Mürsbach
Ortsteil von Rattelsdorf
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Mürsbach ist ein Gemeindeteil des Marktes Rattelsdorf im oberfränkischen Landkreis Bamberg in Bayern.[2] Die Gemarkung Mürsbach hat eine Fläche von 8,036 km². Sie ist in 1703 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4719 m² haben.[3] In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Helfenroth und Zaugendorf.[4]
Mürsbach Markt Rattelsdorf | |
|---|---|
| Koordinaten: | 50° 4′ N, 10° 52′ O |
| Höhe: | 252 (250–269) m ü. NHN |
| Einwohner: | 461 (30. Sep. 2023)[1] |
| Eingemeindung: | 1. Mai 1978 |
| Postleitzahl: | 96179 |
| Vorwahl: | 09533 |

Das historisch zum unterfränkischen Hochstift Würzburg gehörende Gemeinwesen hat eines der bedeutendsten historischen Ensembles dörflicher Fachwerkarchitektur Frankens. 2013 erhielt Mürsbach eine Goldmedaille im Bundeswettbewerb von Unser Dorf hat Zukunft und gilt damit als eines der schönsten Dörfer Deutschlands.[5]
Geografie
Das Pfarrdorf liegt im Itzgrund am Rand des Naturparks Haßberge. Der langgestreckte Höhenrücken der Zeilberge trennt dort die Haßberge vom Itzgrund. Die Siedlung wurde am Fuß des Bergzuges im Tälchen des Mürsbachs und in der Itzaue angelegt, die Pfarr- und ehemalige Wehrkirche steht auf dem Kirchberg über dem Dorf. In den westlich des Ortes dominieren auf den etwa 100 Höhenmeter aufsteigenden Haß- und Zeilbergen die Sandsteine des Keuperberglandes. Östlich der Itz beginnt das hügelige Vorland des Fränkischen Jura, dessen Landschaftsbild von bizarren Kalksteinformationen geprägt wird.
Die Kreisstraße BA 40/HAS 57 führt nach Hilkersdorf zur Bundesstraße 4 (0,7 km nordöstlich) bzw. nach Ottneuses (2,2 km westlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Zaugendorf (1,6 km südlich) bzw. nach Gleusdorf (2,4 km nördlich).[6]
Geschichte
Durch Ausgrabungen, man fand Skelette mit Grabbeigaben, ist gesichert, dass die Gegend bereits in merowingisch-karolingischer Zeit um 800 besiedelt war.[7] Im Jahre 802 wurde Mürsbach erstmals urkundlich erwähnt, als es aufgrund einer Schenkung in den Besitz des Klosters Fulda gelangte.[8][9]
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Mürsbach aus 93 Anwesen. Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Baunach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das würzburgische Amt Ebern. Grundherren waren das Amt Ebern (46 Untertanen), die Herren von Aufseß (3 Untertanen), die Herren von Künsberg (7 Untertanen), die Freiherren von Lichtenstein zu Lahm, die Freiherren von Rotenhan zu Rentweinsdorf (13 Mannschaften) und Nürnberger Patrizier Zollner vom Brand (4 Untertanen).[10][11]
Im Jahre 1802 kam Mürsbach an das Kurfürstentum Bayern, 1810 an das Großherzogtum Würzburg und 1814 an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Zweiten Gemeindeedikts (1818) wurde die Ruralgemeinde Mürsbach gebildet, zu der Zaugendorf gehörte. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Gleusdorf zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ebern (1919 in Finanzamt Ebern umbenannt). In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden vier Anwesen bis 1848 dem Patrimonialgericht Untermerzbach. Helfenroth wurde am 6. April 1842 von der Gemeinde Höfen überwiesen. Ab 1862 war das Bezirksamt Ebern (1939 in Landkreis Ebern umbenannt) für Mürsbach zuständig. Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Gleusdorf (1840 in Landgericht Baunach umbenannt und 1880 in Amtsgericht Baunach, 1932 aufgelöst, bis 1972 Amtsgericht Ebern).[12] Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 8,026 km².[13]
Am 1. Juli 1972 wurde Mürsbach mit seinen Ortschaften aus Unterfranken ausgegliedert, Oberfranken angeschlossen und wechselte vom aufgelösten Landkreis Ebern zum Landkreis Bamberg. Am 1. Mai 1978 wurde die Mürsbach im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Rattelsdorf eingemeindet.[14][15]
Einwohnerentwicklung
Gemeinde Mürsbach
| Jahr | 1818 | 1840 | 1852 | 1855 | 1861 | 1867 | 1871 | 1875 | 1880 | 1885 | 1890 | 1895 | 1900 | 1905 | 1910 | 1919 | 1925 | 1933 | 1939 | 1946 | 1950 | 1952 | 1961 | 1970 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 680 | 632 | 691 | 677 | 645 | 617 | 599 | 629 | 641 | 621 | 616 | 569 | 529 | 522 | 554 | 568 | 551 | 524 | 491 | 795 | 748 | 683 | 544 | 566 |
| Häuser[16] | 152 | 130 | 130 | 115 | 117 | 110 | 108 | 105 | 108 | 111 | ||||||||||||||
| Quelle | [12] | [12] | [12] | [17] | [18] | [19] | [20] | [21] | [22] | [23] | [24] | [17] | [25] | [17] | [26] | [17] | [27] | [17] | [17] | [17] | [28] | [17] | [13] | [29] |
Ort Mürsbach
Religion
Mürsbach ist römisch-katholisch geprägt und Sitz der Pfarrei St. Sebastian.[10][13]
Baudenkmäler
In Mürsbach gibt es 41 Baudenkmäler:[31]
Fachwerkensemble Mürsbach

Trotz einiger Neubauten im Kernbereich gilt Mürsbach als eines der am besten erhaltenen dörflichen Ensembles in Franken. Der Ortskern wird noch überwiegend von teilweise aufwändig sanierten Fachwerkgebäuden des 16. bis 19. Jahrhunderts geprägt, die oft reiche regionaltypische Figurationen mit Feuerböcken und Rautenkreuzen zeigen.
