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Memelburg

Burg in Litauen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Memelburg war eine Deutschordensburg an der Mündung des Kurischen Haffs in die Ostsee, gelegen im heutigen Klaipėda (deutsch: Memel). Viele Jahrhunderte war sie eine der wichtigsten Grenzburgen des Deutschen Ordens und später des Königreichs Preußen. Ab dem 15. Jahrhundert zur Festung ausgebaut, verlor sie Ende des 18. Jahrhunderts ihre Bedeutung und wurde abgetragen. Nach Ausgrabungen und langen Vorarbeiten, wird die Burg in Etappen wieder aufgebaut.[4][5]

Schnelle Fakten
Memelburg
Modell der Memelburg mit Bastionen (17. Jh.)

Modell der Memelburg mit Bastionen (17. Jh.)

Alternativname(n) Aldajaborg[1], Aldeska[1], Neu-Dortmund[2], Memele castrum[3], Mimmelburg[3], castrum Memel[3], Mumel[1], Mümmel[1], Memmel[1], Glaupeda[1], Klawppedda[1], Cleupeda[1], Klaipeda[1]
Staat Litauen
Ort Klaipėda
Entstehungszeit 1252 (Vorgängerbau), 1253
Burgentyp Wasserburg
Erhaltungszustand Ruine
Geographische Lage 55° 42′ N, 21° 8′ O
Memelburg (Litauen)
Memelburg (Litauen)
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Bei der Burg handelt es sich nicht nur um die älteste Backsteinburg Litauens, sondern auch um die einzige mittelalterliche Burg des Landes, die nicht von Balten, sondern von Deutschen erbaut wurde. Archäologische Ausgrabungen brachten bisher zahlreiche historische Funde zu Tage, die Dank gründlicher Untersuchung das Leben auf der Burg bzw. späteren Festung dokumentieren.[6]

Geschichte

Vor dem Eintreffen der ersten Kreuzfahrer war die Region um Memel Siedlungsgebiet kurischer Stämme der historischen Landschaft Pilsaten.[7]

1252 schickte der Hochmeister des Deutschen Ordens seinen Stellvertreter Eberhard von Sayn nach Livland um eine Vereinbarung des Livländischen Landmeisters Andreas von Felben mit dem litauischen Fürsten Mindaugas zu untersuchen. Obwohl dadurch große Gebiete Litauens (ein großer Teil Samogitiens (u. a. die Hälfte der Ländereien von Raseiniai, Betygala und Laukuva), sowie Sudauen und Nadrauen)[8] an den Orden gingen, kritisierten einige Ordensmitglieder seine diplomatische Politik gegenüber den Litauern. Es folgte die Absetzung des Landmeisters, dessen Amt übergangsweise von Eberhard von Sayn übernommen wurde. Dieser gab das Bündnis mit Mindaugas jedoch nicht auf und organisierte stattdessen einen Feldzug gegen dessen Feinde in Samogitien.[8]

Unter dem Livländischen Orden

Memelburg um 1535. Gut erkennbar sind die frühneuzeitlichen Rondelle.

Einige Monate später, am 1. August 1252, unterzeichneten Eberhard und Bischof Heinrich von Kurland die Gründungsurkunde von Burg und Stadt Memel, wo Heinrich seinen Bischofssitz errichten wollte.[9]

Noch im Jahr 1252 errichtete der Livländische Orden (möglicherweise mit Unterstützung litauischer Arbeiter) eine Holzburg auf einer der sumpfigen Inseln des Mündungsdeltas der Dange. Sie sollte die Region als wichtigste Verbindung zwischen den Territorien des Deutschen Ordens im Süden und des Livländischen Ordens im Norden vor Angriffen aus Samogitien absichern. Auch der Deutsche Orden erhoffte sich dadurch Entlastung. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung war der livländische Ordenszweig nämlich bereits weit nach Süden vorgerückt, während der Deutsche Orden in Preußen noch in intensive Kämpfe mit den einheimischen Völkern der Semba und Schalauer verwickelt war, die von den Samogiten unterstützt wurden.[7]

Kurz darauf belagerten die Semba und die Samogiten, für die die Existenz der Burg eine große Gefahr darstellte, erfolglos die Memelburg. Es ist durchaus möglich, dass es sogar zwei Belagerungen (1252, 1253) gab, da gem. Reimchronik der neue livländische Landmeister Anno von Sangerhausen während des Angriffs der Semba im Herbst 1253 in Riga eintraf.[8]

