Monte Agnèr

Berg in den Dolomiten (Palagruppe) From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Monte Agnèr ist ein 2872 m s.l.m. hoher Berg in den Dolomiten. Nach ihm ist die Agnèr-Gruppe benannt, welche die Pale di San Martino östlich begrenzt. Bei Kletterern bekannt ist der Monte Agnèr für seine bis 1500 m hohe Nordwand, beziehungsweise Nordkante. Die Nordwand ist die höchste Felswand der Dolomiten und eine der höchsten Wände der Alpen.

Schnelle Fakten
Monte Agnèr
Monte Agnèr, der höchster Berg der Agnèr-Gruppe mit seiner markanten Nordkante
Monte Agnèr, der höchster Berg der Agnèr-Gruppe mit seiner markanten Nordkante
Höhe 2872 m s.l.m.
Lage Provinz Belluno, Italien
Gebirge Pale di San Martino, Dolomiten
Koordinaten 46° 16′ 35″ N, 11° 57′ 10″ O
Typ Felsgipfel
Erstbesteigung 1875 durch Cesare Tomè, Martino Gnech und Tommaso Da Col
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Lage und Toponymie

Der Monte Agnèr ist ein Berg in den Dolomiten. Er liegt in der norditalienischen Provinz Belluno, die wiederum in der Region Venetien liegt. Er befindet sich auf der Grenze zwischen der Gemeinde Taibon Agordino im Norden, die im Valle di San Lucano liegt, und der Gemeinde Voltago Agordino im Süden, die im Valle Sarzana liegt.

Gipfel der Agnèr-Gruppe

Der Monte Agnèr gehört zur Gebirgsgruppe Pale di San Martino und begrenzt diese im Osten. Er liegt am Ende der Bergkette, die an der Cima Regade (2245 m) beginnt und fast geradlinig in nordnordöstlicher Richtung über Cima d’Oltro, Croda Granda (2449 m), Cima de la Beta (2408 m), Sass le Caure (2762 m) und Lastei d’Agnèr (2844 m) bis zum Monte Agnèr verläuft. Weiter nördlich des Agnèr bricht die Kette rasch in mehrere Grate ab und bildet dabei noch einige kleinere, alpinistisch interessante Gipfel.

Früher wurden häufig Berggipfel nach den darunter liegenden Almen benannt. So wahrscheinlich auch im Falle des Monte Agnèr. In der Gegend um Frassenè Agordino bedeutet der Ausdruck Agnèr „Schafweiden“.[1]

Alpinismus

Der Monte Agnèr wurde erstmals 1875 von Cesare Tomè, Martino Gnech und Tommaso Da Col bestiegen. Sie erreichten den Gipfel über den heutigen Normalweg, der von der Rifugio Scarpa-Gurekian über die Forcella dello Spizzon (manchmal auch Forcella del Pizzon genannt) entlang des Westgrats zum Gipfel führt.[2] Über diesen Weg führt heute auch der einfachste Abstieg.

Die 1500 m hohe Nordwand wurde erstmals am 14. und 15. September 1921 von Francesco Jori, Arturo Andreoletti und Alberto Zanutti durchstiegen. Obwohl die Erstbegehung damals kein großes Aufsehen erregte, wohl auch wegen der Bescheidenheit der Erstbegeher, gehört diese Begehung zu den ganz großen alpinistischen Taten ihrer Zeit. Die Route verläuft zentral durch die Nordwand, unten durch Rinnen, im mittleren Teil durch Kamine und im oberen schwersten Teil durch ein Rissystem.[1] Reinhold Messner resümiert, dass sie in ihrer Zeit eine der größten Führen der Dolomiten war, auch wenn sie den fünften Grad kaum übersteigt.[3]

Monte Agnèr Nordkante

Die Nordkante mit ihren 1600 m Höhendifferenz wurde erstmals am 29. August 1932 durch Celso Gilberti und Oscar Soravito durchstiegen. Dieser Anstieg gehört zu den ganz großen und langen Touren in den gesamten Ostalpen. Die Kletterschwierigkeiten bewegen sich (je nach Führerautor) zwischen V+ bis VI+. Die Route verlangt jedoch eine gute Kondition, ein gutes Gespür für den richtigen Weg sowie schnelles Klettern.[4] Walter Pause hebt in seiner Beschreibung die vielen Verhauer und das teilweise gefährliche Gelände hervor. „Im Ganzen eine herrliche, romantische Unternehmung für ausdauernde Extreme, ein mächtig lockendes, ein großes alpines Abenteuer. Kommt man noch spätabends zur flachen Gipfelpyramide, so kann man in der beginnenden Nacht die Abbrände der Ölraffinerien bei Venedig entdecken“.[5]

Touristische Erschließung

Die drei „einfachen“ Südanstiege zum Monte Agnèr
Link zum Bild (der Link führt zu einer Seite außerhalb der Wikipedia)

(Bitte Urheberrechte beachten)

Auf der Südseite des Monte Agnèr liegt auf 1735 m die einzige bewirtschaftete Schutzhütte zwischen Croda Granda und Monte Agnèr, die Rifugio Scarpa-Gurekian.[6] Sie ist von Frassenè Agordino aus leicht erreichbar. Südwestlich der Gipfels des Monte Agnèrs liegt bei der Forcella dello Spizzon auf 2.650 m das Bivacco Giancarlo Biasin.[7] Es wird anspruchsvoll über den Klettersteig Stella Alpina, den gesicherten Weg „Via Gran Canalone“ oder den Normalweg zum Monte Agner erreicht. Es hat besondere Bedeutung als Unterkunft nach einer Begehung einer schwierigen und langen Route in der Agnèr Nordwand. Am Fuße der Nordwand, im Valle di San Lucano, befindet sich das Bivacco Enzo Cozzolino (benannt nach dem italienischen Bergsteiger Enzo Cozzolino), das als Ausgangspunkt für die Nordwandrouten errichtet wurde.[8]

Der fast 1000 m hohe Klettersteig „Via Ferrata Stella Alpina“ führt ausgehend vom Rifugio Scarpa-Gurekian zum Bivacco Giancarlo Biasin und von dort über den Normalweg zum Gipfel. Der Klettersteig gilt als eindrucksvolles und sehr alpines Unternehmen und gehört zu den anspruchsvollsten „Eisenwegen“ in der Palagruppe.[9]

Einzelnachweise

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