge mein Herz! (1923).[4]

Um 1912 gehörte Sorge neben bekannten Persönlichkeiten wie Kurt Arnold Findeisen, Louis Riedel und Richard Sachs als einzige Frau dem Vorstand der 1907 gegründeten Vereinigung vogtländischer Schriftsteller und Künstler an.[4] Parallel war sie auch Rednermitglied der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung.[6]

1923 veranstaltete die Deutsche Roman-Zeitung eine Preisverleihung. Unter mehreren tausend eingesandten Gedichten gewann Sorge mit ihrem Gedicht Ich bin ein Brunnen, der im Dunkeln quillt den ersten Preis in Höhe von 6.000 Mark. Bereits einige Jahre zuvor hatte sie für ihre Novelle Ein Lied, die unter hundert Einsendungen durch die Preisrichter Victor Blüthgen und Gustav Falke ausgewählt wurde, einen Preis für die beste Novelle erhalten.[7] Im selben Jahr wurde ihr Band Klinge mein Herz! in die neunbändige vom Max Koch Verlag herausgegebene Buchreihe Bücher von Liebe, Sonne und schönem Menschtum (1919–1925) aufgenommen. Sorge war die einzige Autorin der Reihe.

Neben ihrem lyrischen Schaffen trat Sorge auch als Rezitatorin sowie als Verfasserin und Erzählerin von Märchen hervor. Sie war Mitglied des Verbands Deutscher Bühnenschriftsteller und schrieb mehrere Märchendramen für die Bühne.[1] Nach Zöllner wirkte Sorge an den von ihr dramatisierten und „durch viele deutsche Bühnen erfolgreich aufgeführten Märchenspielen“ selbst auf Bühnen und Freilichttheatern mit.[8] Das von ihr dramatisierte Grimm-Märchen Die sieben Raben beispielsweise wurde in den 1920er-Jahren in Dresden, Chemnitz, Plauen, Gotha, Hanau und sogar im Ausland aufgeführt.[4]

Frauenpolitisches Engagement

1907 trat Sorge dem Frauen-Verein Plauen bei, der sich für die Förderung der geistigen, sozialen und materiellen Interessen von Frauen einsetzte. Nach Naumann dürfte ihr Beitritt auf „[s]oziales Empfinden, die kritische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Realität ihrer Zeit und ihre Identifikation mit den Zielen und Anliegen der Frauenbewegung“ zurückzuführen sein.[4]

Später wurde Sorge Vorstandsmitglied des Frauen-Vereins Plauen und übernahm die Pressearbeit. In engagierten Artikeln vertrat sie die frauenpolitischen Anliegen des Vereins. Politisch stand sie dem gemäßigten Flügel der deutschen Frauenbewegung nahe.[4] Dieser berief sich auf das Leitbild „Andersartigkeit, aber Gleichwertigkeit und stellte die Pflichten der Frau gegenüber Familie und Staat in den Vordergrund. Demgegenüber übte der zahlenmäßig deutlich kleinere radikale Flügel „scharfe Kritik an der Organisation des Männerstaates“, forderte Selbstbestimmung und Selbstverantwortung und orientierte sich am „Gleichheitsprinzip.[9]

Sorges politisches Engagement spiegelt sich auch in manchen ihrer Gedichte wider, beispielsweise in Morgenröte, das im Gedichtband Frauenlieder (1914) enthalten ist.[4]

Tod und Würdigung

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Sorges Wohnung in Plauen durch Fliegerbomben zerstört. Daraufhin verließ sie die Stadt und zog zunächst nach Eich, anschließend nach Crimmitschau und schließlich nach Schmölln, wo sie am 27. Juli 1946 starb.[4]

In einem Nachruf der lokalen Presse wurde an Sorge als „der fruchtbarsten und anerkanntesten vogtländischen Heimatdichterin“ der letzten Jahrzehnte erinnert.[4]

Werk

Marte Sorge, Porträt aus ihrem Werk Und fing mir einen Sonnenstrahl (1909)

Sorge tritt in ihrem lyrischen und epischen Schaffen als „starke, empfindungsreiche und heimatverbundene Dichterpersönlichkeit hervor.“[1] Neben den Höhen und Tiefen menschlichen Lebens thematisiert sie in ihrem literarischen Werk die vogtländische Natur und Landschaft sowie historische und heimatkundliche Stoffe. Liebe und Tod gehören dabei zu den zentralen Motiven. Naumann führt dies auf den frühen Tod von Sorges Jugendliebe und deren literarische Verarbeitung zurück.[1] In Anlehnung an Heinrich Heine bekannte Sorge: „Aus meinen tiefen Schmerzen mach’ ich die kleinen Lieder.“[4] Sorges Motto war nach Zoellner gleich zu ihren Versen: „Und dies ist mein Gesetz, daß ich muß lieben / Und Wärme strahlen in das weite Sein, / Im Wirbel meiner Kraft versprühn im Schein, / In Millionen Funken ganz verstieben.“ Dies sei die „bestimmende Grundform ihres reichen Schaffens“.[8]

