Nancy Adler

US-amerikanische Gesundheitspsychologin und Professorin From Wikipedia, the free encyclopedia

Nancy Elinor Adler (* 26. Juli 1946 in New York City; † 4. Januar 2024 in San Francisco) war eine US-amerikanische Gesundheitspsychologin und emeritierte Professorin der University of California, San Francisco.[1]

Leben

Sie wurde in Manhattan geboren; ihr Vater Alan war Bekleidungshersteller und Regionalverkäufer, ihre Mutter Pauline Lehrerin und Hausfrau. Ihr Bachelorstudium beendete sie 1968 am Wellesley College. Danach begann sie ein Ph.D.-Programm für Sozialbeziehungen an der Harvard University, dabei wurde sie von Herbert C. Kelman betreut. Ihre 1974 erschienene Doktorarbeit hatte den Titel „Reaktionen von Frauen auf therapeutische Abtreibung: Eine sozialpsychologische Analyse“. Sie stellte in der Interviewstudie fest, dass die Reaktionen der Frauen im Allgemeinen positiv waren und gesunde Bewältigungsstrategien widerspiegelten und somit die Vorstellung widerlegten, Abtreibung sei psychisch schädlich. Sie kam 1972 als Assistenzprofessorin für Psychologie an die University of California, Santa Cruz. 1977 wechselte sie als Professorin für Medizinische Psychologie an die University of California, San Francisco (UCSF). Hier initiierte sie das erste Graduiertenprogramm in Gesundheitspsychologie des Landes und gab das erste US-Lehrbuch zu diesem Thema mit anderen heraus. Sie gründete 1998 an der UCSF das Center for Health and Community (CHC), ein Zentrum für interdisziplinäre Forschung zu sozialen Determinanten der Gesundheit, und wurde dessen Leiterin; hier untersuchten sie und ihr Team, wie soziale Determinanten Gesundheit und Gesundheitsversorgung auf individueller und gesellschaftlicher Ebene beeinflussen. Sie blieb bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2022 an der UCSF als Distinguished Lisa and John Pritzker Professorin und stellvertretende Vorsitzende der Psychologie in den Abteilungen für Psychiatrie, Verhaltenswissenschaften und Pädiatrie.

1996 wurde sie Direktorin des von der John D. und Catherine T. MacArthur Foundation geförderten Forschungsnetzwerks für sozioökonomischen Status und Gesundheit. Zwölf Jahre lang versammelte sie weltbekannte Experten aus den unterschiedlichsten Disziplinen an einem gemeinsamen Brainstorming-Tisch. Die Gruppe brachte Hunderte wichtiger Studien zur Bevölkerungsgesundheit hervor und trug gemeinsam zur Entstehung des Forschungsgebiets Bevölkerungsgesundheit bei. Unterstützt wurde sie dabei vom Evidence for Action-Programm (E4A) der Robert Wood Johnson Foundation, das sie 2015 begründete. Dies ist ein Programm, das sich für die Förderung handlungsorientierter Forschung zur Gesundheitsgerechtigkeit für ethnische und indigene Bevölkerungsgruppen engagiert. Dabei identifizierte ihre Forschung Wege, auf denen soziale und verhaltensbezogene Faktoren Gesundheit und Wohlbefinden beeinflussen, wobei sie sich insbesondere auf die Rolle des sozioökonomischen Status konzentrierte. Als 15-jährige Leiterin des Forschungsnetzwerks der MacArthur Foundation für sozioökonomischen Status und Gesundheit beeinflusste Nancy die Agenda der National Institutes of Health (NIH), beispielsweise durch die Organisation wissenschaftlicher Treffen am NIH.

Sie starb im Alter von 77 Jahren in San Francisco an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Werk

Sie hat den Zusammenhang zwischen Wohlstand und Gesundheit erforscht. Ihr Einfluss ist in vielen der wichtigsten und einflussreichsten gesundheitspolitischen Diskussionen der Gegenwart sichtbar, von Abtreibung bis Armut.

2000 entwickelte sie die MacArthur-Skala für subjektiven sozialen Status, besser bekannt als „MacArthur-Leiter“, die den wahrgenommenen sozialen und sozioökonomischen Status misst. Das Instrument half, einen Zusammenhang zwischen dem subjektiven Gefühl des sozialen Status und dem tatsächlichen Gesundheitszustand aufzudecken. Einer ihrer nachhaltigsten Beiträge zeigt bei der Anwendung der „MacArthur-Leiter“ einen starken Zusammenhang zwischen niedrigem Sozialstatus und erhöhtem Krankheitsrisiko. Sie geht über sozialen Stress und Ressourcen hinaus und erfasst auch die psychologischen Einstellungen, die mit sozioökonomischer Benachteiligung einhergehen.

Ihre wissenschaftliche Arbeit war geprägt von dem Verständnis der Verflechtung sozialer Systeme und individueller Gesundheit. Mit ihrer Arbeit zu Einkommensungleichheit, Stress und Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellte sie Vorstellung in Frage, Gesundheit sei ausschließlich eine Frage individueller Entscheidungen und genetischer Faktoren. Sie prägte den Begriff „psychosoziale Pfade“, um die Mechanismen zu beschreiben, durch die soziale Faktoren wie Diskriminierung und Ressourcenmangel das körperliche Wohlbefinden beeinträchtigen. Sie dokumentierte dabei die wichtige Rolle von Bildung, Einkommen und des selbst wahrgenommenen sozialen Status für die Gesundheit und Langlebigkeit eines Menschen.

