Montjuïc
Hausberg der katalanischen Hauptstadt Barcelona
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Der 173 Meter hohe Montjuïc (katalanisch [], gelegentlich auch in veralteter Schreibweise Montjuich geschrieben) ist (zusammen mit dem Tibidabo) einer der beiden Hausberge der katalanischen Hauptstadt Barcelona. Auf ihm wurden sowohl die Weltausstellung des Jahres 1929 als auch Weltmeisterschaftsläufe für Formel 1 und Motorräder auf dem Circuit de Montjuïc sowie die Olympischen Sommerspiele 1992 ausgetragen. Er ist aufgrund seiner Sehenswürdigkeiten und seiner Parks seit jeher ein Anziehungspunkt für Touristen und Einheimische und unter anderem mit der Montjuïc-Standseilbahn und der Hafenseilbahn erreichbar.



Bedeutung des Namens
Die Bedeutung des Namens „Montjuïc“ ist nicht genau bekannt und bis heute umstritten. Es konkurrieren zwei Bezeichnungen: Zum einen ließe er sich als „Berg des Jupiter“ (von lat. Mons Jovis) übersetzen, zum anderen allerdings auch als „Berg der Juden“ (vom mittelalterlichen Katalanisch Mont juïc = „Jüdischer Berg“, da sich ein jüdischer Friedhof auf der Ostseite des Berges befand).
Sehenswürdigkeiten

Zu den Bauwerken der Weltausstellung 1929 zählt der Brunnen Font Màgica, dessen Wasserspiele am Freitag und Samstag farbig beleuchtet werden.
An diesem Platz stand bis 1928 das Monument Quatre Columnes (‚Vier Säulen‘). Hier befindet sich auch das große Museum Museu Nacional d’Art de Catalunya (MNAC), das eine Vielzahl von Werken bekannter katalanischer Künstler beherbergt.
In größerer Höhe liegen die Parks des Montjuïc mit zahlreichen Pflanzen und Tierarten sowie das Olympiagelände mit dem Olympiastadion Estadi Olímpic Lluís Companys. Unweit des Stadions befindet sich ein Museum, das sich den Olympischen Spielen von 1992 widmet.
Auf dem Montjuïc befinden sich auch das Museum des berühmten katalanischen Künstlers Joan Miró, die Fundació Joan Miró und ein Kastell aus dem Jahre 1751, von dem man einen guten Blick auf die Stadt sowie auf den Hafen hat. Am Südhang des Montjuïc liegt der große städtische Friedhof Cementiri de Montjuïc, auf dem unter anderem die Gräber von Joan Miró, Francesc Ferrer i Guàrdia und der anarchistischen und antifaschistischen Kämpfer im spanischen Bürgerkrieg Francisco Ascaso und Buenaventura Durruti zu sehen sind.
Ebenfalls auf dem Montjuïc befindet sich der botanische Garten von Barcelona – der sogenannte Jardí Botànic de Barcelona. Der Garten wurde 1999 eröffnet und beherbergt auf 14 Hektar rund 1.500 Pflanzenarten.[1]
Castell de Montjuïc

Barcelonas Festung Castell de Montjuïc wirkte als Schutz des Hafens und der Stadt, aber auch als Zwingburg fremder Herrschaft über die Stadtbewohner. Denn erst seit 2007 befindet sich das Bollwerk im Besitz der Stadt und der katalanischen Regionalregierung. Bei der Belagerung von 1705 hatte die Festung eine Schlüsselstellung inne. Bei ihrer Eroberung durch die antibourbonischen Alliierten wurde Georg von Hessen-Darmstadt getötet. Die bourbonischen Herrscher in Madrid hatten Katalonien 1714 unterworfen und hielten die Burg seitdem mit Truppen besetzt. Die Festung wurde auch in den folgenden Jahrhunderten als Ausdruck von Fremdherrschaft erlebt. Im 19. Jahrhundert wurde die Stadt sogar mehrmals vom Berg aus beschossen und bombardiert, so nach dem Aufstand von November 1842.

In der Zeit des Franco-Regime war das Kastell ein Ort der Inhaftierungen und Exekutionen von Personen, denen nach der franquistischen Machtübernahme der Stadt vorgeworfen wurde, für die demokratische Zweite Republik gekämpft zu haben. Mehrere katalanische Sozialisten und Politiker fielen diesen Säuberungen zum Opfer. Einer der Ermordeten war der ehemalige Präsident der Generalitat de Catalunya Lluís Companys, der 1940 von der deutschen Gestapo in Frankreich gefangen genommen und ausgeliefert worden war. Am Rande des Zentralfriedhofs der Stadt am südlichen Ende des Montjuïc liegen immer noch unter dem Gras in einem alten Steinbruch zirka 4000 Opfer des Franco-Regimes verscharrt. Dieser Steinbruch, die Pedrara de Morgas, ist heute als Fossar de la Pedrara bekannt und ebenfalls ein Andachtsort für die dort bestatteten Opfer der Bombenangriffe auf Barcelona zwischen 1937 und 1938.
Nach dem Krieg konnten Franquisten den Montjuïc definieren und weihten am Fossar de Santa Helena[2] am 7. Mai 1939 eines jener Monumente ein, die „Caídos por España“ („Gefallene für Spanien“) genannt wurden, da an der Stelle zu Beginn des Bürgerkrieges, am 12. August 1936, die nationalistischen Putschgeneräle Manuel Goded und Álvaro Fernández Burriel hingerichtet worden waren.[2] 1945 wurde der französische Nazi-Kollaborateur Pierre Laval drei Monate lang hier festgehalten.[3] Später brachte der Diktator Francisco Franco in der Festung ein Museum zur Glorifizierung des Putschmilitärs unter. Ein im Juni 1963 von ihm selbst eingeweihtes Reiterstandbild von sich selbst wurde im März 2008 abtransportiert und in ein Depot eingelagert. Es sollte, nach einem Einbruch in das Depot ab 2013 kopflos, 2016 im Mittelpunkt der hochemotionalen Installation Franco, Victòria, República stehen.[4]
Poble Espanyol
Im Poble Espanyol, dem zur Weltausstellung gebauten Spanischen Dorf, stehen auf 49.000 Quadratmetern massive Bauten im traditionellen Stil aus allen Regionen Spaniens dicht an dicht. Hinter der aragonesischen Kirche beginnt das andalusische Gässchen, das führt zu einem katalanischen Plätzchen und so fort. Eine Spanienrundreise en Miniature.

