NETZ Bangladesch

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NETZ Partnerschaft für Entwicklung und Gerechtigkeit e.V. (kurz: NETZ Bangladesch) ist eine konfessionell und politisch unabhängige Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Gießen und Büros in Gießen und Berlin, sowie in Dhaka, Bangladesch.

Gründung1989
ZweckEntwicklungszusammenarbeit für Selbstbestimmung und Menschenwürde in Bangladesch
Schnelle Fakten NETZ Partnerschaft für Entwicklung und Gerechtigkeit, Rechtsform ...
NETZ Partnerschaft für Entwicklung und Gerechtigkeit
(NETZ Bangladesch)
Logo
Rechtsform gemeinnütziger eingetragener Verein
Gründung 1989
Sitz Gießen
Zweck Entwicklungszusammenarbeit für Selbstbestimmung und Menschenwürde in Bangladesch
Schwerpunkt Ernährungssicherung, Basisbildung und Menschenrechte
Aktionsraum Deutschland, Bangladesch, Indien
Vorsitz Dr. Bernhard Höper und Dr. Kathrin Quellmalz
Geschäftsführung Max Stille und Niko Richter
Umsatz 5.310.752,76 (Geschäftsjahr 2024)
Beschäftigte 23 in Bangladesch, 17 in Deutschland[1]
Freiwillige 2.500 Ehrenamtliche in Deutschland[1]
Mitglieder 255 stimmberechtigte Mitglieder (Juni 2025).
Website bangladesch.org
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Geschichte

NETZ Bangladesch wurde im Jahr 1989 in Bonn gegründet und geht ursprünglich aus der 1979 ins Leben gerufenen NETZ-Zeitschrift[2] hervor. Seit 1991 beschäftigt NETZ hauptamtlich tätige Mitarbeiter.[3] Von 1993 bis 2024 war die Organisation in Wetzlar ansässig, bevor die Geschäftsstelle im Oktober 2024 nach Gießen umzog.

Seit der Vereinsgründung 1989 hat NETZ bis 2022 rund 57 Mio. Euro in die Zivilgesellschaften von Bangladesch, Nepal und Indien investiert. Zu den Arbeitsschwerpunkten der Hilfsorganisation zählen Ernährungssicherung, Förderung von Grundschulbildung und Stärkung der Menschenrechte. Sämtliche Projekte werden in Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen in Bangladesch und Indien geplant, durchgeführt und evaluiert. In Deutschland arbeitet NETZ über die eigene Bildungs-, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit für globale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung.

NETZ ist seit 2002 Träger des Spenden-Siegels des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) und Mitunterzeichner der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.[4]

Arbeitsschwerpunkte

Projektarbeit in Bangladesch und Indien

Im Fokus der Projektarbeit in Bangladesch stehen marginalisierte Bevölkerungsgruppen: Menschen in extremer Armut, religiöse Minderheiten sowie indigene Gruppen, Menschen mit Behinderung, alleinstehende und verwitwete Frauen. Die Arbeitsschwerpunkte liegen dabei in den drei Bereichen Ernährungssicherung, Grundschulbildung und Menschenrechte. Die Selbsthilfe-Projekte werden in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung über Partnerorganisationen in Bangladesch entwickelt und durchgeführt. Der Aufbau von Klimaresilienz ist integraler Bestandteil dieser Projekte. Im Falle von Naturkatastrophen leistet NETZ humanitäre Hilfe.[5]

Ernährungssicherung

Im Projektschwerpunkt „Ein Leben lang genug Reis“ arbeiten NETZ und die Partnerorganisationen für die Überwindung von Hunger, Mangelernährung und den Aufbau einer nachhaltigen, zukunftssicheren Existenz.[6] Ein weiteres Ziel des Programms ist die gesellschaftliche Partizipation Einzelner.[7] Alle abgewickelten Projekte orientieren sich dabei an fünf strukturellen Grundpfeilern:[8][9]

  • Nicht-rückzahlbares Startkapital für einen eigenen Kleinbetrieb (z. B. Nutztiere, Saatgut).
  • Schulung der Frauen (Landwirtschaft und Viehzucht, Gründung kleinerer Geschäfte, Frauen- und Bürgerrechte, Gesundheitsvorsorge).
  • beratende Begleitung in den ersten Jahren.
  • Gründung von Selbsthilfestrukturen auf lokaler und globaler Ebene.
  • eigenständige Interessenvertretung zur Durchsetzung rechtlicher Ansprüche und der Inanspruchnahme staatlicher Leistungen.

