Michael Grisko

deutscher Literaturwissenschaftler, Medienwissenschaftler und Kulturmanager From Wikipedia, the free encyclopedia

Michael Grisko (* 16. Februar 1971 in Kassel) ist ein deutscher Literatur- und Medienwissenschaftler sowie Kulturmanager. Er ist Geschäftsführer der Richard-Borek-Stiftung in Braunschweig. Seit dem Wintersemester 2022/23 ist er Honorarprofessor am Fachbereich Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Erfurt.[1] Im November 2024 wurde er zum ehrenamtlichen Vorstand der Hilde und Olaf-Werner-Stiftung zur Förderung des Stiftungswesens berufen.[2]

Michael Grisko

Leben

Von 1990 bis 1996 studierte Michael Grisko Germanistik, Politik und Europäische Medienwissenschaften in Kassel und Dijon. Danach war er fünf Jahre lang als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Kulturforschung der Universität Kassel beschäftigt. In dieser Zeit legte er mit Publikationen und Tagungen zu Heinrich Mann, zur Freikörperkultur um 1900, Film und Literatur in der Weimarer Republik, Hans Fallada, zur Gefühlskultur (Liebe, Lust und Leid) und zur zeitgenössischen Medienkultur (TV ’99) die Grundlagen seiner bis heute beibehaltenen Forschungsschwerpunkte, zu denen seit einigen Jahren auch der DEFA-Film zählt.[3]

In den Jahren 2002 bis 2006 arbeitete Grisko als redaktioneller Mitarbeiter beim ZDF-Landesstudio sowie bei 3sat Kulturzeit. In diesem Zusammenhang begleitete er unter anderem die Langzeitdokumentation Jahrhundertprojekt Museumsinsel. In diesem Kontext publizierte er auch einige Beiträge zum Themenkomplex Museumsinsel.[4] Zeitweilig war er in diesen Jahren auch als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Projekt Expositionen: Ausstellungen und Ausstellungsästhetiken an der Universität Kassel beschäftigt.[5] 2006 promovierte er mit summa cum laude an der Universität Kassel mit der Studie Heinrich Mann und die siebte Kunst, die Manns Verhältnis zum Film thematisiert.

In Lübeck war er von 2006 bis 2008 Wissenschaftlicher Leiter des Buddenbrookhauses[6] und verantwortete u. a. Ausstellungen zu Heinrich Manns Roman Der Untertan[7] und dem gleichnamigen Film von Wolfgang Staudte sowie zu den Bildnissen der Familie Mann. Als Stipendiat der DEFA-Stiftung arbeitete er 2009 den Nachlass des DEFA-Direktors Albert Wilkening im Filmmuseum Potsdam auf und erstellte die erste Monographie zu Wilkening. Zur gleichen Zeit war er Inhaber und Leiter des Büros kultur-praxis (beraten, kuratieren, kommunizieren).

2010 wechselte Grisko als zertifizierter Stiftungsmanager zur Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Dort verantwortete er die Projektförderung und -entwicklung in Thüringen. 2018 initiierte er eine Reihe von Ausstellungen unter dem Titel Moderne in der Provinz[8], zu der 2022 das Buch Moderne und Provinz. Weimarer Republik in Thüringen[9] erschien. Im Frühjahr 2020 startete die von ihm kuratierte Ausstellung Drehort Thüringen. DEFA-Produktionen 1946–1992 zunächst mit Stationen in der Landesvertretung des Freistaats Thüringen in Berlin und im Haus Dacheröden in Erfurt.[10][11]

Die aus seiner Sammlung bestückte Ausstellung „Nicht nur – Marlene Dietrich auf dem Fass sitzend“ eröffnete im Juli 2021 in der Villa Rosenthal (Jena),[12] dazu erschien bei der Landeszentrale für politische Bildung (Thüringen) der Band Der blaue Engel im Rahmen der Reihe Die Geschichte hinter dem Bild.[13][14]

Seit 1. Januar 2022 ist er Geschäftsführer der Richard Borek Stiftung in Braunschweig.[15]

Die von ihm zusammen mit Studierenden der Universität Erfurt kuratierte Ausstellung „60 Jahre 'Nackt unter Wölfen' – Zwischen Mythos, internationaler Filmgeschichte und regionaler Erinnerungskultur“[16] war nach Stationen in Thüringen, dem Industrie- und Filmmuseum Wolfen[17], dem Braunschweig International Film Festival vom 28. März bis 13. April 2025 im Rahmen der Merseburger DEFA-Filmtage zu sehen.