Sport
Olympische Spiele
Auf dem Gelände des Montjuïc befindet sich das 1929 erbaute Estadi Olímpic Lluís Companys, in dem unter anderem die Olympischen Sommerspiele 1992 ausgetragen wurden und das zwischen 1997 und 2009 die Heimspiele des Fußball-Erstligisten Espanyol Barcelona und seit 2023 die Spiele des FC Barcelona beherbergte. Auch in den benachbarten Schwimmstadien und auf den Tennisanlagen finden regelmäßig internationale Großereignisse statt.
Motorsport
Auf der im Parc de Montjuïc gelegenen, 1933 eröffneten Motorsport-Rennstrecke Circuit de Montjuïc wurde zwischen 1969 und 1975 viermal der Große Preis von Spanien im Rahmen der Formel 1 sowie von 1951 bis 1969 der Große Preis von Spanien für Motorräder im Rahmen der Motorrad-Weltmeisterschaft ausgetragen.
Radsport

Auf dem Montjuïc fanden bereits zahlreiche Radsportveranstaltungen statt. Mit der Tour de France und Vuelta a España führten bereits zwei Grand Tours auf den Hausberg von Barcelona. Zudem bildete er das Herzstück des anspruchsvollen Rundkurses der Straßenradsport-Weltmeisterschaften 1984 überquert. Den Weltmeistertitel im Straßenrennen sicherte sich damals der Belgier Claude Criquielion.
Seit dem Jahr 2013 geht die Katalonien-Rundfahrt mit einem Rundkurs auf dem Montjuïc zu Ende. Den höchsten Punkt stellt dabei die Alt de Castel de Montjuïc dar, die auf den letzten 600 Metern der Carretera de Montjuïc im Schnitt mit rund 12 % ansteigt. Die Bergwertung wird stets neben dem Castell de Montjuïc abgenommen, ehe die letzten fünf Kilometer großteils abschüssig zu den Fonts de Montjuïc auf der Avendia de Rius i Taulet führen.[5]
Die Vuelta a España hielt ihre erste Zielankunft auf dem Montjuïc bereits bei ihrer Erstaustragung im Jahr 1935 ab. Seither stand der Hausberg von Barcelona bereits öfters im Programm der Spanien-Rundfahrt. Die letzte Zielankunft fand im Jahr 2023 im Rahmen der 2. Etappe statt.[6]
Die Tour de France führte bislang dreimal auf den Montjuïc. Die ersten Befahrung erfolgte im Jahr 1957 im Rahmen eines 9,8 Kilometer langen Einzelzeitfahrens, das der spätere Gesamtsieger Jacques Anquetil für sich entschied.[7] Im Jahr 1965 wurde der Montjuïc erneut überquert, wobei er diesmal Teil eines Rundkurses war, der im Finale der 11. Etappe dreimal absolviert werden musste.[8] Bei der Tour de France 2009 fand auf der 6. Etappe eine kleine Bergankunft auf dem Montjuïc statt, wobei im Ziel keine Bergwertung vergeben wurde. Die Auffahrt erfolgte damals über die Avendia de Francesc Ferrer i Guàrdia und Avendia de l'Estadi, ehe sich das Ziel neben dem Estadi Olímpic Lluís Companys auf einer Höhe von 96 Metern befand.[9]
Die Tour de France 2026 soll bei ihrem Auftakt in Barcelona im Rahmen eines Mannschaftszeitfahrens auf den Montjuïc führen. Die Auffahrt soll dabei über die Passeig de Santa Madrona erfolgen, ehe es gegen den Uhrzeigersinn einmal um den Olympia-Komplex geht. Das Ziel soll sich dann auf der Passeig Olímpic neben dem Estadi Olímpic Lluís Companys befinden. Dabei sollen mit der Côte de Montjuïc (100 m) und Côte du Stade Olympique (104 m) erstmals Bergwertungen der Frankreich-Rundfahrt auf dem Montjuïc abgenommen werden. Die 2. Etappe soll auf einem 12,2 Kilometer langen Rundkurs zu Ende gehen, der auf den Montjuïc führt. Dieser muss im Finale dreimal absolviert werden. Dabei werden auf jeder Runde die Bergwertungen der Côte du Chateau de Montjuïc (163 m) und die Côte du Stade Olympique (104 m) passiert. Die Côte du Chateau de Montjuïc gleicht dabei der Alt de Castel de Montjuïc und weist auf einer Länge von 1600 Metern eine durchschnittliche Steigung von 9,3 % auf.[10]