Max Thurian

Schweizer Theologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Max Thurian (* 16. August 1921 in Perly-Certoux; † 15. August 1996 in Genf) war ein Schweizer Theologe.

Leben

Max Thurian (auch Frère Max, Bruder von Taizé) war der Sohn des Zollbeamten Charles Adrien und seiner Mutter Jeanne Amélie, geborene Rapp. Er studierte an der autonomen Theologischen Fakultät der Universität Genf, wo er 1945 das Baccalauréat en théologie erlangte. 1946 wurde er durch die Église nationale protestante de Genève ordiniert.

Max Thurian war seit seiner Schulzeit Teil einer christlichen Gruppe, die sich regelmässig zu Gebet und geistlichem Austausch, sogenannten Retraiten, traf. In ihm reifte als Jugendlicher der Gedanke, ein Leben in einer christlichen Gemeinschaft von Männern zu führen. Thurian lernte bereits im zweiten Jahr seines Theologiestudiums in Genf den sechs Jahre älteren Roger Schutz kennen, von dem er erste Schriften gelesen hatte. Thurian trieb der Wunsch, ein Haus der geistlichen Einkehr ins Leben zu rufen. Genau dies war auch der Plan von Roger Schutz. Dieser hatte bereits 1940 im französischen Südburgund unweit der Demarkationslinie ein Haus in der Nähe von Cluny erworben, um eine «Communauté de Cluny» (Gemeinschaft von Cluny) zu gründen. Schutz nahm dort immer wieder Kriegsflüchtlinge, vor allem Jüdinnen und Juden, auf, die vor den deutschen Nationalsozialisten Unterschlupf suchten. Mehrmals musste er vor der Gestapo fliehen.

Thurian und Schutz waren, was ihre Glaubensvorstellungen anging, von Beginn an in vielem einer Meinung, und so freundeten sie sich schnell an. Die beiden zählen zu den ersten sieben Brüdern der Ostern 1949 gegründeten Communauté de Taizé, die heute aus etwa 80 Brüdern aus 20 Nationen besteht. Thurian galt als der bedeutendste Theologe dieser ökumenischen Gemeinschaft.[1]

Gemeinsam mit Frère Roger wurde Max Thurian durch Papst Johannes XXIII. zum Konzilsbeobachter beim Zweiten Vatikanischen Konzil berufen. Thurian arbeitete in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts im Ökumenischen Rat der Kirchen an der Lima-Erklärung von 1982 mit.

Später konvertierte Thurian zum Katholizismus und wurde 1987 in Neapel zum Priester geweiht. Ab 1992 wurde er auf Wunsch Papst Johannes Pauls II. Mitglied der päpstlichen Internationalen Theologenkommission.

Frère Max starb nach langem Krebsleiden kurz vor seinem 75. Geburtstag im August 1996. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof der romanischen Dorfkirche von Taizé, direkt neben dem seines langjährigen Freundes Frère Roger.[2]

Auszeichnungen

Schriften

Als Verfasser

  • Joie du Ciel sur la Terre. Introduction à la vie liturgique (frz.). Delachaux et Niestlé, Neuchâtel 1946.
  • Ehe und Ehelosigkeit. Zwei Dienstordnungen christlichen Lebens. Burckhardthaus-Verlag, Gelnhausen und Berlin-Dahlem 1955, 128 Seiten.
  • Evangelische Beichte. Verlag Kaiser, München 1958, 173 Seiten.
  • Die Konfirmation. Einsegnung der Laien. Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, Gütersloh 1961.
  • Aktion und Kontemplation. Das geistliche Leben des modernen Menschen. Übersetzt von Richard Bochinger. Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, Gütersloh 1963.
  • Sichtbare Einheit. Übersetzt von Richard Bochinger. Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, Gütersloh 1963, 183 Seiten.
  • Eucharistie. Einheit am Tisch des Herrn? Übersetzt von Helmut Hochstetter. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz / Kreuz-Verlag, Stuttgart 1963.
  • Maria. Übersetzt von Clemens Diekamp. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz / Johannes Stauda Verlag, Kassel 1965.
  • Der ungeteilte Christ. Aktion und Kontemplation. Übersetzt von Richard Bochinger. Lizenzausgabe Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1966 (französische Originalausgabe: L’homme moderne et la vie spirituelle. Paris 1961), 121 Seiten (= Herder-Bücherei. Band 246).
  • Gemeinsam glauben - Gemeinsam handeln. Ein ökomenischer Katechismus. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz / Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, Gütersloh, 1967, 160 Seiten.
  • Der Glaube in der Entscheidung. Übersetzt von Karlhermann Bergner. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1969 (französische Originalausgabe: La Foi en Crise. Taizé 1968), 124 Seiten (= Herder-Bücherei. Band 345).
  • Die Freude des einfachen Gebets. Leben mit Christus in unserer Zeit. Les Presses de Taizé, Taizé 1975.
  • Die eine Eucharistie. Übersetzt von Martin Küpper. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1976, ISBN 3-7867-0581-X.
  • Feuer für die Erde. Vom Wirken des Geistes in der Gemeinschaft der Christen. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1979, 168 Seiten, ISBN 3-451-18441-9 (französische Originalausgabe; Aux sources de l’Église. Tradition et renouveau dans l’Esprit. Taizé 1977).
  • Maria. Mutter des Herrn – Urbild der Kirche. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1978, ISBN 3-7867-0680-8 (= Topos Taschenbücher. Band 72), 85 Seiten.
  • In Liebe zur Wahrheit. Ein Glaubensbuch. Übersetzt von August Berz. Verlag Styria, Graz 1995, 160 Seiten, ISBN 3-222-12310-1 (italienische Originalausgabe: Una sola fede. 1992).

Als Herausgeber

  • mit Roger Schutz: Das Wort Gottes auf dem Konzil. Die dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung. Wortlaut und Kommentar. Übersetzt von Maria Natalia Holm. Vorwort von Henri de Lubac. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1967, 143 Seiten (= Herder-Bücherei. Band 289).
  • Die eucharistische Liturgie von Lima. Verlag Otto Lembeck, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-87476-215-7.
  • Churches respond to BEM. Official Responses to the “Baptism, Eucharist and Ministry”. Volume I–VI (engl.), Verlag World Council of Churches, Genf 1986–1988 (6 Bände Dokumentation zur Lima-Liturgie).

Literatur

in der Reihenfolge des Erscheinens

Einzelnachweise

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