Nellmersbach

ehemalige Gemeinde und Ortsteil von Leutenbach (Württemberg) From Wikipedia, the free encyclopedia

Nellmersbach ist ein Dorf und seit 1975 ein Ortsteil der Gemeinde Leutenbach im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Der Ort gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.

Schnelle Fakten Gemeinde Leutenbach ...
Nellmersbach
Gemeinde Leutenbach
Wappen von Nellmersbach
Koordinaten: 48° 54′ N,  25′ O
Höhe: 301 m ü. NN
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 71397
Vorwahl: 07195
Karte
Lage von Nellmersbach in Leutenbach
Luftbild von Nellmersbach von Erich Merkler (1983)
Luftbild von Nellmersbach von Erich Merkler (1983)
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Ansicht von Nellmersbach aus dem 17. Jahrhundert (aus dem Forstlagerbuch von Andreas Kieser)

Geographische Lage

Der Ortskern von Nellmersbach liegt im Tälchen des Höllachbachs, der bei Leutenbach in den Buchenbachs fließt. Letzterer mündet bei Burgstall in die Murr. Östlich des Orts liegt das Waldgebiet Rothenbühl, welcher den westlichsten Ausläufer des Welzheimer Waldes bildet.

Umliegende Ortschaften sind die zu Backnang gehörenden Weiler Stiftsgrundhof (Oberer-, Mittlerer- und Unterer Stiftsgrundhof) im Norden und Horbach im Nordosten, Hertmannsweiler im Südosten, Winnenden und Leutenbach im Süden, Weiler zum Stein im Westen, der Heidenhof, der Kirschenhardthof sowie Erbstetten im Nordwesten.

Unmittelbar östlich des Orts führt verläuft die Trasse der Bundesstraße 14n nach Backnang.

Gliederung der Altgemeinde

Zur Altgemeinde Nellmersbach gehörte alleine das gleichnamige Dorf.

Wüstungen

Östlich von Nellmersbach lag die im Mittelalter abgegangene Siedlung Rothenbühl, die nicht genau lokalisierbar ist.

Geschichte

Antike

Während der römischen Herrschaft gehörte das spätere Gemeindegebiet von Nellmersbach zum Dekumatland (Agri decumates) und damit zur römischen Provinz Obergermanien (Germania superior). Mit dem Limesfall wurde das Gebiet von den Alemannen erobert und besiedelt.

Mittelalter

Nellmersbach wurde erstmals im Jahr 1071 unter dem Namen Nitmaresbach erwähnt.[1][2] Nach dem Historiker Lutz Reichardt ist der Ortsname wohl auf einen germanischen Personennamen zurückzuführen. Der Name bedeutet also Siedlung am Bach des Nidmar. Möglicherweise war dieser Mann der Grundherr oder erster Einwohner des Orts. Weitere Namensvarianten sind Nedemarsbach (1245),[3] Nelmarsbach (1304), Nelmerspach (1442) und Nellmersbächle (1686).[1]

Ursprünglich gehörte Nellmersbach der Abtei Altenmünster, dem überlieferten Vorgängerkloster des Klosters Lorsch. 1245 wird Nellmersbach im Besitz der Augustiner-Chorherren vom Stifts Backnang erwähnt.[3] Später gehörte der Ort wohl den Schenken von Weinsberg, die ihn 1325 zusammen mit Burg Altwinnenden und der Stadt Winnenden an das Haus Württemberg veräußerten.[2] Seitdem gehörte Nellmersbach zum Herrschaftsgebiet Altwürttemberg.

Neuzeit

1535 führte Erhard Schnepf im Auftrag von Herzog Ulrich die Reformation im nördlichen Württemberg ein. Damit trat die ganze Einwohnerschaft des Dorfs zur evangelisch-lutherischen Konfession über.

Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618 bis 1648) hatte Nellmersbach wie die ganze Region unter den Kriegsfolgen (Einquartierungen, Plünderungen, Vertreibungen) zu leiden. Mit den Söldnern wurde die Pest und andere Krankheiten eingeschleppt. Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 besserte sich die Lage zunächst, jedoch wurde die Gegend während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–1697) von den Truppen des Sonnenkönigs unter dem Grafen Mélac erneut verwüstet. Bei dem Marsch der Franzosen von Heidelberg ins mittlere Neckargebiet zerstörten die Franzosen Backnang am 23. Juli 1693 und zogen nach Winnenden weiter. Dabei wurde auch das Dorf Nellmersbach niedergebrannt. Der Wiederaufbau zog sich weit bis ins 18. Jahrhundert.