Zwischen 1906 und 1923 veröffentlichte Sorge vier Gedichtbände.[1] Diese enthalten teilweise auch Prosatexte oder Aphorismen. Einige ihrer Gedichte (etwa Notturno, Gruß von dir? und Herz, Du Meer) wurden vertont und wiederholt aufgeführt.[1][10]

Wellen und Wogen (1906)

Wellen und Wogen (1906) von Marte Sorge im Josef Singer Verlag

1906 erschien Sorges literarisches Erstlingswerk Wellen und Wogen im Josef Singer Verlag in Straßburg. Die darin enthaltenen Gedichte sind in die Abschnitte Vom Strand zum Riff, Strandgut, Aus enger Welt und Zypressen gegliedert. Thematisch stehen Liebe und Tod im Mittelpunkt. Dies zeigt sich durch Titel wie Frau Liebe und Liebe oder Tot und Trost. Daneben finden sich heimatliche Gedichte wie Heimkehr, Mandelbäumchen und Volkslied.

Sorge hatte ursprünglich nicht die Absicht, literarisch zu publizieren. Leipziger befreundete Schriftsteller und Verleger hatten sie zur Herausgabe einer ersten Sammlung von Gedichten ermutigt.[11] Im Geleit zu ihrem Band Und fing mir einen Sonnenstrahl (1909) schrieb sie rückblickend zu ihrem Erstlingswerk: „Wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich damals das Manuskript wieder zurückgefordert, aber mein Verleger schrieb mir so ermutigend, daß ich mich darein ergab, wenn auch klopfenden Herzens.“[12]

Nach Naumann wurde Wellen und Wogen „äußerst wohlwollend aufgenommen“.[4] In seinem Nachschlagewerk Sachsens Gelehrte, Künstler und Schriftsteller in Wort und Bild von 1908 bezeichnete Bruno Volger das Erstlinkswerk als „eine Lyrik, die den Stempel des Erlebtseins trägt“[13]. In Bezug auf jene Verse, in denen Sorge soziale Fragen berühre, zeige sie nach einem Rezensenten im Hannoverscher Kurier „eine gewisse, herbe Kraft der Anschauung und des Ausdruckes“, worin „man vielleicht einen Entwicklungswert sehen“ dürfe.[14] Die Dresdner Nachrichten bezeichneten das lyrische Werk als „ein kleines Buch voll tiefer Schönheit und Eigenart“.[15] Auch wirtschaftlich erwies sich das Werk als erfolgreich. So wies das Börsenblatt für den deutschen Buchhandel darauf hin, dass es einen „ganz außergewöhnlich guten Absatz“ erzielt habe.[16]

Und fing mir einen Sonnenstrahl (1909)

Und fing mir einen Sonnenstrahl (1909) von Marte Sorge im Josef Singer Verlag

1909 wurde Sorges Werk Und fing mir einen Sonnenstrahl im Josef Singer Verlag in Straßburg verlegt. Der Band enthält neben Gedichten über Liebe, Tod und Einsamkeit auch zwei kürzere Skizzen mit den Titeln Ein Märchen und Die überflüssige Frau, die unter der Überschrift Silhouetten zusammengefasst sind.

Marte Sorge schrieb zum Geleit ihres Werks: „Und heute sende ich ein neues Buch hinaus. Eine Herzensgeschichte, ein tiefes Erleben in Versen. ‚Aus meinen tiefen Schmerzen mach’ ich die kleinen Lieder‘, sagt einmal Heine. – So sehen mich auch meine Gedichte manchmal an. – Doch wer weiß davon? – Wenn sie nicht alle lachen – ich bitte um Nachsicht.“[17]

Durch dieses zweite literarische Werk wurde Sorge im Lexikon Führer durch die deutsche Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts des Literaturwissenschaftlers Max Geißler erwähnt. Der Eintrag zu ihr besteht aus einer Werksbesprechung dieses Gedichtbandes. Geißler zufolge enthalte ihr Werk „zu viel Konvention“, es fehle an „Ursprünglichkeit“, zugleich besitze es „aber künstlerische[n] Geschmack und Takt“.[18]

