Moraxella

Gattung der Familie Moraxellaceae From Wikipedia, the free encyclopedia

Moraxella (benannt nach Victor Morax) ist eine Gattung aerober gramnegativer Bakterien. Die Arten sind kommen in der Umwelt vor und treten auch als Parasiten von Menschen und anderen warmblütigen Tieren auf.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Moraxella

Moraxella catarrhalis auf Agarplatte. Resistenzbildung auf Ampicillin

Systematik
Domäne: Bakterien (Bacteria)
Abteilung: Proteobacteria
Klasse: Gammaproteobacteria
Ordnung: Pseudomonadales
Familie: Moraxellaceae
Gattung: Moraxella
Wissenschaftlicher Name
Moraxella
Lwoff 1939
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Merkmale

Es handelt sich um Kokken, Diplokokken oder kurze Stäbchen. Die Stäbchen sind häufig sehr kurz und gedrungen und ähneln oft einer Kokkenform (1,0–1,5 × 1,5–1,5 μm). Sie treten meist paarweise oder auch in kurzen Ketten auf. In Kulturen ist häufig eine Variation in Zellgröße, -form und Filament- oder Kettenbildung zu beobachten. Dieser Pleomorphismus wird durch Sauerstoffmangel und Inkubationstemperaturen oberhalb des Optimums verstärkt. Die Kokken sind in der Regel kleiner (0,6–1,0 μm Durchmesser) und kommen einzeln oder paarweise vor, manchmal bilden sie Tetraden. Sowohl kokkenförmige als auch stäbchenförmige Arten können Fimbrien aufweisen.[1]

Auf Blutagar bilden sie kleine Kolonien und sind oxidasepositiv. Flagellen sind nicht vorhanden, allerdings können sich einige Arten durch die sogenannte twitching motility oder Zuckbewegung, fortbewegen.[2] Die Bewegung erfolgt hierbei sprunghaft und wird durch spezielle Pili ausgelöst. Moraxella-Arten sind aerob, einige können jedoch auch unter anaeroben Bedingungen schwach wachsen. Sie können Kapseln bilden.[1]

Stoffwechsel und Wachstum

Die meisten Arten sind ernährungstechnisch anspruchsvoll und wachsen alle in komplexen Medien. Einige werden durch Fettsäuren (Gallensalze und Tween 80) erheblich stimuliert. Die optimale Wachstumstemperatur liegt zwischen 33 und 35 °C. Die Kolonien sind nicht pigmentiert.[1]

Die Hauptfettsäuren der meisten Arten sind C18:1 ω9c und C 16:1 ω7c. Die langkettigen Fettsäuren sind Bestandteile der Membranlipide. Das Hauptchinon ist Ubichonon-8.[1]

Ökologie

Mitglieder der Gattung Moraxella besiedeln die Schleimhäute von Menschen und verschiedenen anderen Warmblütern. Einige Arten lassen sich auch aus der Umwelt isolieren. M. nonliquefaciens wird am häufigsten aus den oberen Atemwegen des Menschen isoliert, während M. osloensis häufig im menschlichen Genitaltrakt vorkommt. M. atlantae , M. lacunata und M. lincolnii gehören ebenfalls zur normalen Mikroflora der menschlichen Atemwege. M. catarrhalis kann im Oropharynx gesunder Erwachsener und Kinder nachgewiesen werden. Bei Tieren wurden M. boevrei und Moraxella caprae aus der Nasenflora gesunder Ziegen bzw. aus der Bindehautflora von Ziegen und Kühen isoliert. M. ovis und M. bovoculi wurden aus der Bindehaut sowie der Nasen- und Vaginalflora verschiedener Wiederkäuer isoliert, Moraxella canis aus der Mundhöhle von Hunden und M. cuniculi und Moraxella equi aus Kaninchen bzw. Pferden. Moraxella pluranimalium wurde aus der Nasenmuschel eines Schweins isoliert.[1]

