Matthäus Greuter
Zeichner, Graphiker und Verleger
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Matthäus Greuter (* Oktober 1566 in Straßburg; † 22. August 1638 in Rom), in Italien als Matteo Greuter bekannt, war ein deutscher Radierer, Kupferstecher und Kartograf, der hauptsächlich in Rom tätig war. Bekannt ist er vor allem für seine kartografischen Drucke und seine Globen.

Greuter wurde in Straßburg als Sohn des Goldschmiedes Conrad Greuter geboren und wurde dort am 31. Oktober 1566 getauft. Er arbeitete zunächst in seiner Heimatstadt Straßburg. Um 1594 konvertierte der Protestant Greuter zum Katholizismus und verließ seine Heimatstadt, um in Frankreich tätig zu werden – zunächst in Lyon, später in Montpellier und Avignon. Offenbar um dem „starken intellektuellen und kommerziellen Druck des niederländischen kartografischen Verlagswesens“ zu entgehen,[1] zog er im Jahr 1603 nach Rom. Dort arbeitete er für prominente Auftraggeber wie Kardinal Scipione Borghese, Papst Paul V., die Accademia dei Lincei und Papst Urban VIII. Er fertigte die Kupferstiche von Sonnenflecken für Galileos Briefe über die Sonnenflecken von 1612 (Istoria e Dimostrazioni intorno alle Macchie Solari) und die Illustrationen für Christoph Scheiners Werk Rosa Ursina an.[2]

Greuter ist vor allem für seine Pläne und Karten bekannt. Er fertigte er eine große Anzahl von Karten an, insbesondere solche, die für die Herstellung von Globen gedacht waren. Sein erster Weltglobus erschien 1632 und war Jacobo Boncompagno gewidmet. Er basierte auf einem früheren Globus von Willem Blaeu. Die Darstellung von Hokkaidō deutet darauf hin, dass er das Design aktualisierte, um neuen Entdeckungen Rechnung zu tragen, da die Insel Blaeu noch nicht bekannt war, aber von einem anderen Kartenzeichner in Rom dokumentiert wurde.[1] Im Jahr 1635 fertigte er einen „Himmelsglobus“ an, der die Sternbilder darstellte und ebenfalls auf Blaeu basierte, welcher die Daten von Tycho Brahe verwendet hatte. Greuter scheint den Globus später aktualisiert zu haben. Zwischen 1636 und 1638 entwarf er auch Globen in reduzierter Größe.[1]
Zu seinen weiteren Werken zählen Buchfrontispize, Porträts und allegorische Entwürfe. Sein satirischer Stich des „Doktor Wurmbrandt“, der menschliche Torheiten „bereinigt“, wurde später von Martin Droeshout adaptiert.[3]
Literatur
- Bernd Curt Kreplin: Greuter (Greuther), Matthäus. In: Ulrich Thieme, Fred. C. Willis (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 15: Gresse–Hanselmann. E. A. Seemann, Leipzig 1922, S. 7–9 (Textarchiv – Internet Archive).
- Victor Beyer: Matthias Greuter, Greuther. In: Nouveau dictionnaire de biographie alsacienne, Faszikel 13, 1988, S. 1282.
- Maria Barbara Guerrieri Borsoi: Greuter, Matthäus. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 59: Graziano–Grossi Gondi. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2002.
- Jörg Diefenbacher: Matthäus Greuter aus Straßburg (1566 bis 1638), Kupferstecher und Verleger. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. 161, 2013, S. 113–126 (Digitalisat).
- The new Hollstein German engravings, etchings and woodcuts, 1400–1700. [Band 33]: The Greuter family; 1, Matthäus Greuter. Sound & Vision Interactive, Rotterdam 2016, ISBN 978-94-91539-25-1.
- The new Hollstein German engravings, etchings and woodcuts, 1400–1700. [Band 34]: The Greuter family; 2, Matthäus Greuter (continued). Sound & Vision Interactive, Rotterdam 2016, ISBN 978-94-91539-26-8.