Mithridatikum
historische Kräutermixtur als Medikament
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Mithridatikum ist eine der ältesten benutzten Arzneimittelzubereitungen als Universalheilmittel bzw. Gegenmittel („Gegengift“, Antidot). Der Name bezieht sich auf den pontischen König Mithridates VI. Eupator, der seit frühester Jugend mit Giften und Gegengiften experimentierte.[1] Er erweiterte angeblich mithilfe seines Leibarztes eine bereits bestehende Kräutermixtur aus Anis, Fenchelsamen und Kümmel (deren Rezept in die Mauer des Asklepieion von Kos eingemeißelt war) auf 54 Ingredienzien,[2] darunter „magische“ Zutaten wie Entenblut und Krötenfleisch, und nahm es als Vorbeugung gegen Giftanschläge. Nach ihm wurde es antidotum Mithridatis (‚Gegenmittel des Mithridates‘) und (antidotum) Mithridatium bzw. Mithridatikum[3] oder (Unguentum) Mithridaticum[4] genannt.

Die Zusammenstellung wurde später um Vipernfleisch als weitere Zutat erweitert. Die durch Neros Leibarzt Andromachus[5] um etwa zehn Zutaten erweiterte Rezeptur (mit etwa 60 bis 80 und mehr statt etwa 35 bis 60 Ingredienzen)[6][7] erhielt die Bezeichnung Theriak und verdrängte laut dem im 2. Jahrhundert n. Chr. tätigen Arzt Galen[8] das Mithridatium.
Alternative Namen
Siehe auch
Literatur
- Gilbert Watson: Theriac and Mithridatium: A study in therapeutics, London 1966 (= Publications of the Wellcome Historical medical library, Neue Folge, 9)
- Erhardt Kahle: Das Mithridatikum in der arabischen medizinischen Literatur. In: „gelêrter der arzeniê, ouch apotêker“. Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte. Festschrift zum 70. Geburtstag von Willem F. Daems. Hrsg. von Gundolf Keil, Horst Wellm Verlag, Pattensen/Hannover 1982 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 24), ISBN 3-921456-35-5, S. 371–385.
- Gundolf Keil: Mithridaticum (Mithridat[i]um). In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1000.
- Philipp H. Külb: Cajus Plinius Secundus Naturgeschichte. Band 25, Stuttgart 1840–1877. Suchbegriff Mithridates. Abgerufen am 20. März 2019.
- Theodor Mommsen: Römische Geschichte. Bd. 2: Von der Schlacht bei Pydna bis auf Sullas Tod. Berlin 1921, S. 262ff. Abgerufen am 18. März 2019.