Misery Lit

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Misery Lit ist ein abwertender Ausdruck, der angeblich vom Bookseller Magazin geprägt wurde.[1]

Er bezeichnet Literatur, die sich vor allem mit dem persönlichen Kindheitstrauma des Protagonisten auseinandersetzt. Als der Beginn des Genres gelten The Awful Disclosures of Maria Monk, Or, The Hidden Secrets of a Nun's Life (1836) von Maria Monk. Diese behauptete, sie sei als Nonne gezwungen worden mit Priestern Sex zu haben. Die Kinder seien getauft und erwürgt worden. Tatsächlich war Monk nie eine Nonne, sondern eine Prostituierte und die beschriebenen Ereignisse haben nicht stattgefunden.[2]

Als Beispiele werden A child called it von Dave Pelzer[3], Wilde Schwäne von Jung Chang und Die Asche meiner Mutter von Frank McCourt[4] genannt. Ein weiteres Beispiel ist Don't ever tell von Kathleen O’Beirne.

Literarische Fälschungen

Einige der bekanntesten Bücher stellten sich später als Fälschung heraus. Dazu zählen etwa die Werke von Nasdijj (alias Timothy Patrick Barrus), James Frey, JT LeRoy, Laurel Rose Willson, Binjamin Wilkomirski und Margaret Seltzer. Dabei war nicht immer klar, ob der Autor absichtlich betrogen hatte oder aber subjektiv an die Wahrheit seiner Erzählung glaubte.[5][6][7]

Die Shoah war Gegenstand mehrerer bekannter literarischer Fälschungen, bei denen Autoren entweder fälschlicherweise angaben, sie hätten den Holocaust überlebt, oder tatsächlich Überlebende waren, jedoch ihre Erfahrungen verfälschten. Zu diesen Fälschungen zählen Der bemalte Vogel (1965) von Jerzy Kosinski, Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939–1948 (1995) von Binjamin Wilkomirski, Überleben unter Wölfen (1997) von Misha Defonseca sowie Angel at the Fence von Herman Rosenblat (dessen Veröffentlichung war 2009 geplant, wurde aber abgesagt).[5][8][9]

Zwei Werke, die in den USA moralische Panik auslösten, sind Sybil (1973) von Flora Rheta Schreiber und Michelle Remembers (1980) von Lawrence Pazder. Sybil erzählt die „wahre Geschichte“ einer Frau mit multipler Persönlichkeitsstörung (heute bekannt als dissoziative Identitätsstörung) und ihrer Psychoanalytikerin Cornelia B. Wilbur, die sie angeblich „heilte“. Sowohl Sybil als auch Michelle Remembers propagierten das Konzept verdrängter Erinnerungen und vergessener Kindheitstraumata. Sybil wurde zudem als Fernsehfilm adaptiert. Nach Veröffentlichung des Buches und des Films stieg die Zahl der Diagnosen von multipler Persönlichkeitsstörung deutlich an[10], während Michelle Remembers als Auslöser der sogenannten „Satanic Panic“ diente.[11] Die faktische Richtigkeit beider Werke wurde später angezweifelt. Die Journalistin Debbie Nathan beschrieb in ihrem 2011 erschienenen Buch Sybil Exposed, wie Wilbur, Shirley Mason (die reale Frau hinter „Sybil“) und Schreiber (die Autorin) eine Täuschung inszenierten – teils bewusst, teils aus Selbsttäuschung – um Bücher, Filme und andere Produkte mit Hilfe einer sensationslüsternen Geschichte zu vermarkten.[12]

Die US-Bürgerin Laurel Rose Willson (1941–2002) gab sich sowohl als Opfer satanischer Ritualgewalt als auch als Holocaust-Überlebende aus. Sie veröffentlichte 1988 unter dem Pseudonym Lauren Stratford das Buch Satan's Underground. Nachdem die Fälschung aufgedeckt wurde, trat sie unter dem Namen Laura Grabowski als angebliche Überlebende eines Konzentrationslagers auf. Sie posierte auch mit einem weiteren Hochstapler, Binjamin Wilkomirski. Als Stratford schrieb sie außerdem eine „Autobiografie“ mit dem Titel Stripped Naked, in der es um ihre angebliche multiple Persönlichkeitsstörung ging.[13][5]

Einige Leidensmemoiren enthalten sowohl wahre als auch erfundene Elemente. Dazu gehören Ich, Rigoberta Menchú (1983) von Rigoberta Menchú – ein Buch, das ihr 1992 den Friedensnobelpreis einbrachte[7] – sowie A Million Little Pieces (2003) von James Frey. Letzteres wurde zunächst als Sachbuch vermarktet und löste große Kontroversen aus, als sich herausstellte, dass wesentliche Teile erfunden waren.[14]

Siehe auch

Einzelnachweise

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