Die historischen Bürger- und Bauernhäuser bilden meist geschlossene Straßen- und Platzräume um die drei kleinen Hauptplätze der Gemeinde. Das Ensemble wird durch die erhöht liegende Pfarrkirche St. Sebastian mit den Resten ihrer ehemaligen Befestigung und die spätgotische Dreifaltigkeitskapelle am südlichen Ortsrand ergänzt.
Bei einer Sanierung um das Jahr 2000 verschwanden die letzten hölzernen Zwischendächer aus dem Ortsbild. Diese vorspringenden Dachkonstruktionen sollten die Fassade vor Regen schützen und waren bis ins frühe 20. Jahrhundert im Eberner Land häufiger anzutreffen. Eine Abbildung im Kunstdenkmälerinventar von 1916 (S. 162) dokumentiert den historischen Originalzustand des bis zur Sanierung letzten Mürsbacher Beispiels.
Als einmaliges rechtsgeschichtliches Denkmal gilt die 1713/14 entstandene Verkündhalle unter dem Kirchberg. Das Zeltdach des offenen Pavillons wird von acht Steinsäulen gestützt. Bei Gemeindeversammlungen besetzten die Ratsherren die sechs Steinsitze im Inneren.
Ein ähnlicher Pavillon schützt den Dorfbrunnen aus dem 18. Jahrhundert. Dort stützen sechs Steinsäulen das Zeltdach. Nebenan bereichert eine barocke Statue der Immaculata (bezeichnet „1764“) das Ortsbild.
Seit der Urkatasteraufnahme von 1850 ist das Dorf nur wenig über seine historischen Grenzen hinausgewachsen.
- Fachwerkanwesen mit dem Turm der Pfarrkirche St. Sebastian
- Saniertes Fachwerkhaus an der „Sutte“
- Reiche Fachwerkfigurationen eines Kleinbauernhauses
- Fachwerkfassade nach der Entfernung der regionaltypischen Zwischendächer
Pfarrkirche St. Sebastian


Die Pfarrkirche St. Sebastian, die erstmals Mitte des 15. Jahrhunderts erwähnt wurde – es ist jedoch anzunehmen, dass sie bereits im 12. Jahrhundert bestand – besitzt eine Sakramentsnische aus dem 15. Jahrhundert. Aus dieser Zeit blieben auch der Chor und der bergfriedähnliche Turm erhalten. Beide Bauteile wurden 1613 unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn erhöht. Gleichzeitig entstand ein neues Langhaus im typischen, gotisierenden, sogenannten Echterstil. Den mittelalterlichen Gesamteindruck verstärkt der spitze, achtseitige Schieferhelm des Turmes mit seinen vier kleinen Ecktürmchen. Der an den Chor angebaute Ölberg stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert.
Die Einrichtung ist der Renaissance und dem Barock zuzurechnen. Der Hochaltar ist ein imposanter, viersäuliger Barockaufbau von 1692/93. Die Seitenaltäre entstanden 1696.
Besonders hervorzuheben sind die erhaltengebliebenen Grabdenkmäler. Einige Platten wurden bei der letzten Restaurierung im Freien aufgestellt und sind vom langsamen Verfall bedroht. In der Kirche verblieben die bedeutendsten Epitaphien des Gotteshauses. Die Gedenksteine erinnern an die Herren von Fulbach, die auf dem nahen Schloss Gleusdorf saßen. Kostümgeschichtlich interessant sind die beiden Steine des Wolfgang († 1546) und der Kunigunde († 1548) von Fulbach. Der Ritter steht im Renaissanceharnisch auf einem Löwen, seine Gemahlin ist in vornehmer Zeittracht dargestellt.
