Moto Guzzi Dingo

Italienisches Moped 1963–1976 From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Moto Guzzi Dingo ist ein Kleinkraftrad mit Zweitaktmotor des italienischen Herstellers Moto Guzzi, das von 1963 bis 1976 in Mandello del Lario in mehreren, sehr unterschiedlichen Varianten als Nachfolgemodell der Cardellino (1954–1963) gebaut wurde. Die Varianten unterscheiden sich äußerlich primär durch die Rahmenart und den Kraftstofftank. Die Modellbezeichnung bezieht sich auf die verwilderte Hunderasse Dingo.

Schnelle Fakten Dingo, Motordaten ...
Moto Guzzi

Dingo Turismo (1968–1969)
Dingo
Hersteller Moto Guzzi
Verkaufsbezeichnung Dingo Turismo
Dingo Sport
Dingo Super
Dingo Cross
Dingo GranTurismo
Dingo 50 MM / 3V
Dingo SuperSport
Dingo GT
Dingo 50 Cross
Produktionszeitraum 1963 bis 1976
Klasse Motorrad
Bauart Mokick / Moped
Motordaten
luftgekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor
Hubraum 49 cm³
Höchst­geschwin­digkeit 34–40 km/h
Getriebe s. Tabelle
Antrieb Kettenantrieb
Bremsen Trommeln
Radstand 1070–1130 mm
Leergewicht 46–63,5 (trocken) kg
Vorgängermodell Cardellino
Nachfolgemodell Chiù
Cross 50
Nibbio
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Geschichte

Ende 1963 endete die Produktion der Cardellino, Bestände wurden noch bis 1965 abverkauft. Für die kostengünstige Mobilität waren zunehmend moderne Mopeds und die ab Mitte der 1960er Jahre neuen Mofas gefragt. Als Antwort entwickelte Moto Guzzi die Dingo als ein technisch sehr einfaches Modell für die Zielgruppe der jungen Fahrer, anfangs nur in den zwei Varianten „Turismo“ und „Sport“, die sich hauptsächlich durch Tank und Sitzbank unterschieden.[1] Der Einführungspreis der Basisvariante „Turismo“ lag in Italien bei 79.000 Lire.[2] Als Vergleich lag der durchschnittliche monatliche Nettolohn eines Industriearbeiters in Italien 1963 je nach Branche bei 90.000 bis 130.000 Lire. Von dieser ersten Serie wurden bis Ende 1965 in einer für das Unternehmen wirtschaftlich immer schwieriger werdenden Zeit etwas über 25.000 Einheiten gebaut.

Am 25. Februar 1966 wurde das Unternehmen unter Konkursverwaltung durch das staatlich kontrollierte IMI (Istituto Mobiliare Italiano) gestellt. Die gesamte Belegschaft wurde entlassen und zu einem kleinen Teil am nächsten Tag wieder eingestellt, worauf die beiden Kader der Entwicklungsabteilung, Giulio Cesare Carcano und Enrico Cantoni, das Unternehmen verließen. Die Finanzmittel schwanden dramatisch, die Gründerfamilie Parodi gab die Führung Moto Guzzis zum 1. Februar 1967 an die SEIMM (Società Esercizio Industrie Moto Meccaniche) ab.[1] Um den Absatz zu erhöhen bei gleichzeitig höheren Stückmargen durch konstruktionsseitig reduzierte und beherrschbare Kosten, wurde noch im Jahr 1966 die Moto-Guzzi-Modellpalette durch die Einführung des um ein Drittel leichteren und (zum Vergleich) in Italien nur 54.000 Lire kostenden Mofas Trotter nach unten erweitert. Die Dingo-Palette bekam parallel zwei neue, höherpreisige Varianten mit einem neukonstruierten Doppelschleifenrohrrahmen und nur minimal geändertem Antrieb: die „Super“ und die „Cross“. Beide haben einen großen 8,5-Liter-Tank mit Ausformungen für die Knie, Gabelbälge und sichtbare Außenfedern hinten. Die „Cross“ verfügt gemäß ihrer Bestimmung für den Einsatz in leichtem Gelände über Stollenreifen und einen Luftfilter, Auspuffanlage und vorderes Schutzblech sind im Stil eines Scramblers höher gelegt. 1967 kam die teuerste Variante „GT“ (in manchen Unterlagen als GranTurismo ausgeschrieben) mit komfortablerer Sitzbank und Gepäckträger hinzu. 1968 bekamen die Einstiegsvarianten „Turismo“ und „Sport“ einen neuen Tank.

