Mingajny

Dorf in Polen From Wikipedia, the free encyclopedia

Mingajny (deutsch Migehnen) ist ein Dorf im Powiat Lidzbarski (Kreis Heilsberg) in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es ist der Verwaltungseinheit Gmina Orneta (Wormditt) zugeordnet.

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Mingajny
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Mingajny (Polen)
Mingajny (Polen)
Mingajny
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Lidzbarsk Warmiński
Gmina: Orneta
Geographische Lage: 54° 10′ N, 20° 15′ O
Einwohner: 380 (2021[1])
Postleitzahl: 11-130
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: NLI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 513: KrosnoPasłękGodkowoOrnetaMiłkowoBabiakLidzbark WarmińskiWozławki
RunowoBugiKaszuny–Mingajny
HenrykowoWola Lipecka–Mingajny
Eisenbahn: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig
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Geographische Lage

Das Dorf liegt in der historischen Region Ostpreußen, in Ermland, an der rechten Seite der in die Passarge fließenden Drewenz (polnisch Drwęca Warmińska), etwa 37 Kilometer südöstlich der unweit des Frischen Haffs gelegenen Stadt Braniewo (Braunsberg) und zehn Kilometer nordöstlich der Stadt Orneta (Wormditt).

Geschichte

Migehnen, südsüdwestlich von Königsberg und nordöstlich der Stadt Wormditt, auf einer Landkarte von 1910

Ortsgeschichte

Das Dorf Migehnen entstand zur Zeit der Herrschaft des Deutschen Ordens im Rahmen der von Bischof Eberhard von Neisse in seinem Bistum Ermland mit Hilfe seines Bruders Arnold von Neiße durchgeführten Ansiedlungsmaßnahmen. Der Bischof persönlich hatte in Gegenwart vieler Honoratioren den Lokatoren Heinrich und Theoderich, vermutlich Söhne Arnolds, 100 zusammenhängende Hufen in dem altpreußischen Feld Mynyen zu kulmischem Recht für eine Dorfgründung zugewiesen. Nachdem das Projekt in Angriff genommen worden war, erfolgte am 4. März 1311 auf Schloss Braunsberg die feierliche Beurkundung durch das Dokument der Handfeste von Migehnen,[2] an das außer dem Bischof und dem Domkapitel auch zahlreiche namentlich benannte Zeugen ihr Siegel anhefteten.[3]

Im 18. Jahrhundert gehörte das Kirchdorf zum Amt Wormditt.[4] 1785 wird es als ein königliches Dorf mit einer Kirche und 65 Feuerstellen (Haushaltungen) beschrieben.[5]

Am 1. April 1927 hatte der Gutsbezirk Dargels (polnisch Dargiele) Flächengröße von 159 ha, 43 ar und 35 m², und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 31 Einwohner.[6] Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirks Dargels in die Landgemeinde Migehnen eingegliedert.[7]

Bis 1945 gehörte das Dorf Migehnen zum Kreis Braunsberg im Regierungsbezirk Königsberg im Gau Ostpreußen des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Januar 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach beensigung der Kampfhandlungen wurde Migehnen zusammen mit der gesamten südlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion besatzungsrechtlich der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Das Dorf erhielt die polnische Ortsbezeichnung Migajny. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration aus dem Kreisgebiet vertrieben.

Demographie

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1782königliches Bauerndorf mit einer Kirche und 65 Feuerstellen (Haushaltungen)[5]
1818252königliches Bauerndorf[8]
1852668[9]
1858790davon 781 Katholiken und Neun Judn[10]
1864767am 3. Dezember[11]
1867867am 3. Dezember[12]
1871875davon zwei Evangelische, 869 Katholiken und vier Juden[12]
1885988am 1. Dezember, davon zwei Evangelische, 981 Katholiken und fünf Juden[13]
1910905am 1. Dezember[14][15]
1933930[16]
1939890[16]
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Amtsbezirk Migehnen (1874–1945)

Am 18. Juni 1874 wurde Migehnen Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk im ostpreußischen Kreis Braunsberg, Regierungsbezirk Königsberg.[17]

Weitere Informationen Deutscher Name, Polnischer Name ...
Deutscher NamePolnischer NameAnmerkungen
BuchwaldGrabniak1885 als Teil der Stadtgemeinde Wormditt
nach Millenberg eingemeindet
BürgerwaldeMiesjka Wola
DargelsDargiele1928 nach Migehnen eingemeindet
KaschaunenKaszuny
MigehnenMingajny
MillenbergMiłkowo
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Kirche

Dorfkirche St. Laurentius (2008), schon vor 1945 katholisch

Die Dorfkirche wurde am Anfang des 14. Jahrhunderts erbaut und war eine der ältesten Kirchen im Dekanat Mehlsack (polnisch Pieniężno). In der Verschreibung vom 4. März 1311 von hundert Hufen an die Lokatoren Heinrich und Theoderich werden vier Hufen zur Dotierung der Kirche bestimmt. Die Kirche wurde dem hl. Laurentius geweiht; schon 1338 wird ein Pfarrer Jakobus urkundlich erwähnt.

Der Backsteinbau mit Westturm ist etwa 33 Meter lang und 12,5 Meter breit. 1688–1698 und 1709 erfolgte eine durchgreifende Wiederherstellung, 1717 wurde der Turm repariert.[18] In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts stand Jakob Jordan der Kirche in Migehnen vor, von 1686 bis 1717 Karl Albrecht Knobloch; 1772 hieß der Pfarrer Hillmacher. Am Anfang des 20. Jahrhunderts setzte sich die Pfarrgemeinde zusammen aus den Ortschaften Migehnen, Dargels, Kaschaunen und Millenberg.[3] Millenberg hieß im Jahr 1338 Mynnem.[19]

Das Gebäude, das zuvor der katholischen Pfarrgemeinde Migehnen als Gotteshaus gedient hatte, wurde 1945 zugunsten der Römisch-katholischen Kirche zwangsenteignet.

Evangelische Kirchenangehörige hielten sich bis 1945 zur Kirche Wormditt in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.[20] Heute gehören sie zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Literatur

  • Migehnen, Dorf, Kreis Braunsberg, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Migehnen (meyersgaz.org).
  • Dargels, Gut, Kreis Braunsberg, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Dargels (meyersgaz.org).
  • Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 4: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Ermland. Königsberg 1894, S. 186–188 (Google Books).
  • Victor Röhrich: Die Kolonisation des Ermlandes, Fünftes Kapitel: Siedelungen im Bischofsanteil unter Eberhard von Neiße, in: Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands, Band 14, Braunsberg 1903, S. 131–355, insbesondere S. 307–315 (Google Books).
  • Franz Dittrich: Beiträge zur Baugeschichte der ermländischen Kirchen, in: Zeitschrift für die Geschichte und Alterthumskunde Ermlands, Band 8, Braunsberg 1884, S. 599–646, insbesondere S. 622–626 (Google Books).

Einzelnachweise

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