Muonionalusta (Meteorit)
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Der Meteorit Muonionalusta ist ein Eisenmeteorit, aus der chemischen Gruppe IVA. Er gehört strukturell zu den feinen Oktaedriten und ist bekannt für seine besonders deutlich ausgeprägten Widmanstätten-Strukturen. Fragmente des Meteoriten wurden westlich der schwedisch-finnischen Grenze in einer ca. 15 × 25 km umfassenden Fläche entlang des Muonio-Flusses nördlich von Pajala in der Provinz Norrbotten in Schweden gefunden. Der Fall des Meteoriten dürfte während des Quartär vor etwa 1 Million Jahren erfolgt sein. Die Vielzahl der aufgefundenen Fragmente zeigt, dass ein großer Meteoroid in einem Meteoritenschauer zerbrach, als er in der Gegend von Muonionalusta auf die Erde traf.[1]
| Muonionalusta | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Allgemeines | |||||
| Offizieller Name nach MBD |
Muonionalusta | ||||
| Authentizität | sicher | ||||
| Lokalität | |||||
| Land | Schweden | ||||
| Region | Norrbotten | ||||
| Gemeinde | Pajala | ||||
| Ort | Kitkiojöki | ||||
| Streufeld | ja | ||||
| Fall und Bergung | |||||
| beobachtet | nein | ||||
| Datum (Fund) | 1906 | ||||
| Beschreibung | |||||
| Typ | IVA | ||||
| Klasse | Oktaedrite | ||||
| Gruppe | Eisenmeteorit | ||||
| Referenzen | |||||
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Fundgeschichte
Das erste 7,5 kg schwere Bruchstück des Muonionalusta Meteoriten wurde im Jahr 1906 von zwei Kindern in der Nähe des Dorfes Kitkiöjärvi entdeckt.[2]
1946 wurde beim Bau eines Hauses in Kitkiöjoki ein zweites Stück des Meteoriten mit einem Gewicht von 15 kg gefunden.[3]
Ein drittes Stück mit einem Gewicht von 6,2 kg fand man 1963 beim Bau einer Straße in Kitkiöjärvi.[4]
Ein viertes Fragment mit einem Gewicht von 6 kg wurde 1988 bei Straßenbauarbeiten nordwestlich von Muodoslompolo entdeckt, als ein Steinbrecher durch ein Stück Eisen blockiert worden war.[1]
Bis zum Jahr 2001 waren lediglich diese 4 Funde bekannt. Danach setzte eine intensive Meteoritensuche ein, als Geologen und Mineraliensammler aus Stockholm begannen, das Gebiet systematisch mit Metalldetektoren abzusuchen.[5] Sie entdeckten nur wenige Meter vom ersten Fundort entfernt einen weiteren Meteoriten mit einer Masse von 9,575 kg.[2] Die aktive Suche mithilfe von Metalldetektoren hat seitdem zu vielen neuen Funden im Gebiet der Gemeinde Pajala geführt.
2005 wurde ein 303 kg schweres Stück des Meteoriten gefunden, das sich im Naturhistoriska riksmuseet in Stockholm befindet. Ein Jahr später fand der tschechische Meteoritensammler Jiří Šimek ein 950 kg schweres Stück des Meteoriten, das im Štefánik Observatorium in Prag ausgestellt wird.[6][7] Meteoritensammler entdeckten 2008 das bisher schwerste Fragment mit einem Gewicht von 1185 kg.[8][5]
Beschreibung
Der Meteorit wurde im Jahr 1910 erstmals von A. G. Högbom wissenschaftlich beschrieben, der ihn nach dem nahe dem Fundort gelegenen Ort Muonionalusta am Fluss Muonio in der Gemeinde Pajala benannte. Weitere Untersuchungen erfolgten 1948 durch Nils Göran David Malmqvist.[9] Der Muonionalusta Meteorit ist der wahrscheinlich älteste bekannte Meteorit mit einem Alter von 4,5653 ± 0,0001 Milliarden Jahren,[10] und markiert das erste Auftreten des Minerals Stishovit in einem Eisenmeteoriten.