Da sich das Gelände relativ schnell als stark sumpfig und zu eng für einen weiteren Ausbau der Burg herausstellte, wurde im Frühjahr 1253 ein paar hundert Meter entfernt auf einer besser gelegenen Insel mit dem Bau einer neuen Burg aus Backsteinen begonnen, die bereits Ende desselben Jahres fertiggestellt war. Gemäß Vereinbarung erhielt der Orden zwei Drittel der Burg und der Bistum Kurland ein Drittel. Sie diente dem Livländischen Orden fortan als Vorposten der Mission in Kurland und Litauen und war zudem ein wichtiger militärischer Stützpunkt an der schmalen Grenze beider Ordensgebiete.[7] Außerdem wurde noch im selben Jahr die Komturei Memel gegründet, deren Sitz die Memelburg fortan war; erster Komtur wurde Bernhard von Haren, der bisherige Vogt von Goldingen.[8]

Neben dem Komtur bestand der Konvent damals mit dem Hauskomtur, dem Fischmeister, dem Schmiedemeister, 5 Ordensbrüdern und 2 Priesterbrüdern aus lediglich 11 Ordensleuten (alles Deutsche).[10]

Die kurländischen Bischöfe haben nur wenige Jahre in Memel residiert und verlagerten ihren Sitz alsbald nach Pilten. Das 1290 errichtete Domkapitel (die sechs Domherren waren Priester im Deutschen Orden) siedelte 1298 nach Windau über.[9]

Nach der Krönung Mindaugas zum König von Litauen, wurden, wie vereinbart, beträchtliche Ländereien an den Deutschen Orden übergeben. Die davon betroffenen Samogiten konnten sich unter ihrem Anführer Alminas (deutsch Aleman) jedoch der fremden Herrschaft erfolgreich widersetzen und verwickelten den Orden in langwierige, verlustreiche Kämpfe. 1257 rückte eine samogitische Streitmacht sogar bis auf Memel vor und fügte dem Livländischen Orden unter dem neuen Landmeister Burkhard von Hornhausen in einer Feldschlacht eine schwere Niederlage zu. Der verletzte Landmeister konnte sich nur mit großer Mühe bis nach Memel durchkämpfen.[8]

1258 wurde Memel von rebellierenden Litauern aus Crottingen überfallen; als Racheakt wurde daraufhin deren Burg Crottingen zerstört.[7]

Am 14. März 1323 konnten litauische Truppen unter Großfürst Gediminas in die Komturei einfallen und in der Schlacht von Memel die Stadt zerstören. Die Burg jedoch konnte gehalten werden und das feindliche Heer musste sich zurückziehen. Vorausgegangen waren schwere Streitigkeiten und Kämpfe zwischen dem Livländischen Orden und der Kirche, was den Überfall der Litauer begünstigte.[7]

Als eine direkte Konsequenz aus diesem verheerenden Angriff sah sich der Livländische Orden gezwungen, 1328 die Komturei Memel mitsamt Burg und Stadt an den Deutschen Orden abzugeben. Da keine direkte Landbrücke mehr nach Kurland existierte und die einzig verbliebene Versorgungsroute über die Kurische Nehrung bzw. das Haff verlief, war dies ein durchaus logischer Schritt.[7]

Der Bischof von Kurland verzichtete jedoch erst 1392 auf sein Drittel von Memel, weshalb Burg und Stadt erst seitdem vollständig dem Deutschen Orden unterstanden.[9]

Unter dem Deutschen Orden

Aufgrund seiner exponierten Lage und Funktion als wichtiger Brückenkopf des Deutschordensstaats kam Memel aber auch unter der Herrschaft des Deutschen Ordens nicht zur Ruhe. Die ständige Gefahr von Überfällen aus Litauen hemmte zudem die Stadtentwicklung.[7] So wurde die Burg 1379 von Litauern und Samogiten zerstört, 1393 mit einem Bergfried wiedererrichtet und noch im selben Jahr von Litauern erneut zerstört. Seit 1399 wurde der Wiederaufbau der Burg vom Deutschen Orden stark forciert. Bei den Arbeiten wurden vom Hochmeister auch etwa 500 Zwangsarbeiter (hauptsächlich Bauern) aus dem Ermland eingesetzt. Bei Weigerung wurde den Bauern angedroht, ihnen würde die rechte Hand abgehackt.[11]

