Michaela Ralser

Erziehungs- und Sozialwissenschaftlerin an der Universität Innsbruck From Wikipedia, the free encyclopedia

Michaela Ralser (* 1962 in Bozen) ist eine Erziehungs- und Sozialwissenschaftlerin an der Universität Innsbruck.[1] Seit 2016 ist sie Universitätsprofessorin am Institut für Erziehungswissenschaft. Von 2013 bis 2021 war sie Dekanin der Fakultät für Bildungswissenschaften[2], seit 2022 ist sie Mitglied des akademischen Senats der Universität[3].

Werdegang

Nach dem Besuch des Humanistischen Gymnasiums in Meran studierte Ralser Erziehungswissenschaften, Psychologie, Politikwissenschaften und Zeitgeschichte, überwiegend an der Universität Innsbruck. Sie promovierte 1989 mit einer soziografischen Studie zur Gegenwartsgeschichte einer Single Factory Town. Es folgte ein postgradualer Aufenthalt an der Humboldt-Universität zu Berlin 1990/91. Ralser ist auch ausgebildete Psychotherapeutin, war von 1991 bis 1993 Patientenanwältin am ehemaligen Psychiatrischen Krankenhaus Hall, arbeitete für mehrere Jahre psychotherapeutisch sowie beratend und in ehrenamtlicher Leitungsverantwortung von NGOs vor allem in den Bereichen Asyl und Fluchtmigration.[4]

Von 1994 bis 2008 war Ralser zuerst Assistentin, dann Assistenzprofessorin am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck und mitbeteiligt am Aufbau des Lehrbereichs „Kritische Geschlechter- und Sozialforschung“. 2009 habilitierte sie sich mit der Arbeit „Das Subjekt der Normalität. Wissensproduktion und Wissenskommunikation am Beispiel der Psychiatrie als Gesellschaftswissenschaft um 1900“, die überarbeitet 2010 im Fink-Verlag erschien.[5] Im selben Jahr erfolgte die Ernennung zur Ao. Univ. Professorin. Seit 2016 ist sie Universitätsprofessorin mit dem Schwerpunkt „Theorie und Geschichte öffentlicher Erziehung und Epistemologie des Subjekts“ und verantwortlich für den Arbeitsbereich „Historische Bildungs- und Sozialforschung“. In dessen Rahmen wurden Projekte zur Aufarbeitung der jüngeren Geschichte der Fürsorge(heim)erziehung und Heilpädagogik realisiert.[6][7][8]

Forschungsschwerpunkte

Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören: Theorie und Geschichte der Kindheit, Strukturwandel des Subjekts und Subjektivierungen der Gegenwart, Sozial- und Institutionengeschichte der Heim- und Heilerziehung und der sie anleitenden Wissenschaften des mediko-pädagogischen Feldes, Care- und Körperregime im Geschlechter- und Generationenverhältnis.

Auszeichnungen

Publikationen (Auswahl)

Monografien

  • Das Subjekt der Normalität. Wissensarchiv der Psychiatrie. Kulturen der Krankheit um 1900. Paderborn, Wilhelm Fink Verlag, 2010. ISBN 978-3-7705-4980-1
  • Heimkindheiten. Geschichte der Jugendfürsorge und Heimerziehung in Tirol und Vorarlberg (mit Ulrich Leitner, Flavia Guerrini, Nora Bischoff, Christine Jost, Martina Reiterer). Innsbruck, StudienVerlag 2017. ISBN 978-3-7065-5537-1
  • Ralser, Michaela (mit Bechter, Anneliese; Guerrini, Flavia): Regime der Fürsorge. Eine Vorstudie zur Geschichte der Tiroler und Vorarlberger Erziehungsheime und Fürsorgeerziehungssysteme der Zweiten Republik. innsbruck university press (IUP), Innsbruck 2014. ISBN 978-3-902936-45-5

