Meredith Whittaker
US-amerikanische Tech-Expertin und KI-Forscherin
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Meredith Whittaker ist eine US-amerikanische Forscherin und Beraterin, die sich mit den sozialen Auswirkungen und ethischen Fragen von künstlicher Intelligenz (KI) und Datenschutzfragen auseinandersetzt. Sie ist Präsidentin der gemeinnützigen Signal-Stiftung, die den Messenger Signal entwickelt.[1] Seit Sommer 2025 ist sie zudem Mitglied im Verwaltungsrat von Hubert Burda Media.[2] In einem Interview mit der taz vom 10. Oktober 2025 warnte Whittaker vor einer Aushöhlung der Privatheit durch die geplante EU-„Chatkontrolle“ und vor KI-Agenten, die für ihre Funktionalität weitreichende Zugriffe auf persönliche Daten benötigen.[3] Zugleich betonte sie, dass Signal sich ohne Werbe- und Tracking-Erlöse über Spenden finanziert und an einer kostenpflichtigen Premium-Backup-Funktion arbeitet.[3]

Karriere
Meredith Whittaker hat einen Bachelor-Abschluss in Rhetorik von der University of California, Berkeley. Ab 2006 war sie dreizehn Jahre lang bei dem US-amerikanischen Unternehmen Google beschäftigt, wo sie die Google Open Research Group gründete.[4] 2018 war sie eine zentrale Organisatorin der Proteste von Google-Mitarbeitern gegen Diskriminierung und Überwachung und schied im Juli 2019 aus dem Unternehmen aus.[5]
Whittaker hatte daraufhin eine Professur an der New York University inne.[6] Sie ist zudem Mitbegründerin, ehemals Fakultätsdirektorin, und jetzt Beraterin des 2017 gegründeten AI Now Instituts der New York University.[7]
Vom November 2021 bis September 2022 war sie Senior Advisor für Künstliche Intelligenz für die US-amerikanische Federal Trade Commission.[8]

Seit September 2022 ist sie neben ihrer Rolle als Mitglied im dreiköpfigen Aufsichtsrat der gemeinnützigen Signal-Stiftung auch deren Präsidentin.[9] Diese Non-Profit-Organisation trägt die Verantwortung für die gleichnamige Messenger-App Signal.[10] Im Herbst 2025 bestätigte Whittaker, dass sich der jährliche Betriebsaufwand in der Größenordnung von 50 Millionen US-Dollar bewege, der ohne Werbe- oder Tracking-Erlöse vor allem durch Spenden gedeckt werde; ergänzend werde eine kostenpflichtige Premium-Backup-Funktion vorbereitet.[3]
Das Time-Magazine zählte Whittaker 2023 zu den 100 einflussreichsten Menschen im Bereich der KI-Entwicklung.[11] Im Mai 2024 wurde sie für ihre Arbeit zu Künstlicher Intelligenz und Datenschutz in Hamburg mit dem Helmut-Schmidt-Zukunftspreis ausgezeichnet.[12]
Positionen
Whittaker beschreibt die systematische Überwachung von Nutzerinnen und Nutzern sowie das Sammeln personenbezogener Daten als ökonomischen Motor der Tech-Industrie und damit als fundamentalen Widerspruch zum gesellschaftlich hochgehaltenen Wert der Privatheit.[3] Sie sieht die anhaltende Beliebtheit von Datenschutz auch darin bestätigt, dass große Anbieter wie Apple oder Meta ihre Produkte gezielt mit Privatsphäre-Versprechen vermarkten.[3] Als besondere Bedrohung bewertet sie gesetzgeberische Vorhaben wie die EU-„Chatkontrolle“, die starke Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unterlaufen und vertrauliche digitale Kommunikation praktisch verunmöglichen würden.[3] Darüber hinaus warnt sie vor KI-Agenten, die als „Robo-Butler“ weitreichende Zugriffe auf persönliche Daten und Apps bündeln, Privatheit aushöhlen und die Marktmacht dominanter Plattformen weiter verfestigen könnten.[3] Gesellschaftlich befürchtet sie dadurch „chilling effects“, also eine Einengung dessen, was Menschen zu denken, zu sagen und zu diskutieren wagen.[3]
Mit Blick auf die Debatte um digitale Souveränität kritisiert Whittaker eine späte politische Einsicht und warnt vor Scheinlösungen wie Gigafabriken oder einer sogenannten „souveränen Microsoft-Cloud“; stattdessen fordert sie die Förderung offener Technologien, sicherer Kommunikationsmittel und eines gesunden Medien-Ökosystems als Grundlage demokratischer Meinungsbildung.[3] Zugleich lehnt sie die Abwälzung der primären Verantwortung für Datenschutz auf den Einzelnen ab, da gesellschaftliche Teilhabe in vielen Bereichen faktisch an die Nutzung der Dienste großer Plattformen gebunden sei – etwa bei Jobsuche, sozialen Kontakten oder in Schule und Verwaltung.[3]
Literatur
- Meredith Whittaker: The Steep Cost of Capture. In: ACM Interactions. Band 28, Nr. 6, November 2021, S. 50–55, doi:10.1145/3488666 (englisch, ssrn.com [abgerufen am 7. September 2022]).
- Eva Wolfangel: Google-Kritikerin Whittaker: „KI ist eine Technik der Mächtigen“. In: MIT Technology Review. 19. August 2022, abgerufen am 1. September 2022.
- Andreas Proschofsky: Neue Signal-Chefin: "Werden uns nicht am Geschäftsmodell der Überwachung beteiligen" In: Der Standard. 6. September 2022, abgerufen am 9. Februar 2023.
- Simon Hurtz: "Whatsapp ist weder wirklich sicher noch privat" In: Süddeutsche Zeitung. 7. September 2022, abgerufen am 9. Februar 2023.
- Ruth Fulterer: "Künstliche Intelligenz kommt direkt aus dem Überwachungsmonopol der Tech-Firmen" In: Neue Zürcher Zeitung. 6. September 2022, abgerufen am 9. Februar 2023.
- Meredith Whittaker bei einer Diskussion mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa zum Thema "Digitale Öffentlichkeit – brauchen wir eine neue Aufklärung?" (Video-Aufzeichnung), abgerufen am 15. Juli 2024.
Weblinks
- Profil bei AI Now Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Juni 2025, abgerufen am 2. Juni 2025
- Offizielle Webseite der Signal Foundation
- Meredith Whittakers Twitter Präsenz
- Meredith Whittaker auf Mastodon