Seit 1802 gehörte Nellmersbach zum Oberamt Waiblingen. Im 19. Jahrhundert lebten die Einwohner von Ackerbau, Viehzucht und von ein wenig Weinbau. Der einzige Weinberg war der Rothenbühl[4]. Man pflanzte auf den Südhängen des Rothenbühls hauptsächlich die Weißweinsorten Silvaner, Elblinge und Gutedel.[3] Man betrieb außerdem Obstbau und pflanzte Hanf an.[2] Gänse und Hühner wurden aufgezogen und nach außen abgesetzt. Es gab einen Gemeindeschäfer. Außer ein paar Töpfereien war das Handwerk unbedeutend.[3]

1847 erhielt Nellmersbach eine Dorfschule.[5] Mit der Fertigstellung der Murrbahn 1866 erhielt Nellmersbach einen Bahnhof.

Während des Ersten Weltkriegs wurde der Weinbau in der Gemeinde aufgegeben. In der NS-Zeit wurde das Oberamt Waiblingen 1938 in Landkreis Waiblingen umbenannt.

Im Zweiten Weltkrieg blieb Nellmersbach lange verschont. Erst Ende April 1945 kam es zu Kampfhandlungen zwischen der Deutschen Wehrmacht und er US Army, die aus Richtung Backnang nach Winnenden vorstießen. Dabei kam es am 21. April im Nachbarort Hertmannsweiler zu Kämpfen mit Toten und Verletzten.

Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Nellmersbach zur Amerikanischen Besatzungszone. Der Ort wuchs durch Aufnahme von vielen Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten des Deutschen Reichs und den Gebieten des ehemaligen Doppelmonarchie Österreich-Ungarn stark an. Dadurch entstanden einige Neubaugebiete. Um den Bahnhof herum siedelten sich Ende der 1960er Jahre Industrie- und Gewerbebetriebe an. Nellmersbach wandelte sich von einer Bauerngemeinde zu einer Pendlerwohngemeinde.[2]

In den 1970er Jahren strebte die Regierung Filbinger die Auflösung von kleineren Gemeinden und die Bildung größerer und leistungsstärkerer Kommunen vor. Die neuen Gemeinden sollten eine Mindestgröße von 5000, möglichst aber eine Größe von 8000 Einwohnern haben. Dies bedeutete für die Gemeinde Nellmersbach zwangsläufig das Aus. Man entschied sich daher, mit Leutenbach und Weiler zum Stein über die Bildung einer neuen Gemeinde zu verhandeln. Am 1. Januar 1975 entstand die neue Großgemeinde Leutenbach.

Einwohnerentwicklung

  • 1850: 381 Einwohner (alle evangelischer Konfession)[5]
  • 1886: 380[6]

Religion

Seit der Einführung der Reformation unter Herzog Ulrich ist Nellmersbach wie ganz Altwürttemberg evangelisch geprägt. Kirchlich gehörte Nellmersbach zunächst zu Winnenden. Die Betreuung der Gemeinde übernahm ein Diakon aus Winnenden.[7] Nach der Errichtung der Pfarrei Leutenbach wurde der Ort dorthin eingepfarrt. 1962/63 erhielt Nellmersbach eine eigene Kirche. Die wenigen römisch-katholischen Christen sind zumeist nach dem Zweiten Weltkrieg zugezogen und werden von Winnenden aus seelsorgerisch betreut.[8]

Politik

Ehemaliges Gemeindewappen

Wappen und Flagge

Die Altgemeinde Nellmersbach führte ein Gemeindewappen und eine Flagge.

Die Blasonierung des ehemaligen Gemeindewappens lautet: Auf gelbem (goldenem) Wappenschild eine aufgerichtete, schwarze Armbrust mit einem nach links weisenden Abzugsbügel.

Die Gemeindefarben waren Gelb-Schwarz.

Mit der Auflösung der Gemeinde Nellmersbach im Zuge der baden-württembergischen Gemeindegebietsreform ist das Wappen 1975 erloschen. Es kann jedoch weiterhin von ortsansässigen Vereinen und Privatpersonen zur Traditionspflege benutzt werden, etwa als Abzeichen, Autoaufkleber oder als Wimpel.

Ortsneckname

Die Einwohner von Nellmersbach wurden in früheren Zeiten von den Bürgern der umliegenden Ortschaften scherzhaft Gäs (Gänse) genannt.[2]

Bilder aus Nellmersbach

Literatur

  • Rudolph Friedrich von Moser: Beschreibung des Oberamts Waiblingen. Verlag J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1850, S. 178f.
  • Horst Lässing (Hrsg.): Der Rems-Murr-Kreis. Konrad-Theiss-Verlag, Aalen 1980, ISBN 3-8062-0243-5, S. 292.
  • Waldemar Lutz, Erich Scheible (Hrsg.): Kennzeichen WN. Heimatkunde für den Rems-Murr-Kreis. Verlag Waldemar Lutz Lörrach und Ernst Klett Schulbuchverlag, Stuttgart und Lörrach 1990, ISBN 3-12-258290-2.
  • Lutz Reichardt: Ortsnamenbuch des Rems-Murr-Kreises. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1993, ISBN 3-17011967-2.
Commons: Nellmersbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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