Minrecordit

Mineral aus der Dolomit-Gruppe From Wikipedia, the free encyclopedia

Minrecordit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Carbonate und Nitrate“ mit der chemischen Zusammensetzung CaZn[CO3]2 und damit chemisch gesehen ein Calcium-Zink-Carbonat.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Minrecordit
Minrecordit (farblos) auf Dioptas aus der Tsumeb Mine, Namibia
Klar erkennbar sattelförmiger Kristall oben rechts
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1980-096[1]

IMA-Symbol

Mrd[2]

Chemische Formel CaZn[CO3]2[3][1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Carbonate und Nitrate
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

V/B.03-040[4]

5.AB.10
14.02.01.04
Kristallographische Daten
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol trigonal-rhomboedrisch; 3[5]
Raumgruppe R3 (Nr. 148)Vorlage:Raumgruppe/148[3]
Gitterparameter a = 4,82 Å; c = 16,03 Å[3]
Formeleinheiten Z = 3[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3,5[6]
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,45(2); berechnet: 3,445[6]
Spaltbarkeit vollkommen nach {1014}[6]
Farbe milchweiß bis farblos[6]
Strichfarbe weiß[4]
Transparenz durchscheinend[6]
Glanz Glasglanz, Perlglanz[6]
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,734 bis 1,750[7]
nε = 1,542 bis 1,550[7]
Doppelbrechung δ = 0,192 bis 0,200[7]
Optischer Charakter einachsig negativ
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten in Säuren unter CO2-Abgabe löslich
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Minrecordit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und entwickelt durchscheinende, farblose oder weiße, rhomboedrische Kristalle von etwa 0,5 mm Größe. Oft sehen diese Kristalle mosaik- oder sattelförmig aus, sind vielfach verzwillingt und zeigen auf den Kristallflächen einen glas- bis perlmuttähnlichen Glanz.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Minrecordit in Mineralproben aus der bekannten Tsumeb Mine in Namibia. Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral durch Carlo G. Garavelli, Filippo Vurro und Gian Carlo Fioravanti, die es nach dem Fachmagazin The Mineralogical Record benannten.[8]

Garavelli, Vurro und Fioravanti sandten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1980 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1980-096[1]), die den Minrecordit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde 1982 im genannten Fachmagazin veröffentlicht

Das Typmaterial des Minerals wird im Mineralogischen Institut der Universität Bari (MMUBa) in der gleichnamigen italienischen Gemeinde unter der Inventarnummer HO-4/81 aufbewahrt.[6][9][10]

Klassifikation

Da der Minrecordit erst 1980 als eigenständiges Mineral anerkannt und dies 1982 publiziert wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer V/B.03-040. Dies entspricht der Klasse der „Nitrate, Carbonate und Borate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Carbonate [CO3]2−, ohne fremde Anionen“, wo Minrecordit zusammen mit Ankerit, Benstonit, Dolomit, Huntit, Kutnohorit und Norsethit die „Dolomitgruppe“ mit der Systemnummer V/B.03 bildet.[4]

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Minrecordit in die um die Borate gekürzte Klasse der „Carbonate und Nitrate“, dort aber ebenfalls in die Abteilung der „Carbonate ohne zusätzliche Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Zugehörigkeit der beteiligten Kationen zu bestimmten Elementgruppen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Erdalkali- (und andere M2+) Carbonate“ zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit Ankerit, Dolomit und Kutnohorit die „Dolomitgruppe“ mit der Systemnummer 5.AB.10 bildet.[11]

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Minrecordit die System- und Mineralnummer 14.02.01.04. Dies entspricht wie in der Lapis-Systematik der gemeinsamen Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Carbonate“. Auch hier ist er in der „Dolomitgruppe (Trigonal: R3)“ mit der Systemnummer 14.02.01 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Carbonate mit der Formel A+B2+(CO3)2“ zu finden, in der auch Ankerit, Dolomit und Kutnohorit stehen.

