Martin Ehrenhauser

österreichischer Politiker, ehemaliges MdEP From Wikipedia, the free encyclopedia

Martin Ehrenhauser (* 18. September 1978 in Linz) ist ein österreichischer Schriftsteller und ehemaliger Politiker.[1][2][3] Er war von 2009 bis 2014 fraktionsloses Mitglied des Europäischen Parlaments und zur Europawahl 2014 Spitzenkandidat von Europa anders.[2]

Martin Ehrenhauser (2014)

Lebenslauf

Nach einer Kochlehre und anschließender Berufstätigkeit als Koch studierte Martin Ehrenhauser von 2001 bis 2005[4] Betriebswirtschaftslehre an der Universität Linz und von 2003 bis 2007[3] Politikwissenschaft in Innsbruck und Loughborough. Danach war er bis 2009[3] als Büroleiter von Hans-Peter Martin im Europäischen Parlament tätig. Martin Ehrenhauser ist verheiratet und hat drei Töchter.[5]

Politische Laufbahn

Seine politische Karriere begann Martin Ehrenhauser 2005 als Bundesmandatar der Österreichischen Hochschülerschaft für das Liberale Studenten Forum (LSF).

Europawahl 2009

Bei der Europawahl in Österreich 2009 war Ehrenhauser auf Platz vier der Wahlliste Liste Dr. Martin platziert,[6] zog allerdings, obwohl die Liste nur drei Mandate erhielt, durch den Verzicht zweier anderer Kandidaten in das Europäische Parlament ein. Von den Medien wurde dies kritisch gesehen, besonders weil die Verzichtenden später von Ehrenhauser als Assistenten angestellt wurden.[7]

Mandatszeit im Europäischen Parlament

Bei der Europawahl in Österreich 2009 zog Ehrenhauser als parteifreier Kandidat für die Wahlliste Liste Dr. Martin ein.[8] Er war einer der jüngsten Mitglieder des Europäischen Parlaments. Er war von Juli 2009 bis Juli 2014 fraktionsfreies Mitglied des Europäischen Parlaments.[9] Ehrenhauser war Mitglied im Ausschuss für Haushaltskontrolle und Stellvertreter im Unterausschuss Sicherheit und Verteidigung sowie in der Delegation für die Beziehungen zur Islamischen Republik Iran.[2]

Ehrenhauser war darüber hinaus Mitglied der Hochrangigen Arbeitsgruppe des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission zur Reform des EU-Transparenzregisters[10] und EU-Wahlbeobachter im Sudan beim Unabhängigkeitsreferendum des Südsudans.[11]

Martin Ehrenhauser war 2012 Berichterstatter für eine Entschließung des Parlaments zur Verwaltung der humanitären Hilfsmittel der EU.[12] und eines Berichtes zur Entlastung des Europäischen Entwicklungsfonds (EEF)[13] Ehrenhauser initiierte eine schriftliche Erklärung zum Thema Korruption, diese scheiterte allerdings daran, dass er im Parlament keine Unterstützung fand.[14]

Bruch mit Martin

Im April 2011 erstattet Ehrenhauser Strafanzeige gegen Hans-Peter Martin wegen Verdacht auf Betrug, Untreue und Fördergeldmissbrauch.

Darüber hinaus stellte Ehrenhauser einen Antrag auf Suspendierung von Hans-Peter Martin als Vorsitzender der Delegation der Liste Martin. Martin löste daraufhin die Delegation der Liste Martin im EU-Parlament auf.[15]

Als Reaktion auf die Anzeige stellte Hans-Peter Martin Strafanzeige gegen Ehrenhauser, unter anderem wegen des Verdachts auf widerrechtlichen Zugriff auf ein Computersystem.[16] Kurz nach der Immunitätsaufhebung Ehrenhausers stellte die Staatsanwaltschaft jedoch die Ermittlungen ein.

Im November 2011 wurde darüber hinaus die Magisterarbeit Martin Ehrenhausers im Wiki der Initiative Transparente Wissenschaft auf Plagiate untersucht. Die Universität Innsbruck leitete daraufhin eine offizielle Untersuchung ein.[17] Sie wurde im August 2012 konsequenzenlos eingestellt,[18] Ehrenhauser veröffentlichte ein Dokument, dem zufolge ein parlamentarischer Mitarbeiter Hans-Peter Martins beim Rektorat die Untersuchung eingefordert hatte.[19][20]

Die Oberstaatsanwaltschaft Wien hat die Ermittlungen gegen Hans-Peter Martin im Januar 2015 eingestellt. Gleichzeitig kündigte Hans-Peter Martin an, er wolle rechtliche Schritte gegen Martin Ehrenhauser einleiten.[21]

Europawahl 2014

Martin Ehrenhauser kandidierte bei der Europawahl 2014 als parteiunabhängiger Spitzenkandidat für das Wahlbündnis Europa anders.[22] Mit 35 Jahren war er der jüngste Spitzenkandidat.[23] Am 13. April 2014 verließ Ehrenhauser als Protest gegen die Bankenrettung und die Sparpolitik die politische Live-Diskussionssendung Pressestunde zur EU-Wahl im ORF,[24] und demonstrierte für mehrere Wochen im Freien am Ballhausplatz.[25] Das Wahlbündnis erreichte bei der EU-Wahl 2,1 Prozent der Wählerstimmen und schaffte damit nicht den Einzug ins Europäische Parlament[22].

