Salomo Friedlaender
deutscher Philosoph und Schriftsteller
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Salomo Friedlaender (Namensvariante: Friedländer; Pseudonym: Mynona; geb. 4. Mai 1871 in Gollantsch bei Posen; gest. 9. September 1946 in Paris) war ein deutscher Philosoph, Schriftsteller, Satiriker und Literaturkritiker.

Unter seinem Realnamen S. Friedlaender veröffentlichte er philosophische Bücher und Essays, Rezensionen, zeitkritische Stellungnahmen und Anthologien. Besonders der Buchtitel Schöpferische Indifferenz ist bis heute mit seinem Namen verknüpft. Ab 1909 publizierte er unter dem Ananym Mynona Lyrik, Romane, Novellen, Satiren, Parodien, eine Studie zu George Grosz sowie zahlreiche Grotesken, die ihn im deutschen Sprachraum rasch bekannt machten. Im Oktober 1933 zur Emigration gezwungen, lebte er unter prekären Bedingungen in Paris. Der fast vollständig überlieferte Nachlass befindet sich in der Akademie der Künste und im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Seit 2025 liegen die gesammelten Schriften in 41 Bänden vor, mit umfangreichen, bislang unbekannten Texten und Abbildungen.
Leben
Friedlaender war der älteste Sohn einer jüdischen Familie. Sein Vater war angesehener Arzt, die Mutter Musikerin.[1.1][2] Krankheitsbedingt (Asthma) legte er erst mit 23 Jahren das Abitur ab, 1894 in Freiburg im Breisgau. Im November 1894 begann er an der Universität München Medizin zu studieren, wechselte im April 1895 nach Berlin zu Zahnmedizin, ab Mai 1896 zu Philosophie.[3.1] In diesem Jahr erschien seine erste Veröffentlichung.[4]
Ab Mai 1897 studierte er an der Universität Jena Philosophie sowie Archäologie, Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte. Seine Doktorarbeit über Arthur Schopenhauers verfehlte Kritik an Immanuel Kant wurde 1899 von Otto Liebmann angenommen. Im zweiten Anlauf bestand Friedlaender Anfang 1902 das Rigorosum.[1.2][3.2]
Seit März 1902 lebte er als freier Schriftsteller in Berlin. Am 12. September 1911 heiratet er Marie Luise Schwinghoff, am 12. Juni 1913 wird ihr einziger Sohn Heinz Ludwig geboren. Friedlaender bestritt seinen Lebensunterhalt zeitweise als Vorleser, vor allem durch Mitarbeit an Zeitungen: Vossische Zeitung (1904–1931), Berliner Tageblatt (1913–1929), Berliner Börsen-Courier (1913–1932), Münchner Neueste Nachrichten (1925–1933) u. a. In rund 80 Aufsätzen und 130 Rezensionen setzte er sich mit der intellektuellen Prominenz auseinander: Henri Bergson, Max Scheler, Werner Sombart, Walther Rathenau, Hermann Graf Keyserling, Ernst Bloch, Gerhart Hauptmann, Franz Werfel, Thomas Mann, Hugo Ball, Oswald Spengler etc.[5]
Teils unter dem Pseudonym Mynona (Anonym rückwärts) beteiligte er sich ab 1910 an expressionistischen Zeitschriften. Seit 1911 hielt er Vorträge im Neuen Club und anderen Foren, reiste auch oft zu Lesungen im ganzen deutschen Sprachraum. 1913 nahm er an Ludwig Meidners Atelierabenden teil, in den 1920er Jahren war er Mittelpunkt der Jours von Arthur Segal.[3.3][6.1]
Für seine Novelle Der antibabylonische Turm erhielt Friedlaender 1932 den von der Gesellschaft der Bibliophilen ausgesetzten Preis. Als man ihm bei der Drucklegung mit dem KZ Oranienburg drohte, floh er im Oktober 1933 mit Frau und Sohn nach Paris.[7.1] Ohne Publikationsmöglichkeiten, unter dem Existenzminimum, überlebte er mit Hilfe von Verwandten und Freunden. Sein Sohn Heinz Ludwig verbrachte ab 1939 sechs Jahre als Zivil-Internierter in 18 französischen und Schweizer Lagern.[8.1] Friedlaenders Berliner Bibliothek, Anfang 1941 endlich versandfertig, wurde auf dem Bahnhof Halensee zerbombt.[9.1] Ab Herbst 1941 verließ er fast zwei Jahre lang die Wohnung nicht. Seine ‚arische‘ Frau Marie Luise wurde Anfang 1943 neun Wochen lang im Lager Drancy (bei Paris) festgehalten.[8.2] Im Exil so gut wie verschollen, war Friedlaender/Mynona lange vergessen. Seit 1965 erschienen nur kleine ‚humoristische‘ Sammlungen.
Werk
Friedlaender veröffentlichte zunächst Aphorismen, Essays und drei gemeinverständliche Bücher, in deren Schlusskapiteln er seine philosophische Position skizzierte.[10] Georg Simmel verschaffte ihm den Auftrag für ein Buch über Nietzsche und förderte die Publikation. Friedrich Nietzsche. Eine intellektuale Biographie (1911) ist keine Lebensbeschreibung, sondern ein kritischer Gang durch das damals bekannte Werk. Wie bei allen Büchern Friedlaender/Mynonas war das öffentliche Echo kontrovers.[11.1][6.2] Eine neue Analyse unternimmt Clemens Brunn;[12] einen Überblick gibt Detlef Thiel.[13]
Seit Ende 1913 veröffentlichte Friedlaender mehrere Essays, die er in das Buch Schöpferische Indifferenz aufnahm. Es erschien kriegsbedingt erst im Sommer 1918. Auf 500 Seiten enthält es drei lange unbetitelte „Abhandlungen“, zwölf „Skizzen“ („Dionysismus“, „Ethik“, „Frieden“, „Wert“, „Liebe“, „Weltperson“, „Farbe“ u. a.) und 150 Seiten mit „Aphorismen“. Fussnoten, Literaturangaben, Register fehlen.[14.1][15.1] Es ist ein Kultbuch, oft erwähnt, aber bislang nur selten genauer studiert: „The cult book, yet largely unread.“[14.2] Ansätze zur Interpretation und zur Beurteilung finden sich zunächst bei einigen zeitgenössischen Rezensenten.
Max Pulver erkennt: Friedlaender ist „durchglüht“ vom „ethischen Impuls der Zeit“. „Person (in seiner Ausdrucksweise Individuum)“ sei „empirisch betrachtet“ irreal, „das einzelmenschliche oder kollektivmenschliche Ich nur ihr Schatten, ja ihre Karikatur.“[16][17.1] Walter Rheiner würdigt die „Philosophie des Dionysismus.“ „Wie Nietzsche den Sprengstoff des Individualismus in die Schopenhauersche Philosophie trug, so bringt Friedlaender diesen Individualismus zur Explosion.“[18][17.2] Erich Unger nennt das Buch „die wichtigste philosophische Begebenheit seit Nietzsche“ und einen „der kritischen Punkte in der deutschen Philosophie überhaupt“.
