Wikiwand AI

Minotaur (2026)

Film von Andrei Swjaginzew (2026) From Wikipedia, the free encyclopedia

Minotaur (russisch Минотавр) ist ein Spielfilm von Andrei Swjaginzew aus dem Jahr 2026. Das Drama thematisiert die moralische und emotionale Krise eines russischen Geschäftsmanns vor dem Hintergrund tiefgreifender persönlicher sowie politischer Erschütterungen. Teilweise inspiriert wurde die Geschichte von Claude Chabrols Film Die untreue Frau (1969). Die internationale Koproduktion zwischen Frankreich, Lettland und Deutschland wurde im Mai 2026 im Hauptwettbewerb des Filmfestivals von Cannes uraufgeführt und gewann dort den Großen Preis der Jury.

TitelMinotaur (Минотавр)
OriginalspracheRussisch
Erscheinungsjahr2026
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel Minotaur (Минотавр)
Produktionsland Frankreich, Lettland, Deutschland
Originalsprache Russisch
Erscheinungsjahr 2026
Länge 140 Minuten
Stab
Regie Andrei Swjaginzew
Drehbuch Andrei Swjaginzew, Simon Lyashenko
Produktion Charles Gillibert, Nathanaël Karmitz, Marco Perego
Musik Evgueni Galperine,
Sacha Galperine
Kamera Michail Kritschman
Besetzung
  • Dmitriy Mazurov: Gleb
  • Iris Lebedeva: Galina
  • Boris Kudrin: Seryozha
  • Yuriy Zavalnyouk: Anton
  • Varvara Shmykova: Natasha
  • Anastasia Mischenko: Dasha
  • Juris Zagars:
Schließen

Handlung

Russland im Jahr 2022: Gleb lebt mit seiner Ehefrau Galina und dem gemeinsamen jungen Sohn in einem wunderschönen Haus am Wasser in einer Provinzstadt. Er leitet erfolgreich ein Unternehmen. Sein sorgfältig geordnetes Leben beginnt unter dem Druck wachsender geschäftlicher Belastungen und einer zunehmend instabilen Welt aus den Fugen zu geraten. Mit Beginn des Überfalls auf die Ukraine verliert Gleb wichtige Mitarbeiter, weil diese in den Westen abwandern. Gleichzeitig sieht er sich durch einen Beschluss der Regierung gezwungen, 14 seiner Angestellten für die „Spezialoperation“ abzustellen. Zur selben Zeit findet Gleb heraus, dass Galina ihn betrügt. Sie leidet unter dem ständigen Druck, die perfekte Ehefrau und Mutter sein zu müssen. Glebs Zusammenbruch beschleunigt sich und er beginnt zunehmend mit Gewalt auf sein Umfeld zu reagieren. Beider Probleme entledigt sich der Familienvater daraufhin mit größtmöglicher Kälte.[1][2][3][4][5]

Entstehungsgeschichte

Andrei Swjaginzew (2024)

Minotaur ist der sechste Spielfilm des regierungskritischen[6] russischen Regisseurs Andrei Swjaginzew, der mittlerweile im Exil lebt.[4] Sein letzte Regiearbeit war das Oscar-nominierte Familiendrama Loveless (2017) gewesen. Dazwischen war Swjaginzew 2021 aufgrund einer schweren COVID-19-Infektion nach Deutschland gebracht worden. Diese habe bis zu 92 Prozent seiner Lungenfunktion zerstört. Insgesamt wurde er 11 Monate im Krankenhaus behandelt.[7] Ein danach 2023 erwogenes Spielfilmprojekt namens Jupiter, dass sich kritisch mit russischen Oligarchen beschäftigen sollte, kam nicht zustande.[7][8]

Das Drehbuch zu Minotaur verfasste Swjaginzew gemeinsam mit Simon Lyashenko. Das Werk wurde vorab als „politische Fabel“ beschrieben, die Elemente des Kriminalfilms und Thrillers mit einer klassischen Tragödie verbinde.[9][10] Der Handlungsstrang um Gleb fremdgehende Ehefrau wurde von Claude Chabrols Spielfilm Die untreue Frau aus dem Jahr 1969 inspiriert.[11]

Die Dreharbeiten waren ab September 2025 in Lettland angesetzt[10] und endeten noch vor dem Jahreswechsel.[7] Swjaginzew vertraute seinem langjährigen Weggefährten Michail Kritschman die Kamera an. Die Filmmusik komponierten Evgueni und Sacha Galperine, mit denen Swjaginzew bei Loveless zusammengearbeitet hatte.