Untersuchungen haben gezeigt, dass es sich um den ältesten entdeckten Meteoriten handelt, der im Quartär, vor etwa einer Million Jahren, auf die Erde einschlug. Er ist Teil des Eisenkerns oder -mantels eines Planetoiden, der beim Aufprall auf unseren Planeten in viele Teile zerbrach.[11] Seit dem Einschlag auf der Erde hat der Meteorit vier Eiszeiten überdauert. Das Streufeld erstreckt sich über eine arktische Tundra- und Moränenlandschaft.
Zusammensetzung

Analysen dieses stark schockmetamorphosierten Eisenmeteoriten ergaben einen Nickelgehalt von 8,4 % sowie Spuren seltener Elemente: 0,33 ppm Gallium, 0,133 ppm Germanium und 1,6 ppm Iridium. Er enthält außerdem die Minerale Chromit, Daubréelith, Schreibersit, Akaganeit und Troilit-Einschlüsse.[9]
Bei einer im Jahr 2003 publizierten Untersuchung konnte erstmals in einem Eisenmeteoriten das Vorhandensein von Stishovit nachgewiesen werden. Stishovit ist eine durch extrem hohen Druck veränderten Quarzform, vermutlich eine Pseudomorphose von Tridymit. Das Mineral entsteht bei Drücken von über 10 Gigapascal als Folge der Schockmetamorphose von kieselsäurehaltigen Gesteinen nach einem Einschlagereignis mit extrem hoher Geschwindigkeit. Stishovit ist auf der Erde ein sehr seltenes Mineral und wurde nur in Verbindung mit wenigen Meteoriteneinschlagstrukturen gefunden. Es wird vermutet, dass das Vorhandensein von Stishovit in Muonionalusta-Meteoriten auf Schockmetamorphosebedingungen im IVA-Mutterasteroiden während eines kosmischen Impaktereignisses hinweist.[2]
Im Jahr 2010 zeigte eine Studie über die Bleiisotopen-Datierung im Muonionalusta-Meteoriten, dass der Stishovit von einem Impaktereignis vor Hunderten von Millionen Jahren stammt: „Das Vorhandensein von Stishovit bedeutet, dass dieser Meteorit stark geschockt wurde, möglicherweise während des 0,4 Ga [Milliarden Jahre] alten Zerfallsereignisses, das durch die Einwirkung kosmischer Strahlung angezeigt wird....“[10]
Sammlung
Fragmente des Muonionalusta Meteoriten finden sich in den Sammlungen von zahlreichen Institutionen auf der ganzen Welt.
- Štefánik-Observatorium, Prag, Tschechien – 950 kg
- Naturhistoriska riksmuseet, Stockholm, Schweden – 303 kg
- Moldavit Museum, Krumau, Tschechien – 21,25 kg
- Sternwarte und Planetarium Brünn, Tschechien – 21 kg
- Geologisches Institut, Uppsala – 15 kg
- Staatliches Geologisches Museum Vernadsky, Moskau – 2404 g
- North Carolina Museum of Natural Sciences, Raleigh – 2177 g
- Naturhistorisches Museum, Wien – 96 g
- Museum für Naturkunde, Berlin – 82 g
- Max Planck Institut, Mainz – 96,3 g
- Paneth Collection, Mainz – 142,5 g
- National Museum of Natural History, Washington – 197 g
- American Museum of Natural History, New York – 84 g
- Field Museum of Natural History, Chicago – 65,2 g
- University of California, Los Angeles – 55 g[12]
Durch seine dekorativen Widmanstätten-Strukturen wird der Meteorit auch im Schmuck- und Designbereich verarbeitet; vereinzelt kamen Fragmente auch in Luxusgütern und Sammlerprägungen zum Einsatz. Stücke des Meteoriten wurden beispielsweise für die limitierte Rolls-Royce Tranquility Collection (Phantom VIII) Controller[13] verwenden und die M850i xDrive Coupé Night Sky Edition von BMW.[14]