Seit 2005 beschäftigt er sich auch regelmäßig mit Fragen des Museums-[18] und Ausstellungswesens[19], u. a. mit regelmäßigen Besprechungen von Ausstellungen[20], Beiträgen zur aktuellen Debatte[21], etwa auch zur Kundenbindung in Kulturinstitutionen[22] und als Diskussionspartner zuletzt bei der Eröffnung des Internationalen Museumstags 2018 in Berlin.[23] Das von ihm in Zusammenarbeit mit der Thüringer Landesmedienanstalt für Thüringen entwickelte und durchgeführte Projekt Hör mal im Museum[24] (Audioguide von Kindern für Kinder) gewann im Jahr 2020 den DAVID der Sparkassenorganisation, der u. a. für kleine Stiftungsprojekte mit großer Wirkung verliehen wird.[25]

Er lehrte u. a. als Dozent im Intensivlehrgang Stiftungsmanagement[26] an der Universität Leipzig und publiziert u. a. in der Zeitschrift für Stiftungs- und Vereinswesen und Stiftung und Sponsoring zu Themen des Stiftungswesens[27] und Stiftungsmanagements.[28] Seit 2018 gibt er mit Almuth Werner aus Leipzig die im Leipziger Universitätsverlag erscheinende Schriftenreihe Stiftungen in Theorie, Praxis und Geschichte heraus. Darüber hinaus zeichnete er als Mitglied der Kulturpolitischen Gesellschaft e. V. bis 2021 inhaltlich und organisatorisch verantwortlich für die Reihe „Thüringer Debatte zur Kulturpolitik“, die seit 2015 in Erfurt stattfindet.[29] Seit 2017 gibt er zusammen mit Tobias J. Knoblich die Schriftenreihe Aktuelle Beiträge zur Kulturpolitik heraus.

Als Vorstandsmitglied von Cinegraph Babelsberg e. V. (von 2010 bis 2018) war Michael Grisko Mitherausgeber der Zeitschrift Filmblatt und der Reihe Filmblatt-Schriften. In diesem Kontext entstanden auch die von ihm herausgegebenen Sammelbände zu den DEFA-Regisseuren Günter Reisch und Rainer Simon. Im Mai 2025 erschien sein Buch Ich war nie eine Hauptplanposition!... zu dem DEFA-Regisseur Rolf Losansky. Seit den späten 1990er Jahren nimmt Michael Grisko Lehraufträge im Bereich Literatur- und Medienwissenschaft wahr, u. a. an der TU Braunschweig, Universitäten Erfurt, Flensburg und Jena. Darüber hinaus ist er eigenständiger Kurator von Film- und Vortragsreihen (u. a. Günter Reisch: Zwischen Historienfilm und Gegenwartskomödie[30], Sportfilm der DEFA, DHM/Zeughauskino[31] bzw. DEFA in Thüringen, Universität Erfurt[32]).

Er ist als Publizist, Referent[33] und Moderator[34] tätig. So begleitete er 2024 die Retrospektive des Filmfestivals „achtungberlin“ zum Thema „Statt leben – Wohnen in Berlin“ mit zwei Einführungen zu den DEFA-Filmen Irgendwo in Berlin (1946) und Die Architekten (1990) und der Teilnahme an der Podiumsdiskussion mit Bezirksstadtbaurat Florian Schmidt (Friedrichshain/Kreuzberg).[35] bei den 20. Merseburger DEFA-Filmtagen moderierte er den Eröffnungsfilm "Ich, Thomas Müntzer Sichel Gottes".[36] Darüber hinaus arbeitete er in verschiedenen Jurys. 2019 war er als Juror für den Mitteldeutschen Bürgermedienpreis tätig,[37] seit 2008 ist er Mitglied in der Jury des GEDOK-Literaturpreises und hielt die Laudatio auf Ulla Hahn (2010), auf Monika Maron[38] (2017) und Nora Gomringer (2024)[39]. Er wird häufig vom Rundfunk und Fernsehen als Gast zu Themen der Kultur- und Mediengeschichte[40] angefragt[41] – zuletzt im August 2024 für die Dokumentation Unterwegs in Thüringen zu Drehorten der DEFA und des DFF.[42]

Schriften

Monographien

Reihenherausgeber

  • mit Tobias J. Knoblich: Aktuelle Beiträge zur Kulturpolitik, Leipziger Universitätsverlag
  • mit Almuth Werner: Stiftungen in Theorie, Praxis und Geschichte, Leipziger Universitätsverlag

Herausgeberschaften

Einzelnachweise

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