Matthias Koeppel
deutscher Maler und Dichter
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Matthias Koeppel (* 22. August 1937 in Hamburg;[1] † 26. Februar 2026 in Berlin[2]) war ein deutscher Maler und Dichter.
Leben
Der Mitbegründer der Schule der neuen Prächtigkeit (1973) – zu der seine Malerfreunde Johannes Grützke, Manfred Bluth und Karlheinz Ziegler gehörten[3] – wurde einem größeren Publikum vor allem durch seine Gedichte in Starckdeutsch (Erstveröffentlichung 1972, im Juliheft der Zeitschrift Pardon) bekannt (Selbstbezeichnung „Sprachkünstler“). Ab 1975 textete Koeppel auch für das Männer-Vokalensemble Berliner Hymnentafel.[4]
Koeppel war von 1981 bis 2003 Hochschullehrer für Freies Malen und Zeichnen an der Fakultät für Architektur der TU Berlin. In dieser Zeit unterstützte er den Ullstein Verlag, Künstler zu rekrutieren für die Buddy-Bär-Berlin-Show.[5] Er selbst beteiligte sich mit zwei von ihm gestalteten Bären, die später zur Unterstützung von Kindern in Not versteigert wurden.
Als ordentliches Mitglied des Deutschen Künstlerbundes (DKB) nahm Koeppel an mehreren großen Jahresausstellungen des DKB zwischen 1972 und 1985 teil. Im Jahr 1990 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Künstlersonderbundes in Deutschland (KSB). Außerdem war er Ehrenmitglied im Verein Berliner Künstler.[6]
Koeppel setzte ab den 1970er Jahren die Berliner Mauer kontinuierlich ins Bild und kann schließlich als „Historienmaler des Mauerfalls“ bezeichnet werden. In zahlreichen Arbeiten zwischen 1990 und 2008 ließ er die Nacht vom 9. zum 10. November 1989 Revue passieren.[7] 1997 vollendete Koeppel das Triptychon Die Öffnung der Berliner Mauer für den Preußischen Landtag, Berlin.[8]
| ...und alles wird wieder gut. Der 3. Oktober '90 vor der Neuen Wache |
|---|
| Matthias Koeppel, 1991 |
| Öl auf Leinwand |
| Deutsches Historisches Museum, Berlin |
Neben seiner Konzentration auf Berliner Ereignisse war Koeppel bekannt für seine Malereien mit großem Himmel über Berlin, unter dem sich deutsche Zeitgeschichte vollzieht, und seinen Realismus. Ab Mitte der 2010er Jahre entwickelte er einen neuen Malstil, den Neokubismus.[9][10][11][12] Ein hintergründiger Humor – bis hin zu deutlichen Persiflagen – in seinen Bildern stellte die politischen, sozialen und kulturellen Verhältnisse seiner Zeit ins Blickfeld, er selbst setzte sich auch häufig mit in die Darstellung. Ein Lieblingsobjekt von Kloeppel war das Brandenburger Tor.[3]
Als Sprachkünstler veröffentlichte Koeppel auch Schüttelreime und Sonette. In parodistischen Gedichte nutzte er Starckdeutsch, eine Kunstsprache, die er selbst erdacht hatte.[13] Ein von ihm gern benutzter Spruch lautet: „Wenn ich heute etwas male, ist es morgen schon Geschichte“.[3]
Privates
Koeppel war ab 1995 mit der koreanisch-deutschen Malerin Youn-Sook Hong, gen. Sooki verheiratet, mit der er eine Tochter hatte.[14] Freunde und nahe Verwandte wussten, dass Koeppel unter der Parkinson-Krankheit litt.[3]
Koeppel hinterlässt insgesamt fünf Kinder (zwei Töchter und drei Söhne) aus drei Ehen.[15]
Veröffentlichungen
- Jenseits von Duden: Ein interaktives Wörterbuch der neuschwachhochdeutschen Sprache. Libelli-Ars, Fuldatal 2003, ISBN 3-936744-06-8.