Für das Modelljahr 1970 wurde die Dingo stark überarbeitet. Am Motor wurden die Kühlrippen, das Kurbelgehäuse und das Getriebe geändert. Es wurden fünf Varianten angeboten: die günstigeren Einstiegsmodelle „MM“ bzw. „3V“ mit Pressstahlrahmen, jeweils mit fester Übersetzung bzw. Dreiganggetriebe; die höherpreisigen Varianten „GT“, „Super Sport“ (nur bis Ende 1971) und „Cross“. Der Tank der letzteren drei wurde noch ein wenig auf 9 Liter vergrößert, runder geformt und ist an der schräg nach hinten-unten verlaufenden Blechkante erkennbar (ein Designelement wie auch ab 1970 bei den größeren Schwestern Stornello 125 und 160). Für die Variante „SuperSport“ – dieser Bezeichnung wurde die sehr schwache Leistung nicht gerecht – konnte wahlweise ein tieferer und schmalerer Lenker bestellt werden: In der Datentabelle unten entsprechen die Abmessungen unter Klammern der tieferen Ausführung. 1973 wurden zur Senkung der Produktionskosten technische Änderungen an den Einstiegsvarianten „MM“ und „3V“ vorgenommen, vor allem wurden Rahmen und Tank vereinfacht und Kunststoff-Seitenblenden mit vier schrägen Lüftungsschlitzen oberhalb der Pedale hinzugefügt (ein Designelement, das später mit der Le Mans von 1976 assoziiert wurde). Der neue Tank fasst nur noch 2,8 Liter und besteht aus einer oberen und einer unteren Tiefziehschale, die Falz und Schweißnaht dazwischen wird durch ein umlaufendes schwarzes Gummiprofil überdeckt.[2]

Ende 1973 lief die Produktion der Varianten „GT“ und „Cross“ aus.[2] Als Nachfolgemodelle vertrieb Moto Guzzi anschließend Kleinkrafträder der damaligen Konzernschwester Benelli unter den Bezeichnungen Nibbio (entspricht Benelli T50 Turismo) und Cross 50 (entspricht Benelli 50 Cross).

In mehreren europäischen Ländern und im nordamerikanischen Markt wurden aus dem grundsätzlich gleichen 49-cm³-Motor, jedoch mit anderen Vergasern und ungedrosselt eine deutlich höhere Nennleistung von 3,5 bis 5 PS erzielt, die Höchstgeschwindigkeitswerte erreichten (ohne die damals in Italien geltende gesetzliche Begrenzung auf 40 km/h) 60 bis 80 km/h.[3]

Moto Guzzi Hispania Dingo 49 S (1973?)

Im spanischen Markt wurden von Motorhispania zusätzliche Varianten unter Lizenz gebaut und unter der Marke Moto Guzzi Hispania vertrieben, z. B. eine Dingo 49 Campero (ähnlich wie die Dingo Cross, jedoch mit Pressstahlrahmen), eine etwas skurrile Dingo 49 Ranchita mit Pressstahlrahmen und einem einteiligen Blechaufbau für Tank, Sitzauflage und hinteren Kotflügel, oder noch eine Dingo 75cc mit 75 cm³ Hubraum.