1398 erhielt der Deutsche Orden vom Litauerfürsten Vytautas im Vertrag zu Sallinwerder Samogitien zugesprochen, als Gegenleistung für die Hilfe des Ordens gegen die Goldene Horde. Dieses Gebiet wurde als Vogtei Samogitien in den Orden eingegliedert, was die Lücke zwischen dem Deutschordensstaat zwischen Livland und Preußen schloss. Dadurch hatte Memel ein Hinterland erhalten und war mit einem Mal keine Grenzstadt mehr.[7]

Dennoch war die Memelburg immer wieder Angriffen ausgesetzt; so wurde sie 1402 abermals von den Samogiten zerstört. Erst im Jahr darauf konnte mit Reparatur- und Ausbauarbeiten begonnen werden. Dazu wurden u. a. 443.000 Ziegelsteine aus Rossitten und Kalk aus Gotland herbeigeschafft. Auch etwa 600 Feldsteine wurden gesammelt und für die Bauarbeiten verwendet. 1403 waren bereits einige Wirtschaftsgebäude fertiggestellt, darunter eine Mühle, eine Ziegelei sowie Scheunen und Ställe. Trotz einer seit 1406 im Ordensgebiet grassierenden Pestepidemie, konnten bereits 1407 die Befestigungsanlagen der Burg wieder instandgesetzt werden. 1408 und 1409 besuchte der Hochmeister Ulrich von Jungingen die Burg und brachte zur Unterstützung den Ordens-Baumeister Nikolaus Fellenstein mit. So konnten die Arbeiten an der Burg bereits 1409 abgeschlossen werden. Bei einem erneuten Angriff der Samogiten im selben Jahr hielt zwar die Burg stand, die noch nicht (vollständig) befestigte Stadt Memel jedoch wurde niedergebrannt. Die Angreifer nutzten hierbei auch die in Burg und Stadt ausgebrochene Pest, welche die Verteidiger stark dezimierte.[12]

Stadt und Festung im Jahre 1674, Gemälde von Józef Naronowicz-Naroński

Die Burg behielt auch nach der Niederlage des Deutschen Ordens in der Schlacht bei Tannenberg (1410) ihre Bedeutung. Im darauffolgenden Ersten Frieden von Thorn musste Samogitien 1411 wieder an Litauen abgetreten werden, wodurch Memel wieder zur Grenzfestung wurde. Im Frühjahr 1414 gelang dem litauischen Großfürsten Vytautas die Einnahme der Burg, wobei die Stadt niedergebrannt und etwa 3.000 Einwohner verschleppt wurden. In der Zeit von 1400 bis 1422 wurde Memel regelmäßig alle 2 – 3 Jahre von Litauern angegriffen, die Festungsbauwerke wurden jedoch immer wieder aufgebaut und erweitert. Laut Schätzungen waren zu dieser Zeit etwa 50 – 60 bewaffnete Männer – mit zeitgemäßer Artillerie (Steinbüchsen und Steinkugeln) ausgestattet – auf der Burg stationiert.[13]

Im Frieden vom Melnosee wurde 1422 die Grenze zwischen dem preußischen Ordensgebiet und Litauen neu geregelt; dieser Grenzverlauf blieb bis 1945 unverändert.[9]

Ab 1422 begannen unter dem Hochmeister Paul von Rusdorf erneut Verbesserungsarbeiten an der Befestigung von Burg und Stadt, die vermutlich um 1440 abgeschlossen waren.[14]

Während des 15. Jahrhunderts wurde die Burg gegen litauisches Geschützfeuer gewappnet und auch für den Einsatz von Feuerwaffen umgerüstet.[15]

Im August 1454 überfielen die Litauer während des Dreizehnjährigen Krieges die Stadt Memel, welche geplündert und zerstört wurde. Nach einer Rückeroberung durch den Orden wurde die Burg durch Aufständische aus der Stadt Danzig, von der Ostsee aus kommend, angegriffen. 1457 griff Danzig erneut an und erbeutete dabei 14 Kriegsschiffe der Hansestädte Hamburg und Lübeck, die zuvor als Unterstützung mit Truppen und Ausrüstung nach Memel geschickt wurden.[7] Acht dieser Schiffe wurden mit der Beute nach Danzig gebracht, während die übrigen sechs zusammen mit einem Burgturm niederbrannten. 1464 versuchte Danzig zusammen mit Truppen der Stadt Elbing und mit Hilfe eines Verräters erneut die Burg einzunehmen, musste dies nach mehreren Fehlschlägen jedoch abbrechen.