„Alle großen Positionen, die in der Geschichte des europäischen Denkens zu Blickpunkten gewählt wurden, scheinen uns hier in eine einzige zusammengezogen.“
Der Grundgedanke sei am ehesten greifbar „durch die Zusammenrückung der beiden nie zusammen gesehenen philosophischen Anblicke: Nichts der Unterschiede und: lebendige Person.“[19][17.3]
Margarete Calinich sieht in der schöpferischen Indifferenz den
„Punkt des vollkommenen Nichts, in dem alle Unterschiede ausgeglichen ruhen; das Wesen dieses Nullpunkts ist die polare Gegensätzlichkeit. Im Auswirken und Ausgleichen dieser polaren Gegensätzlichkeit besteht das schöpferische Leben im Indifferenzpunkte. [...] Die Welt ist Äußerung dieses Prinzips, und zu dieser Äußerung gehört der Mensch selbst.“[20][17.4]
Friedlaender setzt sich mit zahlreichen Autoren auseinander: Kant, Fichte, Schopenhauer, Bahnsen, Bergson, Pascal u. a.[17.5] Nietzsches Bedeutung liege darin, dass er versuchte, von der „Allzumenschlichkeit“ sich zu befreien durch „die absolute Souveränität der eignen Person“. Aber mit dem Übermenschen habe er sich physiologisch verirrt.[17.6] Dagegen entwirft Friedlaender eine Figur, die sich nicht mehr vorzeigen oder verdinglichen lässt. Er umschreibt sie mit zahllosen Namen: „neutrale Größe“, „Subjekt, Seele, freier Wille, Selbst, Ich, Geist, Gott“ usw., „das allmächtige Inkognito der anonymen Person“.[17.7] Um das naheliegendste Mißverständnis auszuräumen, erklärt Friedlaender: Mit der Formel „Schöpferische Indifferenz“ sei „kein einzelner Mensch gemeint, auch nicht die aus solchen Einzelheiten bestehende Menschheit, überhaupt nichts Einzelnes, sondern das Ganze, aber nicht objektiv, sondern subjektiv“.[17.8]
Nietzsche behauptet: „Der Mensch aber ist etwas, das überwunden werden muß.“[21] Friedlaender radikalisiert das zu der drastischen Forderung nach „Entmenschung“: „Stirb bei Lebzeiten“.[17.9] Um die „Weltperson“ zu ermöglichen, soll die „Privatperson“ alle Unterschiede in ihrem Selbst vernichten, löschen, neutralisieren, sich „illokalisieren“.[17.10] Das derart indifferenzierte Individuum nennt Friedlaender auch „Schöpfer“. Dieser muss sich äußern: „Selbstentzweiung aus Überschwang“, aus „Überfülle“. Das heißt „Polarisation“.[17.11]
Unter Indifferenz versteht Friedlaender nicht Atheismus, Gleichgültigkeit, Desinteresse (Indifferentismus), sondern Unterschiedslosigkeit. Polarisieren heißt nicht: Meinungen vertreten, die von denen bestimmter Gruppen ideologisch oder affektiv abweichen (Politik), sondern: Pole erschaffen, Unterscheiden. Ohne Differenz, Kontrast, Opposition lässt sich gar nichts erkennen. Friedlaender betont die Dynamik:
„Indifferenz, welche sich extremisiert; Extreme, die einander berühren; das Selbe, das sich mit sich selber entzweit; Gegensätze, aus ihrer eigenen Identität entspringend und auf sie zurückstrebend.“[22.1]
Dieses spezifische Konzept ist vor allem angeregt von Goethe:
„Das Geeinte zu entzweien, das Entzweite zu einigen, ist das Leben der Natur.“ – „Spannung ist der indifferent scheinende Zustand eines energischen Wesens in völliger Bereitschaft sich zu manifestieren, zu differenzieren, zu polarisieren.“[23]
Schelling und in seiner Nachfolge zahlreiche Vertreter der romantischen Naturphilosophie des 19. Jahrhunderts spekulierten mit dieser Denkfigur, ignorierten aber die aktive Funktion des Subjekts und suchten einen Indifferenzpunkt aus den Polen zu konstruieren.[24] Friedlaender hingegen will „die Polarität den Klauen der Romantiker entreißen“.[25] Sein erklärtes Ziel ist es, das „alte Gottvertrauen“ zu verwandeln in ein „Selbstvertrauen“, welches „die Indifferenz aller Weltdifferenzen ist und sie magisch regiert.“[22.2] Ein solcher Schöpfer darf sich nicht mit seinen Geschöpfen verwechseln.[17.12] Friedlaender sucht zu allem Gegebenen das polare Gegenstück. Es kann verborgen sein, latent, verdeckt. Rechts/Links, Früher/Später, Plus/Minus, Positiv/Negativ, Dur/Moll usw.: Der eine Term ist nicht später oder schlechter als der andere. Beide Waagschalen sind gleichwertig. Es geht um Balance, elastisches Schweben, funktionierende Gegenseitigkeit.[26]
„In der Bibel figuriert Eva als bloße Rippe Adams. Diese Unterschätzung des weiblichen Pols ist Symptom einer lebensgefährlichen vital-kulturellen Disproportion.“[27.1]
Eine neuere Interpretin faßt zusammen:
„Friedlaenders Theorie der schöpferischen Indifferenz geht davon aus, daß das empirische Subjekt in einem Akt der Selbst-Entschließung und in einem Prozeß der Ich-Exemtion und Vernichtung aller außenweltlichen DIfferenzen und Polaritäten sich in sich selbst verwandeln müsse, um von der absoluten Innerlichkeit als der anonymen Indifferenz die Außenwelt in schöpferischer Magie zu formen.“
Die spätere Rezeption des Buches ist weit verzweigt. Nachweisbar sind Spuren bei Dadaisten, Künstlern (z. B. Johannes Itten, Max Burchartz), bei Kulturschriftstellern, bei Walter Benjamin u. a.[17.13] Für Friedlaender entscheidend war die scharfe Kritik seines wichtigsten Gesprächspartners, den er 1899 durch seinen Schwager Salomon Samuel, Erster Rabbiner in Essen, kennengelernt hatte: Ernst Marcus (1856–1928), Amtsrichter und Philosoph in Essen, Verfasser von zwölf Büchern und vielen Abhandlungen zu Kant. „‚Was Sie wollen‘, sagte er mir, ‚ist Magie.‘“ – „Erschaffen Sie doch einmal Materie, wenn Sie Schöpfer sein wollen.“[3.4][17.14]
Seitdem plante Friedlaender eine kritische Revision. Insofern ist Schöpferische Indifferenz das Hauptwerk nur seiner Berliner Jahre. Im Vorwort zur zweiten, unveränderten Auflage 1926 bekannte er sich ausdrücklich zu Marcus und Kant.[17.15] Später urteilte er: Nietzsche habe zwar „die christliche Seele mit aller Gewalt zur Welt herumgedreht“, sie „gezwungen, die Welt und nicht mehr einen erflunkerten Himmel zu verklären“. Aber anstatt Kants Revolution der Denkart fortzuführen, verwechselte er sie mit Begriffskrüppelei.[22.3][29]
Die Revision gelang Friedlaender erst 1935 im Pariser Exil mit dem Buch Das magische Ich. Die Publikation scheiterte 1937 an Geldmangel und wurde durch Hans-Georg Gadamer 1959 nochmals blockiert.[30.1] Die erste Annäherung unternahm Joseph P. Strelka 1971.[31][32.1] Peter Cardorff zitiert nur einzelne Formulierungen aus dem Typoskript.[33][30.2] Ausführlichere Darstellungen geben Detlef Thiel[30.3] und Hiroo Nakamura.[34] Friedlaender entwickelt das Programm: „Polarität innerhalb der Grenzen der reinen Vernunft“.[30.4] Kant zog die Grenze zwischen Theorie und Praxis so, dass Vernunft nur in praktischer, nicht in faktisch-theoretischer Hinsicht autonom und frei sei:
