Miss Austria

österreichischer Schönheitswettbewerb From Wikipedia, the free encyclopedia

Miss Austria ist ein jährlicher nationaler Schönheitswettbewerb für unverheiratete Frauen in Österreich. Er fand erstmals einige Male um das Jahr 1930 statt und wurde ab Ende der 1940er-Jahre zu einer regelmäßigen Veranstaltung.

Hintergrund

1928 wurde im Wiener Neuigkeits-Welt-Blatt berichtet, dass ein Agent aus den USA von der „International Beauty Tour“ in europäischen Hauptstädten wie Paris, Berlin und Wien nationale Misswahlen organisierte, deren Gewinnerinnen an einer internationalen Misswahl in den USA teilnehmen sollten.[1] Ein früher Veranstalter war 1929–1931 das Neue Wiener Tagblatt.[2][3.1] Bereits nach wenigen Jahren fand der Wettbewerb letztmals vor dem Zweiten Weltkrieg statt, wenngleich in den 1930er Jahren noch regionale Schönheitskonkurrenzen um Titel wie Miss Tirol, Miss Vienna und Donaukönigin stattfanden.[3.2] In Zeiten der Großen Depression in den USA erschienen Misswahlen nicht mehr angemessen. Kommentatoren in der heimischen Presse zeigten sich erleichtert, dass der „Unfug“ aus Amerika ein Ende hatte.[4]

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es zunächst unterschiedliche Veranstalter. Ab 1958 führte Erich Reindl (31. August 1931[5]–17. Oktober 2016[6]) den Wettbewerb durch[3.3] und gewann im Folgejahr den Kosmetikkonzern Max Factor als Sponsor.[3.4] Unter Reindl wurde die Misswahl im Hotel zur Tenne in Kitzbühel zum jährlichen Fixpunkt. Seine Miss Austria Corporation verkaufte Reindl 1994.[3.5] Ab 1999 war das Casino in Baden regelmäßiger Veranstaltungsort des Finales. Geschäftsführer sowie fünfzigprozentiger Teilhaber war lange Zeit Emil Bauer,[3.6] der nach zwei Jahrzehnten seinen Anteil an Franz Josef Schachermayer verkaufte. Ernst Kirchmayr behielt seine 50 Prozent an der Firma.[7] Neue Geschäftsführerin wurde Silvia Schachermayer.[8] 2018 übernahm Jörg Rigger die Miss Austria Corporation. Die Geschäftsführung der nunmehr Mission Austria genannten Marke liegt 2026 bei seiner Frau Kerstin Rigger.

An der Wahl zur Miss Austria nehmen die zwei Erstplatzierten jedes Bundeslandes teil. In der Endausscheidung treten 18 Kandidatinnen aus den neun Bundesländern, zudem die „Miss Online“ und ihre Vize, vor einer Live-Jury gegeneinander an. Die gekürte Miss Austria soll dann Österreich bei der Miss World vertreten und die Zweitplatzierte bei der Miss Europe. Dies wird für die Miss World aber erst seit 1997 konsequent umgesetzt.

Übrigens tragen auch die Gewinnerinnen einzelner Bundesländer einen englischen Titel: Miss Vienna (Wien) und Miss Styria (Steiermark).