1472 wurde die Burg erneut von litauischen Streitkräften belagert.[16]

Als der Hochmeister Albrecht von Brandenburg 1520 dem polnischen König Sigismund I. den Lehnseid verweigerte, attackierte Danzig Memel mit drei Kriegsschiffen und zerstörte die halbe Stadt. Dabei wurden erneut mit Waren beladene Handelsschiffe erbeutet.[7] Außerdem wurde die für den Schiffsverkehr wichtige Dange-Mündung durch die Versenkung von großen Steinblöcken über lange Zeit blockiert. Erst 1814 konnte diese Barriere entfernt werden; die Steinblöcke wurden dabei u. a. auf dem Süderhuk vergraben und überbaut.[1]

Herzogtum Preußen

Teil von Polen-Litauen

Stadt Memel (links) und Memelburg (rechts) um 1684.

1525 trat der letzte Hochmeister des Ordens, Albrecht von Brandenburg, zum Protestantismus über und legte auf Rat Martin Luthers sein Amt als Hochmeister nieder. Er säkularisierte den Deutschordensstaat zum Herzogtum Preußen und führte dieses als Herzog unter polnisch-litauischer Lehenshoheit.[9]

Durch die ständige Verbesserung der Artillerie waren die Verteidigungsanlagen der Memelburg bereits Anfang des 16. Jahrhunderts wieder veraltet. Daher wurde sie zwischen 1516 und 1519 mit Erdwällen und Bastionen befestigt. Zwischen 1538 und 1550 wurde sie durch französische Ingenieure umfassend ausgebaut und erhielt die Form eines unregelmäßigen Vierecks mit nun fünf Rundtürmen. Außerdem wurden Wohn- und Wirtschaftsgebäude entlang der inneren und äußeren Burgmauern errichtet.[15]

Nach dem Aussterben der Linie Herzog Albrechts fiel Preußen an die brandenburgischen Hohenzollern, die das Kurfürstentum Brandenburg und dass Herzogtum Preußen fortan in Personalunion als Brandenburg-Preußen verwalteten, jedoch dem polnischen König zur Vasallentreue verpflichtet waren.[9]

Am Ende des Polnisch-Schwedischen Krieges musste Kurfürst Georg Wilhelm die Kontrolle über Memel an Schweden abgeben (von 1629 bis 1635).[9]

Im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg konnten die Schweden die Festung 1675 und 1678 nicht einnehmen.[9]

Teil von Brandenburg-Preußen

Lageplan von Memel und der zur Festung ausgebauten Burg von 1742 (linke Bildhälfte). Zum Vergleich rechts die Festung Groß Friedrichsburg in Königsberg.

Durch den Vertragsschluss von Wehlau am 19. September 1657 erlangte das Herzogtum Preußen seine Souveränität von der polnisch-litauischen Krone.[9]

Unter dem „Großen Kurfürsten“ Friedrich Wilhelm wurde die Festung Memel stark befestigt und weiter ausgebaut, sodass Platz für eine Garnison von 400 (Friedenszeit) bzw. 800 Mann (Kriegszeit) geschaffen wurde. Außerdem begann unter ihm eine wirtschaftliche Blüte in der Stadt.[9]

Königreich Preußen und Deutsches Kaiserreich

1709 wurde Memel von einer großen Pestepidemie heimgesucht, die etwa 2.000 Todesopfer – mehr als ein Drittel der Bevölkerung – forderte.[9]

Im Siebenjährigen Krieg wurde die Festung Memel von 29. Juni bis 6. Juli 1757 von einer etwa 10.000 Mann starken russischen Armee unter General Wilhelm von Fermor belagert und eingenommen. Bei der Belagerung von Land- und Seeseite wurden 110 Häuser zerschossen und die Festung Memel schwer beschädigt. Zudem brach nach Ankunft der russischen Soldaten eine verheerende Fleckfieber-Seuche aus, die etwa 8.000 Tote forderte. 1762 zogen die Russen nach dem Separatfrieden mit Friedrich II. aus Memel ab.[9]

Durch die Kriegsschäden und einen Brand schwer beschädigt, wurde die Festung 1763 zum letzten Mal erneuert.

Nach dem Krieg begann ein erneuter wirtschaftlicher Aufschwung in Memel. Vor allem Holz, Flachs und auch Getreide waren gefragt, internationale Krisen und Kriege belebten den Handel zusätzlich. Memel erreichte zu dieser Zeit eine ähnlich große wirtschaftliche Bedeutung wie Königsberg.[9]

Luftbild der Burg in Richtung Südwesten mit dem Hafen von Klaipeda (Memel). Das Foto stammt aus 2010, also vor den umfangreichen Rekonstruktionsarbeiten.

