Medaillenrennen
abschließende Wettfahrt eines Wettbewerbs, in dem die Medaillen final vergeben werden
From Wikipedia, the free encyclopedia
Ein Medaillenrennen (englisch Medal Race) bezeichnet im Sport, insbesondere beim Regattasegeln und Windsurfen, die abschließende Wettfahrt eines Wettbewerbs, in dem die Medaillen final vergeben werden.
Merkmale eines Medaillenrennens
Finalcharakter
Es ist die letzte Wettfahrt bzw. das letzte Rennen der Regattaserie, zu der sich nur eine begrenzte Anzahl der besten Athleten qualifiziert haben. In der Regel sind das die 10 Segler, die aus den vorausgegangenen Wettfahrten als die punktbesten Athleten nach dem Low-Point-System hervorgegangen sind.
Doppelte Punktzahl
Im Medaillenrennen werden doppelt so viele Punkte wie in den Wettfahrten vor dem Medaillenrennen (Vorläufen) vergeben (z. B. 2 Punkte für den Ersten, 4 Punkte für den Zweiten usw. bis 20 Punkte für den Letzten). Beendet ein Boot die Regatta nicht (DNF) oder wird es disqualifiziert (DSQ) erhält es 22 Punkte, es kann aber nicht schlechter als Rang 10 gewertet werden. Die Punkte aus dem Medaillenrennen werden zu dem bisherigen Gesamtergebnis addiert. Die Summe bestimmt den Rang nach dem Low-Point-System.[1]
Nicht streichbar
Im Gegensatz zu den Wettfahrten vor dem Medaillenrennen (Vorläufe) kann das Ergebnis des Medaillenrennens nicht aus der Gesamtwertung gestrichen werden, was die Bedeutung dieser letzten Wettfahrt weiter erhöht. Bei Regatten mit mehr als fünf Wettfahrten ist es üblich, dass das schlechteste Wettfahrtergebnis in der Gesamtwertung nicht berücksichtigt beziehungsweise gestrichen wird; diese Wettfahrt wird dann auch als Streicher bezeichnet. Bei den Olympischen Spielen gibt es 8 bis 12 Wettfahrten vor dem abschließenden Medaillenrennen mit einer Streichmöglichkeit.[1]
Entscheidung
Aufgrund der oben genannten Faktoren kann die Platzierung in diesem Medaillenrennen oft die endgültige Vergabe von Gold-, Silber- und Bronzemedaillen maßgeblich beeinflussen oder sogar komplett verändern.
Zuschauerfreundlich
Das Format des Medaillenrennens ist darauf ausgelegt, Spannung bei den Fernsehübertragungen zu erzeugen und ist zuschauerfreundlicher als die oft langen und strategischen Vorläufe auf offener See. Die Konzentration auf maximal 10 Segler, wobei die drei Führenden der Gesamtwertung noch besonders gekennzeichnet sind, unterstützt die Zuschauerfreundlichkeit.
Medaillenrennen-Regelungen bei den Olympischen Spielen im Segeln
Kitesurfen-Wettbewerbe
Die Medaillenwertung der Kitesurfen-Wettbewerbe (Formula Kite (Frauen) und Formula Kite (Männer)) besteht aus einem Halbfinale und einem Finale. Die zehn besten Boote der Vorrunde qualifizieren sich für die Medaillenwertung, wobei die erst- und zweitplatzierten Teams direkt ins Finale einziehen und die verbleibenden acht im Halbfinale antreten.[1]
Die Boote auf den Plätzen 3, 6, 7 und 10 der Vorrunde erreichen das Halbfinale A, während die Boote auf den Plätzen 4, 5, 8 und 9 am Halbfinale B teilnehmen. In der Gesamtwertung erhalten die Boote auf den Plätzen 3 und 4 der Vorrunde jeweils zwei Siege, die Boote auf den Plätzen 5 und 6 jeweils einen Sieg.[2]
Die Endplatzierung in dieser Phase ergibt sich aus der Summe der Siege in den Halbfinalrennen und den Siegen der Vorrunde. Das erste Boot, das in jedem Halbfinale drei Siege erzielt, erreicht das Finale. Die übrigen Boote scheiden aus und werden nach der Gesamtzahl ihrer Siege im Halbfinale platziert.
Das Finale dieser Regatta besteht aus vier Booten: den beiden in den Halbfinals qualifizierten Booten und den beiden bestplatzierten Booten der Vorrunde. Das in der Vorrunde auf Platz 1 rangierende Boot erzielt zwei Siege, das auf Platz 2 rangierende Boot einen Sieg.