In der Rezensionszeitschrift Das Magazin. Monatsschrift für Kunst und Literatur äußerte ein Rezensent, dass Sorge „ein starkes mutbeseeltes Talent“ habe und beide Bände, Wellen und Wogen und Und fing mir einen Sonnenstrahl, man „nur wärmstens empfehlen“ könne.[19]

Frauenlieder (1914)

Frauenlieder (1914) von Marte Sorge im Eugen Diederichs Verlag erschienen

Sorges Gedichtband Frauenlieder erschien 1914 im Eugen Diederichs Verlag in Jena und wurde der Kategorie „Frauenlyrik“ zugeordnet.[20] Die Gedichte thematisieren Liebe und Tod wie bereits ihre früheren Werke. So finden sich auch hier Titel wie Was bin ich dir?, Tot! oder Herz, du Meer. Daneben finden sich heimatliche Gedichte wie Heimkehr, Mandelbäumchen und Volkslied, die aus Sorges Erstlingswerk Wellen und Wogen (1906) übernommen sind.[21]

Die zeitgenössische Rezeption fiel gemischt aus. Die Schriftstellerin Nora Braun kritisierte formale Schwächen wie „unreine Reime“ und bezeichnete die reimlosen Gedichte als „reizlos und ohne fesselnde Rhythmik“. Dem Verleger Eugen Diederichs warf sie vor, mit dem „ganzen Schwergewicht eines sehr bekannten Verlagsnamens“ die öffentliche Wahrnehmung des Werks beeinflusst zu haben.[20] Demgegenüber lobte ein Rezensent im Staatsanzeiger für den Freistaat Sachsen die Frauenlieder als „schmales, aber gehaltvolles Bändchen“, wies jedoch darauf hin, dass Sorge keine „leicht dahinflatternde[n] Strophen“ lägen, weshalb zwei Lieder im Volksliedton „ein wenig seltsam neben den anderen“ stünden.[22]

Die Einordnung des Gedichtbandes zur „Frauenlyrik“ sorgte vor dem Hintergrund der Frauenbewegung für eine kontroverse Rezeption. So deutete der Schweizer Schriftsteller und Verleger Otto Walter den Band in der katholischen Monatszeitschrift Der Gral als künstlerischen Ausdruck „der kranken Psyche jener Art moderner Frauen“, sprach von „Erotisch-Ungebändigte[m]“ sowie „maßlos Leidenschaftliche[m]“ und bezeichnete Sorge als „Vorkämpferin moderner Frauenbewegung“.[23] Gleichzeitig hob er positiv hervor, dass „in ihrem Buche ein paar Lieder sich finden, die nicht nur ethisch edel und gesund, sondern auch von höchster und süßester dichterischer Schönheit“ seien.[23] Walter, der die Zeitschrift Der Gral selbst redigierte, hatte sich „ganz dem konservativen Katholizismus verschrieben“ und vertrat „dezidiert antiliberale Positionen“.[24]

Naumann hebt hervor, dass das im Band enthaltene Gedicht Morgenröte „den machtvollen Aufbruch von Frauen“ zur Verwirklichung eines „neuen, höheren Menschheitsbilds“ beschreibe und ein Bekenntnis Sorges „zur weiblichen Kulturaufgabe“ dokumentiere, das dem gemäßigten Flügel der deutschen Frauenbewegung entsprach: der Forderung nach Gleichberechtigung als Voraussetzung dafür, spezifisch weibliche Fähigkeiten in die Gesellschaft einzubringen und sie zu vervollkommnen.[4]

Klinge mein Herz! (1923)

Klinge mein Herz! (1923) von Marte Sorge im Max Koch Verlag erschienen

1923 erschien Sorges Gedichtband Klinge mein Herz! im Max Koch Verlag. Neben Gedichten enthält der Band kürzere Prosatexte zur Lebensgestaltung mit Titeln wie Glück, Würde oder Einsam sein können. Ergänzt wird die Sammlung durch Aphorismen wie: „Trauer verliert ihre Würde, wo sie zum Selbstbedauern wird.“[25] Manche Gedichte des Bandes wurden vertont. Das darin enthaltene Gedicht Der Brunnen erhielt beim Preisausschreiben der Deutschen Roman-Zeitung den ersten Preis für das beste lyrische Gedicht.[10]