Da die Festungsanlagen ihre strategische Bedeutung verloren hatten, der Platz in der Stadt allerdings für die wachsende Wirtschaft begrenzt war, begann man mit der Verfüllung der Befestigungsgräben. Ab 1770 wurden die äußeren Befestigungsanlagen an die Bevölkerung verkauft oder abgebrochen. Auf den Wällen legten die Einwohner Gärten (auch zum Anbau von Obst und Gemüse) an, während die Wassergräben der Zwischenlagerung von geschlagenen Baumstämmen dienten. Dazu wurde eine Verbindung zwischen Dange und Burggraben ausgehoben, über welche 1855 die „Kettenbrücke“ errichtet wurde.[17] Die Gebäude innerhalb der Festung fanden zunächst noch Nutzung durch die Stadt. So waren u. a. das Gericht, das Gefängnis, ein Armenhaus und ein Lazarett in der Zitadelle untergebracht.[18] Dabei verfielen die Gebäude jedoch zusehends.[19]

Zur Erweiterung des Stadtgebiets wurden immer wieder Teile der Festungsanlage eingeebnet. So wurden in den 1840er Jahren die Wassergräben um den nördlichen Ravelin sowie um die nördliche Kontergarde zugunsten des „Neuen Marktes“ verfüllt, bis 1887 folgte der Bereich um die südliche Kontergarde.[20]

Zwischen 1872 und 1874 wurden die letzten Gebäude der Burg abgerissen, wobei die Steine als Baumaterial für die Gebäude in der Stadt Verwendung fanden. Die Wassergräben der Festung wurden als Holzlager und zur Überwinterung kleiner Boote genutzt.

Zwischen 1903 und 1914 wurden die beiden südlichen Bastionen sowie die östliche, südliche, westliche und die nördliche Kurtine (teilweise) der Festung abgetragen und mit dem gewonnenen Material der Wassergraben teilweise aufgefüllt.

Nachkriegszeit

1946 übernahm die 1945 auf dem Gelände der ehemaligen Lindenauer Werft gegründete Schiffsreparaturgesellschaft das Areal der ehemaligen Festung und errichtete hier Lager- und Werkstatthallen; lediglich die beiden nördlichen Bastionen und ein Teil des nördlichen Festungswalls blieben erhalten.

Erst ab 1967 wurden Burganlage, Stadtbefestigung und Altstadt von der Denkmalschutzbehörde der Litauischen SSR unter Denkmalschutz gestellt.

Archäologische Untersuchungen und erste Restaurierungsarbeiten

1968 fanden unter der Leitung von A. Tautavičius die ersten archäologischen Ausgrabungen auf dem Gelände der Memelburg statt.

Zwischen 1975 und 1981 wurden die Forschungen zur Burggeschichte vom Institut für Denkmalpflege in deutlich größerem Umfang fortgeführt.

1993 wurde die Forschungsarbeit durch das Forschungszentrum für Westlitauische und Preußische Geschichte der Universität Klaipeda unter der Leitung von Prof. Vladas Žulkus auf den neusten Stand gebracht und ergänzt.

Erst 1986 begannen umfangreiche Ausgrabungs- und Sanierungsarbeiten auf dem Burggelände. Dabei wurden die erhaltenen nördlichen Bastionen restauriert, die Überreste freigelegter Bauwerke gesichert, Pflastersteine freigelegt sowie die Mauern des Großen Turms erhöht.

Nach der Unabhängigkeit Litauens verabschiedete die Regierung 1994 einen Erlass zur Sanierung der Burganlage Memel.

Im Jahre 2000 übergab die Republik Litauen das Burggelände an die Stadtverwaltung Klaipeda.

Anlässlich des 750-jährigen Jubiläums der Stadt Memel wurde am 1. August 2002 das Burgmuseum mit der Ausstellung „Schloss und Stadt Klaipeda im 13. bis 17. Jahrhundert“ in der zuvor restaurierten Pforte unter der Friedrich-Bastion eröffnet.

Am 1. August 2006 wurde in der Prinz-Karl-Bastion die Ausstellung „Klaipeda 18. bis 21. Jahrhundert“ eröffnet.[21]

Wiederaufbau der Burg

Der rekonstruierte Große Segerturm (2025)

Am 5. April 2007 beschloss die Stadt Klaipeda die Memelburg und das umgebende Gelände zu reorganisieren und als Anziehungspunkt für öffentliche Veranstaltungen, Konferenzen und den Tourismus der Stadt wiederherzustellen.

