Miguel Almereyda
französischer Journalist und Anarchist
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Eugène Bonaventure Jean-Baptiste Vigo, genannt Miguel Almereyda (geboren am 5. Januar 1883 in Béziers; gestorben am 14. August 1917 in Fresnes) war ein französischer Journalist, der als Anarchist und Pazifist bekannt wurde.

Leben
Eugène Vigo[1] war das uneheliche Kind von Bonaventure Vigo, der aus einer angesehenen Familie aus der Alta Cerdanya (Département Pyrénées-Orientales) stammte, und Aimée Sales, einer Schneiderin aus Perpignan. Sein Großvater Bonaventure Vigo war Bürgermeister von Saillagouse und Viguier von Andorra[A 1]. Da sein Vater nach Bordeaux gezogen war, wuchs das Kind bei seinen Großeltern mütterlicherseits in Perpignan auf.[2] Als Anarchist nahm er das Pseudonym Almereyda an, möglicherweise ein Anagramm von Y’a la merde (Es gibt Ärger).[3]
Almereyda lebte mit der Aktivistin Emily Cléro zusammen[4]; ihr gemeinsamer Sohn war der Regisseur Jean Vigo.
Aufruf an die Wehrpflichtigen
Bereits 1901 war Almereyda wegen Gewaltaufrufen in der Zeitung Le Libertaire[5] zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt worden.[6]

Im Oktober 1905 wurde in Paris ein Plakat der Association internationale antimilitariste[A 2] (Internationale antimilitaristische Vereinigung) mit dem Titel „Appel aux conscrits“ (Aufruf an die Wehrpflichtigen) angeschlagen. Der Text, der sowohl antimilitaristisch als auch unpatriotisch war, rief die Wehrpflichtigen dazu auf, ihre Gewehre eher gegen die „soudards galonnés“[A 3] als gegen die Streikenden zu richten, und forderte einen sofortigen Streik und einen Aufstand am Tag einer möglichen Kriegserklärung.[7]
Der Aufruf wurde von Almereyda und weiteren 30 Personen unterzeichnet, von denen 28 verhaftet wurden. Nach dem Prozess, der vom 26. bis 30. Dezember 1905 stattfand, wurden zwei Angeklagte freigesprochen und die 26 anderen zu jeweils 100 Francs Geldstrafe und zu Freiheitsstrafen zwischen 6 Monaten und 4 Jahren verurteilt. Almereyda wurde zu 3 Jahren verurteilt.[8] Er wurde im Zentralgefängnis von Clairvaux inhaftiert, bis er am 14. Juli 1906 begnadigt wurde. 1907 verfasste er den Text für die Sonderausgabe von L’Assiette au beurre, die dem Thema „Das Gefängnis Petite Roquette“ gewidmet war und von Aristide Delannoy illustriert wurde.[9]
Zeitungen
Am 19. Dezember 1906 erschien die erste Ausgabe von La Guerre sociale unter der Leitung von Gustave Hervé, dessen Gesellschaft Almereyda in Clairvaux sehr geschätzt hatte. Almereyda schrieb dort zahlreiche Artikel, von denen ihm einige Ärger mit der Justiz einbrachten. Am 24. Februar 1908 wurde er wegen Verleumdung, Beleidigung der Armee, Aufruf zum Ungehorsam und Beihilfe zusammen mit dem anarchistischen Aktivisten Eugène Merle zu zwei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 500 Francs verurteilt. Merle blieb bis zum 5. August 1909 im Gefängnis, Almereyda wurde am 18. August 1909 freigelassen.[10]
1909 war er der Hauptinitiator der Pariser Demonstration gegen die Hinrichtung des libertären Pädagogen Francisco Ferrer in Spanien.[1] 1910 gründete er die Vereinigung Jeunes gardes révolutionnaires (Junge revolutionäre Garden), um den Aktionen der rechten Camelots du roi entgegenzuwirken.[1] Im Dezember 1912 wandten sich Almereyda und mehrere seiner Freunde vom Anarchismus ab und traten der Sozialistischen Partei bei.[1] Im März 1913 verließ Almereyda La Guerre sociale und wechselte zum Courrier européen[11], einer Wochenzeitung, die sich für eine Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland einsetzte.[1]

