Mouly Surya
indonesische Filmregisseurin und Drehbuchautorin
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Mouly Surya (* 1980 in Jakarta) ist eine indonesische Filmregisseurin und Drehbuchautorin. Sie zählt zu den bekanntesten zeitgenössischen indonesischen Filmschaffenden. Ihr Film Marlina - Die Mörderin in vier Akten (2017) gilt als Pionierarbeit des Satay-Western und bedeutendes Werk des feministischen Films in Asien.[1][2]

Leben und Werk
Surya wurde 1980 in der indonesischen Hauptstadt Jakarta geboren. Nach ihrem Bachelorabschluss in Media and Literature an der Swinburne University in Melbourne schloss sie ein Masterstudium in Film and Television an der Bond University in Queensland ab.[1]
Für ihren 2008 erschienenen Debutfilm Fiksi erhielt sie noch im selben Jahr mehrere Auszeichnungen, mitunter als Best Indonesian Director am Jakarta International Film Festival sowie den Citra Award als bester Film auf dem Indonesian Film Festival.[3] Das Drehbuch von Fiksi verfasste sie in Zusammenarbeit mit dem indonesischen Regisseur Joko Anwar. Die Handlung ist an Lewis Carolls Roman Alice im Wunderland angelehnt und wird stilistisch mit Filmen japanischer Regisseure wie Sion Sono und Takashi Miike verglichen.[4]
Ihr zweiter Film They Talk About Love (2013) handelt von der Liebesbeziehung zweier sehbehinderter Jugendlicher. Dieser Coming-of-Age-Film ist der erste indonesische Film, der auf dem Sundance Film Festival aufgeführt wurde.[5]
Mit ihrer Regie für Marlina - Die Mörderin in vier Akten (Indonesisch: Marlina Si Pembunuh dalam Empat Babak), der auf den Internationalen FIlmfestspielen von Cannes 2017 uraufgeführt wurde, wurde Surya auch international bekannt.[2] Im Zentrum der Handlung steht die namensgebende Figur Marlina, die gemeinsam mit ihrem bereits verstorbenen, aber weiterhin als Mumie im Haus anwesenden Ehemann in einer ländlichen Region der Insel Sumba lebt. Eine Gruppe von Banditen versucht ihre verwundbare Stellung als Witwe auszunutzen. Bei einem Hausbesuch kündigen die Männer an, Marlinas Viehbestände zu stehlen und sie anschließend zu vergewaltigen. Vorher verlangen sie noch von ihr mit Soto Ayam, einer indonesischen Hühnersuppe, bewirtet zu werden. Marlina nutzt diese Möglichkeit, um einen Großteil der ungebetenen Gäste mit vergiftetem Essen zu töten. Markus, der Anführer dieser Gruppe, wird von ihr mit einer Machete enthauptet. Die Jungga, ein sumbanesisches erinnerndes Saiteninstrument, die Markus bei sich trägt, verbrennt sie. Marlinas Tötung der Banditen bildet den Ausgangspunkt einer längeren Odyssee, bei der sie den Kopf des Enthaupteten Markus bei sich trägt. Im Laufe der Handlung taucht Markus immer wieder als kopflose Jungga-spielende Spukerscheinung auf. Während Marlina mit männlichen Polizisten, die sich weigern ihre Anzeige wegen Vergewaltigung aufzunehmen, und nach ihr suchenden bewaffneten Anhängern von Markus zu kämpfen hat, knüpft sie Verbindungen mit anderen Frauen, die sich ebenfalls in Notsituationen befinden.[2][4][6]
Die Handlung von Marlina beruht auf Erlebnissen, die der Regisseur Garin Nugroho persönlich während seiner Aufenthalte auf Sumba machte. Für deren filmische Verarbeitung bat er Surya um Unterstützung. Das Drehbuch wurde schließlich in Zusammenarbeit von Mouly Surya, Garin Nugroho und Rama Adi verfasst.[7][8] Mit seinen weiträumigen Aufnahmen der kargen Landschaft Sumbas und der Verwendung von für den Western typischen Erzählmustern wird Marlina oft als Pionierarbeit eines neuen Genres, des Satay-Western als indonesisches Äquivalent zum Spaghetti-Western, beschrieben. In der Kritik wird gelobt, wie Surya Topoi des meist männlich geprägten Western in ein feministisches und nicht-westliches Rahmenwerk überführt. Mit Verweis auf die surrealen und übernatürlichen Elemente werden ebenso Parallelen zu griechischen Tragödien sowie zu US-amerikanischen Thrillern gezogen.[2][9][10][11]
Surya führte 2018 Regie für das Musikvideo We See You Jakarta der britischen Indie-Band The xx.[12] Mit der Regie des auf Netflix erstveröffentlichten und prominent besetzten Thrillers Trigger Warning (2024) beteiligte sich Surya erstmals an einem englischsprachigen Film.[13][14] Für das Kriegsdrama This City is a Battlefield (Indonesisch: Perang Kota, Niederländisch: Djakarta 1946) aus dem Jahr 2025 führte Surya Regie. Das Drehbuch beruht auf der Grundlage von Mochtar Lubis´ Roman Straße ohne Ende (Indonesisch: Jalan Tak Ada Ujung), das von dem Leben eines Lehrers inmitten der Unruhen der Zeit nach der Indonesischen Unabhängigkeitserklärung erzählt.[15][16] In dem ebenfalls 2025 erschienen Drama Twisted Fate (Indonesisch: Tukar Takdir) verarbeitet die Hauptfigur die traumatischen Folgen eines Flugzeugabsturzes.[17]