Minotaur wurde von MK Production, dem Produktionsarm von MK2 Films und Charles Gilliberts Firma CG Cinéma in Zusammenarbeit mit Regisseur und Drehbuchautor Swjaginzew produziert. Koproduzenten waren die deutsche Gesellschaft Razor Film und Forma Pro Films aus Lettland.[9] Finanziell unterstützt wurde das Projekt von ZDF und Arte[4] sowie der Deutsch-Französischen Förderkommission (Produktionsförderung in Höhe von 280.000 Euro) und der MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (100.000 Euro).[12]

Anfang April 2026 wurde bekannt, dass sich der Verleih Mubi die Veröffentlichungsrechte für Nordamerika, das Vereinigte Königreich und Irland, Deutschland, Österreich und Lateinamerika gesichert hat.[9]

Rezeption

Veröffentlichung

Die Uraufführung von Minotaur fand am 19. Mai 2026 im Hauptwettbewerb des 79. Filmfestivals von Cannes statt.[13] Das Premierenpublikum zollte Swjaginzews Film zehnminütigen Applaus nach Ende der Vorstellung.[14]

Ein regulärer Kinostart in Frankreich unter dem Titel Minotaure ist am 14. Oktober 2026 im Verleih von Les Films du Losange geplant.[15]

In Deutschland und Österreich soll Minotaur von Razor Film verliehen worden.[9]

Kritiken

Im zum Festival von Cannes herausgegebenen Kritikenspiegel des Branchenmagazins Screen International schnitt Swjaginzews Regiearbeit mit 3,2 von 4 möglichen Sternen unter allen 22 gezeigten Wettbewerbsbeiträgen am zweitbesten ab, hinter Paweł Pawlikowskis Vaterland (3,3). Höchstnoten erhielt Minotaur unter anderem von Nt Binh von der französischen Filmzeischrift Positif, Peter Bradshaw vom britischen The Guardian und Justin Chang vom amerikanischen Magazin The New Yorker.[16] Auch der amerikanische Branchendienst IndieWire zählte den Film zum Mitfavoriten auf den Hauptpreis, hinter Vaterland und Soudain von Ryūsuke Hamaguchi.[17] In einem rein französischsprachigen Kritikenspiegel der Website Le film français sahen mit Philippe Rouyer (Positif), Céline Roude (La Croix) und Barbara Théate (Le Journal du Dimanche) drei von 15 Kritikern den Film als Palmen-Favoriten an.[18]

Auf der Website Metacritic erhielt Minotaur eine Bewertung von 90 von 100 möglichen Punkten, basierend auf fast einem Dutzend ausgewerteter englischsprachiger Kritiken. Das Echo der Rezensenten wurde dort mit „einhelligem Beifall“ („universal acclaim“) beurteilt.[19] Von den auf der Website Rotten Tomatoes nach der Premiere aufgeführten über 20 Kritiken wurden 95 Prozent als positiv („fresh“) eingeschätzt.[20]

Auszeichnungen

Andrei Swjaginzew mit seinem gewonnenen Großen Preis der Jury

Minotaur war Andrei Swjaginzews vierte Regiearbeit nach 2007, 2014 und 2017, die in den Wettbewerb um die Goldene Palme eingeladen wurde. Dort erhielt er mit dem Großen Preis der Jury die zweitwichtigste Auszeichnung zuerkannt.[21] Auch beim australischen Sydney Film Festival einen Monat später wurde die Produktion mit weiteren Berlinale- und Cannes-Beiträgen in den Hauptwettbewerb aufgenommen.[22]

Weitere Informationen Festival, Kategorie ...
Festival Kategorie Resultat Person
Cannes (2026) Goldene Palme – Bester Film Nominiert Andrei Swjaginzew
Großer Preis der Jury Gewonnen Andrei Swjaginzew
Sydney (2026) Sydney Film Prize – Bester Film Nominiert Andrei Swjaginzew
Schließen

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks