Martha Behrbohm

deutsche Flugpionierin From Wikipedia, the free encyclopedia

Martha Marie Wilhelmine Paula Behrbohm, verheiratete Georgi (geboren am 6. Oktober 1888 in Schwerin, gestorben 1970 in Füssen), war eine deutsche Flugtechnikerin, Pilotin und Fluglehrerin. Sie war 1913 erst die dritte deutsche Frau nach Charlotte Möhring und Melli Beese, die eine deutsche Fluglizenz erhielt.[1]

Schwarz-weiß-Foto einer Frau im dunklen Kleid mit Hut in einem Propellerflugzeug
Martha Behrbohm in ihrem Grade-Eindecker in Leipzig-Mockau (1913)

Leben und Wirken

Martha Behrbohm verbrachte ihre Kindheit in Schwerin. Ihre Eltern waren Wilhelmine „Minna“ Behrbohm (geboren am 12. April 1863 in Schwerin) und der Porzellanmaler Johannes Paul Wilhelm Martin Heinrich Behrbohm (1861–1954). Sie hatte zwei jüngere Geschwister, Margarethe, genannt Gretchen, geboren am 13. April 1890, und den am 17. November 1891 geborenen Bruder Johannes. Die Familie zog um 1900 nach Berlin, wo der Vater in der Berliner Porzellanmanufaktur arbeitete und als Kunstmaler tätig war.

Dort nahm Martha Behrbohm zunächst Flugunterricht bei Paul Schwandt, einem Schüler Hans Grades, auf dem Flugplatz Berlin-Johannisthal. Unterstützung in ihrem Wunsch erhielt sie von ihrem Vater, der sich für den neuen Sport begeisterte und erster Vorsitzender des Berliner Flugsportvereins war.[2] Ende des Jahres 1912 wechselte sie zu Grade, bei dem sie ihre Ausbildung beendete. Anders als Robert Thelen, der sich nach ihrem Übungsabsturz aus geringer Höhe weigerte, Melli Beese weiter zu unterrichten, mit der Argumentation, Frauen brächten Unglück, war bei Hans Grade ein deutlich höheres Bemühen um die Ausbildung von Frauen zu Flugzeugführerinnen erkennbar.[3] Sie erhielt am 4. Juni 1913 die Fluglizenz mit der Nummer 427.[4] Auf dem Flugplatz Bork bei Potsdam, dem heutigen Borkheide, lernte sie ihren Mitschüler Hans Georgi kennen und lieben. Georgi hatte Flugunterricht bei Oswald Kahnt in Lindenthal genommen, ebenfalls einem Grade-Schüler, und absolvierte seine Prüfungsflüge in Bork. Sie heirateten noch im Jahr 1913 und eröffneten nach dem Erwerb von zwei Grade-Eindeckern am 22. August 1913 in Leipzig-Mockau eine eigene Flugschule als „fliegendes Ehepaar“,[5.1] die jedoch unter Martha Behrbohms Namen als Flugunternehmen Martha Behrbohm registriert war.[6]

Zu diesem Zeitpunkt gab es nur zwei weitere Flug-Ehepaare: Melli Beese und Charles Boutard sowie Charlotte Möhring und Georg Mürau. Behrbohm und Georgi hatten Expansionspläne: sie wollten ein weiteres Flugzeug anschaffen und einen dritten Lehrer anstellen, doch hatte sich zur Zeit der Eröffnung ihrer Flugschule die Konkurrenz deutlich erhöht, was dazu führte, dass sich diese Pläne nicht realisieren ließen.[5.2] Bei Kriegsbeginn mussten sie ihre Schule schließen. Hans Georgi starb bereits 1928 an den Folgen einer Kriegsverletzung.[7]

Das Paar hatte eine Tochter, Lieselotte Georgi (verheiratete Wassermann), die am 16. Juli 1920 in Leipzig zur Welt kam. Nach dem Vorbild ihrer Eltern begeisterte auch sie sich für das Fliegen.[8.1] Einem bebilderten Bericht der nationalsozialistischen Wochenillustrierte Illustrierter Beobachter zufolge, war sie mit 18 Jahren die jüngste Pilotin Deutschlands. Nach einer Sportflugausbildung im Jahr 1938 erhielt sie 1939 den Kunstflugschein.[8.2] Wie Beate Uhse war sie ab 1944 im Flugzeugüberführungsgeschwader 1, Überführungsgruppe Mitte der Deutschen Wehrmacht tätig.[8.3] Liselotte starb am 30. September 1982 in Hohenschwangau. Der 1955 geborene Mediziner und bildende Künstler Hans Vinzenz Behrbohm aus Berlin, auch bekannt als Bühnenarzt von Mick Jagger, Rammstein und Udo Lindenberg,[9] ist ein Großneffe Martha Behrbohms. Er fertigte eine Pastellzeichnung auf Leinwand von ihr an, die den Titel Tante Martha trägt und Teil der Werkreihe Große Freiheit ist.[10]

Literatur

  • Günter Schmitt: Die Ladys in den fliegenden Kisten. Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1993, ISBN 978-3-89488-053-8, S. 90–91.
  • Eileen F. Lebow: Before Amelia: Women Pilots in the Early Days of Aviation. Brassey’s, London 2002, ISBN 978-1-57488-482-1.
  • Jörg-M. Hormann, Evelyn Zegenhagen: Deutsche Luftfahrtpioniere. 1900–1950. Delius Klasing, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-7688-2484-2, S. 21–23.
  • Evelyn Zegenhagen: „Schneidige deutsche Mädel“: Fliegerinnen zwischen 1918 und 1945 (= Abhandlungen und Berichte / Deutsches Museum. 22). Wallstein, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0179-5.
  • Ernst Probst: Königinnen der Lüfte in Deutschland. Biografien berühmter Fliegerinnen, Ballonfahrerinnen, Luftschifferinnen und Fallschirmspringerinnen. Grin Verlag, München 2010, ISBN 978-3-640-67757-3, S. 161.
Commons: Martha Behrbohm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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