Siegerinnen

Miss Austria

Weitere Informationen Jahr, Alter ...
Jahr Miss Austria Alter Bundesland Anmerkungen
1928 Florentine[9]
1929 Elisabet „Lisl“ Goldarbeiter[10] 19 Wien Miss Universe 1929 – als erste nicht-amerikanische Gewinnerin
1930 Ingeborg von Grienberger[11] 18 Steiermark späterer Name: Ingeborg Zöbisch[12]
1931 Hertha van Haentjens 20 Wien später: Hertha van Tengbergen[13]
1932 Mary Weinlich[14] Wien Fräulein Wien, aber auch als Miss Austria bezeichnet
1933 bis 1947 nicht ausgetragen[3.7] Selbstausschaltung des Parlaments, Ständestaat, Bürgerkrieg, Zweiter Weltkrieg
1948 Gertrude Decombe[15] 19 Wien
1949 Nadja Tiller[3.8] 20 Wien
1950/51 Ingeborg Marek[Anm 1][16] 24 Wien war nicht mehr ledig
Hanni Schall[17] 23 Wien Miss Europe 1951
1952 Inge Freuis[Anm 2] 23 Vorarlberg später: Inge Verduyn[18]
1953 Lore Felger[19][3.9] 19 Wien
1954 nicht ausgetragen[3.10]
1955 Felicitas von Goebel[3.11] 25 Wien später: Felicitas Freissler
1956 Traudl Eichinger[20] Burgenland
1957 Elisabeth „Sissy“ Schübel-Auer[3.12] 20 Wien später: Elisabeth Pflaum
1958 Johanna „Hanni“ Ehrenstrasser[3.13] 19 Wien Miss Europe 1958
1959 Christine „Christl“ Spazier[21][22][Anm 3] 19[23] Wien Miss Europe 1959
1960 Luise Kammermeier Burgenland
1961 Heidi Fischer[24] 20 Wien
1962 Dorli Lazek[25] 18[26] Wien
1963 Xenia Doppler[27][Anm 4] 20 Salzburg später: Xenia Katzenstein
1964 Erika Kambach (?)[Anm 5] Burgenland
1965 Carin Schmidt Salzburg
1966 Evi Rieck[28] 17 Niederösterreich
1967 Christl Bartu[Anm 6] 21 Vorarlberg später: Christl Fröwis[18]
1968 Brigitte Krüger[29] Salzburg
1969 Eva Rueber-Staier[30] 19 Steiermark Miss World 1969
1970 Elfriede „Eva“ Kurz[Anm 7] 18 Oberösterreich
1971 Sonja Milnaric[31] 19 Tirol später: Sonja Warmuth
1972 Ursula „Uschi“ Pacher[32][Anm 8] 21 Kärnten
1973 Roswitha Kobald[30][Anm 9] Steiermark
1974 Evelyn Engleder 20[33] Oberösterreich als Miss Vienna 1974 angetreten
1975 Rosemarie Holzschuh[34] Niederösterreich
1976 Heidi Passian Niederösterreich
1977 Eva Düringer 17[35] Vorarlberg Miss Europe 1978; später: Eva Cavalli
1978 Doris Anwander Vorarlberg später: Doris Köck[18]
1979 Karin Zorn 17 Steiermark Miss Europe 1980
1980 Helga Scheidl 16[3.14] Niederösterreich
1981 Edda Schnell Wien
1982 Elisabeth Kawan[36][30] 19 Steiermark später: Elisabeth Wolf
1983 Mercedes Stermitz[37][30] 24 Steiermark später: Mercedes Otto
1984 Michaela Nußbaumer[38] 20[38] Vorarlberg später: Michaela Beck[18]
1985 Elfriede Heindl[30] Steiermark
1986 Ulrike „Ulli“ Harb[30] 24[39.1] Steiermark später: Ulrike Leitold (wurde Missis Europa 1990) bzw. Sebach
1987 Marielle Moosmann Vorarlberg später: Marielle König[18]
1988 Sabine Grundner Kärnten
1989 Nicole Natter Vorarlberg
1990 Susanne Hausleitner[30] Steiermark
1991 Christine Heiss 23[3.15] Vorarlberg später: Christine Mennel[18]
1992 Tamara Mock[Anm 10] Vorarlberg später: Tamara Di Ciacomo
1993 Jutta Mirnig 19 Kärnten
1994 Eva Medosch 17 Wien
1995 Dagmar Perl 19 Steiermark später: Dagmar Jarz
1996 Sonja Horner 21 Oberösterreich
1997 Susanne Nagele 17 Tirol
1998 Sabine Lindorfer[40] 22 Oberösterreich
1999 Sandra Kölbl 20 Vorarlberg
2000 Patricia Kaiser 15 Oberösterreich
2001 Daniela Rockenschaub 19 Oberösterreich
2002 Céline Roscheck 18 Niederösterreich
2003 Tanja Duhovich 21 Wien
2004 Silvia Hackl 21 Oberösterreich später: Silvia Schachermayer
2005 Isabella Stangl 19 Salzburg
2006 Tatjana Batinic 20 Wien später: Tatjana Boenisch
2007 Christine Reiler 25 Niederösterreich
2008 Marina Schneider 18 Tirol
2009 Anna Hammel 21 Oberösterreich
2010 Valentina Schlager 18 Kärnten
2011 Carmen Stamboli 27 Wien später: Carmen Knor
2012 Amina Dagi 17 Vorarlberg
2013 Ena Kadić 23 Tirol
2014 Julia Furdea 19 Oberösterreich
2015 Annika Grill 21 Oberösterreich
2016 Dragana Stanković[41] 19 Niederösterreich
2017 Celine Schrenk 19 Niederösterreich
2018 Daniela Zivkov[42] (Titelaberkennung) 21 Oberösterreich Izabela Ion rückte nach, weil der erstplatzierten Daniela Zivkov der Titel aberkannt wurde.
Izabela Ion (Nachfolgerin) 24 Vorarlberg
2019 Larissa Robitschko[43] 21 Steiermark später: Larissa Robitschko-Posch
2020 nicht ausgetragen kein Bewerb wegen der COVID-19-Pandemie
2021 Linda Lawal[44] 18 Oberösterreich
2022 nicht ausgetragen kein Bewerb
2023 Valentina Bleckenwegner 23 Oberösterreich
2024 Lucia Sisic[Anm 11] 20 Wien
2025 nicht ausgetragen kein Bewerb
2026 nicht ausgetragen aus Mangel an Sponsoren abgesagt[45]
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Titelaberkennung 2018