Es soll auch als allerletzte Variante eine „62T“ genannte Dingo mit 62-cm³-Motor und 85 km/h Spitzengeschwindigkeit gegeben haben, was jedoch nur in einer einzigen Quelle erwähnt wird.[4]

Die Produktion der Dingo (d. h., der letzten Varianten „MM“ und „3V“) wurde 1976 nach insgesamt mehr als 160.000 Stück eingestellt. Als Nachfolgeangebot für die „MM“ mit ebenfalls 49-cm³-Motor und fester Übersetzung gilt das bereits 1974 eingeführte, deutlich modernere Moped Chiù.

Konstruktion

Antrieb

Der fahrtwindgekühlte Einzylinder-Zweitaktmotor mit 49 cm³ Hubraum wurde für die Dingo von Grund auf neukonstruiert.[1] Der interne Motorcode lautet „DB“. Der Zylinder steht mit einem Winkel von 25° leicht schräg nach vorn, Zylinder und Zylinderkopf sind aus Aluminiumlegierung mit verchromter Zylinderlauffläche.[5]

Das Gemisch wird je nach Version von unterschiedlichen Dell’Orto-Vergasern gebildet, siehe Datentabelle unten.

Je nach Variante gibt es ein rechts fußgeschaltetes Drei- bzw. Vierganggetriebe, ein mit Drehgriff an der linken Lenkerseite handgeschaltetes Dreiganggetriebe oder ein Einganggetriebe mit fester Übersetzung („MM“ für italienisch monomarcia), siehe Datentabelle. Alle Varianten mit Mehrganggetriebe haben eine über Seilzug betätigte Mehrscheibenkupplung im Ölbad.[6][7] Die fest übersetzte Variante „MM“ hat eine automatische Fliehkraftkupplung im Ölbad, die man zum Anlassen des Motors (durch Pedalieren) über einen kleinen Hebel an der unteren linken Lenkerseite trennen und wieder einkuppeln lassen kann.[5]

Rahmen und Fahrwerk

Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Rahmenausführungen für die unterschiedlichen Varianten und Entwicklungsstufen: die 1963 ersteingeführten Varianten sowie die Einstiegsmodelle ab 1970 haben einen Pressstahlrahmen, alle anderen Varianten (ab 1966) haben einen Doppelschleifenrohrrahmen.

Am Hinterrad befinden sich zwei hydraulisch gedämpfte Federbeine und eine Schwinge aus Stahlrohr. Bei den Varianten mit Pressstahlrahmen ist der Rohrquerschnitt rechteckig und die Federn sind in teleskopischen Blechgehäusen geschützt. Bei den Varianten mit Doppelschleifenrohrrahmen hat die Schwinge einen runden Rohrquerschnitt und die Federbeine haben sichtbare Außenfedern. Vorn haben alle Varianten eine hydraulisch gedämpfte Teleskopgabel, ab 1970 mit 28 mm Tauchrohrdurchmesser.

Bremsanlage

Alle Dingo-Versionen sind mit günstigen Simplex-Trommelbremsen aus tiefgezogenem Blech ausgestattet. Die Bremsbeläge haben einen Funktionsdurchmesser von 90 mm und eine Breite von 18 mm. Die Vorderradbremse wird mechanisch über einen Handbremshebel an der rechten Lenkerseite und Seilzug betätigt; die Hinterradbremse je nach Getriebevariante entweder über einen Bremsfußhebel auf der linken Seite und ein Gestänge (bei Schaltgetriebe) oder einen Handbremshebel an der linken Lenkerseite (bei fester Übersetzung „MM“).[5]

