Blei(II)-oxid

chemische Verbindung, giftiges gelbes oder rotes Farbpigment From Wikipedia, the free encyclopedia

Blei(II)-oxid ist eine früher auch Plumbum oxydatum und Bleiglätte genannte Verbindung der chemischen Elemente Blei und Sauerstoff mit der Verhältnisformel PbO. Weitere Bleioxide neben Blei(II)-oxid sind Blei(II,IV)-oxid und Blei(IV)-oxid.

Schnelle Fakten Kristallstruktur, Allgemeines ...
Kristallstruktur
Kristallstruktur Blei(II)-oxid
_ Pb2+ 0 _ O2−
Allgemeines
Name Blei(II)-oxid
Andere Namen
  • Bleiglätte
  • Bleimonoxid
  • Lithargit
  • Massicotit
  • C.I. Pigment Yellow 46 (Massicot)
Verhältnisformel PbO
Kurzbeschreibung

orthorhombische gelbe oder tetragonale rote Kristalle[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 1317-36-8
EG-Nummer 215-267-0
ECHA-InfoCard 100.013.880
PubChem 14827
ChemSpider 14141
Wikidata Q407879
Eigenschaften
Molare Masse 223,19 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

9,53 g·cm−3[2]

Schmelzpunkt

888 °C[2]

Siedepunkt

1470 °C[2]

Löslichkeit

nahezu unlöslich in Wasser (17 mg·l−1)[2]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[3] ggf. erweitert[4]
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 302+332351360Df362372410
P: 301+330+331312264304+340280[4]
Zulassungs­verfahren unter REACH

besonders besorgnis­erregend: fortpflanzungs­gefährdend (CMR)[5]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Gewinnung und Darstellung

Blei(II)-oxid lässt sich herstellen, indem ein Luftstrom über geschmolzenes Blei geleitet wird:[6]

Diese Reaktion stellt die Grundlage der Kupellation dar, bei der Blei(II)-oxid als Nebenprodukt anfällt. Außerdem entsteht es beim Rösten von bleihaltigen Erzen wie Galenit (Bleiglanz):

Eigenschaften

Blei(II)-oxid ist ein roter Feststoff in tetragonaler Kristallstruktur und als Mineral unter dem Namen Lithargit (früher lithargyrum, von griechisch λιϑάργυρος) bekannt. Bei 488 °C[7] wandelt sich diese Modifikation in eine gelbe, orthorhombische Modifikation um, die als Mineral unter dem Namen Massicotit bekannt ist. Wegen der geringen Umwandlungsgeschwindigkeit bei tiefen Temperaturen kommt die gelbe Modifikation als metastabile Verbindung vor.

Bleimonoxid: Lithargit und Massicotit.
Bleimonoxid: Lithargit und Massicotit.

Bezeichnungen und Verwendung

Das Bleioxid wurde (je nach farblicher Modifikation, etwa bedingt durch verschiedene Verfahren der Silbergewinnung) auch als Massicotit, Bleiglätte,[8] Bleigelb, Königsgelb, Neugelb, Goldglätte (Spuma auri, „Goldschaum“, früher auch lithargyrum auri[9] und als rötliches Bleioxid „lithargyrum rubrum“ genannt, als dunkles, langsam abgekühltes Nebenprodukt bei der Silbergewinnung), Silberschaum (Lehnübersetzung von mittellateinusc Spuma argenti als helles bzw. gelblichweißes, rasch abgekühltes Nebenprodukt bei der Silbergewinnung), Silberglätte[10][11] (Lehnübersetzung von mittellateinisch lithargyrum argenti) sowie Silberasche, Bleiasche und Bleikalk bezeichnet.[12]

Bleioxid, Bleiglätte (etwa in pulverförmiger Konsistenz[13]) bzw. Silberglätte wurde früher als Arzneimittelzutat, etwa für Arzneipflaster verwendet (Bleipflaster, diaquilon).[14][15]

Bleioxid wurde feinzerrieben auch als Pigment verwendet – oder mit Salpetersäure und Dichromatlösung zum Pigment Chromgelb (Bleichromat) umgesetzt.

Massicotit hat ein gutes Deckvermögen, ist aber nicht sehr stabil. Wenn es (schwefelwasserstoffhaltiger) Luft ausgesetzt ist, verfärbt es sich schwärzlich-bräunlich, was der Bildung von Blei(II)-sulfid zuzuschreiben ist. Außerdem ist es gegenüber Säuren und Basen empfindlich. Massicotit wurde bereits sehr früh verwendet, vor allem auch wegen seiner sikkativen Wirkung auf Leinöl und andere ölige Bindemittel (Ölmalerei). Ende des Mittelalters wurde es durch das stabilere Blei-Zinn-Gelb (Bleistannat) abgelöst.[16] Als „gebranntes Blei“ (lateinisch plumbum ustum), eine (wohl bräunliche) Bleioxid-Modifikation, wurde früher ein Pulver aus zwei Teilen Blei und einem Teil Schwefel[17] bezeichnet; laut der mittelalterlichen Schrift Circa instans gewann man dieses „gebrannte Bleipulver“ durch Glühen von zerkleinertem Blei mit zerkleinerten Stängeln der (Kreuzblättrigen) Wolfsmilch oder Haselruten, wobei gemäß Pierre Pomet auch Schwefel hinzugefügt wurde.[18][19]

von wurde

PbO wird zur Herstellung von Bleiglas und von optischem Flintglas genutzt, wobei für letzteres heute zumeist das PbO durch andere Oxide, hauptsächlich Titan(IV)-oxid, ersetzt wird.

Sicherheitshinweise

Bei wiederholter Einwirkung sind Effekte auf Blut, Nieren und Zentralnervensystem möglich (Bleivergiftung). Bildung von Blutarmut, Funktionsstörungen. Eine starke Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit ist ebenfalls möglich.

Bleimonoxid wurde am 19. Dezember 2012 in der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe aufgenommen.[5]

Commons: Blei(II)-oxid – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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