Neuschöntal

Wohnplatz der Großen Kreisstadt Backnang im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis From Wikipedia, the free encyclopedia

Neuschöntal (früher auch Knappsche Mühle oder Neuschönthal)[1] ist ein Wohnplatz der Großen Kreisstadt Backnang im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Die Siedlung ging aus einer 1836 erbauten Metallwarenfabrik und Kunstmühle hervor.

Schnelle Fakten Gemeinde Backnang ...
Neuschöntal
Gemeinde Backnang
Koordinaten: 48° 56′ N,  24′ O
Vorwahl: 07191
Bild von Neuschöntal
Schließen
Johann Michael Knapp, Gründer von Neuschöntal (Gemälde von Franz Seraph Stirnbrand, 1850)

Geographische Lage

Neuschöntal liegt knapp zwei Kilometer südwestlich des Bahnhofs von Backnang und einen Kilometer südlich von Oberschöntal rechts des Flusses in einer Schleife der Murr. Weitere umliegende Ortschaften sind Germannsweiler im Osten und Erbstetten im Südwesten, beide jenseits der Murr.

Geschichte

Neuschöntal verdankt seine Entstehung dem württembergischen Landesbaumeister Johann Michael Knapp aus Ludwigsburg, der ab 1836 an der Stelle einen Eisenhammer und ein Walzwerk für seinen Bruder errichtete. 1839 waren die Gebäude weitgehend fertiggestellt. Neben dem Eisenhammer errichtete Knapp anschließend noch eine Kunstmühle. Knapp begründete dies mit der Feststellung, dass die Metallfabrik die Wasserkraft nicht voll ausnutzen konnte. Sowohl das Eisenwerk als auch die Kunstmühle befanden sich im Eigentum der Gebrüder Knapp. Später diente die Mühle als Obst-, Getreide- und Sägemühle, als Futterschneide und als Elektrizitätswerk. 1843 stellte Johann Michael Knapp den Antrag, seiner neuen Fabrik den Namen Neuschöntal geben zu dürfen. Die Oberschöntaler protestierten vergeblich dagegen.[2]

Am 28. Februar 1968 wurde der Betrieb der Mühle eingestellt. Bis 1977 diente die Mühle als Wohnheim für Obdachlose und sozial schwache Menschen. Im Juli 1977 wurden die Mühle und alle Nebengebäude abgerissen.

Heutige Nutzung

Heute befinden sich auf dem Gelände mehrere kommunale Anlagen.

Kläranlage

In Neuschöntal befindet sich heute einem fünf Hektar großen Areal die Hauptkläranlage der Stadt Backnang.[3] Die Anlage wurde in den Jahren 1979 bis 1990 erbaut.[4] Ursprünglich wurde sie stark überdimensioniert konzipiert, um die hochbelasteten Industrieabwässer der damals ansässigen Backnanger Lederindustrie verarbeiten zu können. Heute reinigt die Anlage überwiegend häusliches Abwasser. Sie wurde auf bis zu 67.000 Einwohnerwerte ausgelegt.[5]

Im Mai 2012 wurde in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kläranlage eine Klärschlammtrocknungsanlage in Betrieb genommen. Diese wurde von einer eigens gegründeten GmbH betrieben, in der sich Backnang mit zwölf weiteren Kommunen und Zweckverbänden zusammengeschlossen hatte. Das Konzept sah vor, die Anlage mit der verfügbaren Abwärme der benachbarten Biovergärungsanlage zu betreiben. Das Projekt scheiterte jedoch nach wenigen Jahren, da es häufige technische Ausfälle gab und das Finanzamt die kostenlose Abgabe der Abwärme untersagte. Ende 2019 kündigte die Stadt Backnang die Kooperation auf und stieß die Anlage ab.[6]

Aufgrund ihres Alters wies die Kläranlage bauliche und technische Mängel auf. Ein Gutachten bestätigte einen umfassenden Modernisierungsbedarf. Die Stadt Backnang beschloss daraufhin eine Sanierung im laufenden Betrieb mit einem Investitionsvolumen von über 20 Millionen Euro.[7][8]

Die in drei Bauabschnitte gegliederte Maßnahme dient der baulichen und technischen Erneuerung sowie der Anpassung an künftige gesetzliche Anforderungen. Zudem soll die Energieeffizienz der Anlage verbessert werden.[4][8]

Biovergärungsanlage

In direkter Nachbarschaft zur Kläranlage errichtete der Rems-Murr-Kreis zwischen 2010 und 2011 eine kreiseigene Biovergärungsanlage. In der Anlage werden jährlich rund 40.000 Tonnen Bioabfälle und Grünschnitt aus dem gesamten Landkreis verwertet. Durch den Vergärungsprozess wird Biogas erzeugt, das über zwei Blockheizkraftwerke jährlich rund 10 Millionen Kilowattstunden Strom sowie 10 Millionen Kilowattstunden Wärme produziert. Mit dem erzeugten Strom können etwa 3.000 Haushalte versorgt werden. Als Nebenprodukte der Vergärung entstehen zudem jährlich über 15.000 Tonnen Flüssigdünger und rund 10.000 Tonnen Kompost.[9][10]

Literatur

  • Gerhard Fritz, Helmut Glock, Walter Wannenwetsch: Die Mühlen im Rems-Murr-Kreis. Band 2. Verlag Manfred Hennecke, Remshalden-Buoch, ISBN 3-927981-49-4, S. 130–131.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI