Memelburg

Burg in Litauen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Memelburg war eine Deutschordensburg an der Mündung des Kurischen Haffs in die Ostsee, gelegen im heutigen Klaipėda (deutsch: Memel). Viele Jahrhunderte war sie eine der wichtigsten Grenzburgen des Deutschen Ordens und später des Königreichs Preußen. Ab dem 15. Jahrhundert zur Festung ausgebaut, verlor sie Ende des 18. Jahrhunderts ihre Bedeutung und wurde abgetragen. Nach Ausgrabungen und langen Vorarbeiten, wird die Burg in Etappen wieder aufgebaut.[4][5]

Schnelle Fakten
Memelburg
Modell der Memelburg mit Bastionen (17. Jh.)

Modell der Memelburg mit Bastionen (17. Jh.)

Alternativname(n) Aldajaborg[1], Aldeska[1], Neu-Dortmund[2], Memele castrum[3], Mimmelburg[3], castrum Memel[3], Mumel[1], Mümmel[1], Memmel[1], Glaupeda[1], Klawppedda[1], Cleupeda[1], Klaipeda[1]
Staat Litauen
Ort Klaipėda
Entstehungszeit 1252 (Vorgängerbau), 1253
Burgentyp Wasserburg
Erhaltungszustand Ruine
Geographische Lage 55° 42′ N, 21° 8′ O
Memelburg (Litauen)
Memelburg (Litauen)
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Geschichte

Vor dem Eintreffen der ersten Kreuzfahrer war die Region um Memel Siedlungsgebiet kurischer Stämme der historischen Landschaft Pilsaten.[6]

1252 schickte der Hochmeister des Deutschen Ordens seinen Stellvertreter Eberhard von Sayn nach Livland um eine Vereinbarung des Livländischen Landmeisters Andreas von Felben mit dem litauischen Fürsten Mindaugas zu untersuchen. Obwohl dadurch große Gebiete Litauens (ein großer Teil Samogitiens (u. a. die Hälfte der Ländereien von Raseiniai, Betygala und Laukuva), sowie Sudauen und Nadrauen)[7] an den Orden gingen, kritisierten einige Ordensmitglieder seine diplomatische Politik gegenüber den Litauern. Es folgte die Absetzung des Landmeisters, dessen Amt übergangsweise von Eberhard von Sayn übernommen wurde. Dieser gab das Bündnis mit Mindaugas jedoch nicht auf und organisierte stattdessen einen Feldzug gegen dessen Feinde in Samogitien.[7]

Unter dem Livländischen Orden

Memelburg um 1535. Gut erkennbar sind die frühneuzeitlichen Rondelle.

Einige Monate später, am 1. August 1252, unterzeichneten Eberhard und Bischof Heinrich von Kurland die Gründungsurkunde von Burg und Stadt Memel, wo Heinrich seinen Bischofssitz errichten wollte.[8]

Noch im Jahr 1252 errichtete der Livländische Orden (möglicherweise mit litauischer Unterstützung) eine Holzburg im Marschland zwischen Memel und der Südseite der Dange-Mündung an der späteren Süderhuk (litauisch Pietinis Ragas). Sie sollte die Region als wichtigste Verbindung zwischen den Territorien des Deutschen Ordens im Süden und des Livländischen Ordens im Norden vor Angriffen aus Samogitien absichern. Auch der Deutsche Orden erhoffte sich dadurch Entlastung. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung war der livländische Ordenszweig nämlich bereits weit nach Süden vorgerückt, während der Deutsche Orden in Preußen noch in intensive Kämpfe mit den einheimischen Völkern der Semba und Schalauer verwickelt war, die von den Samogiten unterstützt wurden.[6]

Kurz darauf belagerten die Semba und die Samogiten, für die die Existenz der Burg eine große Gefahr darstellte, erfolglos die Memelburg. Es ist durchaus möglich, dass es sogar zwei Belagerungen (1252, 1253) gab, da gem. Reimchronik der neue livländische Landmeister Anno von Sangerhausen während des Angriffs der Semba im Herbst 1253 in Riga eintraf.[7]