Am 27. September 2007 nahm die Stadt die Rekonstruktion des Burggeländes in den Stadtentwicklungsplan von 2007–2013 auf. Geplant waren dabei u. a. die Wiederherstellung der Festungswälle und Mauern der Memelburg, die Einrichtung eines internationalen Konferenzzentrums sowie die Erweiterung des Burg-Museums.[22]

Der Wiederaufbau soll in mehreren Etappen erfolgen:

  1. Sicherung und Rekonstruktion der erhaltenen Festungsbauwerke
  2. Rekonstruktion des großen (auch: „grünen“) Segerturms
  3. Rekonstruktion der Memelburg
  4. Wiederherstellung der restlichen Festungswälle, Bastionen und Festungsgraben

2012 begannen die Arbeiten für die erste Phase. Die teilweise abgetragene nördliche sowie die nicht mehr erhaltene östliche Kurtine wurden wiederhergestellt.[22] In Letzterer wurde ein modernes Konferenzzentrum mit 300 Sitzplätzen eingerichtet, außerdem wurde das dortige Treibstofflager aus dem Zweiten Weltkrieg zu neuen Ausstellungsräumen umgebaut (Kosten ca. 4,3 Millionen Euro).[23] Der Burghof wurde für Veranstaltungen vorbereitet; dabei wurde der originale Grundriss der Burg mit Pflastersteinen hervorgehoben.

Ende 2025 war die Rekonstruktion des 47 m hohen großen Segerturms beinahe abgeschlossen. Am 14. November wurden erstmals die Türen für Besucher geöffnet. Statt den ursprünglich veranschlagten 6 Millionen Euro wurden letztlich nur 4,5 Millionen Euro benötigt.[24] Lediglich die Innenausstattung konnte noch nicht realisiert werden, da die hierfür benötigten Mittel in Höhe von etwa 800.000 Euro bisher nicht genehmigt wurden. Da bereits der Wiederaufbau des einzelnen Turms etwa 4,5 Millionen Euro gekostet hat, gibt es aktuell Zweifel an der Finanzierung der restlichen Gebäude. Dennoch soll an der vollständigen Rekonstruktion der als bedeutendes Kulturdenkmal betrachteten Memelburg festgehalten werden.[25]

Beschreibung

Erste Burg

Die erste Memelburg war eine einfache Holzburg und wurde auf einer von mehreren kleinen Inseln an der Dange-Mündung errichtet (entspricht heute dem linken Dange-Ufer). Sie bestand aus einer Hauptburg und zwei Vorburgen, die durch Wassergräben und Palisaden geschützt und mit Brücken untereinander verbunden waren. In der Hauptburg befanden sich ein hölzerner, direkt am Ufer des Haffs errichteter Bergfried sowie mehrere Fachwerkhäuser. Die Vorburgen waren wie kleine Inseln angelegt und mit der Hauptburg mittels Brücken verbunden. Geschützt war diese Burganlage durch Palisaden, aufgeschüttete Erdwälle und natürliche Wassergräben.[26][19]

Diese wurde jedoch recht unvorteilhaft auf stark sumpfigem Gelände errichtet, das zudem wenig Platz für Erweiterungen bot, sodass sie zugunsten der zweiten Burg aufgegeben wurde.[15]

Möglicher Standort

Lageplan von Burg und Stadt Memel um das Jahr 1600 mit eingezeichneten Verläufen der „Alten Dange“ und der „Neuen Dange“, Skizze von Dr. Erich Zurkalowski (1909)

Zur Lokalisierung der ersten Memelburg gibt es mehrere Theorien. Trotz zahlreicher Ausgrabungen ist es bisher nicht gelungen, ihre tatsächliche Lage endgültig und eindeutig zu klären. In der Vergangenheit galt die vorherrschende These, die Burg sei auf dem sumpfigen Boden der Dange-Mündung, in etwa im Bereich der heutigen Festungsanlage bzw. auf der späteren Süderhuk (litauisch Pietinis Ragas) errichtet worden.[7]