Daniela Zivkov wurde 2018 zur Miss Oberösterreich gewählt und gewann am 1. September 2018 die Wahl zur Miss Austria und hatte einen entsprechenden Vertrag mit der Miss Austria Corporation. Jörg Rigger, Geschäftsführer dieser Firma, erläuterte laut orf.at vom 7. Oktober 2018: „Einer amtierenden Miss Austria muss klar sein, dass sie nicht machen kann, was sie will.“ Erstmals in der Geschichte der Organisation müsse einer Miss der Titel aberkannt werden. Er führte an, dass Zivkov mit der Miss-Oberösterreich-Schärpe bei Veranstaltungen aufgetreten sei und für ein anderes Produkt geworben habe als vertraglich vereinbart. Konkret wäre sie in einer Zeitschrift mit einem Kraftfahrzeug abgebildet worden, das nicht der Marke eines Werbevertragspartners entsprach. Rigger hätte sie wiederholt abgemahnt, doch – laut seiner Aussage – hätte sie beschwichtigt, „nur privat unterwegs gewesen zu sein“.

Laut orf.at strebte Daniela Zivkov eine Offizierslaufbahn im Bundesheer an. Die auf den Titel Nachrückende war die 24-jährige Einzelhandelskauffrau Izabela Ion aus Lauterach (Vorarlberg).[42]

Erfolge bei größeren internationalen Wettbewerben

Miss World
1969Eva Rueber-Staierals Miss Austria 1968
1987Ulla Weigerstorferals Miss World Austria 1987
Miss Universe
1929Lisl Goldarbeiterals Miss Austria 1929
Miss Europe
1951Hanni Schallals Miss Austria 1950/51
1958Hanni Ehrenstrasserals Miss Austria 1958
1959Christine Spazierals Miss Austria 1959
1978Eva Maria Düringerals Miss Austria 1977
1980Karin Zornals Miss Austria 1979
2021Beatrice Körmer[Anm 12]als Miss Vienna 2019