„Die Gesetzgebung durch Naturbegriffe geschieht durch den Verstand, und ist theoretisch. Die Gesetzgebung durch den Freiheitsbegriff geschieht von der Vernunft, und ist bloß praktisch. Nur allein im Praktischen kann die Vernunft gesetzgebend sein.“
Diese Asymmetrie hatte Friedlaender bereits 1899 beanstandet: „Der Spielraum, den Kant der Theorie übrig läßt, ist allzu knapp bemessen.“[36] In Das magische Ich stützt er sich besonders auf die Ideenlehre der transzendentalen Dialektik.[30.5] Die Ideen, so Kant, orientieren die Erfahrungserkenntnis auf systematische Einheit hin, auf einen focus imaginarius, von dem die Objekte gleichsam abgeleitet werden können.[37] Nach Friedlaender gibt Kant hier, „ohne daß er dies merkte, die Schilderung der polaren Funktion des Ich“.[30.6] Er will Kants System nicht sprengen, aber praktizieren. Bei Kant sei die Aktivität „noch pathologisch beeinträchtigt“. Es besitze aber Selbstbewußtsein, Selbstgefühl, Selbstvertrauen „nicht nur de jure und praktisch, sondern schon theoretisch und faktisch“.[30.7] Läßt man nun das Ich polar rezipieren, so subordiniert man ihm das sinnlich Rezipierte „schon in der Theorie faktisch“. Kant habe diese faktische Tätigkeit mit der sinnlichen Rezeptivität nur koordiniert und damit unterschätzt.[30.8] Friedlaender will die von Kant vernachlässigte ‚rundende‘ Funktion der Idee vervollständigen zu einer vollen Erfahrung. Erst Polarität gebe der kantischen Entdeckung „die echte stereoskopische Plastik“.[38] Wir wären dann bewußt „in unserer Erfahrung, unserem Leben wie im Inneren einer Kugel.“[39]
Friedlaender entwickelte seine Ideen kontinuierlich weiter, ohne etwas davon publizieren zu können. Ende 1938 prägte er die neue Formel „ICH-Heliozentrum“, welche die alte, „schöpferische Indifferenz“, ersetzt.[27.2] Wiederum ist kein mentaler Zustand gemeint, in den man sich nach Belieben versetzen könnte, kein individuelles Selbstbewusstsein, kein konkreter Mensch, sondern der kleinste gemeinsame Nenner, die Form des Humanen. Kant nennt das die „Menschheit in meiner Person“, „Vernunftmensch“, „homo noumenon“.[40]
Lyrik
Friedlaender verfasste zeitlebens Lyrik. Das früheste veröffentlichte Poem, Zum Gedächtnis Friedrich Nietzsches, erschien 1902.[41.1] Eine Auswahl seiner ab 1904 in der Zeitschrift Charon gedruckten Gedichte gab er in dem Band Durch blaue Schleier (1908). Die Interpreten versuchten die verschiedensten Etikettierungen: symbolistisch, neuromantisch, Jugendstil usw. Friedlaender selbst nennt es ein „bereits halb und halb groteskes“ bzw. „sentimental-lyrisches Intermezzo“.[3.5][42.1]
Friedlaenders Lyrik ist eine Ausdrucksform seiner Philosophie.[41.2] Die Reime in einer „so ungereimten Welt“, erklärt Friedlaender, bedeuten „symbolisch, daß sie sich einmal reimen kann“.[43.1] Nur das Individuum „reimt die sonst zwieträchtige Welt, es polarisiert Gegensätze, Extreme, welche sonst zwittern, schielen, streiten.“[17.16] Fehlt die „innerste selbsteigene Schöpferkraft“, d. h. auch: die poetische Sprachschöpfung, so bleiben die Pole ungereimt, es kommt nicht zur „Musikalisierung“, zur Kongruenz.[17.17] Lyrik ist also kein Selbstzweck, sondern die Zone, in der dieser kreative Prozeß und sein Bezug zum Philosophischen am sinnfälligsten wird: „Immer wieder bewährt sich Wahrheit als die Reimerin extremer Ungereimtheiten.“[17.18]
Friedlaender schrieb insgesamt 251 Sonette. In Hundert Bonbons (1918), nach eigener Aussage angeregt durch die von seinem Freund Ludwig Rubiner zusammen mit Friedrich Eisenlohr und Livingstone Hahn verfassten Kriminalsonette,[44][41.3] zeichnet er das Bild einer chaotischen Zeit. Der Band, mit Deckelzeichnung von Kubin, fand viele neuere Interpreten.[41.4] Das besonders von Dadaisten gern zitierte Sonett Nr. 89 beginnt: „Trenko patrollo! Harden-Kerr olele: / Patrollo Heinrichmann Traki! Trikà. [...]“[41.5] Gerhard Rühm nennt es ein „ironisches lautgedicht“, in dem Mynona die Namen „einiger seiner zeitgenossen auf den nackten lautkörper“ entkleide.[45] Otto Flake urteilte: „Dadaismus, vermehrt um Geistigkeit, um Denken, um Respekt vor menschlicher Not, das ist Mynona, der als Friedlaender Philosophisches schreibt.“[46][47.1] Dieser zitiert das gern: „Otto Flake nennt mich daher auch unter den Vätern des nachmaligen Dadaismus als dessen ihn geistig übertreffenden Vorwegnehmer.“[3.6][48.1]
Im Exil verfasste Friedlaender umfangreiche Knittelvers-Zyklen: Kant-Marcus-Cantus, Philosophischer Bänkelsang (1934) und Kopernikantiade in grotesken Elegien (1941).[41.6] Auch zu dieser Form hat er eine Theorie: „Beim Schüttel- & Schleifenreimen u. dgl. erweist sich das Mechanische als dem Geistigen verwandt und es unterstützend & herbeiführend. [...] geschüttelte Worte ergeben Schüttelbarkeit der Gedanken: elastischere Mobilisierung.“[49.1] In den bedrückendsten Jahren 1943/44 entstehen über 130 Sonette: metaphysische Poesie. Viele Stücke teilt Friedlaender in Briefen mit.[41.7]
Grotesken und andere Prosa
Wie Friedlaenders Name mit der Formel „Schöpferische Indifferenz“ verknüpft ist, so der Name „Mynona“ mit seinen Grotesken. Die Bezeichnung begegnet im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zwar häufig, doch lässt sich keine allgemeine Definition dieser Art des Schreibens geben.[50]
Unter dem Namen Friedlaender wurde im Oktober 1903 eine Mini-Philosophiegeschichte gedruckt, deren Titel von Nietzsche stammt: Freier der Wahrheit.[51.1] Der erste Text unter dem Pseudonym Mynona erschien im Dezember 1909: Das Weihnachtsfest des alten Schauspielers Nesselgrün.[51.2] Der Protagonist begeistert eine Menschenmenge dafür, Weihnachten zu feiern – am 21. August 1910. Die kurze Story (630 Wörter) wird bis heute gerne im Advent rezitiert. Allerdings lautet der Schlüsselsatz: „Corrigeons la nature!“ Kunst soll nicht Natur nachahmen, sondern sie gemäß menschlicher Vernunft korrigieren.[14.3]