Durch die Zusammenführung geologischen, archäologischen und kartografischen Materials und den Vergleich mit dem teilrekonstruierten Geländerelief der alten Stadt Memel stellte sich heraus, dass sich die heutige Stadt-Topografie deutlicher von der mittelalterlichen unterscheidet, als bisher gedacht.[27] Die heutige Dange (früher „Neue Dange“) stellte demnach im 13. Jahrhundert nur einen Nebenarm des eigentlichen Flusses dar und erhielt vermutlich erst durch künstliche Eingriffe im Laufe der letzten Jahrhunderte seine jetzige Form.[28] Das Flussbett der „Alten Dange“ verlief im 13. Jahrhundert ungefähr entlang der heutigen Straße Didžioji Vandens gatvė (deutsch: Große Wasserstraße) und verzweigte sich dann beim heutigen Theaterplatz in ein etwa 800 m breites Flussdelta. Diese Flussarme bildeten mehrere relativ niedrige, sandige Inseln. Zwei der drei größten Inseln lagen nördlich (rechtes Ufer) der Alten Dange direkt nebeneinander, die dritte südlich des Flusses (linkes Ufer). Der Archäologe Vladas Žulkus verortet dementsprechend die erste Burg am linken Ufer der Alten Dange auf der südlichen der drei Inseln.[27]

Zweite Burg

Die zweite Burg wurde bereits ein Jahr später (1253) auf der nordwestlichen der drei großen Inseln angelegt. Es wurden Stein- und Holzgebäude errichtet (darunter auch eine Kapelle), die einen rechteckigen Burghof umschlossen. Die Existenz von Wehrtürmen ist in dieser Bauphase noch nicht belegt. Das Verteidigungssystem bestand dabei aus einer Ziegelmauer mit einem umlaufenden Wassergraben, davor lag ein Erdwall mit einer vorgelagerten Palisade.[29] Vor dieser wurde ein weiterer Wassergraben angelegt. Gleichzeitig entstand auf einer vorgelagerten Insel eine Siedlung (die spätere Stadt Memel), zunächst hauptsächlich für das Burgpersonal.

Durch archäologische Ausgrabungen im nördlichen Teil des Burggeländes lässt sich für die Burg aus dem 14. Jahrhundert in diesem Bereich eine fragmentarische Rekonstruktion anstellen; der südliche Teil der Burganlage, wo sich auch der Hauptteil der Burg befand, konnte bisher noch nicht untersucht werden. So wurden die Fundamente zweier Wehrtürme freigelegt. Einer davon könnte ein Torturm gewesen sein, da bei ihm Spuren eines 2,5 m breiten Tores und eines Steinpflasters gefunden wurde. Beidseitig dieses Tores befanden sich zwei kleine, etwa 1,3 m breite Räume – vermutlich für die Torwachen. Er befindet sich in der Nordost-Ecke der Burg und war ca. 10,5 m lang. Das Fundament des Turms ist flach, er hatte kein Kellergeschoss und war nur ein oder zwei Stockwerke hoch. Das Steinpflaster erstreckte sich vom Tor aus offenbar in Richtung der um 1395 erbauten Brücke. Ähnliche Türme aus dem 14. Jahrhundert finden sich auch in den Ordensburgen Elbing ("Hausturm"), Marienburg und Papau. In der Nordwest-Ecke der etwa 70 m langen nördlichen Burgmauer stand im 14. Jahrhundert ein ähnlicher Turm, dessen Größe jedoch nicht ermittelt werden konnte. Die Fundamente reichen nur in eine Tiefe von ca. 0,8 m.[30]

Nach dem verheerenden Angriff von 1379, bei welchem Burg und Siedlung von Litauern und Samogiten niedergebrannt und zerstört wurden, ging der Wiederaufbau aufgrund fehlender Mittel äußerst schleppend voran. Erst 1393 war der Bergfried (wieder-)errichtet nur um im selben Jahr erneut niedergebrannt zu werden.[19] Der Wiederaufbau der Burg dauerte bis ins Jahr 1409.

Dieser Bergfried wirft heute große Fragen auf. Der als massiver, freistehender und quadratischer Wehrturm beschriebene Bergfried kann 1393 nicht neu erbaut worden sein, da im Ordensstaat derartige Türme nur von 1270 bis 1360 errichtet wurden. Möglich scheint, dass ein bereits bestehender Bergfried lediglich wieder aufgebaut wurde. V. Žulkus vermutet, dass 1393 ein neuer Turm errichtet wurde, in welchem zunächst u. a. ein Gefängnis und ab 1525 die Gemächer Herzog Albrechts untergebracht waren. 1546 wurde er abgerissen. Historische Zeichnungen verorten den Turm in der östlichen Ecke der Burg, direkt neben dem Hauptgebäude. Die Seitenlänge betrug womöglich etwa 12,5 m.[31]

15. Jahrhundert

Das Aussehen der Burg im 15. Jahrhundert kann nach bisherigen Erkenntnissen wie folgt beschrieben werden: Die Burg hatte einen rechteckigen Grundriss von 102 × 70 m und war mit zwei Rundtürmen, einem Torturm, einem Flankierungsturm sowie voraussichtlich einem eckigen Bergfried ausgestattet. Die nördliche Burgmauer war etwa 102 m lang (einschließlich der Türme), 2,1 – 2,2 m stark und vermutlich etwa 11 m hoch. Der obere Teil der Mauer bestand aus Ziegeln, der untere aus Feldsteinen und Ziegeln. Die Steinfundamente reichten 3 – 3,5 m tief in den Boden.