Am 22. November 1913 gründete er Le Bonnet rouge, eine Wochenzeitung, deren Programm die „Verteidigung der Republik“ und die deutsch-französische Annäherung war. Die Gründer standen im Verdacht, von Geschäftskreisen um Joseph Caillaux subventioniert worden zu sein.
Die Tageszeitung Le Bonnet rouge verkaufte sich bis zu 200.000 Mal pro Tag. Für Almereyda, der seit einigen Jahren im Luxus lebte, bedeutete dieser Erfolg einen weiteren Anstieg seines Lebensstandards, weit entfernt vom Alltag seiner ehemaligen Kameraden. Nachdem er bis zum Tod von Jean Jaurès, den er im Café du Croissant miterlebt hatte, für den Frieden eingetreten war, schloss sich Almereyda nach der Kriegserklärung der Union sacrée an. Le Bonnet rouge wurde bis 1916 heimlich vom Innenministerium subventioniert. Ein gewisser Émile Duval[12] übernahm dann die Leitung und wurde Verwalter und Redakteur. Am 15. Mai 1917 wurde Duval an der Schweizer Grenze festgenommen, als er einen Schuldschein über 150.000 Francs im Namen eines Bankiers aus Mannheim bei sich hatte. Am 3. Juli wurde Duval unter dem Verdacht, für die deutschen Behörden zu arbeiten, inhaftiert. Le Bonnet rouge wurde am 13. Juli eingestellt.[1]
Am 6. August wurde Almereyda trotz seines schlechten Gesundheitszustands festgenommen und inhaftiert. Am 11. August wurde er mit einer Bauchfellentzündung in die Krankenstation des Gefängnisses von Fresnes verlegt. Er wurde am 14. August tot aufgefunden, mit seinen Schnürsenkeln erwürgt. Der medizinische Bericht kam zu dem Schluss, dass es sich um Selbstmord handelte, mit dem Vorbehalt eines der Experten, der die Möglichkeit eines Verbrechens nicht ausschloss.[1][13]
Literatur
- Paulo Emílio Salles Gomes: Jean Vigo. University of California Press, 1971, ISBN 978-0-520-01676-7 (google.de).
- Anne Steiner: Révolutionnaire & Dandy; Vigo dit Almereyda. L’Échappée, 2020, ISBN 978-2-37309-071-0.
Weblinks
- Guillaume Davranche: ALMEREYDA Miguel. In: Dictionnaire des Anarchistes. (französisch).
- Jean Maitron, André Balent: ALMEREYDA Miguel. In: Le Maitron. (französisch).
- Miguel Almereyda. In: Enciclopèdia.cat. (katalanisch).
- René Bianco: Miguel Almereyda [pseud.]. In: Bianco : presse anarchiste. Abgerufen am 24. November 2025 (französisch).
- Auteur Miguel ALMEREYDA (1883–1917). In: Centre International de Recherches sur l'Anarchisme (CIRA). Abgerufen am 24. November 2025 (französisch).
- Eugène Vigo (Miguel Almereyda). In: Ephéméride Anarchiste. Abgerufen am 24. November 2025 (französisch).
- Angaben zu Miguel Almereyda in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
Anmerkungen
- Ein Viguier d'Andorre (so in der frankophonen Wikipédia abrufbar) war ein Richter am Obersten Gerichtshof von Andorra.
- Siehe Association internationale antimilitariste in der französischsprachigen Wikipédia.
- Soudard galonné ist schwer übersetzbar; ein Soudard ist ein Söldner oder Haudegen, galonné bezieht sich auf die Rangabzeichen der Offiziere.