Massenhochzeit

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Eine Massenhochzeit ist eine Eheschließung, bei der mehrere Paare gleichzeitig verheiratet werden. Sie finden vorwiegend in Ländern Asiens und Lateinamerikas statt, oft um die Hochzeitskosten der einzelnen Familien zu reduzieren.[1]

Massenhochzeit der Mun-Sekte

Geschichte

Zu den ersten bekannten Hochzeiten dieser Art gehört die Massenhochzeit von Susa im Jahr 324 v. Chr., eine fünftägige Heiratszeremonie in der persischen Metropole Susa, die von Alexander dem Großen veranstaltet wurde und bei der er selbst und etwa 80 seiner führenden Gefolgsleute Ehen mit vornehmen Perserinnen schlossen, um Frieden zwischen Griechen und Persern zu schließen.

Während der Han-Dynastie führten chinesische Beamte in Vietnam Massenhochzeiten mit bis zu 1000 Paaren durch, weil ihnen die Hochzeitszeremonien der Vietnamesen nicht gefielen.[2] Von Chiang Kai-sheks New Life Movement wurden in den 1930er Jahren auch in China Massenhochzeiten „stark empfohlen“, mit der Aufforderung an das Volk, leichtfertige Ausgaben zu reduzieren und stattdessen die Ressourcen in produktive Aktivitäten zu stecken.[3]

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden in Berlin Massentrauungen durchgeführt, als Ausdruck authentischer Rechristianisierung nach der „gottlosen roten Weimarer Republikzeit“, wie beispielsweise 1933 in einer Kirche in Schöneberg, wo 54 SA-Hochzeitspaare gemeinsam getraut wurden. Noch im selben Jahr wurden diese Massenhochzeiten nach einer NSDAP-Gauleitertagung untersagt. Es dürfe keine Propaganda und keine Rekordhascherei mit „heiligen Handlungen“ betrieben werden.[4] In der DDR wurden von den Stadtverwaltungen ebenfalls Massenhochzeiten durchgeführt, um den Hochzeitszeremonien einen sozialistischen Anstrich zu geben.[5]

Die von den Roten Khmer in Kambodscha in den 1970er Jahren durchgeführten Massenhochzeiten, an denen die Familienangehörigen nicht teilnehmen durften, sollten nicht die Verbindung zweier Individuen oder Familien repräsentieren, sondern die Aufmerksamkeit auf den Staat und die Revolution lenken. Im Gegensatz zu traditionellen kambodschanischen Hochzeiten waren die Brautpaare nicht in bunte Kleider gehüllt, sondern trugen nur schwarze Kleidung. Die Zeremonie fand auch ohne den üblichen Tanz und die Musik statt.[6]

Im Iran finden nach islamischer Tradition auch Kinderhochzeiten statt, bei denen nach offiziellen Statistiken jährlich mehrere zehntausend Mädchen unter 15 Jahren von ihren Eltern verheiratet werden, darunter auch als Massenveranstaltungen. Nach lokalen Medienberichten wurden im März 2016 in der Stadt Parsian 50 Schülerinnen bei einer Massenhochzeit getraut.[7]

In den Ländern des Nahen Ostens, wo traditionell extravagante Hochzeiten üblich sind, da die Höhe der Hochzeitskosten den Status der Familie bestimmt, die Familien sich damit einander übertreffen wollen und dafür oft hoch verschulden, werden von den Regierungen Massenhochzeiten organisiert, um die Kosten einzudämmen.[8]

In Georgien werden seit 2014 jährlich von der Georgischen Orthodoxen Kirche an dem von ihr zum „Family Purity Day“ erklärten 17. Mai mit Märschen und Motorradkorsos durch Tiflis auch Massenhochzeiten in Kirchen durchgeführt, um „die heterosexuelle christliche Ehe“ zu fördern.[9][10]

In Russland werden nach dem russischen Überfall auf die Ukraine seit 2022 im staatlichen Fernsehen Massenhochzeiten zwischen frisch einberufenen Soldaten und jungen Frauen gezeigt, die sie erst kurz zuvor kennengelernt und dazu überredet haben, sie zu heiraten, um dadurch nach deren Tod „Sarggeld“ zu erhalten.[11]

Große Massenhochzeiten

  • Zu den größten Massenhochzeiten gehörte 1992 die Trauung von über 20.000 Paaren der Mun-Sekte im Olympiastadion Seoul in Südkorea.[12]
  • In der Silvesternacht 2000 gab es in Beijing und Bangkok Massenhochzeiten mit jeweils 2000 Paaren, die sich in China allerdings dabei nicht küssen durften.[13]
  • Im Yemen fand 2018 eine Massenhochzeit von 4000 Waisen statt, die sich eine traditionelle Hochzeit nicht leisten konnten. Die angeblichen Kosten von 2,5 Millionen US-Dollar wurden von dem katarischen Herrscher Hamad bin Chalifa Al Thani übernommen.[14]
  • In der mexikanischen Stadt Juárez heirateten im Februar 2020 bei der größten Massenhochzeit des Landes über 2000 Paare.[15]
  • In Pakistan startete die Regierung 2024 ein Programm, um über 3000 Mädchen aus armen Verhältnissen bei einer Massenhochzeit zu verheiraten.[16]
  • Im April 2025 wurden in einem Vorort von Johannesburg über 1500 Paare gemeinsam getraut und stellten damit einen Rekord für Südafrika auf.[17]
  • In Brasilien heirateten am 1. Mai 2025 bei der 15. Ausgabe der Celebração dos Casamentos über 15.000 Paare gleichzeitig im ganzen Land.[18]
  • Im März 2026 heirateten im indischen Bundesstaat Chhattisgarh über 6400 Paare verschiedener Religionsgruppen bei einer Massenhochzeit, von denen die Mehrheit daran allerdings virtuell teilnahm.[19]

Einzelnachweise

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