Politische Positionen

Martin Ehrenhauser bezeichnet sich als Befürworter der europäischen Idee, betrachtet die realpolitische Umsetzung in Form der Europäischen Union jedoch sehr kritisch. Er spricht sich für eine Reform der EU aus, an dessen Beginn ein Konvent stehen sollte.[26]

Ehrenhauser ist Mitunterzeichner der Verfassungsklage gegen die Vorratsdatenspeicherung.[27]

Er forderte einen humanistischen Umgang mit der digitalen Identität und sprach sich in einem offenen Brief an den US-Botschafter in Österreich gegen das Überwachungsprogramm PRISM aus.[28] Ein paar Monate später deckte Ehrenhauser gemeinsam mit der Financial Times Deutschland das SWIFT-Datenleck auf. Entgegen den Behauptungen der Politik, dass keine innereuropäischen Bankdaten vom SWIFT-Abkommen betroffen sind, wurde bewiesen, dass das SWIFT-Abkommen auch auf diese Zugriff erlaubt. Auf Ehrenhausers Anfrage hin hatte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström die Differenzierung zwischen SEPA- und Swiftnet-Fin-Daten angedeutet.[29]

Publikationen

Belletristik

Der Liebende ist das Romandebüt von Martin Ehrenhauser und erschien 2023 bei Ullstein Buchverlage, sowie als Hörbuch bei Hörbuch Hamburg. Die Geschichte spielt in Brüssel und Knokke und handelt von dem emeritierten Priester Josef Haslinger und der pensionierten belgischen Diplomatin Elise Janssen. Ohne es zu wollen, fühle sich beide zueinander hingezogen. Eine zärtliche Liebe beginnt, die rasch in Sterbebegleitung mündet. Der Roman fand internationale Medienresonanz: Belgischer Rundfunk,[30] Brigitte,[31] ORF,[32] APA,[33] Wilhelmshavener Zeitung[34] und mehr berichteten.

Unsere Suche nach Zärtlichkeit ist der zweite Roman von Martin Ehrenhauser und erschien 2025 bei Ullstein Buchverlage, sowie als Hörbuch bei Hörbuch Hamburg. Im Zentrum der Geschichte steht der ehrenamtliche Telefonseelsorger Sebastien Dumont, der tiefberührt vom Anruf einer Frau spontan entschließt, von Brüssel in das südfranzösische Antibes zu reisen. An der Côte d’Azur verliebt sich Dumont in Florance, die ihm lange verschweigt, dass sie verheiratete ist und ihren Ehemann zu Hause pflegt, der seit einem Wanderunfall in Südafrika im Wachkoma liegt. Der Roman fand internationale Medienresonanz: Belgischer Rundfunk, APA, ORF, Kirchen Zeitung und mehr berichteten.[35]

Sachliteratur

Die Geldroboter erschien 2018 bei Promedia und ist eine Kritik des Hochfrequenzhandels. "Spannend sind die Details über die Funktionsweise der Geldroboter, die vereinfacht gesagt mit unzähligen Blitztransaktionen, bei denen Wertpapiere mitunter nur für Sekundenbruchteile gehalten werden, ihre Gewinne erzielen. Dass sie sich bei den eingesetzten Strategien oft hart an der Grenze des Erlaubten und mitunter auch jenseits davon bewegen, bleibt freilich nicht unerwähnt. Ebenso, dass aus Ehrenhausers Sicht deren Erträge letzten Endes zulasten anderer Marktteilnehmer gehen", schrieb Der Standard.[36] Das Sachbuch erzielte eine breite Medienresonanz, etwas auf Ö1,[37] Der Freitag[38], Futurezone[39]. Ehrenhauser hielt zum Thema Vorträge, etwa auf der Re:publica[40] und schrieb Gastbeiträge, unter anderem für die Wirtschaftswoche.[41] Das Buch diente als Vorlage für den Dokumentarfilm Money Bots, dessen Drehbuch Ehrenhauser mitschrieb und der auf Arte[42], Amazon Prime und Apple TV[43] ausgestrahlt wurde.

Während seiner Mandatszeit verfasste Ehrenhauser das Buch Die heimliche zweite EU-Bürokratie. Das Buch wurde unter anderem in der Financial Times Deutschland und in der Schweizer Wochenzeitschrift Weltwoche rezipiert.[44] Darüber hinaus gab Ehrenhauser die Aufsatzsammlungen „Demokratie in Gefahr?“ und „Mehr Mut, Bürger“ heraus.[45][46]

Ehrenhauser publizierte auch eine Studie über Lobbyismus der Sicherheitsindustrie in Brüssel. Die Studie zeigt auf, wie die beiden Lobbyorganisationen GESA und EOS eng mit den politischen Entscheidungsträgern verknüpft sind und Entscheidungen beeinflusst werden. Über das Ergebnis der Studie wurde in der taz, dem österreichischen Nachrichtenmagazin profil[1] und der deutschen Wochenzeitung Die Zeit berichtet.[47]

In einer weiteren Fallstudie analysierte Ehrenhauser, wie Großunternehmen, die regelmäßig gegen Gesetze verstoßen, in den Beratungsgremien der Europäischen Kommission politische Entscheidungen beeinflussen.[48]

Bildbände

Gemeinsam mit dem Linzer Fotografen Jürgen Gründwald verfasste Ehrenhauser den Fotoband „Offstage“. Dieser vermittelt Einblicke „Hinter den Kulissen des Europäischen Parlaments“.[49] Die Bilder wurden 2014 mit dem „Out of the Box Award“ prämiert.[50]

Werke

Belletristik

Hörbuchfassungen seiner belletristischen Werke

Sachliteratur

Drehbücher

Bildbände

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI