Dassault Neuron

unbemannte Tarnkappen-Kampfdrohne From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Dassault Neuron (auch „nEUROn“) ist eine unbemannte, selbständig agierende Tarnkappen-Kampfdrohne. Das Projekt dient der Demonstration möglicher Technologie-Anwendungen und hat nicht die Serienproduktion zum Ziel. Dassault Neuron dient zusammen mit dem BAE Taranis als Technologieträger für das Future Combat Air System.[1]

Schnelle Fakten Neuron ...
Dassault Neuron

Mock-up einer Neuron auf der Pariser Luftfahrtschau 2013
TypTarnkappen-Kampfdrohne
Entwurfsland

Frankreich Frankreich(Federführer) Griechenland Griechenland Italien Italien Spanien Spanien Schweden Schweden Schweiz Schweiz

Hersteller Dassault Aviation (Federführer)

Saab AB Leonardo S.p.A. Airbus Defence and Space Hellenic Aerospace Industry RUAG

Erstflug 1. Dezember 2012
Indienststellung In der Flugerprobung
Stückzahl 1
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Entwicklung

1999 startete Dassault sein LOGIDUC-Stealth-UCAV-Programm, auf dem das Neuron-Projekt basiert. Die erste Phase des LOGIDUC-Programms war die Dassault AVE-D Petit Duc. Dabei handelt es sich um die erste europäische Tarnkappendrohne, die am 18. Juli 2000 erstmals flog. Ihr folgte ein Jahr später die Dassault AVE-C Moyen Duc, die Phase zwei der LOGIDUC-Studie darstellt. Beide Drohnen wogen weniger als 100 kg und hatten keine Zuladungskapazität.

Die dritte Phase, die zunächst „Grand Duc“ hieß, war praktisch eine reine Skalierung der zweiten Phase auf eine Größe mit einer ausreichenden Leistungsfähigkeit für Luft-Boden-Angriffe. Als dieses Vorhaben teurer als zunächst geplant wurde, begann Dassault mit der Suche nach Partnerfirmen. Dabei wurde der Name der dritten Phase „Grand Duc“ in nunmehr „Neuron“ geändert, da dieser einen europäischeren Klang hatte. Im Jahr 2003 kündigte die französische Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie das Versuchsprojekt Neuron am Luftfahrtsalon von Paris an.[2] Ziel sei die Erforschung unbemannter, militärischer Luftfahrttechnologie, die für die strategischen Anforderungen des 21. Jahrhunderts benötigt würden. Die Verträge mit dem Hauptauftragnehmer Dassault[3] wurden 2005 unterzeichnet, ein Joint-Venture der französischen Gruppen EADS Frankreich, Dassault Aviation und Thales Group gebildet und ein Erstflug um 2010 angestrebt. Im Hauptvertrag war fest gehalten, dass Dassault 50 Prozent des Arbeitswertes an europäische Partner vergeben müsse.[4] Allerdings gelang es nicht, die beiden erhofften Partner Großbritannien und Deutschland für das Projekt zu gewinnen. Großbritannien war teilweise bereits in die US-amerikanischen UCAV-Programme involviert. Außerdem befand sich in Großbritannien mit der BAE Taranis bereits ein sehr ähnliches Programm in der Entwicklung. Deutschland war dagegen nicht bereit, die finanziellen Risiken mitzutragen.

Konsortium

An dem Projekt im Umfang von 400 Millionen Euro beteiligen sich weitere europäische Firmen wie SAAB (Schweden), HAI (Griechenland), Alenia (Italien), EADS CASA (Spanien) und RUAG Aviation (Schweiz).[5] Die Aufgabenverteilung im Produktionskonsortium wurde hierbei, neben der Führung durch Frankreich, wie folgt aufgeteilt:

Als Folge des Joint-Ventures wurde die HALE-Studie von EADS in die Neuron-Entwicklung integriert.

Organisation und Beteiligte

Die DGA fungierte als alleinige Auftraggeberin und vergab den Hauptauftrag an Dassault Aviation, das etwa 50 % der Entwicklungsarbeit selbst durchführte und die restlichen 50 % an fünf industrielle Partner aus Italien, Schweden, Spanien, Griechenland und der Schweiz verteilte.[9]

Die Auswahl der Partner erfolgte nach Kriterien wie technologischer Exzellenz und nachgewiesener Expertise in Schlüsseltechnologien. Die Hauptbeteiligten und ihre Aufgabenbereiche waren:

  • Alenia Aeronautica (Italien, heute Leonardo): Mit einem Anteil von 25 % am Gesamtprogramm war Alenia der größte internationale Partner. Das Unternehmen brachte seine Erfahrung aus dem UAV-Prototypen Sky-X ein und verantwortete die Entwicklung der Flugsteuerung sowie der Avionik.
  • SAAB (Schweden): Fokussiert auf Stealth-Technologien und die Integration von Sensoren für autonome Missionen.
  • Airbus-CASA (Spanien): Beitrag zur aerodynamischen Gestaltung und Struktur des Flugzeugs.
  • Hellenic Aerospace Industry (Griechenland): Fertigung und Montage von Komponenten.
  • RUAG (Schweiz): Entwicklung struktureller Bauteile und Unterstützung bei der Systemintegration.