Ehrungen/Positionen

  • 1995: Chancellor’s Award for the Advancement of Women
  • 2009: Distinguished Scientific Award for the Applications of Psychology der American Psychological Association (APA)
  • 2009: Lifetime Achievement in Mentoring Award
  • 2009: Mitglied der American Academy of Arts and Sciences
  • 2010: David Rall Medal der National Academy of Medicine
  • 2011: Newman-Proshansky Prize for Lifetime Achievement in Population Psychology der APA
  • 2013: James McKeen Cattell Fellow Award der Association for Psychological Science
  • 2014: Holly Smith Award for Exceptional Service to the UCSF School of Medicine
  • 2015: Faculty Research Lecturer in Clinical Sciences
  • 2017: Academy Medal for Distinguished Contributions in Biomedical Science der New York Academy of Medicine
  • 2020: J. Michael McGinnis Leadership Excellence Award
  • Mitglied der National Academy of Medicine
  • 2023: Nancy Adler Endowed Lectureship Award durch das Department of Psychiatry and Behavioral Sciences und dem Center for Health and Community (CHC)

Privates

Sie war 48 Jahre mit Arnold Milstein verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor: Julia Adler-Milstein, Professorin für Medizin an der University of California, San Francisco, und Sarah Adler-Milstein, Anwältin für Arbeitnehmerrechte und Field Director für Lateinamerika und die Karibik für das Worker Rights Consortium.

Publikationen (Auswahl)

Monografien
  • Mit George Chester Stone, Frances Cohen: Health psychology: a handbook: theories, applications, and challenges of a psychological approach to the health care system. Jossey-Bass, San Francisco 1979, ISBN 0-87589-411-9 (archive.org – Leseprobe)
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
  • Mit Matthew S. Pantell; Patricia Pelufo Silveira; Euclides José de Mendonça-Filho; Laura Gottlieb: Associations between Social Adversity and Biomarkers of Inflammation, Stress, and Aging in Children. In: Pediatric Research, 2024, 95 (6).
  • Mit Simar Singh; Alana Cordeiro; Alana Cordeiro; Elissa Epel; Nicole R Bush: Association between maternal eating and young child feeding in a community sample. In: Pregnancy and Childbirth, 2023, 23 (1).
  • Mit Agus Surachman; Barbara Laraia; Elissa Epel: Childhood ses is associated with faster worsening metabolic syndrome severity for black relative to white women. In: Innovation in Aging, 2022, 6 (Supplement 1), S. 174–174.
  • Mit Danielle Roubinov; Elissa S. Epel; Michael Coccia; Nicole R. Bush: Long-Term Effects of a Prenatal Mindfulness Intervention on Depressive Symptoms in a Diverse Sample of Women. In: Journal of Consulting and Clinical Psychology, 2022, 90 (12), S. 942–949.
  • Mit Jennifer A. Pellowski; Seth C. Kalichman; Karen A. Matthews: A pandemic of the poor: social disadvantage and the US HIV epidemic. In: American Psychologist, 2013, 68 (4).
  • Mit Lisa M. Groesz; Shannon McCoy; Jenna Carl; Laura Saslow; Judith Stewart; Barbara Laraia; Elissa Epel: What is eating you? Stress and the drive to eat. In: Appetite, 2012, 58 (2), S. 717–721.
  • Mit Sheldon Cohen; Cuneyt M. Alper; William J. Doyle; John J. Treanor; Ronald B Turner: Objective and subjective socioeconomic status and susceptibility to the common cold. In: Health Psychology, 2008, 27 (2).
  • The MacArthur scale of subjective social status. In: MacArthur research network on SES & health, 2007.
  • Mit Elissa S. Epel; Jue Lin; Frank H. Wilhelm; Owen M. Wolkowitz; Richard Cawthon; Christyn Dolbier; Wendy B. Mendes; Elizabeth H. Blackburn: Cell aging in relation to stress arousal and cardiovascular disease risk factors. In: Psychoneuroendocrinology, 2006, 31 (3), S. 277–287.
  • Mit Dean Schillinger; Lauren R. Barton; Andrew J. Karter; Frances Wang: Does literacy mediate the relationship between education and health outcomes? A study of a low-income population with diabetes. In: Public health reports, 2006, 121 (3), S. 245–254.
  • Mit Elissa S. Epel; Elizabeth H. Blackburn; Jue Lin; Firdaus S. Dhabhar; Jason D. Morrow; Richard M Cawthon: Accelerated telomere shortening in response to life stress. In: Proceedings of the National Academy of Sciences, 2004, 101 (49), S. 17312–17315.
  • Mit Archana Singh-Manoux; Michael G Marmot: Subjective social status: its determinants and its association with measures of ill-health in the Whitehall II study. In: Social science & medicine, 2003, 56 (6), S. 1321–1333.
  • Mit Elissa S. Epel; Grace Castellazzo; Jeannette R. Ickovics: Relationship of subjective and objective social status with psychological and physiological functioning: Preliminary data in healthy, White women. In: Health psychology, 2000, 19 (6).
  • Mit Thomas Boyce; Margaret A. Chesney; Sheldon Cohen; Susan Folkman; Robert L. Kahn; S. Leonard Syme: Socioeconomic status and health: the challenge of the gradient. In: American psychologist, 1994, 49 (1), 15-24.
  • Mit Henry P. David; Brenda N. Major; Susan H. Roth; Nancy Felipe Russo; Gail E. Wyatt: Psychological factors in abortion: A review. In: American Psychologist, 1992, 47 (10).
  • Emotional responses of women following therapeutic abortion. In: American Journal of Orthopsychiatry, 1975, 45 (3), S. 446–454.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI