Martin Stelzer

deutsch-böhmischer Architekt From Wikipedia, the free encyclopedia

Martin Stelzer (* 30. Januar 1815 in Dobrzan; † 3. August 1894 in Pilsen) war ein deutsch-böhmischer Baumeister und Bauunternehmer in Pilsen. Er war einer der bedeutendsten Pilsner Baumeister des 19. Jahrhunderts, der viele Bauten, Häuserblöcke und ganze Straßenzüge errichtet hat und heute fast in Vergessenheit geraten ist.[1][2][3][4]

Baumeister Martin Stelzer

Familie und Wirken

Martin Stelzer wurde in Dobrzan (Dobřany) bei Pilsen als Sohn eines Gerbers geboren und hatte sechs Geschwister. Im Alter von 11 Jahren ging er nach Pilsen und erlernte das Maurerhandwerk. Im Jahr 1837 heiratete er Magdalena Schumann (1817/18–1855), die Tochter eines Pilsner Webers, und hatte mit ihr sechs Kinder. Sein erstgeborener Sohn Ferdinand Stelzer (1840–1880) wurde ebenfalls Baumeister.[5] In zweiter Ehe mit Anna Valentová (1816–1882) verheiratet, wurde sein Sohn František Stelzer (1859–1926) geboren.[6]

Dessen Nachkommen waren die Erben seines umfangreichen Besitzes: Häuser, Braurechte, Landbesitz und das Schloss Prichowitz (Příchovice u Přeštic). Sein Enkel Otto Stelzer (1885–1965) wurde nach der kommunistischen Machtübernahme enteignet und der Besitz 1993 nach der Samtenen Revolution wieder restituiert.[2][7] Erben sind die Ururenkel des Baumeisters: Petr Stelzer (* 1955) und Pavel Stelzer (* 1950). Letzterer ist der Herausgeber der Familienchronik.[3]

Symbolische Grabstätte des bedeutenden Pilsner Baumeisters Martin Stelzer und der Familie auf dem Zentralfriedhof Pilsen

Martin Stelzer baute u. a. die Brauerei Měšťanský pivovar (Bürgerliches Brauhaus) in Pilsen und die Erste Pilsener Aktienbrauerei, die nach dem Zweiten Weltkrieg zusammengeschlossen wurden und heute die Biersorten Pilsner Urquell (tschech. Plzeňský Prazdroj) und Gambrinus brauen. Zu seinen bedeutendsten Bauten zählen die Alte (Kleine) Synagoge in Pilsen, das 1977 abgerissene Deutsche Theater in der Goethe-Straße, eine Maschinenfabrik mit Gießerei für František Belani (1815–1882) und die gekrümmte, steinerne sogenannte Sächsische Brücke (tschech. Saský most) über die Mies (Mže) im Vorort Raudna (Roudná). In Konstantinovy Lázně baute er das Kurhaus Konstantinsbad.

Bei einer Studienreise nach Vilshofen in Niederbayern, wo er die Bauweise von Brauereien erkunden wollte, soll sich Stelzer laut der Familienlegende mit dem Sohn des dortigen Braumeisters, Joseph Groll, angefreundet haben und diesen überredet haben, als Braumeister der neuen Brauerei nach Pilsen zu kommen, wo Groll das berühmte Pilsner Bier entwickelte.[3]

Stelzer starb 1894 in Pilsen und wurde auf dem St.-Nikolaus-Friedhof (tschech. Mikulášský hřbitov) begraben. Seine Grabstätte wurde allerdings 1967 bei der Verkleinerung des historischen Friedhofs zerstört. Eine symbolische Grabstätte mit Grabdenkmal befindet sich jetzt in der Arkadenhalle bei der Wenzelskapelle auf dem Pilsner Zentralfriedhof.[8]

Bauten

Martin Stelzer und sein Unternehmen errichteten in Pilsen etwa 400 Gebäude, Häuserblöcke und ganze Straßenzüge, insbesondere außerhalb der alten Stadtmauer in den heutigen Straßen Americká, Goethova, Resslova, Prokopova und Martinská. Er war damit einer der größten Baumeister des 19. Jahrhunderts in Pilsen. Sein Wohnsitz war im Haus Martinská 158/4 bzw. Resslova 378/2 Ecke Americká.[9] Die neu erbaute Martinská-Straße in der Pilsner Südvorstadt (tschech. Jižní Předměstí), in der sich sein Firmensitz befand (Martinská 2965/7), wurde bereits 1857 nach dem Baumeister Martin (Stelzer) benannt.[1][10]

  • Bürgerliches Brauhaus in Pilsen „Prazdroj“ (1839–1842)
  • Erweiterungsbauten der Brauerei von 1849 bis 1870 (u. a. Gärkeller und Böttcherei)
  • Erste Pilsener Aktienbrauerei „Gambrinus“ in Pilsen, U Prazdroje (1869)[11]
  • Stadtbrauerei in Dobrzan (Dobřany), Náměstí T. G. M. (1873)[12]
  • Kurhaus in Konstantinsbad (Konstantinovy Lázně) (1873/74), jetzt Hotel Prusík
  • Neubau der Sächsischen Brücke (1848–1850) in Pilsen nach einem Entwurf von Christian Lexa und Martin Stelzer, ursprünglich eine vierbogige Steinerne Brücke, 1888/89 erneuert[13]
  • Alte Synagoge in Pilsen (1857–1859), nach Entwurf von Martin Stelzer vom Pilsner Baumeister W. Wiesner errichtet
  • Maschinenfabrik der Gebrüder František und Josef Belani in Pilsen (1867)
  • Deutsches Haus (1866), nach Entwurf von Martin Stelzer[14]
  • Deutsches Theater (1868/69), errichtet von Martin Stelzer nach einem Entwurf des Prager Architekten Josef Niklas (1817–1877)[15]

Galerie von ausgeführten Bauten

Literatur

  • Jan Drnek, Oto Brachtel, Pavel Stelzer: Martin Stelzer - příběh plzeňského stavitele a jeho rodu (Die Geschichte eines Pilsener Bauunternehmers und seiner Familie), Plzeň, Verl. Pavel Stelzer, 2021, 110 S., ISBN 978-80-11-00301-2
Commons: Martin Stelzer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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