Das erste Boot mit drei Siegen gewinnt die Vorrunde. Die übrigen Boote werden nach der Gesamtzahl ihrer Siege im Finale platziert.
Windsurf-Wettbewerbe
Die zehn besten Boote der Windsurf-Vorrunde qualifizieren sich für die Medaillenwertung. Das erstplatzierte Boot startet direkt im Finale, während die zweit- und drittplatzierten Boote im Halbfinale antreten.[1]
Die Boote auf den Plätzen vier bis zehn starten im Viertelfinale, von dem die beiden Erstplatzierten ins Halbfinale einziehen. Die beiden besten Boote des Halbfinals treffen im Finale auf das erstplatzierte Team der Vorrunde.
Die Endplatzierung eines Bootes richtet sich nach seiner Platzierung im Rennen, in dem es ausgeschieden ist. So werden beispielsweise die Finalisten vor den Halbfinalisten und die Viertelfinalisten vor den Teilnehmern der Vorrunde platziert.
Medaillenrennen für Jollen, Skiffs und Mehrrumpfboote

Die zehn besten Boote der Vorrunden in den Segelbootsklassen Jollen Laser (Männer), Laser Radial (Frauen), 470er (Mixed), Skiffs (49er (Männer), 49erFX (Frauen)) und Mehrrumpfboote (Nacra 17 (Mixed)) erreichen ihre jeweiligen Medaillenrennen, um die Olympiasieger zu bestimmen.[1]
Die Wertungen der Medaillenrennen werden gewichtet, d. h. die Punkte werden verdoppelt und zur Gesamtwertung der Vorrunde addiert. Die Wertungen der Medaillenrennen können nicht gestrichen werden.
Die drei besten Boote werden anhand der Gesamtwertung aus Vorrunde und Finale ermittelt und erhalten die Medaillen.
Unterschiede zwischen Segel-Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen
Bei den Olympischen Spielen ist pro nationalem Olympischen Komitee und Wettbewerb nur ein Boot zugelassen, während bei den Segel-Weltmeisterschaften mehrere Boote pro Nationalem Olympischen Komitee (NOK) und Wettbewerb teilnehmen können.[1]
Die Anzahl der Boote ist bei den Segel-Weltmeisterschaften deutlich höher, was aufgrund der Schwierigkeiten bei der Organisation eines einzelnen Rennens mit so vielen Booten ein komplexeres Format erfordert.
Die Segel-Weltmeisterschaften werden üblicherweise in Gruppen (Fleets) innerhalb der Vorlaufserie ausgetragen, die in der Regel als Qualifikationsserie und Finalserie bezeichnet wird. Bei den Olympischen Spielen gibt es nur eine Flotte pro Wettbewerb, wobei der Vorlaufserie das Medaillenrennen bzw. die Medaillenserie folgt. Alle anderen Aspekte des Wettbewerbsformats sind identisch.
Pro/Contra Medaillenrennen
Die Kritik am Medaillenrennen im Segelsport entzündet sich hauptsächlich daran, dass es die Ergebnisse der gesamten Qualifikationsserie potenziell unverhältnismäßig beeinflusst und so die Fairness des Gesamtwettbewerbs infrage stellt.[3]
Segeln ist stark wetterabhängig (Windstille kann zu Verschiebungen oder Abbrüchen führen). Ein einziger, vom Wetter beeinflusster Lauf mit doppelt gewichteter Punktzahl kann daher als Glücksspiel wahrgenommen werden, das die sportliche Leistung über mehrere Tage in den Hintergrund rückt. Die Kritik setzt dort an, wo ein glückliches letztes Medaillenrennen mit z. B. Winddrehern die bisherige Rangfolge aus 8 bis 12 Wettfahrten auf den Kopf stellen kann. Aus diesem Ansatz wird dann ein Medaillenrennen nur mit den besten vier und nicht mit den besten 10 Athleten gefordert. Die Befürworter halten der Kritik entgegen, dass sich die besten Segler unter allen Bedingungen durchsetzen werden.[3]
Das Medaillenrennen verleitet die Segler zu taktischen Manövern statt einem echten Rennen. Aufgrund der Punktekonstellationen kann es vorkommen, dass Boote nicht primär gegeneinander segeln, um das Rennen zu gewinnen, sondern um bestimmte Konkurrenten zu behindern, was dem Zuschauer schwer zu vermitteln ist und als unsportlich empfunden werden kann.