Da sich das Gelände relativ schnell als stark sumpfig und zu eng herausstellte, wurde im Frühjahr 1253 ein paar hundert Meter weiter östlich auf einer kleinen Anhöhe mit dem Bau einer neuen Burg aus Backsteinen begonnen, die bereits Ende desselben Jahres fertiggestellt war. Gemäß Vereinbarung erhielt der Orden zwei Drittel der Burg und der Bistum Kurland ein Drittel. Sie diente dem Livländischen Orden fortan als Vorposten der Mission in Kurland und Litauen und war zudem ein wichtiger militärischer Stützpunkt an der schmalen Grenze beider Ordensgebiete.[6] Außerdem wurde noch im selben Jahr die Komturei Memel gegründet, deren Sitz die Memelburg fortan war; erster Komtur wurde Bernhard von Haren, der bisherige Vogt von Goldingen.[7]

Die kurländischen Bischöfe haben nur wenige Jahre in Memel residiert und verlagerten ihren Sitz alsbald nach Pilten. Das 1290 errichtete Domkapitel (die sechs Domherren waren Priester im Deutschen Orden) siedelte 1298 nach Windau über.[8]

Nach der Krönung Mindaugas zum König von Litauen, wurden, wie vereinbart, beträchtliche Ländereien an den Deutschen Orden übergeben. Die davon betroffenen Samogiten konnten sich unter ihrem Anführer Alminas (deutsch Aleman) jedoch der fremden Herrschaft erfolgreich widersetzen und verwickelten den Orden in langwierige, verlustreiche Kämpfe. 1257 rückte eine samogitische Streitmacht sogar bis auf Memel vor und fügte dem Livländischen Orden unter dem neuen Landmeister Burkhard von Hornhausen in einer Feldschlacht eine schwere Niederlage zu. Der verletzte Landmeister konnte sich nur mit großer Mühe bis nach Memel durchkämpfen.[7]

1258 wurde Memel von rebellierenden Litauern aus Crottingen überfallen; als Racheakt wurde daraufhin deren Burg Crottingen zerstört.[6]

Am 14. März 1323 konnten litauische Truppen unter Großfürst Gediminas in die Komturei einfallen und in der Schlacht von Memel die Stadt zerstören. Die Burg jedoch konnte gehalten werden und das feindliche Heer musste sich zurückziehen. Vorausgegangen waren schwere Streitigkeiten und Kämpfe zwischen dem Livländischen Orden und der Kirche, was den Überfall der Litauer begünstigte.[6]

Als eine direkte Konsequenz aus diesem verheerenden Angriff sah sich der Livländische Orden gezwungen, 1328 die Komturei Memel mitsamt Burg und Stadt an den Deutschen Orden abzugeben. Da keine direkte Landbrücke mehr nach Kurland existierte und die einzig verbliebene Versorgungsroute über die Kurische Nehrung bzw. das Haff verlief, war dies ein durchaus logischer Schritt.[6]

Der Bischof von Kurland verzichtete jedoch erst 1392 auf sein Drittel von Memel, weshalb Burg und Stadt erst seitdem vollständig dem Deutschen Orden unterstanden.[8]

Unter dem Deutschen Orden

Aufgrund seiner exponierten Lage und Funktion als wichtiger Brückenkopf des Deutschordensstaats kam Memel aber auch unter der Herrschaft des Deutschen Ordens nicht zur Ruhe. Die ständige Gefahr von Überfällen aus Litauen hemmte zudem die Stadtentwicklung.[6] So wurde die Burg 1379 von Litauern und Samogiten zerstört, 1393 mit einem Bergfried wiedererrichtet und noch im selben Jahr von Litauern erneut zerstört.

1398 erhielt der Deutsche Orden vom Litauerfürsten Vytautas im Vertrag zu Sallinwerder Samogitien zugesprochen, als Gegenleistung für die Hilfe des Ordens gegen die Goldene Horde. Dieses Gebiet wurde als Vogtei Samogitien in den Orden eingegliedert, was die Lücke zwischen dem Deutschordensstaat zwischen Livland und Preußen schloss. Dadurch hatte Memel ein Hinterland erhalten und war mit einem Mal keine Grenzstadt mehr. Dennoch war die Memelburg immer wieder Angriffen ausgesetzt; so wurde sie 1402 abermals von den Samogiten zerstört.[6]

Stadt und Festung im Jahre 1674, Gemälde von Józef Naronowicz-Naroński

Laufend erneuert und erweitert wurde sie vor allem ab 1408 vom Hochmeister Ulrich von Jungingen. Sie behielt auch nach der Niederlage des Deutschen Ordens in der Schlacht bei Tannenberg (1410) ihre Bedeutung. Im darauffolgenden Ersten Frieden von Thorn musste Samogitien 1411 wieder an Litauen abgetreten werden, wodurch Memel wieder zur Grenzfestung wurde. Im Frieden vom Melnosee wurde 1422 die Grenze zwischen dem preußischen Ordensgebiet und Litauen neu geregelt; dieser Grenzverlauf blieb bis 1945 unverändert.[8]

