Merrill Carlsmith

US-amerikanischer Sozialpsychologe und Hochschullehrer From Wikipedia, the free encyclopedia

James Merrill Carlsmith (* 12. April 1936 in New Orleans; † 19. April 1984 in Portola Valley) war ein US-amerikanischer Sozialpsychologe und Professor am Stanford Center for the Study of Youth Development an der Stanford University.[1]

Leben

Er war der Sohn von Leonard und dessen Ehefrau Hope (geb. Snedden) Carlsmith; er wuchs in Baton Rouge mit den zwei Brüdern Roger und Allan auf. 1954 begann er gemäß einer langen Familientradition sein Studium an der Stanford University. Hier entschied er sich zusammen mit seinem Cousin David O. Sears für das Fach Psychologie. Er schloss sich als Student Leon Festingers Forschungsgruppe an und arbeitete für seine Abschlussarbeit mit Festinger an einer Studie zu kognitiver Dissonanz zusammen, die über Nacht zum Klassiker wurde. Diese Studie wurde 1958 mit dem Sigma-Xi-Preis für herausragende studentische Forschung ausgezeichnet und zählt auch ein Vierteljahrhundert später noch zu den zwölf meistzitierten Artikeln auf diesem Gebiet. Im selben Jahr wurde Merrill außerdem in die akademische Ehrengesellschaft Phi Beta Kappa aufgenommen. Im Herbst 1958 begann er sein Promotionsstudium an der Harvard University, für das er durch ein Ehrenstipendium der Woodrow Wilson Foundation und ein Forschungsstipendium der National Science Foundation unterstützt wurde. Hier setzte er am Department of Social Relations seine Forschung zur Dissonanztheorie fort und entwickelte in Zusammenarbeit mit seinem Doktorvater Elliot Aronson eine Reihe von Experimenten, die zur Formulierung neuer Paradigmen für die Forschung in diesem Bereich. 1962 promovierte er hier. Der Titel seiner Dissertation lautete Strength of Expectancy: Its Determinants and Effects.

Von 1962 bis 1964 war er zwei Jahre als Assistenzprofessor an der Yale University. Durch den Kontakt mit Robert Abelson verbesserte er seine Kenntnisse in psychologischer Statistik und im Go-Spiel. 1964 kehrte er als Dozent nach Stanford zurück. Im Laufe des folgenden Jahrzehnts setzte er seine Forschung zur Dissonanztheorie fort und entwickelte Forschungsprogramme zur nonverbalen Kommunikation und den Determinanten sozialer Konformität. Später engagierte er sich aktiv in der Universitätsverwaltung. 1979 übernahm er die Aufgaben des stellvertretenden Vorsitzenden des Fachbereichs Psychologie. 1980 wurde er zum Direktor des Stanford Center for the Study of Youth Development ernannt.

Werk

Als Sozialpsychologe erwarb er sich den Ruf, ein hervorragender Methodiker zu sein, und in seiner Forschung nutzte er experimentelle Techniken optimal. Bekannt wurde er durch eine Studie mit Leon Festinger zur Kognitiven Dissonanz. In ihrer Studie von 1959 sagten sie voraus, dass eine Rede, die für einen geringen Geldbetrag gehalten wurde, eine positivere Einstellung zur Aufgabe hervorrufen würde als eine Rede, die für einen hohen Geldbetrag gehalten wurde. Und genau das fanden sie auch. Die hohe Belohnung trug dazu bei, die Dissonanz zu reduzieren (indem sie eine konsonante Kognition schuf), aber diejenigen, die nur 1 Dollar erhielten, konnten ihren Widerspruch nicht so leicht erklären. Daher reduzierten sie ihre Dissonanz, indem sie ihre Einstellung zur Aufgabe änderten, sodass sie besser mit ihrem Verhalten übereinstimmte. Dieses Ergebnis widersprach behavioristischen Annahmen, nach denen eine größere Belohnung auch einen größeren Lerneffekt hervorrufen soll.