Die Kirche erhielt um 1900 eine innere Ausgestaltung im Jugendstil, die unter Pfarrer Barthel bis auf das Deckengemälde von Pius Alexander Messerschmitt wieder entfernt wurde.
Dreifaltigkeitskapelle
- Die spätgotische Dreifaltigkeitskapelle am südöstlichen Ortsrand
- Der barocke Außenaltar neben dem Südportal
Die Dreifaltigkeitskapelle am Ortsrand ist ein unverputzter Sandsteinquaderbau in spätgotischen Formen. Über dem Hauptportal im Westen ist die Jahreszahl „1516“ zu erkennen.
Dem quadratischen Langhaus wurde ein eingezogener (schmälerer) Chor mit vier kräftigen, einmal abgesetzten Strebepfeilern angefügt. Sonst gliedern nur die zweiteiligen, teilweise erneuerten Spitzbogenfenster und zwei Portale den Außenbau.
Der reich profilierte Kielbogen des Westportals gabelt sich über dem Eingang, die Stäbe kreuzen sich im Scheitel. Über der Jahresangabe „1516“ ist eine verwitterte Reliefbüste eingelassen.
Neben dem schlichteren Südportal ist ein barocker Außenaltar der Zeit um 1716/17 erhalten. Der steinerne Aufbau wird dem Bamberger Bildhauer Johann Sebastian Degler zugeschrieben.
Der gleiche Meister schuf den wirkungsvollen Hochaltar (1699) um das Altarblatt Heilige Dreifaltigkeit Georg Sebastian Urlaubs (Zuschreibung). Die gewundenen Säulen des Altares flankieren Statuen der Heiligen Georg und Michael.
Die beiden Seitenaltäre entstanden gleichzeitig mit dem Hochaltar. Der Nordaltar birgt ein Altarblatt mit der Darstellung der Himmelfahrt Mariens, sein südliches Gegenstück ist eine Holzfigur des Heiligen Georg.
Die Orgel (Denkmalorgel von 1876) stammt aus der Werkstatt von Friedrich Wiedemann, Bamberg.[32]
Kirchenburg
- Der erhaltene Eckturm der Befestigung auf dem Kirchberg
- Historische Grabplatten an der ehemaligen Wehrmauer des Kirchberges
Eine ehemals die Pfarrkirche umgebende Befestigungsanlage aus dem 15. Jahrhundert steht nur noch an der Südost- und Westseite. Die Wehranlagen entstanden um 1430 als Reaktion auf die Bedrohung durch die Hussiten. Die Überreste dieser Kirchenburg bestehen aus Mauern, einem Rundturm des 16. Jahrhunderts und Schießscharten. Vor der Ummauerung ist ein Grabenrest erkennbar.
Bodendenkmäler
In der Gemarkung Mürsbach gibt es sechs Bodendenkmäler.[31]
Brauereien
In Mürsbach gibt es noch eine Brauerei, die Sonnenbräu. Bis 2002 bestand noch die Brauerei Feiler.
Verkehr
Mürsbach hatte zwischen dem 1. Oktober 1913 und dem 28. September 1975 einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Breitengüßbach–Dietersdorf.
Söhne und Töchter
- Johann Baptist Schad (1758–1834), Benediktiner. Ihm wurde 1991 ein Denkmal errichtet.
- Alfons Huther (1883–1945), Sprachwissenschaftler (Promotion bei Oskar Brenner) und Schulbuchautor
Mürsbach im Film
Literatur
- Johann Kaspar Bundschuh: Miersbach. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 3: I–Ne. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1801, DNB 790364301, OCLC 833753092, Sp. 599 (Digitalisat).
- Georg Paul Hönn: Mirßbach. In: Lexicon Topographicum des Fränkischen Craises. Johann Georg Lochner, Frankfurt und Leipzig 1747, OCLC 257558613, S. 135 (Digitalisat).
- Hans Karlinger, Hans Ring: Bezirksamt Ebern (= Die Kunstdenkmäler von Bayern. Unterfranken 15). R. Oldenbourg, München 1916, DNB 366497014, S. 153–162.
- Isolde Maierhöfer: Ebern (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. I, 15). Kommission für Bayerische Landesgeschichte, München 1964, DNB 456999264 (Digitalisat).
Weblinks
- BR Retro - Abendläuten in Mürsbach (Fernsehbeitrag von 1959) via ARD Mediathek, abgerufen am 11. Mai 2022
- Gemeindeteile > Mürsbach. In: markt-rattelsdorf.de. Abgerufen am 6. Dezember 2025.
- Mürsbach in der Ortsdatenbank von bavarikon, abgerufen am 13. März 2023.
- Mürsbach in der Topographia Franconiae der Uni Würzburg, abgerufen am 6. Dezember 2025.
- Mürsbach im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie, abgerufen am 6. Dezember 2025.