Die Zusammenarbeit erfolgte in einer virtuellen Entwicklungsplattform (PLM, Product Lifecycle Management), die eine effiziente Koordination zwischen den Standorten ermöglichte.[9]

Technische Meilensteine

nEUROn war das erste militärische Flugzeug, das vollständig in einer virtuellen Umgebung entworfen und getestet wurde. Zu den wichtigsten Errungenschaften zählten:

  • Durchführung autonomer Luft-Boden-Missionen, einschließlich Zielerkennung und Waffeneinsatz aus einem internen Waffenschacht.[9]
  • Erprobung der Stealth-Eigenschaften in einer anechoischen Kammer der DGA, um die Radarsignatur zu minimieren.[10]
  • Demonstration der Fähigkeit, unter realistischen Bedingungen mit kurzen Reaktionszeiten zu operieren.

Bedeutung und Nachfolgeprojekte

Die im Rahmen von nEUROn entwickelten Technologien fließen in Nachfolgeprojekte wie das Future Combat Air System (FCAS) und die Entwicklung von Begleitdrohnen für den Rafale-Jäger ein.[11] Das Programm gilt als Beispiel für eine erfolgreiche, kompetenzbasierte Aufgabenverteilung.

Konstruktion

Die Form der Neuron erinnert an den Bomber Northrop B-2, der ebenfalls als Nurflügler ausgelegt ist; der Triebwerkeinlass befindet sich auf der Rumpfoberseite. Als UCAV hat die Neuron eine deutlich größere Nutzlast als andere UAV-Systeme wie die MQ-1 Predator. Der Antrieb erfolgt durch ein Turbofan-Triebwerk Rolls-Royce Turboméca Adour Mk. 951.[12] Im Vergleich zu den US-amerikanischen Drohnen des J-UCAS-Programms – der X-45C Spiral und X-47B Pegasus – ermöglicht dies der Neuron eine deutlich höhere Leistungsfähigkeit. Bisher gibt es keine Angaben zur Avionik der Neuron. Die Anforderungen an diese müssen allerdings recht hoch sein, um die geforderten autonomen Luft-Boden-Angriffe mit Präzisionbomben durchführen zu können.

Erprobungsprogramm

Am 19. Januar 2012 wurde der erste Prototyp der Drohne offiziell vorgestellt. Der Erstflug vom Luftwaffenstützpunkt Istres fand am 1. Dezember 2012 statt.[13] Mit dem 100. Flug am 26. Februar 2015 wurde das staatliche Flugtestprogramm des französischen Verteidigungsministeriums abgeschlossen. Untersucht wurden dabei Radarrückstrahlfläche und Infratrotsignatur des Flugzeuges.[14] Die Erprobung wurde in Italien und bis September 2015 in Schweden in weiteren 23 Flügen abgeschlossen. Nach dem bereits im März 2014 der Formationsflug mit einer Rafale und einer Falcon 7X getestet wurde, wurde die Drohne im Juni 2016 bei einem Flugtag im französischen Testzentrum Istres im Formationsflug vor Publikum in 150 m Höhe bei einer Geschwindigkeit von 350 km/h vorgeführt.[15]

Technische Daten

Weitere Informationen Kenngröße, Daten ...
KenngrößeDaten[12]
Besatzung
Länge9,50 m
Spannweite12,50 m
Höhe
Leermasseetwa 4500 kg
max. Startmasse6000–6500 kg
Höchstgeschwindigkeit0,8 Mach
Dienstgipfelhöhe
Reichweite
Triebwerkeein Rolls-Royce Turboméca Adour Mk. 951; 28,89 kN
BewaffnungAbwurfwaffen in internen Bombenschacht
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Siehe auch

Literatur

  • Pierre Moschetti, Jean-Pierre Devaux: NEURON – The European UCAV Demonstrator. Ins Engl. übersetzt und erweitert von Nicolas von Kospoth; In: Military Technology. Ausgabe 10/2004, S. 58.
Commons: Dassault nEUROn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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