Mynonas erste Sammlung seiner Grotesken, Rosa die schöne Schutzmannsfrau (1913), fand großes Echo, über die bisher bekannten 15 Rezensionen hinaus.[52.1][6.3] Insgesamt schrieb er rund 260 derartige Texte, die aber nicht alle als Grotesken bezeichnet werden können. Es gibt auch Erzählungen und Märchen,[51.3][52.2] Parabeln,[52.3] scharfzüngige Gesellschaftskritik und Sozialreportagen,[51.4][52.4] Literaturkritik,[52.5] philosophische Vorträge,[51.5] Autobiographisches,[51.6] Komödien[51.7] sowie Blicke ins sexuelle Pandämonium mit Seitenhieben auf Psychiatrie und Psychoanalyse.[53] Mynona fächert das Spektrum menschlichen Lebens und der Emotionen auf. Der Stil reicht von klassischem Deutsch über preußische Militärsprache und Mundarten bis zum schnoddrigen Jargon.[52.6] Als ein Meister des Wortspiels versteckt er oft Widerhaken und Probleme der Kultur- und Literaturgeschichte. Zum Beispiel erhält der Ich-Erzähler in Das Wunder-Ei (1915) die Chance, durch einfachen Knopfdruck die Wüste (die Welt) in ein Paradies zu verwandeln, doch er zögert wie Hamlet, flieht und bereut dann sein Nichthandeln.[51.8][32.2]
Wie die Groteske Neues Kinderspielzeug (1918) funktioniert, zeigt Klaus Kiefer. Mynona verknüpft Gesten Nietzsches mit einem pastiche der zeitgenössischen Reform- bzw. Erlebnispädagogik. Dabei übertreibt er einerseits deren nationalistische und militaristische Tendenzen, die von der nationalsozialistischen Erziehungspolitik übernommen wurden; andererseits, in den Detailbeschreibungen, die technologische Faszination.[54]
Viele dieser Texte erschienen zuerst in expressionistischen Zeitschriften (Der Sturm, Die Aktion, Die Weißen Blätter usw.) sowie in den späteren Jahrgängen von Jugend und Simplicissimus. Daher zählte man Friedlaender/Mynona oft zu den Expressionisten. Z. B. trug Rudolf Blümner im Rahmen der Sturm-Kunstabende ab Ende 1917 „Neue expressionistische Dichtungen“ vor, bei denen Mynona neben Kurt Heynicke, August Stramm u. a. erscheint.[55] Victor Otto Stomps bemerkt: „Und zum Expressionismus gehörte auch die dichterische Prosa von so typischen Vertretern wie etwa Mynona und Meidner.“[56]
Ines Hoffmann widmet der frühen Groteske Der Verzweifelte und sein Ende (1910)[51.9] nicht weniger als 50 Seiten; sie verdeutlicht, dass die Begriffe, welche man oft mit der Epochenbezeichnung ,Expressionismus’ verknüpft (,Irrationalität’, ,Ichdissoziation’, ,Amoralismus’ usw.), auf dem von Naturwissenschaftlern um 1900 entworfenen Menschenbild beruhen, dessen Spektrum vom Darwinismus bis zur Rassenhygiene reicht.[57][51.10]
Friedlaender/Mynona distanziert sich davon. Er gehört einer etwas älteren Generation mit anderem geistigen Hintergrund an. Er selbst nennt sein Buch Schöpferische Indifferenz den „archimedischen Punkt aller Mynonischen Grotesken“.[22.4] „‚Mynona‘ ist nur die Oberfläche zu einer philosophischen Tiefe.“[42.2] In einem oft zitierten Text erläutert er: Der Humorist bzw. Groteskenschreiber verfremdet den Alltag phantastisch oder absurd, um die Leser zur Selbstfindung aufzurütteln. Er testet die Ideale (das Wahre, Schöne, Gute), indem er sie verzerrt, oft nach dem Prinzip der Umkehrung. Als „Kammerjäger der Seelen“ will er unsere schöne Welt „ausschwefeln“ und an „das göttlich geheimnisvolle Urbild des echten Lebens“ erinnern.[22.5][14.4]
„Groteske Verzerrung ist die Kraft- und Belastungsprobe der seelischen Festigkeit, Umfänglichkeit und Elastizität; die Rechnungsprobe auf die Richtigkeit des metaphysischen Prinzips der schöpferischen Indifferenz polarer Observanz. Die wahre Ataraxie besteht nicht in der Abwesenheit, sondern im äquilibrierenden Kontrebalancement der seelischen Erschütterungen, in deren zur Wiege gewandeltem Erdbeben.“
Friedlaender/Mynona erfindet die Figur Abnossah Pschorr: Ingenieur, Psychophysiologe, „Hyper-Edison“, „Experimentalmetaphysiker“.[52.7][51.11] Pschorr stellt z. B. 1913 augenzwinkernd den „Ferntaster“, Telehaptor vor.[51.12] 1916 macht er Goethes Stimme im Haus am Frauenplan in Weimar wieder hörbar.[51.13] Im selben Jahr skizziert er Grundlagen der Holographie – 30 Jahre vor der offiziellen Erfindung durch Dennis Gabor; die ersten Hologramme wurden um 1960 gezeigt.[51.14] 1929 führt Pschorr die „Fatamorganamaschine“ vor: Virtuelle Realität, 3D-Projektionen ohne Bildschirm, freilich zunächst zu Militärzwecken.[52.8] Friedrich A. Kittler hat diesen Text und die Goethe-Geschichte abgedruckt und präzise analysiert; dadurch wurden beide auch im anglophonen Raum, im Französischen und Chinesischen bekannt.[58]
Friedlaender/Mynona veranschaulichte seine Philosophie in vielen literarischen Genres und Tonlagen. Im Sommer 1919 plant er
„eine Serie Grotesken, deren leitende Idee eine Art umgedrehter Psychoanalyse ist, Antifreud: wie nämlich Freud auch die geringsten Bagatellen aus dem Sexus, so will ich darin sogar den Sexus aus der Bagatelle herleiten. [...] Es handelt sich dabei um lauter Beispiele, wo der Beischlaf aus Allem nur irgend Möglichen, nur nicht aus Geilheit unmittelbar entspringen darf: z. B. aus Höflichkeit, Scham, Gram, Ehrfurcht, Dummheit, Gehorsam, Verachtung, [...] Asexualität, Widerspruchsgeist [...]“[59.1][51.15]
Er gesteht freilich seine sachliche Inkompetenz: Der Antifreud sei nur als „groteske Spielerei“ gemeint.[42.3] Dennoch gibt es zahlreiche thematische Verbindungen zu Sigmund Freud; zudem war Friedlaender persönlich bekannt mit Psychiatern, Neurologen und Sexualwissenschaftlern: Ernst Simmel, Max Levy-Suhl, Magnus Hirschfeld, Iwan Bloch u. a. Er regte den Psychologen Fritz Perls zur Gestalttherapie an.[60] Es gab auch eine Begegnung mit Carl Gustav Jung, bei dessen Schülerin Toni Sussmann in Berlin.[9.2] Der Komponist Werner Egk, um 1928 mit Friedlaender bekannt, schätzte das Buch:
„Am innigsten liebte ich den ,Antifreud’, eine Sammlung von fürchterlichen Geschichten, deren jede schlüssig bewies, daß sexuelle Empfindungen niemals Triebfedern, sondern immer Ergebnisse weit abliegender Ursachen sind.“[61]
Im Bilder-Lexikon des Wiener Instituts für Sexualforschung wird der Anti-Freud 1930 gelobt,[62] anderswo freilich auch missverstanden und nivelliert zu „Das Eisenbahnunglück“. Zu Friedlaender/Mynonas 50. Geburtstag 1921 prägte ein Bewunderer das Bonmot:
„Mynona versucht es, die erstarrten Gegebenheiten ad absurdum zu führen: er rekonstruiert eine Kausalität, die er an irgendeiner Stelle bereits aufgehoben hat. (Man könnte ihn den Charlie Chaplin der deutschen Philosophie nennen).“
Der so Geehrte antwortete: „dankesehr! (Man hätte Chaplin lieber den Mynona des Films nennen sollen).“[48.2] Die Antwort ist berechtigt, denn Chaplin wurde erst nach 1918 in Europa bekannt, zehn Jahre nach Mynona.