Die Länge der westlichen Burgmauer betrug von Turm zu Turm mindestens 70 m. An der Nordwest- und Südwestecke befand sich je ein Rundturm mit einem Durchmesser von ca. 12 m (Großer Pulverturm (Nordwestecke) und der Herzogsturm bzw. Kurfürstenturm (Südwestecke)). Sie wurden Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet und sollten dem Schutz der Burg von der Haff-Seite aus dienen. Die Fundamente des Großen Pulverturms wurden bei Ausgrabungen vollständig freigelegt, wodurch auch dieselbe Errichtungszeit wie bei den beiden Burgmauern nachgewiesen werden konnte. Die Fundamente des Herzogsturms wurden mitsamt den Resten eines Kellergewölbes nur fragmentarisch freigelegt; sein Mauerwerk schließt ebenfalls an die westliche Burgmauer an. Möglicherweise stand südöstlich dieses Turms ein weiterer runder oder rechteckiger Turm (an der Stelle, wo im 16. Jahrhundert ein Tordurchbruch geschaffen wurde), dies wird sich jedoch erst durch weitere archäologische Untersuchungen bestätigen lassen.[32]

Ausgegrabene Fundamentreste (ca. 3 m südlich des heutigen Segerturms) bei der östlichen Burgmauer weisen auf die Existenz eines Torturms hin. In der nördlichen Burgmauer (westlich des Segerturms) befand sich ein rechteckiger, zum Innenhof offener Flankierungsturm ohne Dach. Er war 23,52 m lang, wies eine Mauerstärke von 1,5 – 1,9 m auf und ragte 5,6 m aus der Mauer hervor. Dieser Turm wurde wahrscheinlich erst Mitte des 15. Jahrhunderts errichtet. Der bereits genannte rechteckige Bergfried ist vermutlich in der südöstlichen Ecke der Burg zu verorten.[33]

Außerhalb der Burgmauern verlief ein etwa 6 m breiter Weg um die Burg herum. Dahinter lag ein 8 – 9 m breiter Wassergraben gefolgt von einem Erdwall mit einer Höhe von etwa 2 m (ausgehend vom Höhenniveau des Burghofs). Hinter diesem mind. 20 m breiten Wall wurden Spuren eines weiteren, 6 m breiten und bis zu 1,5 m tiefen (trockenen) Grabens entdeckt, bevor der Wall schließlich steil zum äußeren Wassergraben abfällt.[34] Ab 1422 wurden zusätzliche Wälle und Fluttore errichtet sowie eben genannter trockener Graben ausgehoben.[35][19] Außerdem wurden die bestehenden Erdwälle um etwa 3 – 3,5 m erhöht, sodass sich deren höchste Stelle nun bis zu 7 m über dem Meeresspiegel befand. Diese Maßnahmen dienten vornehmlich dem Schutz vor feindlicher Artillerie, die zu Beginn des 15. Jahrhunderts bereits so leistungsfähig war, dass die relativ dünnen Burgmauern den Geschützen nicht mehr standhalten konnte.

Wie bei anderen Ordensburgen erhielten auch die Ziegelmauern und Gebäude der Memelburg Verzierungen im Stile der Backsteingotik. Für die Fußböden in den Räumen wurden quadratische, rautenförmige und dreieckige Ziegel aus gebranntem Ton – teils sogar grün glasiert – verwendet. Die Dächer waren zunächst mit Mönch-und-Nonne-Dachziegeln, später mit moderneren Flachziegeln unterschiedlicher Profilierung gedeckt. Manche Dächer besaßen auch eine Holzschindel-Eindeckung. Bei den Ausgrabungen wurden außerdem rauten- und dreieckförmige Fensterscheiben gefunden, die in Bleifassungen eingefasst waren.[36]

Galerie

Siehe auch

Literatur

Commons: Memelburg – Sammlung von Bildern
  • Geschichte von Klaipėda. In: klaipeda-tourism.lt. Klaipėda Tourism, 2011, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. Januar 2014;.
  • Lage in Klaipėda. (GIF) In: krantas.lt. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 28. September 2007; (litauisch, englisch).

Einzelnachweise

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