Natale Albisetti

Schweizer Bildhauer From Wikipedia, the free encyclopedia

Natale Albisetti (* 9. Oktober 1863 in Stabio; † 2. Juli 1923 ebenda) war ein Schweizer Bildhauer. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Melchtal-Gruppe in Stabio und das Unabhängigkeitsdenkmal in Bellinzona. In seiner Heimatgemeinde Stabio ist ihm ein Museum, der Spazio Albisetti, gewidmet.

Natale Albisetti

Leben

Albisetti wurde 1863 in Stabio im Kanton Tessin geboren. Sein Vater Ignazio war Landwirt, seine Mutter Antonia Hausfrau. Nach seinem Abschluss an der Zeichenschule in Clivio besuchte er von 1882 bis 1884 die Accademia di Brera in Mailand, wo er Kurse bei Claudio Bernacchi, Luigi Bisi und Raffaele Casnedi belegte. 1884 immatrikulierte er sich an der École nationale supérieure des arts décoratifs in Paris, 1887 wurde er an der Beaux-Arts de Paris aufgenommen. Seinen Lebensunterhalt bestritt er zunächst mit Stukkaturarbeiten, ab 1890 etablierte er sich in der französischen Hauptstadt als Porträt- und Genrebildhauer.[1][2]

Im Mai 1893 gewann er den ersten Wettbewerb der Eidgenössischen Kunstkommission für vier Figuren in den Nischen der Hauptfassade des Polytechnikums in Zürich.[3] Am 12. Mai 1894 bedachte die Jury seinen Gesamtentwurf und seine Modelle auch im zweiten Wettbewerb mit dem ersten Preis.[4] Am 9. Juni 1894 übertrug ihm der Bundesrat den Auftrag offiziell.[5] Die allegorischen Statuen wurden 1896 platziert.

Am 12. März 1897 wurde Albisetti als Nachfolger von Raimondo Pereda[6] in die Eidgenössische Kunstkommission gewählt.[7] Per 1. Januar 1900 wurde er durch Giuseppe Chiattone ersetzt.[8]

1898 stellte Albisetti die Marmorskulptur Mutterliebe (Amor materno) am Salon de Paris aus und erhielt dafür eine Ehrenmeldung. Felix Vogt berichtete im Bund:

«Das Werk ist sehr schön und erinnert am meisten an die Madonnen Raphaels, obschon der Künstler keine religiösen Absichten gehabt hat und das Kind ein Mädchen ist. Die Empfindung ist richtig, die Ausführung fast zu glatt und lieblich.»

Felix Vogt[9]
Melchtal-Gruppe, Ausführung in Carrara-Marmor von 1900, Stabio, Cimitero comunale

1900 nahm er mit seinem Hauptwerk, der Marmorskulptur Arnold von Melchtal und sein Vater, an der Weltausstellung in Paris teil und erhielt in der Sparte «Bildhauerkunst und Stecherkunst» eine Silbermedaille.[10]

Die Schweiz empfängt das junge Tessin, 1903, Bronzerelief auf dem Unabhängigkeitsdenkmal in Bellinzona

1903 reichte er zusammen mit dem Zürcher Architekten Armand Neukomm einen Entwurf für das Unabhängigkeitsdenkmal in Bellinzona ein und gewann den Wettbewerb am 6. Februar. Noch im selben Jahr führte er die vier Bronzereliefs für das Postament aus. Das Denkmal wurde am 10. September eingeweiht.

1904 heiratete Albisetti in Stabio die Italienerin Fortunata Pacitti, die ihm zuvor schon Modell gestanden hatte. In seinen letzten beiden Lebensjahrzehnten stellte er weiterhin an Salons in Paris aus. Wann er definitiv nach Stabio zurückkehrte, ist nicht bekannt. Hier starb er 1923 nach kurzer Krankheit mit 59 Jahren.[6]

Die Mehrheit seiner Werke sind heute in Paris und im Kanton Tessin, hier vor allem in Stabio, aufbewahrt. 2018 eröffnete in Stabio mit dem Spazio Albisetti ein ihm gewidmetes kleines Museum.

Vom 7. bis zum 31. Oktober 1977 fand in Stabio eine Ausstellung über Albisetti und den Maler Augusto Sartori statt.[11] Vom 4. Juni bis zum 5. November 2023 zeigte das Museo Vincenzo Vela in Ligornetto eine Schau seiner Werke.[12]

Werk

Albisetti war Traditionalist und blieb sein Leben lang einer klassizistischen Linie treu, wechselweise mit Anleihen beim Realismus, Naturalismus und Neobarock. Die aufkommenden Neuerungen von Symbolismus und Jugendstil ignorierte er. Richard Häsli meinte 1977 in der NZZ, Albisetti habe seine Werke so gestaltet, «als lebte er im 18. Jahrhundert».[13] Giulio Foletti betonte 2001, Albisetti repräsentiere mit der simplen, leicht verständlichen Bildersprache seiner handwerklich gut gemachten Werke den prüden Geschmack des Kleinbürgertums im 19. Jahrhundert. Gerade darin liege aber seine Stärke, zumal er den Kunstgenuss so breiteren Volksschichten zugänglich machen konnte.[14]

Werke

Hauptwerke

  • 1893: Gipsskulptur Der Kuss (Il bacio), Spazio Albisetti
  • 1896: vier allegorische Sandsteinstatuen im Hauptgebäude der ETH Zürich: Die Naturwissenschaften, Die Ingenieurkunst, Die Land- und Forstwissenschaft, Die Baukunst

Weitere Werke

Literatur

  • Aldo Patocchi (Hrsg.): Il pittore Augusto Sartori e lo scultore Natale Albisetti al Centro internazionale d’arte di Stabio, dal 7 al 31 ottobre 1977. Centro internazionale d’arte, Stabio 1977 (Ausstellungskatalog).
  • Giulio Foletti: Natale Albisetti. In: Arte nell’Ottocento. La pittura e la scultura del Cantone Ticino (1870–1920). Dadò, Locarno 2001, ISBN 88-8281-068-2, S. 93–99.
  • Gianna A. Mina (Hrsg.): Natale Albisetti (1863–1923) scultore. Dai successi parigini ai grandi cantieri svizzeri. UFC, Bern 2023 (Ausstellungskatalog mit einem kritisch-biografischen Aufsatz von Simona Ostinelli).
  • Aurelia Antonini: Stabio e Natale Albisetti. Un percorso tra le opere dello scultore. Museo Vincenzo Vela, 2023 (PDF; 7,6 MB).
Commons: Natale Albisetti – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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