Anfang 1919 wurde Mynonas „Phantasie“ Der Schöpfer gedruckt.[64][7.2] Wie im Film Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) unternimmt ein Hypnotiseur Experimente mit Seelenkontrolle und Manipulation des Unbewußten. Die Grenze zwischen Wirklichkeit und Traum, Erkenntnis und Phantasie wird durchlässig. Es gibt keine Morde, vielmehr schildert Mynona die experimentalmetaphysische Realisierung des autonomen Subjekts, das aus seiner Vereinzelung zu seiner ‚göttlichen‘ Identifikation durchdringt.[65.1][7.3]
Die Bank der Spötter, geschrieben im Sommer 1918, publiziert im April 1920 (Copyright-Vermerk: 1919), trägt den Untertitel „Ein Unroman“. In eine Rahmenhandlung eingebunden sind 21 Texte, von denen neun zuvor verstreut gedruckt waren, darunter die von der Kritik gelobte Grusel- bzw. Spukgeschichte Die Nachbarn Ezechiel.[66] Monique Weyembergh-Boussart fasst den Text zusammen und merkt an, dass gewisse Seiten den Übergang vom Geist zur Materie illustrieren. Das Bild, die mentale Impression inkarniere sich auf der Ebene der physischen Realität; Todorov sehe darin ein grundlegendes Kennzeichen des Phantastischen.[67.1]
Mynona steigert die zuerst nur „formale Bedeutsamkeit“ des Rahmens stufenweise. Aus einer „Thee- und Lesegesellschaft“ wird allmählich „ein die Menschheit kitzelndes und bluffendes Konsortium unter der dämonischen Direktive meines ‚Abnossah Pschorr‘.“[47.2][59.2] Die Lesegesellschaft soll einen realen Hintergrund gehabt haben in den Jours, die eine (nicht identifizierte) Mäzenin, Frau Geheimrätin K., um 1915 in einem „achteckigen, mit blauer Seide austapezierten Gemach“ ihres Hauses im vornehmen Berliner Tiergartenviertel veranstaltete.[47.3] Etwa zwei Dutzend Teilnehmer vereinbaren Erzählthemen, führen sie reihum vor und kommentieren sie. Dabei wird der Rahmen zusehends auf kulturelle Intervention bzw. soziale Praxis hin transparent: „Angewandte Literatur!“[47.4] Insbesondere das Stück Gar nichts fand Beachtung bei neueren Germanisten. Der Erzähler namens Zeisewiesel erklärt:
„Ich schwöre heilig und teuer, daß ich hier ohne die leiseste Ahnung dessen sitze, was ich eigentlich erzählen will. Aus dem blanken Nichts heraus – durchbohrendes Gefühl! – will ich eine Welt erschaffen mit Helden, Heldinnen, Palästen, Hütten, Schurken, Tieren und Landschaften. [...] Tun Sie gefälligst mit! Strengen Sie Ihre eigene Phantasie an! Eigentlich ist jeder fremde Autor Aberglaube. Jeder sein eigener Autor, denn es gibt nur eigene Autorität.“[47.5]
Innerhalb der Erzählung spricht eine Dramenfigur dem Autor die Existenz ab: Er sei nur die Schreibmaschine seiner Geschöpfe.[47.6] Nach seinem Vortrag bemerkt Zeisewiesel:
„Überhaupt widerlegt sich schließlich alles selber; in diesem Satze schlummert die weiseste Philosophie. Ein humoristischer Roman darf die Selbstaufhebung aller Möglichkeit von Romanen bedeuten.“[47.7]
Mynonas Appell an die Eigeninitiative den Rezipienten führt, so Hartmut Geerken, zur Überzeugung, „der Autor sei von den Personen der ‚Geschichte‘ erfunden worden, bzw. der Leser sei die Hauptperson in diesem Spektakel.“[68] Rolf Schütte zufolge tut Mynona hier „nichts mehr, als den Prozeß des Erfindens zu erfinden, auf den sich der Leser von sich aus einlassen kann“.[65.2] William C. Bamberger beobachtet, dass es sich bei Gar nichts, wie auch z. B. bei Der verliebte Leichnam, um Metafiktion handelt.[69][51.16][47.8] In ihrer Studie zum gesamten Prosa-Werk Mynonas sortiert Monique Weyembergh-Boussart die Themen und Motive. Mynonas Geistesart, seine unbequeme Einstellung, in der er den Spott oft gegen sich selber kehre, mache ihn zum Verwandten der Dadaisten; sein Werk sei das Vorspiel der absurden Literatur (Samuel Beckett, Eugène Ionesco u. a.).[67.2]
In der ersten Monographie über George Grosz verbindet Mynona 1922 präzise Bildanalysen mit scharfer Kritik am Kommunismus.[7.4]
Im „Berliner Nachschlüsselroman“ Graue Magie (Impressum 1922, erschienen Januar 1923) lotet er das cineastische Potential aus. Heimlich gedrehte live-Aufnahmen aus dem Berliner Alltag, zu Kinofilmen geschnitten, dienen in „hyperamerikanischem“ Missbrauch Zwecken grausamster Ausschweifungen, „Massenbezwingung“, zuletzt der „Erdherrschaft“.[70.1] Dieser ‚schwarzen‘ Magie setzt Mynona eine ‚graue‘ entgegen, Vorspiel der ‚weißen‘, wissenschaftlichen „Vernunftmagie“, die Ernst Marcus anhand von Kants Äthertheorie entwickelt.[71] In die rasante Handlung, zugleich Science-Fiction, Groteske, Märchen und Krimi, quer durch die Tag- und Nachtseiten des realen Berlin, sind viele Personen des öffentlichen Lebens der Weimarer Republik verwoben.[15.2][70.2]
Monique Weyembergh zeigt, dass Graue Magie von Kubins Roman Die andere Seite (1909) inspiriert ist. Es geht jeweils um den Konflikt zweier Figuren, die sich am Ende vereinigen. Bei Kubin verkörpert Patera Geist, Phantasie, Traum; der reiche Amerikaner Herkules Bell dagegen Gewalt und Machtwillen. Mynonas Figur Sucram (Marcus rückwärts gelesen) ist Theoretiker, Forscher, Weiser und Vernunftmagier, sein Gegenspieler Morvitius ist Praktiker, Opportunist, Materialist, Tyrann und Verbrecher.[72]
Auf dem Höhepunkt der Tarzan-Begeisterung parodiert Mynona in Tarzaniade (1924) Edgar Rice Burroughs’ Strickmuster, die Erwartungen des Publikums sowie eurozentrische und rassistische Vorurteile.[7.5]
Im Westen nichts Neues: In dem Buch Hat Erich Maria Remarque wirklich gelebt? publiziert Mynona 1929 erstmals biographische Materialien zu Remarque. Er analysiert dessen frühere Texte und demonstriert, wie Weltruhm gemacht wird: indem man eine klare Entscheidung zwischen Pazifismus und Bellizismus vermeidet. „Soldaten töten wohl, aber als solche morden sie nicht.“[48.3] Er unterstreicht: Das Buch hat keinerlei Tendenz, es ist wie der „Neutralgeschmack eines kristallreinen Bergwassers“.[48.4] Kein Buch Friedlaender/Mynonas erregte ein so lautes und kontroverses Presseecho: über 60 Rezensionen, Notizen, Essays und Glossen in ganz Europa.[48.5][6.4] Allerdings wurde er nun von der Nazipresse gelobt, von der Linken beschimpft, und er geriet in einen bitteren Streit mit seinem früheren Fan Kurt Tucholsky.[48.6]
Remarques Jugendfreund Hanns-Gerd Rabe veröffentlichte 1970 in einer grundlegenden Studie die Ergebnisse seiner biographischen Recherchen. Mit seiner Titelfrage fasse Mynona
„die Fehden, Kampfrufe und erbitterten Auseinandersetzungen zusammen, gleichsam als Abschluß der vielen Verzerrungen, Lügen und Unwahrheiten, die gegen Remarque ausgesprochen waren; zugleich aber war seine Schrift eine persiflierende Kritik an dem Roman selbst und der damaligen Zeit, wodurch sie zu einer Fundgrube für den Betrachter der Jahre von 1920 bis 1928 wird.“[73]
Joseph P. Strelka stellt klar: Mynonas Buch ist
„eine heftige Auseinandersetzung nicht so sehr mit Remarque als mit dem bekannten Phänomen jener Kombination von Oberflächlichkeit, Geschäftemacherei, mangelndem kritischem Ernst und Massenmedien, die das Hinaufloben einer durchschnittlichen Leistung zum weltberühmten Kunstwerk der Epoche ermöglicht.“[74][32.3]
Jörg Drews erkennt, Mynonas Anti-Remarque sei
„aufschlußreich für den Literaturbetrieb Ende der zwanziger Jahre, mit sehr guten literatursoziologischen und psychoanalytischen Einsichten zur Person und zum Werk Remarques, dessen ,Im Westen nichts Neues’ als ,im besten Sinn mittelmäßig’ und als Werk bezeichnet wird, das den Krieg zum ,Konjunkturthema’ gemacht hat.“[75]