Moraxella als Krankheitserreger

Mehrere Arten, die pathogen wirken können, gehören zu der Gattung, darunter die in der Mundflora und im Oropharynx des Menschen vorkommende Kokkenart Moraxella catarrhalis, welche neben Infektionen der Atemwege (mit Otitis, Sinusitis, Bronchitis und Pneumonie) auch Infektexazerbationen der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) hervorrufen kann, und Moraxella bovis, die Ansteckende Hornhaut- und Bindehautentzündung der Rinder verursachen kann, sowie Moraxella osloensis, die als biologisches Mittel gegen Wegschnecken diskutiert wird[3], obwohl sie gelegentlich auch humanpathogen sein kann[4]. Zur Behandlung kommen Cephalosporine, Chinolon-Antibiotika oder Tetracycline in Frage, da sich gegenüber Penicillin eine Resistenz entwickelt hat (Moraxella catarrhalis ist häufig Beta-Laktamase-positiv und somit resistent gegen Ampicillin).[5][6]

Systematik

Die Gattung Moraxella wird heute der Familie Moraxellaceae (Ordnung Pseudomonadales) zugeordnet, nachdem man sie früher der Familie Neisseriaceae zugeordnet hatte. Die Gattung Moraxella wurde seit der Erstbeschreibung durch André Lwoff im Jahr 1939 mehrfach taxonomisch überarbeitet , wobei einige Arten in andere Gattungen umgesiedelt wurden. Moraxella anatipestifer wurde in die Gattung Riemerella als Riemerella anatipestifer umklassifiziert. Moraxella phenylpyruvica wurde in die Gattung Psychrobacter als Psychrobacter phenylpyruvicus überführt und Moraxella urethralis wurde in die Gattung Oligella als Oligella urethralis überführt.[1]

Es folgt eine Liste einiger Arten:[7]

  • Moraxella atlantae Bøvre et al. 1976
  • Moraxella boevrei Kodjo et al. 1997
  • Moraxella bovis (Hauduroy et al. 1937) Murray 1948
  • Moraxella bovoculi Angelos et al. 2007
  • Moraxella canis Jannes et al. 1993
  • Moraxella caprae Kodjo et al. 1995
  • Moraxella catarrhalis Frosch and Kolle 1896
  • Moraxella cuniculi (Berger 1962) Bøvre and Hagen 1984
  • Moraxella equi Hughes and Pugh 1970
  • Moraxella lacunata (Eyre 1900) Lwoff 1939
  • Moraxella lincolnii Vandamme et al. 1993
  • Moraxella nonliquefaciens (Scarlett 1916) Lwoff 1939
  • Moraxella oblonga Xie and Yokota 2005
  • Moraxella osloensis Bøvre and Henriksen 1967
  • Moraxella pluranimalium Vela et al. 2009
  • Moraxella porci Vela et al. 2010
  • Moraxella saccharolytica Flamm 1956
  • Moraxella urethralis Lautrop et al. 1970

Literatur

  • Die Aktivierung des humanen Bronchialepithels durch Moraxella catarrhalis Dissertation von Carola Jonatat.
  • Tamang MD, Dey S, Makaju RK, Jha BK, Shivananda PG, Bhramadatan KN: Prevalence of Moraxella catarrhalis infections of the lower respiratory tract in elderly patients. In: Kathmandu Univ Med J (KUMJ). 3. Jahrgang, Nr. 1, 2005, S. 39–44, PMID 16401943.
  • Powe TA, Nusbaum KE, Hoover TR, Rossmanith SR, Smith PC: Prevalence of nonclinical Moraxella bovis infections in bulls as determined by ocular culture and serum antibody titer. In: J. Vet. Diagn. Invest. 4. Jahrgang, Nr. 1, Januar 1992, S. 78–9, PMID 1554773.
  • Walls A, Wald E: Neonatal Moraxella osloensis ophthalmia. In: Emerging Infect. Dis. 11. Jahrgang, Nr. 11, November 2005, S. 1803–4, PMID 16422012 (cdc.gov [PDF]).
  • Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 265.

Einzelnachweise

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