Grundbildung

NETZ fördert den Zugang zu inklusiver Grundbildung für Kinder vorrangig in weit abgelegenen Regionen des ländlichen Bangladeschs, die unzureichend mit staatlichen Grundschulen versorgt sind. Im Fokus des Programms steht eine qualitativ hochwertige Schulbildung für Kinder aller Bevölkerungsgruppen, die über kindgerechte Lehr- und Lernmethoden vermittelt wird. Das NETZ-Grundbildungsprogramm umfasst dabei vier Schultypen:[10]

  • Anandalok-Schulen (langfristig angelegte, nicht-staatliche Schulen in Trägerschaft der Dorfgemeinschaft).
  • Dorfschulen (nicht-staatliche Schulen zur kurzfristigen Abdeckung des Grundbildungsbedarfs in schwer zugänglichen Regionen).
  • Staatliche Grundschulen (Förderung der Lehrkräfte durch Fortbildungen und Einbezug von Bildungs-Sozialarbeitern zur Verbesserung der Unterrichtsqualität).
  • Vorschulen (zur gezielten Förderung frühkindlicher Entwicklung).

Menschenrechtsverteidigung

In seinem Menschenrechtsprogramm unterstützt NETZ gemeinsam mit Menschenrechtsorganisationen Aktivisten im Einsatz gegen jegliche Formen von Diskriminierung, Frühverheiratung und Gewalt.[11] Menschenrechtsgruppen werden gestärkt, um Schulungen, Analysen, öffentliche Aktionen und die gewaltfreie Transformation von Konflikten durchzuführen.[12]

Klimagerechtigkeit

In den Projekten des Schwerpunkt Klimagerechte Zukunft werden Menschen befähigt, die Folgen des Klimawandels zu verstehen und aktiv zu bewältigen. Dabei werden Maßnahmen zum systematischen Aufbau von Widerstandsfähigkeit gegenüber Extremwetterereignissen wie Überschwemmungen, Stürmen und steigenden Meeresspiegeln umgesetzt. NETZ unterstützt lokale Gemeinschaften dabei, ihre Zukunft selbstbestimmt zu gestalten, unter anderem durch klimaresiliente Landwirtschaft, angepasste Trinkwasserversorgung und andere nachhaltige Anpassungsstrategien. Schulungen zur Katastrophenvorsorge vermitteln praktische Kenntnisse für den Ernstfall und die Teilnehmenden entwickeln eigene nachhaltige Konzepte zur Klimaanpassung für ihre Familien und Gemeinschaften.

Katastrophenhilfe

Als eines der stärksten von Überschwemmungen gefährdeten Länder führen die jährlichen Monsunregenfälle in Bangladesch regelmäßig zu katastrophalen Situationen.[13] In solchen Fällen leistet NETZ gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen Katastrophenhilfe und unterstützt die Notversorgung mit Lebensmitteln sowie den Wiederaufbau in den Dörfern.[14]

Aktivitäten in Deutschland

Bildungsarbeit

Die Bildungsarbeit von NETZ fördert den kulturellen Austausch zwischen Bangladesch und Deutschland. Dies geschieht durch Austauschbesuche, Förderung kultureller Sensibilität und gemeinsamen öffentlichen Veranstaltungen. Diese Veranstaltungen beruhen auf dem Bildungskonzept des Globalen Lernens und beschäftigen sich mit globaler Gerechtigkeit und den Lebensbedingungen in Bangladesch. Sie finden statt in Schulen, Gemeinden oder Vereinen. Bei den Teilnehmern soll hierüber ein differenziertes Verständnis von Entwicklungszusammenarbeit geweckt werden.[15]

Seit 1991 entsendet NETZ Freiwillige nach Bangladesch und ist seit 2008 Entsendeorganisation des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes weltwärts des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Gegenwärtig erlaubt die Sicherheitslage keine Entsendung, sodass der Freiwilligendienst auf unbestimmte Zeit pausiert wurde.

Öffentlichkeitsarbeit

Im Zentrum der Öffentlichkeitsarbeit steht die Berichterstattung über aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen in Bangladesch und die Begleitung von Bildungsveranstaltungen des deutschlandweiten Freiwilligennetzwerks. Zudem erscheint die Bangladesch-Zeitschrift mit Schwerpunktthemen zu Gesellschaft, Kultur und Politik in Bangladesch.

