Nephrotoxin

Giftige Substanzen, die die Niere schädigen From Wikipedia, the free encyclopedia

Unter Nephrotoxinen (oder Nierengiften) versteht man giftige Substanzen (altgriechisch τοξικόν toxikón, deutsch Gift [womit man die Pfeile bestrich], Toxine), die speziell die Zellen der Niere (altgriechisch νεφρός nephrós) schädigen und im schlimmsten Fall zum Ausfall (Urämie) führen.[1][2][3]

Erklärung

Meistens handelt es sich dabei um nephrotoxische Medikamente. Auch in der industriellen Verwendung benutzte Chemikalien wie Ethylenglycol (Frostschutz, Enteisung) oder Quecksilbersalze können oral aufgenommen zur Urämie führen. Nephrotoxine biologischen Ursprunges (Pilzgifte, Schlangengifte, Bakterientoxine) sind im Gegensatz zu Leber- und Nervengiften selten.[A 1] Ein wichtiges Beispiel ist die akute tubuläre Nekrose, die sowohl durch Toxine wie auch durch eine Ischämie ausgelöst werden kann.[4][5][6] Davon zu unterscheiden sind die Urämietoxine, diese Metaboliten stauen sich im Endstadium der Niereninsuffizienz im Körper zurück, schädigen hier mehrere Organe und verursachen die Symptome der Urämie.

Die Nephrotoxizität oder Nierengiftigkeit der einzelnen Giftstoffe hängt von ihrer Konzentration im Gewebe ab. Hinsichtlich der Dosierung möglicherweise nephrotoxischer Medikamente siehe im Internet zum Beispiel unter www.dosing.de. Unter der Nephrotoxis versteht man die Schädigung aller Tubuli in ihren proximalen Abschnitten infolge einer Vergiftung der Epithelien zum Beispiel durch Sublimat.[7]

Einteilung der Nierengifte

Zu den Nierengiften zählen Mykotoxine, Schwermetalle, Chromate, Arsen, Antimon, organische Lösungsmittel, einige Antibiotika, Steroide, Phenylbutazon und einige Kontrastmittel. Vor allem Phenacetin und Paracetamol können (besonders in kombinierter langjähriger Einnahme) eine sogenannte Analgetikanephropathie verursachen. Insgesamt gelten die nichtsteroidalen Antirheumatika (heute vor allem Diclofenac) als nierentoxisch.

Als Nephrotoxine werden aber auch bakterielle oder nicht-bakterielle Antigene bezeichnet, die zur Bildung von Antikörpern beziehungsweise Immunkomplexen führen, die ihrerseits eine Glomerulonephritis auslösen und so die Nieren schädigen können.

Die endogenen und exogenen Nierengifte können wie folgt eingeteilt werden:[8]

Pathogenese

Definitionsgemäß verursachen die Nephrotoxine eine Nierenkrankheit (Nierenschädigung, Nephropathie). Nicht jede Niereninsuffizienz beruht auf einer Nierenkrankheit. Die Urämietoxine verursachen dagegen eine Niereninsuffizienz, aber nicht notwendig auch eine Nierenkrankheit. Die extrarenalen Nierensyndrome nach Wilhelm Nonnenbruch beschreiben die Niereninsuffizienz ohne Nierenkrankheit. Das sind zum Beispiel das Kardiorenalsyndrom oder das Hepatorenalsyndrom.

Medizingeschichte

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts zählte man zu den Nierengiften ausschließlich biologische Toxine: „In der Mehrzahl der Fälle dürfte der Gang der Dinge wohl so sein, daß die Giftstoffe der Bakterien die akute Nierenentzündung erzeugt haben.“[13] Diese Nephrotoxine (oder Nierengifte) waren bakterielle oder nichtbakterielle Antigene, die zur Bildung nephrotroper Antikörper führen, diese im Bereich der Basalmembranen binden und so eine Glomerulonephritis auslösen[14] sollen.

Später gab es eine umfangreiche Forschung zur „Immunologie der experimentellen Nephropathie“, hier insbesondere zur akuten Nephrotoxin-Nephritis.[15] Zu „den Nephrotoxinen, die zur akuten Niereninsuffizienz führen und deren Aktion möglicherweise reversibel ist, gehören das Quecksilber-Bichlorid, Wismut, Blei und gewisse Sulfonamide.“[16]

Heute spricht man dagegen von der Nephrotoxizität körperfremder Agentien[17] oder sonstiger „nierenschädigender Substanzen“.[18]

Literatur

  • Volker Kliem, Gerhard Lonnemann, Jörg Radermacher, Reinhard Richard Brunkhorst: Durch Nephrotoxine verursachte tubulointerstitielle Nephropathien. In: Karl-Martin Koch (Hrsg.): Klinische Nephrologie. 1. Auflage, Verlag Urban & Fischer, München / Jena 2000, ISBN 3-437-21730-5, S. 240–259
  • Die akuten toxischen Nephropathien. In: François Reubi: Nierenkrankheiten. Verlag Hans Huber, 3. Auflage, Bern / Stuttgart / Wien 1982, ISBN 3-456-81140-3, S. 396–401

Siehe auch

Einzelnachweise

Anmerkungen

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