Er arbeitete auch mit Kollegen aus der Soziologie und Pädiatrie an einer Reihe von Forschungsprojekten zusammen und war neben Mike Wald und Herb Liederman einer der Hauptforscher einer bedeutenden Studie zu den Determinanten von Sorgerechtsentscheidungen und den Folgen von Unterbringung im Elternhaus bzw. in Pflegefamilien für misshandelte oder vernachlässigte Kinder.

Ehrungen/Positionen

  • 1980: Dekanpreis für herausragende Lehre der Stanford University
  • 1975–1976: Fellow am Center for Advanced Study in the Behavioral Sciences (CASBS)[2]
  • 1958: Mitglied von Phi Beta Kappa
  • 1958: Sigma Xi Award für seine herausragende studentische Forschungsarbeit

Privates

In Harvard lernte er Lyn Kuckenberg, die spätere Sozialpsychologin Lyn Carlsmith (geb. als Karolyn Gai Kuckenberg, 1932–2011) kennen, eine Kommilitonin im Fachbereich Sozialbeziehungen und ebenfalls vormalige Studentin aus Stanford. Sie heirateten 1963 in Portland. Er war bis zu seinem Tod mit ihr verheiratet. Aus der Ehe stammten die drei Kinder Christopher, Kimberly und Kevin (Professor für Psychologie an der Colgate University und verstorben mit 44 Jahren an Krebs[3]). Er verstarb im Alter von 48 Jahren an Krebs. Die übrigen Familienangehörigen überlebten ihn.

Publikationen (Auswahl)

Monografien
  • Mit Michael S. Wald; Herbert Leiderman: Protecting Abused and Neglected Children. Stanford University Press, Redwood City 1988, ISBN 978-0-8047-1420-4.
  • Mit Phoebe Ellsworth; Elliot Aronson: Methods of Research in Social Psychology. Longman Higher Education, London 1977, ISBN 978-0-201-00346-8.
  • Mit Jonathan L. Freedman; David O. Sears: Social Psychology (2nd ed.). Prentice Hall, Upper Saddle River 1974, ISBN 978-0-13-817833-8.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
  • Mit Paula Duke Duncan; Philip L. Ritter; Sanford M. Dornbusch; Ruth T. Gross: The effects of pubertal timing on body image, school behavior, and deviance. In: Journal of youth and adolescence, 1985, 14 (3), S. 227–235.
  • Mit Sanford M. Dornbusch; Herbert Leiderman; Albert H. Hastorf; Ruth T. Gross; Philip L. Ritter: Black Control of Adolescent Dating. In: Sociological Perspectives, 1984, 27 (3).
  • Mit S. M. Dornhusch; R. T. Gross; J. A.Martin; D. Jennings; A. Rosenberg; P. Duke: Sexual Development, Age, and dating: A comparison of biological and social influences upon one set of behaviors. In: Child Development, 1981, 52, S. 179–185.
  • Mit A. E. Gross: Some effects of guilt on compliance. In: Journal of Personality and Social Psychology, 1969, 11 (3), S. 232–239.
  • Mit P. C. Ellsworth: Effects of eye contact and verbal content on affective response to a dyadic interaction. In: Journal of Personality and Social Psychology, 1968, 10 (1), S. 15–20.
  • Mit Barry E. Collins; Robert L Helmreich: Studies in forced compliance I: The effect of pressure for compliance on attitude change produced by face-to-face role playing and anonymous essay writing. In: Journal of Personality and Social Psychology, 1965, 4 (1), S. 1–13.
  • Mit Elliot Aronson: Effect of the severity of threat on the devaluation of forbidden behavior. In: The Journal of Abnormal and Social Psychology, 1963, 66, S. 584–588.
  • Mit Elliot Aronson: Some hedonic consequences of the confirmation and disconfirmation of expectances. In: The Journal of Abnormal and Social Psychology, 1963, 66 (2), S. 151–156.
  • Mit Elliot Aronson: Performance expectancy as a determinant of actual performance. In: Journal of Abnormal & Social Psychology, 1962, 65 (3), S. 178–182.
  • Mit Leon Festinger: Cognitive Consequences of Forced Compliance. In: Journal of Abnormal and Social Psychology, 1959, 58 (2), S. 203–210.

Einzelnachweise

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