Kampagnen- und Lobbyarbeit

NETZ engagiert sich im politischen Dialog über die zentrale politische Interessenvertretung „Bangladesch-Forum,[16]“ das NETZ zugleich geschäftsführend verwaltet. Das Bangladesch-Forum sieht sich als Zusammenschluss von Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen (u. a. Amnesty International Deutschland, Brot für die Welt, Misereor), Bangladeschis in Deutschland und Wissenschaftlern, die zu Bangladesch arbeiten. Mit dem Ziel einer stärkeren Positionierung Bangladeschs in der öffentlichen Wahrnehmung und bei politischen Entscheidungen unterstützt das Bangladesch-Forum politische Entscheidungsträger mit Fach- und Regionalexpertise. Die Arbeit zirkuliert dabei um die Frage nach der nachhaltigen Stärkung der bangladeschischen Zivilgesellschaft in den Bereichen Armutsbekämpfung und Ernährungssicherheit sowie Menschenrechte.

Finanzierung

Spenden (14.1 %)Mitgliedsbe...staatliche Zuschüsse (69.9 %)Zuschüsse ki...Zuschüsse privat...sonstige (0.4 %)Spenden (14.1 %)Mitgliedsbeiträge (0.5 %)staatliche Zuschüsse (69.9 %)Zuschüsse kirchlicher Institutionen (6.5 %)Zuschüsse privater Institutionen (8.6 %)sonstige (0.4 %)
Aufstellung der Gesamteinnahmen 2018[17]

Die Einnahmen und Ausgaben werden in den jeweiligen Jahresberichten.[18] veröffentlicht[4]

Im Jahr 2025 betrugen die Einnahmen des Vereins 5,3 Millionen Euro. Der größte Anteil bestand aus staatlichen Zuschüssen und lag bei 4,1 Millionen Euro. Die Spenden beliefen sich im selben Jahr auf 562.000 Euro.

Der Hauptanteil der Mittel fließt in die Entwicklungszusammenarbeit in Bangladesch und Indien.

Im Jahr 2019 erhielt der Verein eine Förderung durch die SKala-Initiative in Höhe von 1,5 Millionen Euro.[19]

Organisationsstruktur

Vereinsaufbau

NETZ ist als gemeinnützig anerkannter eingetragener Verein (e.V.) mit gegenwärtig 255 stimmberechtigten Mitgliedern (Stand: Juni 2025) registriert. Die höchste Instanz ist die Mitgliederversammlung. Sie beschließt Grundsatzangelegenheiten sowie Satzungsänderungen des Vereins und wählt den ehrenamtlichen Vorstand. Der Vorstand wird alle zwei Jahre neu gewählt. Er beschließt u. a. die Förderung von Projekten und das Jahresbudget und beruft die Geschäftsführung. Die Mitarbeiter sind sowohl in Deutschland als auch in Bangladesch hauptamtlich für NETZ tätig.[20]

Mitgliedschaften und Kooperationen

Mitgliedschaften in Dachverbänden, Netzwerken und Kampagnen

Kooperationspartner in Bangladesch und Indien

NETZ verwirklicht die Planung und Umsetzung der Projektarbeit in Bangladesch und Indien gemeinsam mit dreizehn Partnerorganisationen (Stand 2025):[23]

  • Anandalok Trust
  • Agrogoti Sangstha
  • Ashrai
  • Amrai Pari (We Can Alliance, Bangladesh)
  • Bangladesh Resource Centre for Indigenous Knowledge (BARCIK)
  • Community Development Centre (CODEC)
  • DASCHO Foundation
  • Development Research Communication and Services Centre (DRSC)
  • Gana Unnayan Kendra (GUK)
  • Jagorani Chakra Foundation (JCF)
  • Manab Kallyan (MKP)
  • Mahideb Jubo Somaj Kallayan Somity (MJSKS)
  • NETZ Büro, Dhaka
  • Pollisree
  • Research Initiatives Bangladesh (RIB)

Kooperationspartner in Deutschland und Europa

  • Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden
  • Brot für die Welt
  • Childaid Network Stiftung
  • Ensinger-Stiftung
  • Entwicklungshilfe-Klub Wien
  • Familie Nowak Stiftung
  • Futura
  • German Doctors
  • Kindermissionswerk ,Die Sternsinger‘ e.V.
  • MISEREOR
  • Mylius Stiftung
  • NETZ Baden-Württemberg e.V.
  • Rivera Stiftung
  • Rotary Clubs in Deutschland
  • Schöck-Familien Stiftung
  • SKala-Initiative
  • Stiftung Umverteilen

Publikationen

NETZ informiert in regelmäßigen Abständen über aktuelle gesellschaftliche Themen und Geschehnisse in Bangladesch und der Organisation.

  • Homepage
  • Bangladesch-Zeitschrift[24]
  • Newsletter (monatlich)
  • Jahresbericht (jährlich)

Darüber hinaus veröffentlicht die Organisation seit vielen Jahren Bücher und berichtet online in Form vom Videos rund um gesellschaftspolitische Themen in Bangladesch.

Einzelnachweise

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