Als Herausgeberin

  • Hrsg. mit Mechthild Bereswill, Flavia Guerrini, Gisela Hauss, Ulrich Leitner: Reformdynamiken in der Heimerziehung 1970 bis 1990. Fallstudien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Weinheim, Beltz-Juventa, 2025 ISBN 978-3-7799-9068-0
  • Hrsg. mit Paul Mecheril, Roland Reichenbach, Erol Yildiz: Politische Bildung in der Migrationsgesellschaft. Themenheft der Zeitschrift für Pädagogik 4/2022. ISSN 0044-3247.
  • Hrsg. mit Lisa Gensluckner, Oscar Thomas-Olalde, Erol Yildiz: Die Wirklichkeit lesen. Political Literacy und politische Bildung in der Migrationsgesellschaft. Bielefeld, Transcript Verlag, 2021. ISBN 978-3-8376-5614-5
  • Hrsg. mit Elisabeth Dietrich-Daum, Dirk Rupnow: Psychiatrisierte Kindheiten. Die Innsbrucker Kinderbeobachtungsstation von Maria Nowak-Vogl (1954-1987). Innsbruck, StudienVerlag, 2020. ISBN 978-3-7065-5914-0
  • Hrsg. mit Elisabeth Dietrich-Daum, Elisabeth Lobenwein: Medikalisierte Kindheiten. Die neue Sorge um das Kind vom ausgehenden 19. bis ins späte 20 Jahrhundert. Virus. Beiträge zur Sozialgeschichte der Medizin, Heft Nr. 17, Leipzig 2018. ISBN 978-3-96023-203-2
  • Hrsg. mit Sabine Gatt, Kerstin Hazibar, Max Preglau: Geschlechterverhältnisse in Migrationsgesellschaften: Repräsentationen - Kritik – Differenz. Sonderheft der Österreichischen Zeitschrift für Soziologie (ÖZS), Wiesbaden, Springer, 2016. ISBN 978-3-658-15886-6
  • Hrsg. mit Reinhard Sieder: Die Kinder des Staates/Children of the State. Themenheft der Österreichischen Zeitschrift für Geschichtswissenschaften, Heft 1+2/2014. ISBN 978-3-7065-5334-6
  • Hrsg. mit Maria Heidegger, Celia Di Pauli, Lisa Noggler, Siglinde Clementi, Elisabeth Dietrich-Daum, Hermann Kuprian: Ich lasse mich nicht länger für einen Narren halten/Non vi permetterò più di farmi passare per matto. Eine Ausstellung zur Geschichte der Psychiatrie in Tirol, Südtirol und im Trentino/Una mostra sulla storia della psichiatria in Tirolo, Alto Adige e Trentino. Bozen, Edition Raetia, 2012. ISBN 978-88-7283-418-3
  • Hrsg. mit Elisabeth Dietrich-Daum, Hermann Kuprian, Siglinde Clementi, Maria Heidegger: Psychiatrische Landschaften. Die Psychiatrie und ihre Patientinnen und Patienten im historischen Raum Tirol seit 1830. Innsbruck, university press, 2011. ISBN 978-3-902811-11-0. Italienische Ausgabe: La psichiatria e i suoi pazienti nell’area del Tirolo storico dal 1830 a oggi. Innsbruck, university press, 2012. ISBN 978-3-902811-27-1

Aufsätze

  • Die lounge durée der Fürsorgeerziehung. Untersuchungen zum langen Ende der Anstalt. In: (De)Institutionalisierung von Bildung und Erziehung, hg. von Rita Casale, Fabian Kessl, Nicolle Pfaff, Martina Richter, Anja Tervooren, Frankfurt, Campus, 2024, S. 189–208. ISBN 978-3-593-51905-0
  • Die Sorge um das erziehungsschwierige Kind. In: Kinder- und Jugendpsychiatrie im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit. Zur Geschichte ihrer Konsolidierung, hg. von Sascha Topp, Klaus Schepker, Heiner Fangerau, Heidelberg, Springer, 2017, S. 557–578. ISBN 978-3-662-49805-7
  • Die Illegitimen. Migrationsregime in biopolitischer Perspektive. In: Geschlechterverhältnisse in Migrationsgesellschaften: Repräsentationen - Kritik - Differenz, hg. von Sabine Gatt u. a., Sonderheft der Österreichischen Zeitschrift für Soziologie (ÖZS), Wiesbaden, Springer 2016, S. 63–77 ISBN 978-3-658-15886-6
  • Anschlussfähiges Normalisierungswissen. Untersuchungen im mediko-pädagogischen Feld. In: Differenzierung, Normalisierung, Andersheit. Soziale Arbeit als Arbeit mit den Anderen, hg. von Fabian Kessl, Melanie Plößer, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, 2010, S. 135–153. ISBN 978-3-531-16371-0

Einzelnachweise

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