Namibit

seltenes Mineral, Kupfer-Bismutoxid-Vanadat mit zusätzlichen Hydroxidionen From Wikipedia, the free encyclopedia

Namibit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Cu(BiO)2[OH|VO4][3] und ist damit ein Kupfer-Bismutoxid-Vanadat mit zusätzlichen Hydroxidionen.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Namibit
Kugelige Namibit-Aggregate (dunkelgrün) und kleine, tetraedrische Eulytinkristalle (gelb) auf Chrysokoll (blaugrün) aus dem Steinbruch Hechtsberg (Hausach), Baden-Württemberg, Deutschland (Sichtfeld 4 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1981-024[1]

IMA-Symbol

Nmb[2]

Chemische Formel
  • Cu(BiO)2[OH|VO4][3]
  • Cu(BiO)2VO4(OH)[4]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/B.28-070[5]

8.BB.50
38.05.08.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pinakoidal; 1
Raumgruppe P1 (Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2[4]
Gitterparameter a = 6,210(1) Å; b = 7,398(1) Å; c = 7,471(1) Å
α = 90,10(1)°; β = 108,73(1)°; γ = 107,47(1)°[4]
Formeleinheiten Z = 2[4]
Häufige Kristallflächen {101}, {111}[6]
Zwillingsbildung nach {011} Durchdringungs- und polysynthetische Zwillinge[6]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4,5 bis 5 (VHN100 und 200 = 473)[6]
Dichte (g/cm3) gemessen: 6,86(3); berechnet: 6,91[6]
Spaltbarkeit gut nach {001}[6]
Farbe dunkelgrün, olivgrün bis grünlichschwarz
Strichfarbe pistaziengrün
Transparenz durchscheinend
Glanz nicht definiert
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 2,100[7]
Doppelbrechung δ = 2,100[7]
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Pleochroismus schwach: X = hellgelblichgrün; Y = pistaziengrün; Z = dunkelgrün[6]
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Namibit entwickelt meist tafelige oder dendritische Kristalle und pseudomonokline Zwillinge, die zu radialstrahligen bis kugeligen Mineral-Aggregaten verbunden sind. Die durchscheinenden Kristalle können je nach Fremdbeimengung von dunkelgrüner, olivgrüner oder grünlichschwarzer Farbe sein, auf der Strichtafel hinterlässt das Mineral jedoch immer einen pistaziengrünen Strich.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Namibit in den Hohlräumen drusiger Quarz-Adern in der Kupferlagerstätte nahe der Gemeinde Khorixas (ehemals Welwitschia) in der namibischen Region Kunene. Beschrieben wurde das Mineral 1981 durch Oleg von Knorring (1915–1994)[8] und Thure Georg Sahama, die das Mineral nach der Namibwüste benannten, aus der die Fundregion zum großen Teil besteht.[9]

Das Typmaterial wird in der University of Leeds in England und der Universität Helsinki in Finnland aufbewahrt.[6]

Klassifikation

Da der Namibit erst 1981 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/B.28-070. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate, mit fremden Anionen F,Cl,O,OH“, wo Namibit zusammen mit Attakolith, Bertossait, Crimsonit, Karminit, Khorixasit, Leningradit, Natropalermoit, Paganoit, Palermoit, Peatit-(Y), Ramikit-(Y) und Sewardit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/B.28 bildet.[5]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Namibit ebenfalls in die Abteilung der „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen (OH etc.) zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex (RO4). Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; (OH usw.) : RO4  1 : 1“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 8.BB.50 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Namibit die System- und Mineralnummer 38.05.08.01. Dies entspricht ebenfalls Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc.“. Hier ist er zusammen mit Urusovit in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 38.05.09 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit verschiedenen Formeln“ zu finden.

Kristallstruktur

Namibit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2 mit den Gitterparametern a = 6,210(1) Å; b = 7,398(1) Å; c = 7,471(1) Å; α = 90,10(1)°; β = 108,73(1)° und γ = 107,47(1)° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[4]

Eigenschaften

Das Mineral ist leicht löslich in kalter, verdünnter Salzsäure.[9]

Bildung und Fundorte

Büscheliges Eulytin-Aggregat (gelblichgrün) mit kugeligem Namibit (dunkelgrün) und tetraedrischen Eulytinkristallen (gelblich) auf Chrysokoll aus dem Steinbruch Hechtsberg (Hausach), Baden-Württemberg, Deutschland (Sichtfeld 3 mm)

Namibit bildet sich sekundär in bismuthaltigen, hydrothermalen Polymetall-Lagerstätten und granitischen Pegmatiten. Neben gediegen Bismut und verschiedenen Bismutmineralen wie Bismit, Bismutit, Bismutostibiconit und Bismutoferrit können als Begleitminerale unter anderem noch Wittichenit, Klinobisvanit, Pucherit, Beyerit, Schumacherit, Mixit, Eulytin und Chrysokoll auftreten.

Als seltene Mineralbildung konnte Namibit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 30 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2014).[11] Neben seiner Typlokalität Khorixas, genauer der nahe gelegenen Grube „Mesopotamia 504“, trat das Mineral in Namibia noch bei Kandesei im Kaokoveld zutage.

In Deutschland wurde Namibit bisher in der Grube Clara bei Oberwolfach und dem Steinbruch Hechtsberg bei Hausach in Baden-Württemberg, im Pucherschacht des Wolfgangmaßen-Grubenfeldes bei Schneeberg im sächsischen Erzgebirge und der Grube „Arme Hilfe“ bei Ullersreuth in Thüringen gefunden.

Weitere bisher bekannte Fundorte liegen unter anderem in Australien, Japan, Kanada, Mexiko, Tschechien, England im Vereinigten Königreich (UK) sowie Arizona, Colorado, Kalifornien und Nevada in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[12]

Siehe auch

Literatur

  • Oleg von Knorring, Thure Georg Sahama: Namibite, a new copper-bismuth-vanadium mineral from Namibia. In: Schweizerische Mineralogische und Petrographische Mitteilungen. Band 61, 1981, S. 7–12.
Commons: Namibite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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