Millay Hyatt

US-amerikanische Philosophin, Autorin, Übersetzerin und Dolmetscherin From Wikipedia, the free encyclopedia

Leben

Millay Hyatt wurde 1973 in Dallas, Texas, geboren. Ihre Eltern sind amerikanische evangelikale Missionare.

Ihre Familie zog zunächst nach England, dann nach Österreich, wo sie Deutsch lernte. Danach ließen sie sich für etwa zehn Jahre in Freiburg in Deutschland nieder.

Über ihre Herkunft und ihre Beziehung zur Evangelikalismus schrieb sie:

„Aufgewacht bin ich stattdessen im Evangelikalismus US-amerikanischer Prägung. Bloß weg hier. Abgelehnt habe ich diesen Glauben und sein ganzes kulturelles Zubehör als junge Erwachsene. Der Prozess, ihn aus meinem Denken und meinem Körper auszumerzen, wird mich wohl noch bis an mein Lebensende begleiten. Wenn ich eine Heimat habe, dann diese Religion, der ich bewusst und aktiv den Rücken zugekehrt habe und kehre.“

Millay Hyatt: Diese Welt ist nicht meine Heimat, In: The Diasporist[1]

Sie studierte von 1995 bis 1996 Philosophie und Französisch als Bachelor an der American University of Paris in Frankreich und schloss ihr Studium summa cum laude ab.

Von 1999 bis 2006 absolvierte sie einen Master und promovierte anschließend in Allgemeiner und Vergleichender Literaturwissenschaft an der University of Southern California in den USA. Ihre Doktorarbeit trägt den Titel „No-where and Now-here. Utopia and Politics from Hegel to Deleuze“ und wurde mit dem „Doctoral Research Prize“ der University of Southern California ausgezeichnet wurde.[2]

Seit 2001 wohnt Hyatt in Berlin und arbeitet dort als freie Autorin, Übersetzerin und Dolmetscherin.

Werk und Rezeption

Hyatt schreibt sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. Sie hat Texte für mehrere Zeitschriften, darunter Philosophie Magazin und Die Zeit, verfasst. Für Philosophie Magazin hat sie u. a. mehrere Artikel für die Kolumne „Existenzfrage“ und die Kolumne „Frauen von Philosophen“ geschrieben.[3]

2024 erscheint Nachtzugstage bei der Friedenauer Presse. In dieser Erzählung erstellt Hyatt eine „literarische, anspielungsreiche Kartografie der Zugreise“[4] und erzählt von ihrer Leidenschaft für Zugreisen. Der Titel wird von der Presse positiv aufgenommen. Jonathan Böhm für SWR Kultur spricht über „eine vielschichtige Lektüre, die Lust macht, sich trotz aller Widrigkeiten selbst auch einmal wieder auf das Abenteuer Nachtzugreise einzulassen.“[5] Hyatts „sensible“[6] Beobachtungen wurden auch von Ulrich Rüdenauer für den Tagesspiegel gelobt. „Ihre Erzählung beschränkt sich nicht nur auf das, was im Inneren eines Zuges passiert, sie erfasst das Ungesehene, Ungewohnte, verführerisch Andere.“[6] Das Buch wurde mit anderen Werken verglichen, die sich mit Zugreisen befassen, darunter Paris-Rom oder Die Modifikation von Michel Butor, Netzkarte von Sten Nadolny sowie die Arbeit von Ryszard Kapuściński und Yoko Tawada.[7] Das Buch wurde 2025 mit dem Ilse-Schwepcke-Preis für weibliche Reiseliteratur ausgezeichnet.

Veröffentlichungen

Bücher

Essays (Auswahl)

  • Critical Whiteness. Weißsein als Privileg. In: Deutschlandfunk, 3. Mai 2015. Online verfügbar, abgerufen am 6. Februar 2026.
  • Von einem Berglöwen gefressen werden. Die Natur als Widerständigkeit in der utopischen Literatur. In: Johannes Springer und Thomas Dören (Hrsg.): Draußen. Zum neuen Naturbezug in der Popkultur der Gegenwart. transcript, Bielefeld 2016, ISBN 978-3-8394-1639-6.
  • Diese Welt ist nicht meine Heimat. Über die Suche nach einer Heimat zwischen Himmel und Erde. In: The Diasporist, 9. Dezember 2025. Online verfügbar, abgerufen am 6. Februar 2026.

Erzählungen und Kurzgeschichten (Auswahl)

  • You: Long, Dark Blonde Hair. In: The Prague Review, Frühling 2008.
  • Das Fischhotel. In: Lichtungen, Bd. 130, Juni 2012.
  • Halber Schädel mit Windhauch. In: Ostragehege, Nr. 78, Bd. 4/2015, Dezember 2015.
  • Im Raubtierhaus. In: StoryApp, September 2017.
  • Die Auswilderer. In: Torso, Bd. 23, März 2019. Online Verfügbar, abgerufen am 18. Januar 2026.
  • Fort Pflanzen. In: Alexandra Lüthen (Hrsg.): Fernwärme. periplaneta, Berlin 2021, ISBN 978-3-95996-221-6.
  • Sitzungprotokoll der Akademie. In: Dritte Natur, Bd. 5, 1/2022, Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2022, ISBN 978-3-7518-0702-9.
  • Die Alaska-Korrektur. In: Dritte Natur, Bd. 5, 1/2022, Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2022, ISBN 978-3-7518-0702-9.
  • Postkarte aus Schönbrunn. In: kuhflüstern, weltenformel & paradiesmaschinen. 30 jahre schule für dichtung. Sonderzahl, Wien 2022, ISBN 978-3-85449-612-0.
  • Wunsch, Bison zu werden. In: sfd& tiere, zeitschrift der schule für dichtung wien, Bd. 4, 2022.
  • Das Mädchen mit Haaren auf den Brüsten. In: Trotzdem: Kurzgeschichten - Anthologie zum Mölltaler Geschichtenfestival. Verlag Anton Pustet, Salzburg 2023, ISBN 978-3-7025-1103-6.

Preise und Auszeichnungen (Auswahl)

  • 2006: Doctoral Research Prize der University of Southern California
  • 2020: Arbeitsstipendium für deutschsprachige Literatur des Berliner Senats
  • 2021: Recherchestipendium Literatur des Berliner Senats
  • 2025: Ilse-Schwepcke-Preis für weibliche Reiseliteratur für Nachtszugtage[8]

Einzelnachweise

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