Günter Hartung unterstreicht, daß Friedlaender/Mynonas „Haltung zu Krieg und Frieden damals wenig Vergleichbares hatte und an Weitsicht und Energie wohl nur von derjenigen Karl Kraus’ übertroffen wurde.“ Hartung erläutert den kategorischen Pazifismus anhand von Friedlaenders Buch Kant für Kinder; den Verfasser nimmt er vor Tucholsky in Schutz:
„Mynonas moralische Integrität ist zu betonen gegenüber den gängigen Darstellungen, die mit wenigen Ausnahmen [...], aus Unwissenheit, Bequemlichkeit, Opportunismus oder noch anderen Gründen seinen Charakter verkennen.“[76.1][77]
Im Holzweg gebe Mynona trotz aller Kürze „die gründlichste Kritik, die Remarques vierter Roman [Der Weg zurück] seinerzeit erfahren hat.“ Hartung bestätigt Mynonas Diagnosen: Remarque verwirft den Krieg nicht kategorisch; er strebt nach Neutralität und nach Verfilmbarkeit bzw. dramaturgischer Bearbeitung. In Der Weg zurück werde das ,antithetische Moment’ stärker ausgestaltet, bleibe aber unbefriedigend und führe zu jenen „Plattheiten, soziologischen Schematismen, konstruierten Polarisierungen“, die Mynona „so hart und lieblos, wenn auch nicht ungerecht bezeichnen wird.“[76.2]
Philosophische Prosa
Mit seinem Schwager und Vetter Anselm Ruest (Pseudonym für Ernst Samuel, jüngerer Bruder von Salomon Samuel) gab Friedlaender/Mynona 1919 die Zeitschrift Der Einzige heraus, benannt nach Max Stirners Hauptwerk Der Einzige und sein Eigentum. Er redigierte die wöchentlichen Beiblätter, in denen er Texte von Freunden und zahlreiche eigene Grotesken unterbrachte, darunter den Erstdruck von Der Schöpfer.[42.4] Friedlaender war jedoch kein Individualanarchist, vielmehr setzte er sich mit Stirner kritisch auseinander. Er zählt ihn mit Descartes, Fichte, Feuerbach, Schopenhauer, Nietzsche und anderen zur Genealogie der „großen Subjektivisten“.[8.3] Stirner konzipiere aber, wie Fichte, ein ICH, das noch nicht „wahrhaft einzig“ sei. Bei ihnen „gibt es so viele Iche, wie es Menschen gibt. Indessen gibt es zwar objektiv viele empirische Menschen, aber subjektiv nur das einzige ICH-Heliozentrum.“[27.3]
In Abgrenzung vom Kant-Verständnis der Neukantianer nannte Friedlaender sich seit 1924 „Altkantianer“.[22.6][48.7][6.5] Er war überzeugt, dass seine polaristische Methode helfen werde, Kants Ideale zu verwirklichen. Provokativ bringt er Kant in Schnadahüpferln (1923)[52.10] und in Knittelverse: Kopernikantiade (1941).[41.8] Er lässt Kant als Direktor einer Irrenanstalt zeitgenössische Philosophen kurieren: William James, Edmund Husserl, Rudolf Steiner, Hans Driesch etc.[78.1] In der Parabel Kantholizismus (1934) schildert er die dramatische Begegnung von Altkantianern mit dem Papst.[78.2]
Das Fragelehrbuch Kant für Kinder (1924) soll Lehrern helfen, Schüler in den Grundfragen der Ethik, Erkenntnistheorie und Religion zu orientieren. Vergeblich hoffte Friedlaender, dass das Buch an Schulen eingeführt würde. Der „Kinderkant“ gehört zu den am 10. Mai 1933 verbrannten Büchern. 2008 erschien eine japanische, 2024 eine englische Übersetzung.[79]
Friedlaender zweites Lehrbuch, Katechismus der Magie (1925), zielt auf das seit Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA und Europa florierende Gebräu von Okkultismus, Spiritismus, Esoterik. Der Magiebegriff wird umbesetzt: Es geht nicht um dunkle Machenschaften, sondern um ‚Vernunftmagie‘, um den praktischen Willen des autonomen Ich, nach Kants Abhandlung Von der Macht des Gemüts durch den blossen Vorsatz seiner krankhaften Gefühle Meister zu sein.[80]
Im dritten Fragelehrbuch, Kant gegen Einstein (1932), fasst Friedlaender die von ihm und Marcus seit 1920 veröffentlichten Eingriffe in den publizistischen Relativitätsrummel zusammen. Gestützt auf Kants Buch Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft (1785), attackiert er die Kant-Ignoranz und philosophische Naivität des Physikers, der z. B. behauptet: „Der Glaube an eine vom wahrnehmenden Subjekt unabhängige Außenwelt liegt aller Naturwissenschaft zugrunde.“[81]
Wähnt ein Naturforscher, „Kant widerlegt zu haben, so verantwortet er, das Fundament der Moral und Religion – denn das ist die Kantische Entdeckung – zu unterwühlen. Wer das so leichtfertig tut wie die Relativisten [...], der gefährdet etwas, das unendlich wichtiger ist als aller Fortschritt der Naturwissenschaft: – den Fortschritt der sittlichen Kultur.“[82]
Friedlaender/Mynona reagierte auf politische, militaristische, soziale Entgleisungen. Darwin und Marx, Sozialismus und Zionismus lehnte er ab. Er engagierte sich in humanitären Aktionen, beteiligte sich an Aufrufen für Achtstundentag, Kinderheime der Internationalen Arbeiterhilfe, Amnestie usw.[3.8][6.6] Bereits im November 1920 stellte er den heraufziehenden Nationalsozialismus und die preußisch-christliche Theokratie bloß: Um sich wieder im Herzen des Volkes einzunisten, beschließt die exilierte Fürstenfamilie, den Prinzen Christian mit allem Pomp an ein riesiges Hakenkreuz zu schlagen.[51.17]
Im Pariser Exil konnte Friedlaender/Mynona neben wenigen Zeitungsartikeln nur noch ein Büchlein veröffentlichen: Der lachende Hiob und andere Grotesken.[7.6] Hier verarbeitet er sein Exiltrauma in einer Analyse der NS-Machtstrategie. Der Schein, der das Heute verdeckt, ist für den guten Propheten transparent, behauptet Friedlaender, so dass dieser Prophet „zur umgekehrten Kassandra wird, die mitten im unsäglichen Jammer den Hiob lachen lässt.“[83] Der jahrzehntelang kaum zugängliche Text ist ein bedeutendes Dokument der Exilliteratur.
In der Schublade blieben fünfzehn Essays und ein Dutzend philosophische Bücher. Darunter vier weitere Fragelehrbücher zu Kant und der 200 Seiten umfassende Entwurf eines Pädagogischen Romans. Friedlaender/Mynona schildert sein Erziehungsideal und nimmt die um 1980 einsetzende Welle der Philosophischen Praxis um 40 Jahre vorweg.[84] In der spätesten Abhandlung Ideenmagie (1945/46) rechnet Friedlaender nochmals mit dem Regime ab.[27.4] Sein Kommentar zur Atombombe: „Der Gipfel der Kriegstechnik zugleich Abgrund der Barbarei.“[49.2] Ein halbes Jahr vor seinem Tod 1946 verreißt Friedlaender/Mynona den Klassiker Ist der Existentialismus ein Humanismus? Jean-Paul Sartres berühmten Satz hatte er bereits 1937 formuliert: „Der Mensch ist dazu verurteilt, frei zu sein.“[43.2]
Friedlaender/Mynonas umfangreicher Nachlass liegt in der Akademie der Künste in Berlin und im Deutschen Literaturarchiv Marbach. In der Werkausgabe umfasst er sieben Bände philosophische Prosa sowie Lyrik. Die weit verstreute Korrespondenz 1878–1946 ist in zehn Bänden gesammelt, über 3000 Stücke, mit Gegenbriefen. Mit vielen Personen stand Friedlaender/Mynona über Jahrzehnte hinweg in Kontakt. Überliefert sind kürzere Korrespondenzen mit Elisabeth Förster-Nietzsche (1902–1914), Georg Lukács (1911), Romain Rolland (1934). Ohne Antwort blieben Friedlaender/Mynonas Schreiben an Thomas Mann (1937), Haile Selassie (1938), André Gide (1940). Verschollen sind Briefe an Albert Schweitzer (1934) und Karl Jaspers (1946). An Familienangehörige und Freunde richtete Friedlaender/Mynona oft lange, ‚magisch‘ helfende Vorträge. Weitere sieben Bände enthalten die Denkwerkstatt, die philosophischen Tagebücher sowie die Alltags-Notizbücher ab 1929.