Konkurrierende Wettbewerbe

Miss World Österreich (1986–1989)

Ende der 1980er wurde einige Jahre lang vom ehemaligen Model Lilo Hoffmann ein eigener Bewerb um die Miss World Österreich veranstaltet, dessen Delegierte bei der Miss World antraten.[3.16][Anm 13]

Weitere Informationen Jahr, Alter ...
JahrMiss World ÖsterreichAlterBundeslandAnm. (Platzierung bei der Miss World)[46]
1986Chantal Schreiber21 Wien3
1987Ulrike „Ulla“ Weigerstorfer19 Steiermark1
1988Alexandra Werbanschitz SteiermarkSemifinale
1989Marion Amann21[47] Vorarlbergspäter: Marion Tomasi
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Miss Österreich

Einen weiteren Konkurrenz-Wettbewerb um die Miss Österreich führte ab 1986 Erich Saida durch, der aber nach wenigen Jahren aufgab.[3.16]

Weitere Informationen Jahr, Alter ...
JahrMiss ÖsterreichAlterBundesland
1986Beatrix Kopf25[48] Vorarlberg
1987Kristina Sebestyen[49]
1988Maria Steinhart[50]20[51] Niederösterreich
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Literatur

  • Elisabeth Patsios: Die Schönste der Schönen. Geschichte der Miss Austria 1929–2009. Molden Verlag, Wien–Graz–Klagenfurt 2009, ISBN 978-3-85485-223-0.[52]
  • Dieter Rupnik: Mode, Missen, Mannequins. Elfi Ortner – von der Pionierin zur Ikone. Leykam, Graz 2013

Anmerkungen

  1. Wenige Tage nach Mareks Sieg wurde bekannt, dass sie aktuell bereits verheiratet war. Ledigkeit war damals aber nur Voraussetzung dafür, an der Miss Europe teilzunehmen. Die Zweitplatzierte Hanni Schall vertrat Österreich bei der Wahl der Miss Europe, Marek reiste außer Konkurrenz mit. Ingeborg Marek wurde in Zeitungen noch Jahre später als Miss Austria 1950 bezeichnet.
  2. Auch als Inge Fröwis genannt.
  3. Laut Berichten zur Miss Europe war Spazier nur 2. bei der Miss-Austria-Wahl nach einer 17-Jährigen, die für die Miss Europe zu jung war. Fotos zeigen Spazier aber als Siegerin der Miss-Austria-Wahl. In Teilnehmerlisten internationaler Wettbewerbe taucht auch die Schreibweise Spatzier auf, darüber hinaus Buchstabendreher wie Spaitzer.
  4. Laut Miss-Austria-Webseite (History): Erika Kammbach (Kambach?), die aber nicht unter den besten drei war.
  5. Auf der Miss-Austria-Webseite (History) als Erika Kammbach angeführt, allerdings für das Jahr 1963.
  6. In der Teilnehmerliste zur Miss World abweichend Christina Barth.
  7. Schreibungen laut Miss-Austria-Website (History): Eva Kurz oder Evi Kurtz.
  8. Pacher in den Teilnehmerlisten von Miss World, Universe und Europe; laut Miss Austria Bacher.
  9. So in allen vorgenannten Listen. Die Miss Austria Corporation schreibt Roswita.
  10. Der Veranstalter Erich Reindl erkannte Mock den Titel ab und ernannte die Miss Vienna Nelly Sperl (später: Nelly Baumann) zur Miss Austria 1992; Tamara Mock zog daraufhin vor Gericht und gewann. Nicht die erste entthronte Miss Austria, tips.at, 10. Oktober 2018, abgerufen am 22. Februar 2026.
  11. Auch Lucia Šišić.
  12. Späterer Name: Beatrice Turin.
  13. Dies trifft auf die drei von 1986 bis 1988 bei pageantopolis.com in der Liste der Teilnehmerinnen zur Miss World unter Austria genannten zu.

Einzelnachweise

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