Memoriav
Schweizerischer Verein zur Wahrung des audiovisuellen Erbes der Schweiz
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Memoriav – Verein zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturgutes der Schweiz (französisch Memoriav – Association pour la sauvegarde de la mémoire audiovisuelle suisse, italienisch Associazione per la salvaguardia della memoria audiovisiva svizzera) ist ein 1995 gegründeter Verein mit Sitz in Bern. In Zusammenarbeit mit Schweizer Gedächtnisinstitutionen führt Memoriav Projekte zur Erhaltung und Erschliessung von Bild- und Tondokumenten durch und macht deren audiovisuelle Bestände über das Portal Memobase[1] recherchierbar.


Ziele
Ziel des Vereins ist die langfristige Erhaltung von analogen und digitalen audiovisuellen Medien (Fotografie, Ton, Film, Video sowie Radio/TV) als Kulturerbe sowie deren Erschliessung und Zugänglichmachung. Der Verein fördert den Informationsaustausch und die optimale Nutzung von Ressourcen zwischen Institutionen und Personen, die in diesem Bereich tätig sind. Als Kompetenzstelle initiiert, unterstützt und begleitet Memoriav konkrete Erhaltungsprojekte, publiziert Empfehlungen und organisiert Weiterbildungsveranstaltungen.
Organisation
Die Vereinsorgane sind die Generalversammlung, der Vorstand, die Geschäftsstelle sowie die Unabhängige Kommission und die Revisionsstelle. 2025 zählt der Verein 300 Mitglieder.[2] Er wird seit 2016 von Christine Egerszegi-Obrist präsidiert, davor von Marie-Christine Doffey (2013–2016), Andreas Kellerhals (2005–2013) und Jean-Frédéric Jauslin (1995–2004). Geführt werden die Geschäfte des Vereins seit 2018 von Cécile Vilas, die auf Christoph Stuehn (2013–2018) und Kurt Deggeller (1998–2012) folgte.
Die Tätigkeit von Memoriav wird durch den Bund unterstützt. Am 16. Dezember 2005 verabschiedete das Parlament das Bundesgesetz über die Ausrichtung von Finanzhilfen an den Verein Memoriav, das per 1. Mai 2006 in Kraft tat.[3] 2012 trat das Kulturförderungsgesetz mit der ersten Kulturbotschaft in Kraft und löste das Bundesgesetz über die Ausrichtung von Finanzhilfen an den Verein Memoriav als gesetzliche Grundlage ab. Das Bundesamt für Kultur und Memoriav schliessen seit 2006 jeweils eine für vier Jahre geltende Leistungsvereinbarung ab.
Geschichte
Der Verein wurde am 1. Dezember 1995 von folgenden Institutionen gegründet: Schweizerische Nationalbibliothek, Schweizerisches Bundesarchiv, Cinémathèque suisse, Schweizerische Nationalphonothek, Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft und Bundesamt für Kommunikation. Als weiteres Gründungsmitglied kam 1998 das Schweizerische Institut zur Erhaltung der Fotografie in Neuenburg hinzu.
Die ersten Überlegungen zu diesem Thema gehen bereits auf das Jahr 1989 zurück, als im Parlament eine Motion[4] von Lilian Uchtenhagen eingereicht wurde, die die Einrichtung einer Zentralen Phono- und Videothek verlangte. Das Parlament überwies die Motion in Form eines Postulats an den Bundesrat, der das Bundesamt für Kultur mit der Umsetzung beauftragte. Eine 1992 eingesetzte Arbeitsgruppe, in der die wichtigsten betroffenen Institutionen vertreten waren, schlug die Schaffung einer nationalen Mediathek (Centre d’information de l’audiovisuel CIAV) vor. Das als zu kostspielig erachtete Projekt wurde jedoch zugunsten eines Netzwerks für audiovisuelle Medien (Réseau d’information de l’audiovisuel RIAV) aufgegeben, was zur Gründung des Vereins MEMORIAV führte.

Memobase
Memobase[1], betrieben von Memoriav, ist eine Aggregationsplattform für audiovisuelle Kulturgüter der Schweiz. In Kooperation mit Schweizer Gedächtnisinstitutionen (Archive, Bibliotheken und Museen) aller Landes- und Sprachregionen ermöglicht das Portal die Recherche nach professionell archivierten Fotografien, Filmen, Ton- und Videodokumenten sowie Radio- und Fernsehsendungen.
Projekte
Zu den über 500 geförderten Erhaltungsprojekten[5] zählen:
- Schweizer Filmwochenschau 1940–1975
- IMVOCS – Stimmen und Bilder der Schweizer Kultur
- Tagesschau / Téléjournal / Telegiornale 1953–1989
- Helvetica der Cinémathèque suisse
- Fotobestand Annemarie Schwarzenbach
- Filme des Rapperswiler Kinounternehmers Leuzinger
- Filme des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes
- Fotobestände im Ringier Bildarchiv
- Tondokumente der Plenarsitzungen der verfassunggebenden Versammlung des Kantons Jura
- Videoaufzeichnungen von Sigurd Leeder
- Fotobestand im Klosterarchiv Einsiedeln
- Schallplattenaufnahmen aus dem Nachlass Elsa Mahler
- Fotosammlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde
- Sendungsarchiv Radio LoRa
- Konzertaufnahmen Jazzfestival Willisau
- Handkolorierte Glasplatten von Josef Hanel
- Pilotstudie zur Erhaltung von Schweizer Videospielen
- Video-Dokumente zur Clubkultur in der Schweiz
Inventare
Als Grundlage der Erhaltungstätigkeit wurden bereits früher medienspezifische Erhebungen durchgeführt. Seit 2022 führt Memoriav im Auftrag des Bundesamtes für Kultur und in Zusammenarbeit mit den Kantonen ein umfassendes Inventarprojekt[6] des audiovisuellen Kulturgutes durch mit dem Ziel, eine Kartographie der in den Kantonen vorhandenen audiovisuellen Bestände zu erstellen und ihren jeweiligen Erhaltungszustand zu ermitteln. Die Resultate[7] der Erhebung dienen Bund und Kantonen als Grundlage für die Präzisierung und Ausweitung ihrer Sammlungs- und Erhaltungsstrategien auf spezifische Erfordernisse des audiovisuellen Kulturerbes. Im Rahmen des ersten Memoriav Kongresses vom 26. November 2024 wurden Ergebnisse der kantonalen Inventarprojekte vorgestellt und mit dem Marché eine Plattform für den Austausch und die Vernetzung unter den Akteuren geboten.[8]
Weblinks
- Website von Memoriav
- Memobase.ch
- Memoriav in der Archivdatenbank des Schweizerischen Bundesarchivs