Klinge mein Herz! wurde in die vom Max Koch Verlag herausgegebene neunbändige Buchreihe Bücher von Liebe, Sonne und schönem Menschtum (1919–1925) aufgenommen, in der Sorge neben den Schriftstellern Artur Brausewetter, Alexander von Gleichen-Rußwurm, Leo Koszella und Ernst Stemmann die einzige Autorin war. Die Reihe erreichte eine Gesamtauflage von 270.000 Exemplaren, wovon 200.000 Exemplare auf fünf Bände Brausewetters entfielen. Sorges Band erzielte eine Auflage von 10.000 Exemplaren und lag damit gleichauf mit dem Reihenband Vom gemütvollen Leben von Gleichen-Rußwurm.[26]

Die Schriftstellerin Magda Janssen rezensierte den Band 1924 in der Zeitschrift für Bücherfreunde und hob Sorges „melodische[n] Fluß im Vers“, die „weibliche Inbrunst im Ton“ sowie die „Sinnigkeit im Denken“ hervor. Zwar befleißige sich Sorge „keiner besonders eigenartigen und kraftgesteigerten Note“, aber sie geriete „auch nirgends ins Übertrieben-Heroische oder ins Weinerlich-Sentimentale.“[27]

Rezeption

In den 1920er-Jahren erschienen zahlreiche literarische Beiträge Sorges in lokalen und regionalen Publikationen.[1] Der Leipziger Schriftstellerinnen-Verein nahm sie bereits 1914 anlässlich seines 25-jährigen Bestehens in die herausgegebene Anthologie Dichtung und Prosa von Leipziger Frauen auf. Das Sächsische Dichterbuch (1924) führte sie unter den „älteren klingenden Namen“.[28] 1927 wurde von Sorge eine Novelle über die Neuberin sowie zwei Gedichte, darunter ein preisgekröntes, in die Anthologie Deutscher Frauengeist in Dichtung und Wissenschaft aufgenommen, die ausgewählte Werke führender deutscher Dichterinnen, Schriftstellerinnen und Wissenschaftlerinnen jener Zeit versammelt.[4]

Als Vortragsrednerin trug Sorge eigene Dichtungen vor und erwarb sich damit einen guten Ruf. Ein Bericht über ihren Auftritt im Zweigverein Markneukirchen des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins aus dem Jahr 1912 hebt hervor, dass sie dem Publikum mit dem „tiefempfundenen Vortrag“ ihrer eigenen Werke „einen hohen Genuß“ bereitet habe und als Vortragskünstlerin „anderen Vereinen bestens empfohlen“ werden könne.[29]

Sorges Märchenspiele wurden überwiegend positiv rezensiert. Ihr Märchenspiel Im Reiche der Waldfrau, das 1922 auf der Freilichtbühne in Bad Elster aufgeführt wurde, habe bei „treffsicherer Darstellung (40 Mitwirkender) großen Beifall gefunden.“[30] Besondere Beachtung fand ihr Märchenspiel Die sieben Raben, „das im Dresdner Albertheater bereits 50 Mal mit großem Erfolg gegeben wurde, außerdem aber im Gothaer Landestheater, in Hanau, Ulm, Plauen und auch in Böhmen.“[31]

Nach Naumann gilt Sorge als die „schöpferischste vogtländische Heimatschriftstellerin der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.“[1] Zu ihren Lebzeiten sei sie „eine weithin geschätzte Lyrikerin und Märchenerzählerin, Autorin von Novellen, Essays und Aphorismen sowie engagierte Frauenrechtlerin“ gewesen.[4]

Literatur

Wissenschaftliche Literatur:

  • Ingrid Bigler-Marschall: Sorge, Marte. In: Hubert Herkommer / Carl Ludwig Lang (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisch-bibliographisches Handbuch. Band 18, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bern [u. a.]: Saur 1998, S. 331.
  • Doris Naumann: Annäherung an eine tote Dichterin - zur Erinnerung an Marte Sorge. In: Curt Röder (Hrsg.): Das Vogtland-Jahrbuch. 14. Jahrgang. Vogtländischer Heimatverlag Reupert, Plauen i. V. 1997, S. 58–60.
  • Doris Naumann: Marte Sorge. In: Verein für vogtländische Geschichte, Volks- und Landeskunde e. V. (Hrsg.), Berühmte Vogtländer. Band 2. Verein für vogtländische Geschichte, Volks- und Landeskunde, Plauen 1999, S. 91.
  • Doris Naumann: Marte Sorge. In: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (Hrsg.): Sächsische Biografie, 14. Februar 2005, https://saebi.isgv.de/biografie/22603 [Zugriff am 22. Februar 2026].

Lexika und Nachschlagewerke (20. Jh.):

Literaturgeschichtliche Darstellungen (20. Jh.):

Einzelnachweise

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