Während des 15. Jahrhunderts wurde die Burg gegen litauisches Geschützfeuer gewappnet und auch für den Einsatz von Feuerwaffen umgerüstet.[9]

Im Jahre 1457 überfiel die Stadt Danzig während des Dreizehnjährigen Krieges die Stadt Memel, welche geplündert und zerstört wurde. Danzig erbeutete dabei 14 Kriegsschiffe der Hansestädte Hamburg und Lübeck, die zuvor als Unterstützung mit Truppen und Ausrüstung nach Memel geschickt wurden.[6]

Als der Hochmeister Albrecht von Brandenburg 1520 dem polnischen König Sigismund I. den Lehnseid verweigerte, attackierte Danzig Memel mit drei Kriegsschiffen und zerstörte die halbe Stadt. Dabei wurden erneut mit Waren beladene Handelsschiffe erbeutet.[6] Außerdem wurde die für den Schiffsverkehr wichtige Dange-Mündung durch die Versenkung von großen Steinblöcken über lange Zeit blockiert. Erst 1814 konnte diese Barriere entfernt werden; die Steinblöcke wurden dabei u. a. auf dem Süderhuk vergraben und überbaut.[1]

Herzogtum Preußen

Teil von Polen-Litauen

Stadt Memel (links) und Memelburg (rechts) um 1684.

1525 trat der letzte Hochmeister des Ordens, Albrecht von Brandenburg, zum Protestantismus über und legte auf Rat Martin Luthers sein Amt als Hochmeister nieder. Er säkularisierte den Deutschordensstaat zum Herzogtum Preußen und führte dieses als Herzog unter polnisch-litauischer Lehenshoheit.[8]

Durch die ständige Verbesserung der Artillerie waren die Verteidigungsanlagen der Memelburg bereits Anfang des 16. Jahrhunderts wieder veraltet. Daher wurde sie zwischen 1516 und 1519 mit Erdwällen und Bastionen befestigt. Zwischen 1538 und 1550 wurde sie durch französische Ingenieure umfassend ausgebaut und erhielt die Form eines unregelmäßigen Vierecks mit nun fünf Rundtürmen. Außerdem wurden Wohn- und Wirtschaftsgebäude entlang der inneren und äußeren Burgmauern errichtet.[9]

Nach dem Aussterben der Linie Herzog Albrechts fiel Preußen an die brandenburgischen Hohenzollern, die das Kurfürstentum Brandenburg und dass Herzogtum Preußen fortan in Personalunion als Brandenburg-Preußen verwalteten, jedoch dem polnischen König zur Vasallentreue verpflichtet waren.[8]

Am Ende des Polnisch-Schwedischen Krieges musste Kurfürst Georg Wilhelm die Kontrolle über Memel an Schweden abgeben (von 1629 bis 1635).[8]

Im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg konnten die Schweden die Festung 1675 und 1678 nicht einnehmen.[8]

Teil von Brandenburg-Preußen

Lageplan von Memel und der zur Festung ausgebauten Burg von 1742 (linke Bildhälfte). Zum Vergleich rechts die Festung Groß Friedrichsburg in Königsberg.

Durch den Vertragsschluss von Wehlau am 19. September 1657 erlangte das Herzogtum Preußen seine Souveränität von der polnisch-litauischen Krone.[8]

Unter dem „Großen Kurfürsten“ Friedrich Wilhelm wurde die Festung Memel stark befestigt und weiter ausgebaut, sodass Platz für eine Garnison von 400 (Friedenszeit) bzw. 800 Mann (Kriegszeit) geschaffen wurde. Außerdem begann unter ihm eine wirtschaftliche Blüte in der Stadt.[8]

Königreich Preußen

1709 wurde Memel von einer großen Pestepidemie heimgesucht, die etwa 2.000 Todesopfer – mehr als ein Drittel der Bevölkerung – forderte.[8]

Im Siebenjährigen Krieg wurde die Festung Memel von 29. Juni bis 6. Juli 1757 von einer etwa 10.000 Mann starken russischen Armee unter General Wilhelm von Fermor belagert und eingenommen. Bei der Belagerung von Land- und Seeseite wurden 110 Häuser zerschossen und die Festung Memel schwer beschädigt. Zudem brach nach Ankunft der russischen Soldaten eine verheerende Fleckfieber-Seuche aus, die etwa 8.000 Tote forderte. 1762 zogen die Russen nach dem Separatfrieden mit Friedrich II. aus Memel ab.[8]

Durch die Kriegsschäden und einen Brand schwer beschädigt, wurde die Festung 1763 zum letzten Mal erneuert.

