Blei(II)-oxid
chemische Verbindung, giftiges gelbes oder rotes Farbpigment
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Blei(II)-oxid ist eine früher auch Plumbum oxydatum und Bleiglätte genannte Verbindung der chemischen Elemente Blei und Sauerstoff mit der Verhältnisformel PbO. Weitere Bleioxide neben Blei(II)-oxid sind Blei(II,IV)-oxid und Blei(IV)-oxid.
| Kristallstruktur | |||||||||||||||||||
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| _ Pb2+ _ O2− | |||||||||||||||||||
| Allgemeines | |||||||||||||||||||
| Name | Blei(II)-oxid | ||||||||||||||||||
| Andere Namen |
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| Verhältnisformel | PbO | ||||||||||||||||||
| Kurzbeschreibung |
orthorhombische gelbe oder tetragonale rote Kristalle[1] | ||||||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | |||||||||||||||||||
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| Eigenschaften | |||||||||||||||||||
| Molare Masse | 223,19 g·mol−1 | ||||||||||||||||||
| Aggregatzustand |
fest | ||||||||||||||||||
| Dichte |
9,53 g·cm−3[2] | ||||||||||||||||||
| Schmelzpunkt | |||||||||||||||||||
| Siedepunkt |
1470 °C[2] | ||||||||||||||||||
| Löslichkeit |
nahezu unlöslich in Wasser (17 mg·l−1)[2] | ||||||||||||||||||
| Sicherheitshinweise | |||||||||||||||||||
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| Zulassungsverfahren unter REACH |
besonders besorgniserregend: fortpflanzungsgefährdend (CMR)[5] | ||||||||||||||||||
| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). | |||||||||||||||||||
Gewinnung und Darstellung
Blei(II)-oxid lässt sich herstellen, indem ein Luftstrom über geschmolzenes Blei geleitet wird:[6]
Diese Reaktion stellt die Grundlage der Kupellation dar, bei der Blei(II)-oxid als Nebenprodukt anfällt. Außerdem entsteht es beim Rösten von bleihaltigen Erzen wie Galenit (Bleiglanz):
Eigenschaften
Blei(II)-oxid ist ein roter Feststoff in tetragonaler Kristallstruktur und als Mineral unter dem Namen Lithargit (früher lithargyrum, von griechisch λιϑάργυρος) bekannt. Bei 488 °C[7] wandelt sich diese Modifikation in eine gelbe, orthorhombische Modifikation um, die als Mineral unter dem Namen Massicotit bekannt ist. Wegen der geringen Umwandlungsgeschwindigkeit bei tiefen Temperaturen kommt die gelbe Modifikation als metastabile Verbindung vor.

Bezeichnungen und Verwendung
Das Bleioxid wurde (je nach farblicher Modifikation, etwa bedingt durch verschiedene Verfahren der Silbergewinnung) auch als Massicotit, Bleiglätte,[8] Bleigelb, Königsgelb, Neugelb, Goldglätte (Spuma auri, „Goldschaum“, früher auch lithargyrum auri[9] und als rötliches Bleioxid „lithargyrum rubrum“ genannt, als dunkles, langsam abgekühltes Nebenprodukt bei der Silbergewinnung), Silberschaum (Lehnübersetzung von mittellateinusc Spuma argenti als helles bzw. gelblichweißes, rasch abgekühltes Nebenprodukt bei der Silbergewinnung), Silberglätte[10][11] (Lehnübersetzung von mittellateinisch lithargyrum argenti) sowie Silberasche, Bleiasche und Bleikalk bezeichnet.[12]
Bleioxid, Bleiglätte (etwa in pulverförmiger Konsistenz[13]) bzw. Silberglätte wurde früher als Arzneimittelzutat, etwa für Arzneipflaster verwendet (Bleipflaster, diaquilon).[14][15]
Bleioxid wurde feinzerrieben auch als Pigment verwendet – oder mit Salpetersäure und Dichromatlösung zum Pigment Chromgelb (Bleichromat) umgesetzt.
Massicotit hat ein gutes Deckvermögen, ist aber nicht sehr stabil. Wenn es (schwefelwasserstoffhaltiger) Luft ausgesetzt ist, verfärbt es sich schwärzlich-bräunlich, was der Bildung von Blei(II)-sulfid zuzuschreiben ist. Außerdem ist es gegenüber Säuren und Basen empfindlich. Massicotit wurde bereits sehr früh verwendet, vor allem auch wegen seiner sikkativen Wirkung auf Leinöl und andere ölige Bindemittel (Ölmalerei). Ende des Mittelalters wurde es durch das stabilere Blei-Zinn-Gelb (Bleistannat) abgelöst.[16] Als „gebranntes Blei“ (lateinisch plumbum ustum), eine (wohl bräunliche) Bleioxid-Modifikation, wurde früher ein Pulver aus zwei Teilen Blei und einem Teil Schwefel[17] bezeichnet; laut der mittelalterlichen Schrift Circa instans gewann man dieses „gebrannte Bleipulver“ durch Glühen von zerkleinertem Blei mit zerkleinerten Stängeln der (Kreuzblättrigen) Wolfsmilch oder Haselruten, wobei gemäß Pierre Pomet auch Schwefel hinzugefügt wurde.[18][19]
von wurde
PbO wird zur Herstellung von Bleiglas und von optischem Flintglas genutzt, wobei für letzteres heute zumeist das PbO durch andere Oxide, hauptsächlich Titan(IV)-oxid, ersetzt wird.
Sicherheitshinweise
Bei wiederholter Einwirkung sind Effekte auf Blut, Nieren und Zentralnervensystem möglich (Bleivergiftung). Bildung von Blutarmut, Funktionsstörungen. Eine starke Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit ist ebenfalls möglich.
Bleimonoxid wurde am 19. Dezember 2012 in der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe aufgenommen.[5]