Minhag (Judentum)
vom hebräischen Verb nahag abgeleitetes Wort für Brauchtum
From Wikipedia, the free encyclopedia
Minhag (hebräisch מִנְהָג) bedeutet im Judentum Brauch, Brauchtum und ist vom hebräischen Verb nahag / נָהַג / ‚leiten, führen‘ abgeleitet.
Im Judentum ist Minchag eine unter den Juden verbreitete Sitte, in der Regel eine religiöse Sitte oder eine Sitte, die in irgendeiner Weise mit der Halacha zusammenhängt. Eine Sitte kann als Ergänzung zu einer Mitzwa dienen, als Schutz vor einer Übertretung oder als Sitte, die mit bestimmten Halachot zusammenhängt, auch wenn sie selbst keine halachische Bedeutung hat. Es gibt Bräuche, die in allen jüdischen Gemeinden verbreitet sind, wie beispielsweise Chumra de-Rabbi Zera in den Gesetzen der Niddah, und es gibt Bräuche, die nur von einem Teil der Gemeinden übernommen wurden, wie beispielsweise das Verbot, während des Pessachfestes Hülsenfrüchte zu essen.
Das Wort tritt in der Bibel (2 Kön 9,20 EU) in der Bedeutung „Fahrweise“ (eines Kriegswagens) auf. Es wurde jedoch von den Rabbinern im Sinne von „Brauch“ verwendet. Im Rahmen dieser Bedeutung gibt es zahlreiche Nuancen. Der Begriff wird angewendet auf:
- Gebräuche, die in der Praxis allgemein angewendet werden und als Halacha bindende Kraft erlangt haben. Ein Beispiel dafür ist das Tragen einer Kippa.
- lokal begrenzte Gebräuche, deren Geltungskraft sich auf ein Land oder eine spezifische Gemeinde beschränkt. Die Frage, ob solche lokale Minhagim auch für Juden gelten, die aus einem anderen Ort stammen, wird im Talmud und in den Gesetzestexten ausführlich behandelt.
- Das Wort „Minhag“ wird auch für liturgische Riten verwendet, die sich in bestimmten Regionen entwickelt haben. Beispiele: aschkenasischer Minhag, sefardischer Minhag, polnischer Minhag.
Literatur
- Encyclopedia Judaica, Bd. 12, S. 4–26.