Nach dem Krieg begann ein erneuter wirtschaftlicher Aufschwung in Memel. Vor allem Holz, Flachs und auch Getreide waren gefragt, internationale Krisen und Kriege belebten den Handel zusätzlich. Memel erreichte zu dieser Zeit eine ähnlich große wirtschaftliche Bedeutung wie Königsberg.[8]

Luftbild der Burg in Richtung Südwesten mit dem Hafen von Klaipeda (Memel). Das Foto stammt aus 2010, also vor den umfangreichen Rekonstruktionsarbeiten.

Da die Festungsanlagen ihre strategische Bedeutung verloren hatten, der Platz in der Stadt allerdings für die wachsende Wirtschaft begrenzt war, begann man mit der Verfüllung der Befestigungsgräben. Ab 1770 wurden die äußeren Befestigungsanlagen an die Bevölkerung verkauft oder abgebrochen. Auf den Wällen legten die Einwohner Gärten (auch zum Anbau von Obst und Gemüse) an, während die Wassergräben der Zwischenlagerung von geschlagenen Baumstämmen dienten. Dazu wurde eine Verbindung zwischen Dange und Burggraben ausgehoben, über welche 1855 die „Kettenbrücke“ errichtet wurde.[10] Die Gebäude innerhalb der Festung fanden zunächst noch Nutzung durch die Stadt. So waren u. a. das Gericht, das Gefängnis, ein Armenhaus und ein Lazarett in der Zitadelle untergebracht.[11] Dabei verfielen die Gebäude jedoch zusehends.[12]

Zur Erweiterung des Stadtgebiets wurden immer wieder Teile der Festungsanlage eingeebnet. So wurden in den 1840er Jahren die Wassergräben um den nördlichen Ravelin sowie um die nördliche Kontergarde zugunsten des „Neuen Marktes“ verfüllt, bis 1887 folgte der Bereich um die südliche Kontergarde.[13]

Zwischen 1872 und 1874 wurden die letzten Gebäude der Burg abgerissen, wobei die Steine als Baumaterial für die Gebäude in der Stadt Verwendung fanden. Die Wassergräben der Festung wurden als Holzlager und zur Überwinterung kleiner Boote genutzt.

Zwischen 1903 und 1914 wurden die beiden südlichen Bastionen sowie die östliche, südliche, westliche und die nördliche Courtine (teilweise) der Festung abgetragen und mit dem gewonnenen Material der Wassergraben teilweise aufgefüllt.

Beschreibung

Erste Burg – Holzburg

Die erste Memelburg war eine einfache Holzburg, die auf einer von mehreren kleinen Inseln an der Dange-Mündung errichtet wurde (entspricht heute dem linken Dange-Ufer). Sie bestand aus einer Hauptburg und zwei Vorburgen. In der Hauptburg befanden sich ein hölzerner, direkt am Ufer des Haffs errichteter Bergfried sowie mehrere Fachwerkhäuser. Die Vorburgen waren wie kleine Inseln angelegt und mit der Hauptburg mittels Brücken verbunden. Geschützt war diese Burganlage durch Palisaden, aufgeschüttete Erdwälle und natürliche Wassergräben geschützt.[14]

Diese wurde jedoch recht unvorteilhaft auf stark sumpfigem Gelände errichtet, das zudem wenig Platz für Erweiterungen bot, sodass sie zugunsten der zweiten Burg aufgegeben wurde.[9]

Zweite Burg – Steinburg

Die zweite Burg wurde bereits ein Jahr später etwas östlich der ersten Burg errichtet. Sie bestand zunächst aus Stein- und Holzgebäuden, während die Mauern durch Gräben, Wälle und Palisaden geschützt wurden.[9]

Galerie

Siehe auch

Literatur

Commons: Memelburg – Sammlung von Bildern
  • Geschichte von Klaipėda. In: klaipeda-tourism.lt. Klaipėda Tourism, 2011, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. Januar 2014;.
  • Lage in Klaipėda. (GIF) In: krantas.lt. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 28. September 2007; (litauisch, englisch).

Einzelnachweise

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