Technische Daten

Weitere Informationen Version, Dingo Turismo / Sport ...
Version Dingo Turismo / Sport Dingo Super Dingo Cross Dingo GT Dingo 50 MM Dingo 50 3V Dingo SuperSport Dingo GT Dingo 50 Cross
Bauzeitraum 1963–1969 1966–1969 1967–1969 1970–1976 1970–1971 1970–1973
Rahmen Pressstahlrahmen Doppelschleifen-Rohrrahmen Pressstahlrahmen Doppelschleifen-Rohrrahmen
Hubraum 49 cm³ 49 cm³ 49 cm³
Bohrung × Hub 38,5 × 42 mm 38,5 × 42 mm 38,5 × 42 mm
Verdichtung 7,5 : 1 8,1 : 1 8,5 : 1 7,8 : 1 8,0 : 1
Vergaser (Dell’Orto) SHA 14.9 UA 16BS SHA 14.12 SHA 14.9 UA 16BS
Nennleistung 1,4 PS (1,0 kW) 1,5 PS (1,1 kW) 1,5 PS (1,1 kW) 1,5 PS (1,1 kW)
– bei Drehzahl 4800/min 4800/min
Motorstart Kickstarter rechts Pedalieren, Einkuppeln Kickstarter rechts
Getriebe 3 Gänge, Handschaltung 3 Gänge (4 ab 1967), Fußschaltung 4 Gänge, Fußschaltung 1 Gang 3 Gänge, Handschaltung 4 Gänge, Fußschaltung
Radaufhängung vorn Teleskopgabel Teleskopgabel Teleskopgabel
Radaufhängung hinten Schwinge aus rechteckigem Rohr, Federn in Gehäusen Schwinge aus rundem Rohr, Federn außen Schwinge aus rechteckigem Rohr, Federn in Gehäusen Schwinge aus rundem Rohr, Federn außen
Radgröße vorn 18″ × 1,20″ 18″ × 1,20″ 17″ × 1,50″ 17″ × 1,50″ 16″ × 1,50″ 16″ × 1,50″ 18″ × 1,20″ 17″ × 1,50″ 17″ × 1,50″
Reifen vorn 18″ × 2,00″ 18″ × 2,00″ 17″ × 2,50″ (Geländeprofil) 17″ × 2,50″ 16″ × 2,25″ 16″ × 2,25″ 18″ × 2,00″ 17″ × 2,50″ 17″ × 2,50″ (Geländeprofil)
Radgröße hinten 18″ × 1,20″ 18″ × 1,50″ 17″ × 1,50″ 17″ × 1,50″ 16″ × 1,50″ 16″ × 1,50″ 18″ × 1,50″ 17″ × 1,50″ 17″ × 1,50″
Reifen hinten 18″ × 2,00″ 18″ × 2,25″ 17″ × 2,50″ (Geländeprofil) 17″ × 2,50″ 16″ × 2,25″ 16″ × 2,25″ 18″ × 2,25″ 17″ × 2,50″ 17″ × 2,50″ (Geländeprofil)
Radstand 1130 mm 1115 mm 1090 mm 1070 mm 1130 mm
Abmessungen (L×B×H) 1745 × 570 × ? mm 1780 × 745 × ? mm 1790 × 670 × ? mm 1660 × 670 × 950 mm 1635 × 700 × 980 mm 1745 × 650 (590) × 950 (850)  mm 1770 × 650 × 950 mm 1750 × 740 × 970 mm
Tankinhalt 6 l
(Sport: 7,5 l)
8,5 l 3,3 l (ab 1973: 2,8 l) 9 l
Verbrauch nach CUNA (l / 100 km) 1,4 1,9 1,3 (ab 1973: 1,6) 1,5 (ab 1973: 1,6) 1,9
Theoretische Reichweite (ca.) 420 km
(Sport: 530 km)
440 km 250 km (ab 1973: 170 km) 220 km (ab 1973: 170 km) 470 km
Leergewicht (trocken) 44,5 kg
(Sport: 49 kg)
50–57 kg 55–60 kg 60–62 kg 46 kg 43 kg 60 (59,5) kg 63,5 kg 63 kg
Max. Steigung (mit 70-kg-Fahrer) 24 % 16 % 24 % 24 % 30 % 30 %
Höchstgeschwindigkeit (ca.) 40 km/h 34 km/h 40 km/h k. A. k. A. k. A.
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Quellen: [1][3][5][6][7]

Einzelnachweise

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