Methylglycol

chemische Verbindung From Wikipedia, the free encyclopedia

Methylglycol (Ethylenglycolmonomethylether (EGMM), 2-Methoxyethanol) ist eine farblose, angenehm riechende Flüssigkeit aus der Gruppe der Glycolether, die als Lösungsmittel für Lacke, Farben und Harze eingesetzt wurde.

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Struktur von Methylglycol
Allgemeines
Name Methylglycol
Andere Namen
  • Ethandiolmonomethylether
  • 2-Methoxyethanol
  • Glycolmonomethylether
  • Methylcellosolve
  • 1-Methoxy-2-hydroxyethan
  • Methylglykol
  • EGME
  • METHOXYETHANOL (INCI)[1]
Summenformel C3H8O2
Kurzbeschreibung

farblose Flüssigkeit mit etherischem Geruch[2]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 109-86-4
EG-Nummer 203-713-7
ECHA-InfoCard 100.003.377
PubChem 8019
ChemSpider 7728
DrugBank DB02806
Wikidata Q903362
Eigenschaften
Molare Masse 76,10 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig[2]

Dichte

0,97 g·cm−3[2]

Schmelzpunkt

−86 °C[2]

Siedepunkt

124 °C[2]

Dampfdruck
  • 12 hPa (20 °C)[2]
  • 21 hPa (30 °C)[2]
  • 60 hPa (50 °C)[2]
pKS-Wert

14,8 (25 °C)[3]

Löslichkeit

mischbar mit Wasser[2]

Brechungsindex

1,4024 (20 °C)[4]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[5] ggf. erweitert[2]
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 226302+312+332360FD370373
P: 210280301+312303+361+353304+340+312[2]
Zulassungs­verfahren unter REACH

besonders besorgnis­erregend: fortpflanzungs­gefährdend (CMR)[6]

MAK

DFG/Schweiz: 1 ml·m−3 bzw. 3,2 mg·m−3[2][7]

Toxikologische Daten

2370 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)[2]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C
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Gewinnung und Darstellung

Es bildet sich als Nebenprodukt in großen Mengen bei der Herstellung von Hydroxyethylmethylcellulose (HEMC), das aus alkalisierter Cellulose mit Ethylenoxid und Methylchlorid in einer „Eintopfreaktion“ hergestellt wird.

Eigenschaften

Physikalische Eigenschaften

Ethylenglycolmonomethylether ist eine entzündliche, luftempfindliche farblose Flüssigkeit mit angenehmem Geruch. Der Siedepunkt liegt bei Normaldruck bei 124 °C.[2] Die Dampfdruckfunktion ergibt sich nach Antoine entsprechend log10(P) = A−(B/(T+C)) (P in bar, T in K) mit A = 5,06386, B = 1853,556 und C = −30,838 im Temperaturbereich von 329 bis 396 K.[8] Die Verbindung ist mit Wasser in jedem Verhältnis mischbar.[2] Es bildet mit 84,7 % Wasser ein konstant bei 99,9 °C siedendes Azeotrop. Mit 75 % Toluol erhält man ein konstant bei 105,9 °C siedendes Azeotrop.[9]

Chemische Eigenschaften

Glycolmonoalkylether verhalten sich inert gegenüber Leichtmetallen wie Aluminium oder Magnesium. Am Siedepunkt ist jedoch eine langsame oberflächliche Korrosion zu beobachten.[10]

Verwendung

Bis in die 1980er wurde Ethylenglycolmonomethylether als Lösemittel für Lacke und Farben, als Lösemittel bei der Leiterplattenherstellung und für die Färbung von Leder verwendet. Es war in industriellen Lackreinigern und Reinigungsmitteln für Oberflächen enthalten und diente zur Herstellung von ofentrocknenden Industrielacken.[2] Es wurde industriell durch andere ähnliche Lösemittel ersetzt,[11] z. B. durch Methoxypropanol.

Sicherheitshinweise

Sicherheitstechnische Kenngrößen

Ethylenglycolmonomethylether bildet entzündliche Dampf-Luft-Gemische. Die Verbindung hat einen Flammpunkt bei 39 °C.[2][12] Der Explosionsbereich liegt zwischen 2,5 Vol.‑% (80 g/m3) als untere Explosionsgrenze (UEG) und 20 Vol.‑% (630 g/m3) als obere Explosionsgrenze (OEG).[2][12] Der untere Explosionspunkt beträgt 35 °C.[2] Die Grenzspaltweite wurde mit 0,81 mm bestimmt.[2][12] Es resultiert damit eine Zuordnung in die Explosionsgruppe IIB. Die Zündtemperatur beträgt 285 °C.[12][2] Der Stoff fällt somit in die Temperaturklasse T3.

Gesundheitliche Gefahren

Methylglycol wurde am 15. Dezember 2010 in der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe aufgenommen.[6] Es hat vor allem eine toxische Wirkung auf das Keimepithel des Hodens und die embryonalen und fetalen Gewebe in der Gebärmutter. Methylglycol hat somit eine teratogene Wirkung.

Nach dem Bekanntwerden der fruchtschädigenden Wirkung dieses Stoffes hat ein Substitutionsprozess stattgefunden, der dazu geführt hat, dass dieses Lösungsmittel für Lacke in Konsumprodukten nicht mehr und in Industrielacken nur noch in geringen Mengen verwendet wird.

Commons: Methylglycol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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