Bibliografie
Ausgaben und Sammlungen
- Gesammelte Schriften. Hrsgg. von Hartmut Geerken und Detlef Thiel in Zusammenarbeit mit der Kant-Forschungsstelle der Universität Trier. Waitawhile/Books on Demand, Norderstedt 2005–2025. 41 Bände.
- Bd. 1, 2005: Kant gegen Einstein. ISBN 978-3-8370-0052-8
- Bd. 2, 2007: Philosophische Abhandlungen und Kritiken I. ISBN 978-3-8334-7022-6
- Bd. 3, 2007: Philosophische Abhandlungen und Kritiken II. ISBN 978-3-8334-7023-3
- Bd. 4, 2007: Bank der Spötter. ISBN 978-3-8334-7895-6
- Bd. 5, 2007: Logik / Psychologie. ISBN 978-3-8334-8087-4
- Bd. 6, 2008: Kant und die sieben Narren / Kantholizismus / Philosophischer Dialog / Dialog übers Ich. ISBN 978-3-8334-8084-3
- Bd. 7, 2008: Grotesken I. ISBN 978-3-8334-8089-8
- Bd. 8, 2008: Grotesken II. ISBN 978-3-8334-8090-4
- Bd. 9, 2009: Friedrich Nietzsche. Eine intellektuale Biographie. ISBN 978-3-8391-2001-9
- Bd. 10, 2009: Schöpferische Indifferenz. ISBN 978-3-8391-2952-4
- Bd. 11, 2010: Hat Erich Maria Remarque wirklich gelebt? / Der Holzweg zurück. ISBN 978-3-8391-8531-5
- Bd. 12, 2010: Julius Robert Mayer. ISBN 978-3-8391-4969-0
- Bd. 13, 2011: Der lachende Hiob. (enthält: Der Schöpfer (1919) / George Grosz (1922) / Tarzaniade. Parodie (1924) / Der antibabylonische Turm (1932) / Der lachende Hiob und andere Grotesken (1935) / Kant/Marx. Imaginärer Dialog zwischen Kurt Hiller und Mynona (1936)). ISBN 978-3-8448-1028-8
- Bd. 14, 2013: Graue Magie. Ein Berliner Nachschlüsselroman. (1922, 1931). ISBN 978-3-7322-5551-1
- Bd. 15, 2014: Kant für Kinder (1924) / Katechismus der Magie (1925) / Der Philosoph Ernst Marcus. Ein Mahnruf (1930). ISBN 978-3-7357-2415-1
- Bd. 16, 2014: Lyrik. ISBN 978-3-7322-9743-6
- Bd. 17, 2015: Vernunftgewitter. Brevier nach Ernst Marcus (aus dem Nachlaß, 1932). ISBN 978-3-7347-5175-2
- Bd. 18, 2016: Autobiographische Schriften / Anekdoten (1872–1946). ISBN 978-3-7431-7889-2
- Bd. 19, 2015: Das magische Ich. Elemente des kritischen Polarismus (aus dem Nachlaß, 1935). ISBN 978-3-7386-1719-1
- Bd. 20, 2015: Vereinzelte Bemerkungen zum System des magischen Ich (aus dem Nachlaß, 1936-1938). ISBN 978-3-7386-4445-6
- Bd. 21, 2017: Das Experiment Mensch. Philosophische Essays und Kritiken (aus dem Nachlaß, 1912–1939). ISBN 978-3-7448-1270-2
- Bd. 22, 2017: ICH-Heliozentrum. Philosophische Abhandlungen (aus dem Nachlaß, 1940-1945). ISBN 978-3-7448-7063-4
- Bd. 23, 2017: Lehrbücher (aus dem Nachlaß). ISBN 978-3-7460-0900-1
- Bd. 24–33, 2018–2021: Briefwechsel I–X, 1878–1958.
- Bd. 34–40, 2022–2025: Tagebücher I–VII, 1929–1946.
- Bd. 41, 2025: Nachträge. Ikonographie. Bibliographie. ISBN 978-3-7693-3872-0
Belletristische Literatur
- Durch blaue Schleier. Gedichte. A. R. Meyer, Berlin 1908. Autorname: „S. Friedlaender“
- Rosa, die schöne Schutzmannsfrau. Grotesken. Verlag der Weißen Bücher, Leipzig 1913. Umschlagzeichnung von Lothar Homeyer
- Für Hunde und andere Menschen. Der Sturm, Berlin 1914
- Schwarz-Weiß-Rot. Grotesken. Kurt Wolff, Leipzig 1916. Zwei Zeichnungen (eine auf dem Umschlag) von Ludwig Meidner
- Hundert Bonbons. Sonette. Georg Müller, München 1918. Deckelzeichnung von Alfred Kubin
- Die Bank der Spötter. Ein Unroman. Kurt Wolff, München 1919. Deckelzeichnung von Emil Preetorius
- Unterm Leichentuch. Ein Nachtstück. Paul Steegemann, Hannover 1920. Umschlagzeichnung von Ernst Krantz. 2. Auflage: Merlin, Heidelberg 1927. Illustrationen von Kubin. Neuausgaben: Boer, Grafrath 2018. ISBN 978-3-946619-61-1; JMB, Hannover 2018. ISBN 978-3-95945-001-0
- Nur für Herrschaften. Un-Freud-ige Grotesken. Banas & Dette, Hannover 1920
- Der Schöpfer. Phantasie. Kurt Wolff, München 1920. Mit 18 Federzeichnungen von Alfred Kubin
- Mein Papa und die Jungfrau von Orléans nebst anderen Grotesken. Kurt Wolff, München 1921. Deckelzeichnung von Emil Preetorius
- Das widerspenstige Brautbett und andere Grotesken. Kurt Wolff, München 1921. Deckelzeichnung von Emil Preetorius
- Trappistenstreik und andere Grotesken. Walter Heinrich, Freiburg (Breisgau) 1922. Zeichnung von Gustav Henselmann
- Graue Magie. Ein Berliner Nachschlüsselroman. Rudolf Kaemmerer, Dresden 1922. 6 Zeichnungen von Lothar Homeyer. 2. Auflage: Geheimnisse von Berlin. Ein Roman. Steegemann, Berlin/Leipzig 1931. Neudruck der Erstauflage, hrsg. v. Sigrid Hauff, Fannei & Walz, Berlin 1989. ISBN 978-3-927574-04-5. Neudruck: Ullstein, Berlin 1998. ISBN 3-548-24512-9
- George Grosz. Rudolf Kaemmerer, Dresden 1922. Mit 37 Zeichnungen von George Grosz. Raubdruck: Makol, Frankfurt am Main (1974/75)
- Ich möchte bellen und andere Grotesken. Seeigel, Berlin 1924. Umschlagzeichnung Lothar Homeyer
- Tarzaniade. Parodie. Verlag der Tageblatt-Buchhandlung, Hannover 1924. Einbandzeichnung Heiner Dikreiter
- Das Eisenbahnglück oder der Anti-Freud. Elena Gottschalk Vlg., Berlin 1925. 10 Zeichnungen von Hans Bellmer. Nachdrucke: Anti-Freud. Heitere Geschichten, Steegemann, Berlin/Leipzig (1932); Junius, Hamburg 1988. ISBN 3-88506-406-5
- Mein hundertster Geburtstag und andere Grimassen. Jahoda & Siegel, Wien 1928. Einbandentwurf Robert Haas (Linolschnitt). Das Caligari-Foto auf dem Schutzumschlag zeigt nicht Mynona!