Chemismus

In der idealen, stoffreinen Zusammensetzung von Minrecordit (CaZn[CO3]2) besteht das Mineral im Verhältnis aus je einem Teil Calcium (Ca) und Zink (Zn) sowie zwei Teilen Kohlenstoff (C) und sechs Teilen Sauerstoff (O) pro Formeleinheit. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 17,77 Gew.-% Ca, 29,01 Gew.-% Zn, 10,65 Gew.-% C und 42,57 Gew.-% O[12] oder in der Oxidform 24,87 Gew.-% Calciumoxid (CaO), 36,09 Gew.-% Zinkoxid (ZnO) und 39,04 Gew.-% Kohlenstoffdioxid (CO2).[6]

Bei natürlichen Minrecorditproben kann die Zusammensetzung je nach Bildungsbedingungen und Stofftransport in geringem Umfang schwanken. Zudem können verschiedene formelfremde Beimengungen eingelagert sein. So wurde bei der Analyse des Typmaterials aus der Tsumeb Mine leicht abweichende Werte von 24,64 Gew.-% CaO, 33,46 Gew.-% ZnO und 39,50 Gew.-% CO2 ermittelt. Zudem enthielten die Proben Fremdbeimengungen von 1,20 Gew.-% Magnesiumoxid (MgO), 1,10 Gew.-% Eisen(II)-oxid (FeO) und 0,10 Gew.-% Mangan(II)-oxid (MnO).[6]

Kristallstruktur

Minrecordit kristallisiert trigonal in der Raumgruppe R3 (Raumgruppen-Nr. 148)Vorlage:Raumgruppe/148 mit den Gitterparametern a = 4,82 Å und c = 16,03 Å sowie drei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Bildung und Fundorte

Minrecordit und Dioptas aus der Tsumeb Mine, Namibia (Sichtfeld 6 mm)

Minrecordit bildet sich durch hydrothermale Vorgänge in dolomitisch dominierten, polymetallischen Erz-Lagerstätten. Als Begleitminerale können je nach Fundort unter anderem Calcit, Cerussit, Dioptas, zinkhaltiger Dolomit, Duftit, Malachit, Pyrit, Quarz und Sphalerit sowie das feingeschichtete Sulfidgemenge Melnikovit[13] aus Pyrit, Markasit und anderen Beimengungen auftreten.[6]

Als sehr selten vorkommende Mineralbildung ist Minrecordit nur in wenigen Proben von etwas mehr als 10 Fundorten bekannt geworden (Stand 2026). Seine Typlokalität „Tsumeb Mine“ ist dabei der bisher einzige dokumentierte Fundort in Namibia. Ein weiterer möglicher Fundort im Talemzane-Meteoritenkrater in Algerien konnte bisher nicht bestätigt werden.[14]

In Europa konnte Minrecordit bisher nur in der Blei-Zink-Grube Navan nahe dem gleichnamigen Ort in der irischen Grafschaft Meath und bei Olkusz in Polen nachgewiesen werden. Die Mina da Preguiça bei Sobral da Adiça in Portugal ist als möglicher weiterer Fundort noch nicht bestätigt.

Auf dem amerikanischen Doppelkontinent fand sich das Mineral bisher in Mineralproben aus dem Bohrloch M-5-00 bei Wellburns Creek in der kanadischen Provinz Manitoba, bei Annapolis im Iron County (Missouri) und in der Centennial Eureka Mine bei Eureka (Utah) in den USA, in der Sierra Mojada im gleichnamigen Municipio im mexikanischen Bundesstaat Coahuila und in einer Kalksteingrube mit Cu-Zn-Pb-Ag-Mineralisation bei Cerro de Pasco im Distrikt Simón Bolívar der peruanischen Region Pasco.[14]

Der bisher einzige bekannte Fundort im asiatischen Raum ist eine polymetallische Gold-Silber Vererzung bei Penjom im Distrikt Raub (Pahang) in Malaysia.[14]

Siehe auch

Literatur

Commons: Minrecordite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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