Mary Neal

englisch-britische Sozialarbeiterin, Suffragette und Sammlerin von englischen Volkstänzen From Wikipedia, the free encyclopedia

Mary Neal, geborene Clara Sophia Neal (* 5. Juni 1860 in Edgbaston, Birmingham; † 22. Juni 1944 in Peaslake, Shere, Surrey) war eine englisch-britische Sozialarbeiterin, Suffragette und Sammlerin von englischen Volkstänzen.

Leben

Neal war die Tochter von David Neal (1834–1918), einem Knopffabrikanten,[1] und Sarah Anne Neal, geborene Smith (1834–1914). Sie hatte zwei jüngere Brüder, Arthur James (1862–1892) und Theodore David (1864–1939).[2]

1888 begann sie mit ehrenamtlicher sozialer Arbeit bei der West London Methodist Mission von Hugh Price Hughes und half den Armen von Soho, Fitzrovia und Marylebone in London; dabei nahm sie den Namen „Sister Mary“ an. Neal gründete und leitete einen „Club for Working Girls“ in der Cleveland Hall der Mission und schrieb außerdem für das Mission Magazine.[1] Nach Emmeline Pethick-Lawrence, die mit ihr in dem Mädchenclub arbeitete, hatte Neal „einen ausgeprägten Sinn für Humor und eine tiefe Abneigung gegen Irrealität; außerdem eine scharfe Zunge“.[3] Über den „Club for Working Girls“ sagte Neal:

„No words can express the passionate longing which I have to bring some of the beautiful things of life within easy reach of the girls who earn their living by the sweat of their brow […] If these Clubs are up to the ideal which we have in view, they will be living schools for working women, who will be instrumental in the near future, in altering the conditions of the class they represent.“

„Keine Worte können die leidenschaftliche Sehnsucht ausdrücken, die ich habe, einige der schönen Dinge des Lebens in die unmittelbare Reichweite der Mädchen zu bringen, die ihren Lebensunterhalt im Schweiße ihres Angesichts verdienen […] Wenn diese Clubs dem Ideal entsprechen, das wir vor Augen haben, werden sie lebendige Schulen für arbeitende Frauen sein, die in naher Zukunft maßgeblich dazu beitragen werden, die Bedingungen der Klasse zu verändern, die sie vertreten.“

Mary Neal[1]

Der „Club for Working Girls“ war ein großer Erfolg, doch im Herbst 1895 verließen Neal und Pethick‑Lawrence die Mission und gründeten den Espérance Club für Mädchen in St Pancras, da sie den institutionellen Beschränkungen der Mission entkommen und mit Tanz und Drama experimentieren wollten.[1] Sie gründeten außerdem den Schneidereibetrieb Maison Espérance, um Arbeitsplätze zu schaffen.[4]

1905 lernte Neal Cecil James Sharp am Hampstead Conservatoire kennen. Sharp hatte auf dem Boxing Day 1899 den Morris dance entdeckt und betrieb seitdem seine Wiederbelebung. Neal sah in der Volksmusik einen Weg, dass dadurch die arbeitenden Mädchen und jungen Frauen Londons ihr kulturelles Erbe zurückgewinnen könnten. Die Mädchen und Frauen des Espérance Club wurden gefragte Lehrerinnen für Volksmusik in London und traten zudem bei mehreren öffentlichen Aufführungen in London auf.[1] Sharp und Neal sammelten in der Folge Volkstänze. Die Wiederbelebung des Morris dance gilt als eng verknüpft mit der militanten Suffragetten-Bewegung.[5]

1925 kauften Neal und Lily Montagu, die einen Club für jüdische arbeitende Mädchen unterstützte, ein Haus in Littlehampton, Sussex, nannten es Green Bushes[6] und nutzten es als Ferienhaus für Mädchen. Zudem reiste Neal zwischen 1910 und Anfang 1912 in die Vereinigten Staaten, um Volkstanz zu fördern.[3]

Neal wurde Sozialistin und folgte Keir Hardie und Edward Carpenter. 1899 nahm sie am Londoner International Congress of Women teil. 1906 gingen Neal und Pethick‑Lawrence zu einem Treffen im Haus von Sylvia Pankhurst in Chelsea, bei dem die Women’s Social and Political Union (WSPU) gegründet wurde. Neal trat der WSPU bei. Im Februar 1914 schloss sie sich den United Suffragists an, einer gemischten Gruppe von Frauen, Männern, Militanten und Nicht‑Militanten, die unter anderem von Agnes Harben gegründet worden war.[3]

Neal war ein führendes Mitglied der Jugendorganisation Kibbo Kift, einer Abspaltung von der Pfadfinderbewegung.[7] 1934 wurde sie Friedensrichterin (Justice of the Peace) in West Sussex, befasste sich mit Jugenddelinquenz und wurde außerdem Mitglied der Howard League for Penal Reform. Ihre Verdienste um die englische Volkslied‑ und Volkstanzbewegung führten dazu, dass sie 1937 zur Commander of the Order of the British Empire (CBE) ernannt wurde.[7]

Neal verstarb 1944 in Peaslake, Shere, Surrey[8]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Set to Music. Association for the Revival and Practice of Folk Music, London 1908.
  • The Espérance Morris Book, Part I: A Manual of Morris Dances, Folk-songs, and Singing Games. J. Curwen & Sons, London 1910 (archive.org).
  • Folk-Art. In: Reginald Ramsden Buckley (Hrsg.): The Shakespeare Revival and the Stratford-upon-Avon Movement. George Allen & Sons, London 1911, S. 191–230 (archive.org).
  • Mit Frank Kidson: English Folk-Song and Dance. Cambridge University Press, Cambridge 1915, ISBN 978-1-107-69825-3 (google.com).

Einzelnachweise

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