- Der neue Ibykus, Officina Serpentis, Berlin 1929. 6 Zeichnungen von Hans Freese. Falscher Titel: „Ibikus“
- Hat Erich Maria Remarque wirklich gelebt? Der Mann. Das Werk. Der Genius. 1000 Worte Remarque. Paul Steegemann, Berlin & Leipzig 1929. Fotomontage von Kuron-Gogol (Viktor Joseph Kuron)
- Der Holzweg zurück oder Knackes Umgang mit Flöhen. Paul Steegemann, Berlin 1931. Mit Banderole: „Gegen Kurt Tucholsky“
- Der lachende Hiob und andere Grotesken. Editions du Phénix, Paris 1935
- Prosa. Hrsgg. von Hartmut Geerken. 2 Bde. Edition Text und Kritik, München 1980
- Bd. 1: Ich verlange ein Reiterstandbild. Grotesken u. Visionen. ISBN 3-88377-063-9
- Bd. 2: Der Schöpfer. Phantasie. – Tarzaniade. Parodie. – Der antibabylonische Turm. Utopie. ISBN 3-88377-064-7
Philosophische Literatur
- Versuch einer Kritik der Stellung Schopenhauer’s zu den erkenntnistheoretischen Grundlagen der „Kritik der reinen Vernunft“. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der philosophischen Fakultät zu Jena. Schmitz & Bukofzer, Berlin 1902
- Julius Robert Mayer. Theodor Thomas, Leipzig 1905
- Jean Paul als Denker. Gedanken aus seinen sämtlichen Werken. Hrsg. von Dr. S. Friedlaender. Piper, München 1907
- Logik. Die Lehre vom Denken. H. Hillger, Berlin 1907
- Psychologie. Die Lehre von der Seele. H. Hillger, Berlin 1907
- Schopenhauer. Seine Persönlichkeit in seinen Werken. 2 Bde. Hrsg. S. Friedlaender. Robert Lutz, Stuttgart 1907
- Friedrich Nietzsche. Eine intellektuale Biographie. Göschen, Berlin 1911
- Schöpferische Indifferenz. Müller, München 1918. 2. durch ein Vorwort vermehrte Aufl., Müller, München 1926
- Kant für Kinder. Fragelehrbuch zum sittlichen Unterricht. Paul Steegemann, Hannover 1924. Faksimile-Nachdruck mit e. Essay v. Detlef Thiel, Olms, Hildesheim/Zürich/New York 2004. ISBN 3-487-12806-3, 2. Neudruck: ebd. 2008. ISBN 978-3-487-13609-7
- Wie durch ein Prisma. Gedanken und Blicke im Zeichen Kants. Der Taifun, Frankfurt 1924
- Katechismus der Magie. Nach Immanuel Kants „Von der Macht des Gemüts“ und Ernst Marcus' „Theorie der natürlichen Magie“. In Frage- und Antwortform gemeinfaßlich dargestellt. Merlin, Heidelberg 1926. Faksimile-Nachdruck: Aurum Vlg., Freiburg 1978. ISBN 3-591-08051-9
- Der Philosoph Ernst Marcus als Nachfolger Kants. Leben und Lehre. Baedeker, Essen, 1930
- Kant gegen Einstein. Fragelehrbuch (Nach Immanuel Kant und Ernst Marcus) zum Unterricht in den vernunftwissenschaftlichen Vorbedingungen der Naturwissenschaft. Der Neue Geist, Berlin 1932
- Hartmut Geerken (Hrsg.): Friedlaender/Mynona: Briefe aus dem Exil 1933–1946, von Hase & Koehler, Mainz 1982. ISBN 3-7758-1030-7
- Hartmut Geerken u. Sigrid Hauff (Hrsg.): Salomo Friedlaender, Alfred Kubin: Briefwechsel. Edition Neue Texte, Linz 1986, ISBN 3-900292-38-8
- Das magische Ich. Elemente des kritischen Polarismus. Aus dem Nachlass hrsgg. von Hartmut Geerken, Aisthesis, Bielefeld 2001. ISBN 3-89528-336-3
- Ich (1871–1936): Autobiographische Skizze. Aus dem Nachlass hrsgg. von Hartmut Geerken, Aisthesis, Bielefeld 2003. ISBN 3-89528-394-0
- Magie in Knittelversen. Aus dem Nachlass und mit einem Vorwort von Detlef Thiel. Hochroth, Berlin 2013. ISBN 978-3-902871-34-3
- Detlef Thiel (Hrsg.): Experiment Mensch. Friedlaender/Mynona Brevier. Mit Einleitung, Zeittafel und Bibliographie. Waitawhile/Books on Demand, Norderstedt 2014 (Friedlaender/Mynona Studien, Band 1). ISBN 978-3-7357-8870-2
- Sigrid Hauff (Hrsg.): Friedlaender/Mynona: „Ich werde nie heiraten“. Liebesbriefe an Marie Luise. Waitawhile/Books on Demand, Norderstedt 2014 (Friedlaender/Mynona Studien, Band 2). ISBN 978-3-7357-4204-9
Übersetzungen ins Englische (Auswahl)
- Mynona: The Operated Goy. In: The Operated Jew. Two Tales of Anti-Semitism. Transl. and edited by Jack Zipes, Routledge, New York/London 1991, S. 75–86. ISBN 0-415-90461-7
- Mynona: The Creator. A Fantasy / The Wearisome Wedding Night. A Grotesque. Transl. by Peter Wortsman, afterword by Detlef Thiel, illustrations by Alfred Kubin. Wakefield Press, Cambridge MA 2014. ISBN 978-1-939663-07-8
- Mynona: The Unruly Bridal Bed and Other Grotesques. Transl. by William C. Bamberger. Wakefield Press, Cambridge MA 2017. ISBN 978-1-939663-26-9
- Mynona: Black-White-Red. Grotesques. With two drawings by Ludwig Meidner. Transl. by William C. Bamberger. Wakefield Press, Cambridge, MA 2022. ISBN 978-1-939663-84-9
- Salomo Friedlaender: Kant for Children. Edited and transl. by Bruce James Krajewski. De Gruyter, Berlin/Boston 2024. ISBN 978-3-110991-83-3
Literatur
- Daniel Hoffmann: Mynona. In: Andreas B. Kilcher (Hrsg.): Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur. Jüdische Autorinnen und Autoren deutscher Sprache von der Aufklärung bis zur Gegenwart. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000, ISBN 3-476-01682-X.
- Ludwig Frambach: Das weltenschwangere Nichts. Salomo Friedlaenders „Schöpferische Indifferenz“. In: Margherita Spagnuolo Lobb, Nancy Amendt-Lyon (Hrsg.): Die Kunst der Gestalttherapie. Eine schöpferische Wechselbeziehung, Springer, Wien/New York 2006, S. 129–144. ISBN 978-3-211-27091-2 (Print), ISBN 978-3-211-35720-0
- Detlef Thiel: Friedlaender, Salomo (Mynona). In: Andreas B. Kilcher (Hrsg.): Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur. Jüdische Autorinnen und Autoren deutscher Sprache von der Aufklärung bis zur Gegenwart, 2., aktualis. u. erw. Aufl. Metzler, Stuttgart/Weimar 2012, S. 150–152. ISBN 978-3-476-02457-2
- Detlef Thiel: Porträt Salomo Friedlaender / Mynona. In: Information Philosophie Jg. 42, Heft 1 (April 2014), S. 42–48. ISSN 1434-5250
- Detlef Thiel (Hrsg.): Sonnenreflexe im Achteckspiegel. Beiträge aus Japan (von Junko Yamamoto, Hiroo Nakamura, Osamu Ikeuchi, Yoko Kito u. a.). Waitawhile/Books on Demand, Norderstedt 2018 (Friedlaender Mynona Studien, Band 5). ISBN 978-3-7528-6095-5
- Kevin Drews: Inmitten der Extreme. Ästhetik und Politik bei Walter Benjamin und Salomo Friedlaender. Brill/Fink, Paderborn 2023, ISBN 978-3-7705-6768-3
- Julia Martel: Im Zeichen von Kraft und Energie: Ästhetiken bei Herder, Nietzsche, Mynona, Einstein und Musil. Wallstein Vlg., 2023, ISBN 978-3-8353-8405-7
Weblinks
- Literatur von und über Salomo Friedlaender im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke von Salomo Friedlaender bei Open Library
- Der andere Planet, Interview von Egon Günther mit Hartmut Geerken in Jungle World, 9. August 2006. Auch über Bezüge mit Sun Ra und das Verhältnis Mynonas zu ähnlichen Autoren der Zeit.
- Salomo-Friedlaender/Mynona-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin
- Werke von Salomo Friedlaender im Projekt Gutenberg-DE
- Auto-Ahasver. Groteske. 1928