Nathan Gill

britischer Politiker, MdEP From Wikipedia, the free encyclopedia

Nathan Gill (geboren am 6. Juli 1973 in Kingston upon Hull, England) ist ein britischer Politiker von Reform UK (bis 1/2021 Brexit Party) und ehemaliges Mitglied der UKIP. Er war von 2014 bis 2020 Mitglied des Europäischen Parlaments für den Wahlkreis Wales. Am 21. November 2025 wurde er wegen Bestechlichkeit zu einer zehneinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt.

Nathan Gill

Leben

Gill zog als Kind mit seiner Familie nach Anglesey in Wales. Nach seiner Schulausbildung übernahm er den im Bereich der Altenpflege tätigen Betrieb der Familie.

Gill ist verheiratet, seine Frau stammt aus den Vereinigten Staaten.[1] Das Paar hat fünf Kinder. Gill ist bekennendes Mitglied der zum Mormonentum zählenden Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, für die er sechs Jahre lang auf Anglesey als Bischof tätig war.[2]

Politik

Gill war zunächst Mitglied der Conservative Party, trat aber 2005 der UKIP bei. Im August 2013 bewarb er sich im Wahlkreis Anglesey bei einer notwendig gewordenen Nachwahl für einen Sitz in der Nationalversammlung für Wales. Er unterlag dem siegreichen Rhun ap Iorwerth von Plaid Cymru zwar deutlich, erhielt aber 14,32 Prozent der Stimmen – bis dato das beste UKIP-Wahlergebnis bei einer Wahl für das walisische Parlament.[3]

Nachdem Gill als Assistent des Europaabgeordneten John Bufton gearbeitet hatte, bestimmte ihn die Partei nach dessen gesundheitsbedingtem Rückzug für die EU-Wahl 2014 zum Spitzenkandidaten im Wahlkreis Wales.[4] Gill errang eines der vier zu vergebenden Mandate. Er war Mitglied im Ausschuss für Fischerei des EU-Parlaments.

Im Dezember 2014 wurde Gill zum Vorsitzenden des walisischen Landesverbandes der UKIP gewählt. Bei der Wahl im Mai 2016 wurde er in das walisische Parlament gewählt. Er bewarb sich um den Fraktionsvorsitz, unterlag aber gegen Neil Hamilton. Die Entscheidung rief Kritik des damaligen Parteivorsitzenden Nigel Farage hervor. Obwohl Gill im Vorfeld angekündigt hatte, im Falle einer Wahl in die Nationalversammlung seinen Sitz im Europaparlament aufzugeben, rückte er nun von diesem Vorhaben ab.[5] Nachdem ihm die Führung der UKIP einen Ausschluss aus der Partei angedroht hatte, falls er nicht auf eines seiner beiden Mandate verzichten würde, verließ Gill im August 2016 die Fraktion. Zugleich kündigte er an, nun als unabhängiger Abgeordneter im Parlament zu agieren.[6] Im Dezember 2017 gab Gill schließlich seinen Sitz auf; für ihn rückte Mandy Jones nach.[7]

Im Dezember 2018 gab Gill seinen Austritt aus der UKIP bekannt und begründete dies mit einem Kurswechsel der Partei. Sie kümmere sich zunehmend weniger um die Unterstützung des Brexits, stattdessen rücke Islamfeindlichkeit in den Vordergrund. Konkret machte er dies am gestiegenen Einfluss von Tommy Robinson fest.[8] Bei der EU-Wahl 2019 kandidierte Gill für die Brexit Party.[9] Er wurde als Mitglied des Europäischen Parlaments in Wales wiedergewählt.[10]

Gill kandidierte bei der Britischen Unterhauswahl 2019 in Caerphilly und belegte mit 11,2 % der Stimmen den vierten Platz.[11] Am 26. März 2021 wurde Gill zum Vorsitzenden von Reform UK Wales ernannt.[12]

Er war regionaler Listenkandidat bei der Parlamentswahl in Wales 2021 für den Wahlbezirk Nordwales[13], wurde jedoch nicht gewählt.[14]

Kurz darauf trat er aus Reform UK aus.[15]

Verbindungen zu Russland und Bestechungsvorwürfe

Am 24. Februar 2022 begannen russische Streitkräfte auf Befehl von Staatspräsident Putin einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Im März 2023 enthüllte Nation.Cymru, dass Gill zwischen Mai und November 2018 mehrere Treffen mit prorussischen Politikern in der Ukraine und in Moldawien hatte. Organisiert wurden die Treffen von Männern, die beschuldigt wurden Kreml-Agenten zu sein.[16] Nach seiner Rückkehr von diesen Reisen wurde Gill zudem Vorstandsmitglied der von der ukrainischen Regierung geschlossenen Nachrichtenmagazine 112 Ukraine und News One.[16]

Im Februar 2025 erschien Gill vor Gericht und wurde wegen achtfacher Bestechung und eines Anklagepunkts der Verschwörung zur Bestechung angeklagt. Zuvor hatte das Anti-Terror-Kommando der Metropolitan Police seine Aussagen im Europäischen Parlament und gegenüber den Medien über die Ukraine untersucht. Zunächst bestritt er die Vorwürfe. Am 14. März 2025 erschien er im Old Bailey, wo seine Verteidigerin Clare Ashcroft angab, Gill beabsichtige, auf nicht schuldig zu plädieren.[17]

Am 26. September 2025 bekannte sich Gill in allen acht Anklagepunkten der Bestechung zwischen dem 6. Dezember 2018 und dem 18. Juli 2019 schuldig, bestritt jedoch einen Anklagepunkt der Verschwörung zur Bestechung.[18] Das Gericht stellte fest, dass der ukrainische kremlfreundliche Politiker Oleh Woloschyn ihn mindestens acht Mal angewiesen hatte, gegen Bezahlung bestimmte Aussagen abzugeben, die „Russland hinsichtlich der Ereignisse in der Ukraine nützen“ würden, und zwar sowohl im Europäischen Parlament als auch gegenüber prorussischen Nachrichtenagenturen in der Ukraine.[18] Die Staatsanwaltschaft warf Gill vor, er habe zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 1. Februar 2020 mit Woloschin und anderen an einem Bestechungsplan gearbeitet und in diesem Zeitraum „bedeutende Geldbeträge in bar“ erhalten.[18][19] Am 26. September 2025 bekannte sich Gill in acht Fällen der Bestechung schuldig, weil er Zahlungen für pro-russische Aussagen im Europäischen Parlament und in den Medien erhalten habe.[20][21] Die Ermittlungen ergaben, dass er bis zu 40.000 £ über einen Mittelsmann des russischen Geheimdienstes erhalten hatte. Die Bestechungsgelder wurden über den früheren Oligarchen und Freund Wladimir Putins, Wiktor Medwedtschuk gezahlt. Am 21. November 2025 wurde Gill vor dem Old Bailey unter dem Bribery Act wegen Bestechung zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt.[22]

Commons: Nathan Gill – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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