Martin Görner
deutscher Naturforscher
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Martin Görner (* 29. Oktober 1943 in Jena[1]; † 13. Dezember 2025[2]) war ein deutscher Forstwissenschaftler, der zu Themen des Natur- und Artenschutzes forschte und publizierte.
Martin Görner
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Leben
Martin Görner wurde in Jena geboren und wuchs dort auf. Sein Vater fiel 1944 im Zweiten Weltkrieg. Görner erlernte den Beruf eines Metalldrückers bei Carl Zeiss in Jena und arbeitete einige Zeit in diesem Beruf.[1]
Parallel engagierte er sich für den lokalen Naturschutz, unter anderem in der Jenaer Naturschutzkommission. Am Institut für Landschaftsforschung und Naturschutz Halle, Zweigstelle Jena (ILN Jena) arbeitete er ab 1968 bis 1991 als wissenschaftlich-technischer Assistent.[3] Im Fernstudium schloss er 1976 an der Fachschule für Forstwirtschaft in Schwarzburg ein Fachstudium als Forstingenieur erfolgreich ab.[1]
1991 gründete Görner das Büro für Landschaftsökologie, Natur- und Artenschutz in Jena und leitete es seitdem.[3]
Am 1. Februar 2017 wurde Görner für seine Verdienste in der Thüringer Staatskanzlei mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.[4][5]
Am 15. Dezember 2025 vermeldete der Landesjagdverband Thüringen den Tod Görners.[6]
Wirken im Natur- und Artenschutz
Ab 1961 setzte sich Görner für den Schutz der Uhus ein, deren Bestand in Thüringen in den 1950er Jahren auf sieben Exemplare zurückgegangen war. In Abstimmung mit der Vogelwarte Hiddensee beringte er ab 1969 über die nächsten 45 Jahre mehr als 1000 Junguhus im Gebiet der heutigen Bundesländer Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Dadurch konnte der Uhubestand in Mitteldeutschland langfristig erforscht und beobachtet werden und die Population unter anderem durch von Görner angeregten, gezielten Schutz von Horstplätzen auf heute nahezu 100 Brutpaare allein in Thüringen anwachsen.[1]
1962 wurde Görner zum Naturschutzbeauftragten von Jena berufen und blieb dies bis 1971. Von 1970 bis 1976 war er Naturschutzbeauftragter des Bezirkes Gera.[3]
Seit Ende der 1970er Jahre publizierte Görner mehrfach zum Thema Uhuschutz, erstmals 1977 mit dem Sonderheft Der Uhu und sein Schutz in Thüringen. Nachfolgend veröffentlichte er mehrere ornithologische Texte in der Reihe Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen.[1] Sein 1987 im Urania-Verlag in der DDR gemeinsam mit Hans Hackethal veröffentlichtes Sachbuch Säugetiere Europas: Beobachten und bestimmen wurde 1988 als Lizenzausgabe auch in der Bundesrepublik herausgegeben.[7]
Anfang der 1980er Jahre gelang ihm über das ILN Jena die Gründung einer überbezirklichen Arbeitsgruppe Artenschutz für die drei DDR-Bezirke Erfurt, Gera und Suhl. Im April 1990 wurde daraus die Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e. V. (AAT), deren Leitung Görner bis zu seinem Tod innehatte.[1] Mit dem AAT setzte sich Görner unter anderem gegen die Errichtung von Windkraftanlagen in Wäldern ein.[8] Wiederholt mahnte Görner an, den Artenschutz nicht nur auf einzelne Arten wie Wölfe und Wildkatzen zu richten.[9] 2018 forderte er angesichts sinkender Bestände, den Uhu wieder auf die Rote Liste vom Aussterben bedrohter Arten Deutschlands zu setzen.[10] 2019 unterstützte er die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag mit der Veröffentlichung Klima und Wald : eine aktuelle Betrachtung zum Lebensraum Wald im Kampf gegen Windkraftanlagen in Wäldern.[11]
Bis 2025 veröffentlichte Görner mehr als 150 Beiträge in zoologischen, naturschutzrelevanten, jagdlichen und forstlichen Publikationsorganen.[1]
Werke (Auswahl)
- Jena und sein Saaletal, Kessler, Jena, 1968
- Die Naturschutzgebiete der Bezirke Erfurt, Suhl und Gera, Urania-Verlag, Leipzig, 1984
- mit Hans Hackethal: Die Säugetiere Europas, Verlag Neumann, Leipzig, 1987
- mit Hans Hackethal: Die Säugetiere Europas, Deutscher Taschenbuch-Verlag / Eugen Ulmer, München, Stuttgart, 1988
- mit Bernd Gerken: Neue Modelle zu Maßnahmen der Landschaftsentwicklung mit großen Pflanzenfressern – praktische Erfahrungen bei der Umsetzung Natur- und Kulturlandschaft, 4, AAT Thüringen 2000, ISBN 3-934802-05-2
- Atlas der Säugetiere Thüringens : Biologie, Lebensräume, Verbreitung, Gefährdung, Schutz, AAT, Jena 2009
- Die Gewässer Thüringens, AAT, Jena 2011
- Thüringen : Wald und Wild, Gewässer und Fische, Landschaften und Arten, AAT, Jena 2015
- Bernshäuser Kutte im Biosphärenreservat Rhön: die Entwicklung eines Naturschutzgebietes in 70 Jahren, AAT, Jena 2015
- Die Ulster im Biosphärenreservat Rhön: ein ehemaliger Grenzfluss, AAT, Jena 2016
- Der Uhu – Neue Brehm-Bücherei, Militzke Verlag GmbH, Magdeburg 2025, ISBN 978-3-89432-120-8
Literatur
- H. Behrens: Naturschutzgeschichte Thüringens (Lexikon der Naturschutzbeauftragten, Band 4), Berlin 2015, Seiten 556–565.
- H. Behrens, J. Hoffmann (Hrsg.): Naturschutzgeschichte(n) – Lebenswege zwischen Ostseeküste und Erzgebirge Friedland, 2013
- Institut für Umweltgeschichte und Regionalentwicklung e.V. (Hrsg.), Lutz Reichhoff & Uwe Wegener (Bearb.): ILN. Institut für Landschaftsforschung und Naturschutz Halle. Forschungsgeschichte des ersten deutschen Naturschutzinstituts, Berlin 2016