- Um die Wurst. Sonette zur Lage. Tenzone & Coda. Wohlleben, Hamburg 2006, ISBN 3-88159-066-8 (mit Klaus M. Rarisch).
- Gemalt auf Spiekeroog. Edition Walfisch, Bremen 2007, ISBN 978-3-938737-20-0.
- Schüttelreime – Rüttelscheime. Gezeichnet, gefunden und erfunden von Matthias Koeppel. B & S Siebenhaar, Berlin / Kassel 2012, ISBN 978-3-943132-12-0.
- Jörg Deuter (Hrsg.): Festschrift für Matthias Koeppel zum 85. Geburtstag. Laugwitz Verlag, Buchholz in der Nordheide 2022, ISBN 978-3-933077-66-0 (mit Erinnerungen Koeppels an Armin T. Wegner und über seine Bezüge zu Werner Heldts Malerei)
Auszeichnungen
- 1960: Preis der Großen Berliner Kunstausstellung[16]
- 1961: Preis für Malerei der Karl-Hofer-Gesellschaft[8]
- 1969: Förderpreis der Heinrich-Zille-Gesellschaft für sozialkritische Grafik[8]
- 1998: Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland am Bande[17]
- 2013: Berliner Bär (B.Z.-Kulturpreis) – gemeinsam mit seiner Ehefrau
- 2014: Verdienstorden des Landes Berlin[18]
Ausstellungen (Auswahl)
- 1972: Prisma ’72, Rheinisches Landesmuseum Bonn, 20. Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes[19]
- 1978/79: Berliner Realisten, Kunsthalle Rostock und Moskau[8]
- 1985: Prisma ’85, Sprengel Museum u. a., 33. Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Hannover[20]
- 1990: Kunsthalle Wilhelmshaven (Gemälde und Zeichnungen)[8]
- 2002/03: Haus am Waldsee, Berlin: Matthias Koeppel: „Berlin ist immer im Werden…“ Malerei wird Zeitgeschichte. Werke aus drei Jahrzehnten[8]
- 2012: Jahresausstellung 2012 des Künstlersonderbundes, UferHallen, Berlin[21]
- 2014, 21. März–28. September: Matthias Koeppel – Himmel, Berlin! Stiftung Stadtmuseum Berlin im Ephraim-Palais, Berlin[8]
- 2017: Experiment und Methode, Kommunale Galerie Berlin[22]
- 2023: Gemalte Geschichten, Werke von Matthias Koeppel und seiner Frau Sooki im Kunsthaus Potsdam[23]
Werke (Auswahl)
- 1984: Requiem für Luise (Modell standen ihm die Musiker-Geschwister Inga und Anette Humpe)
- Vor 1990: Die sieben Todsünden der Kleinbürger[3]
- 1995: Erster Spatenstich auf der Brache Potsdamer Platz[3]
- 1997: Die Öffnung der Berliner Mauer, ein Triptychon und Auftragswerk, hängt im Berliner Abgeordnetenhaus. Es zeigt auf der linken Tafel das Ostvolk aus der Dunkelheit in die Freiheit strebend, auf der Mitteltafel stehen damalige Politiker wie Walter Momper und der Bundeskanzler Helmut Kohl mit dem Blick auf sein „Einheitsvolk“ in der Morgenröte, ein echtes Wimmelbild, ganz rechts stehen die Ersten, die das „rettende Ufer“ erreicht haben[3]
- 2016/17: Die Performance zum Richtfest des Museums der Moderne (auch „Scheune am Potsdamer Platz“ genannt > das Sieger-Architekturmodell mit einem lila Himmel und einem Flugzeug darin)[3][24]
- o. J.: Experiment und Methode, ein Werkkomplex der Fotografie[3]
Weblinks
- Literatur von und über Matthias Koeppel im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Website matthias-koeppel.de
- Matthias Koeppel – Himmel Berlin! Pressemitteilung zur Ausstellung im Ephraim-Palais 2014