Neustart (Computer)
Prozess, bei dem ein Computer neugestartet wird
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Einsatzbereich
Das Neustarten ist erforderlich, wenn:
- neue Software installiert wurde (das ist vom jeweiligen Programm abhängig, kommt vor allem unter Windows-Betriebssystemen vor);
- das Betriebssystem eine Aktualisierung bekommen hat, die sich im laufenden Betrieb nicht einbinden lässt;
- Gerätetreiber installiert wurden (nachdem neue Geräte oder Hardware angeschlossen wurde; ebenfalls hauptsächlich unter Windows-Betriebssystemen);
- ein laufendes Programm abgestürzt ist und das System blockiert;
- das Betriebssystem selbst abstürzt und zurückgesetzt werden muss;
- ein anderes Betriebssystem hochgefahren werden soll (z. B. auf Mehrfachstartsystem oder von einem externen Datenträger).
Ein Neustart ist mit dem Verlust von allen im Arbeitsspeicher befindlichen Daten und darüber hinaus meistens auch aller nur in den temporären Dateien eines Programms vorhandenen Daten verbunden, sofern sie nicht mehr in eine dauerhafte Datei geschrieben werden können. Daher ist es sinnvoll, ihn bei Störungen möglichst zu vermeiden. Durch die in modernen Betriebssystemen verwendeten Speicherschutzmechanismen gibt es dazu heutzutage viele Möglichkeiten, die oft zum Erfolg führen. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen z. B. für den korrekten Betrieb des Systems notwendige Bestandteile der Software beschädigt, verändert oder aus dem Arbeitsspeicher entfernt wurden. In solch einem Fall ist ein Neustart zwingend erforderlich.
Bei einem vorhersehbaren Neustart, z. B. nach einer Treiberinstallation, ist es daher dringend geboten, andere Programme rechtzeitig zu beenden und dass unmittelbar vor dem Neustart vom auslösenden Programm ein Bestätigungsdialog angezeigt wird.
Arten
Ein Neustart kann oft mit unterschiedlichen Methoden bewerkstelligt werden. Meist bietet die Systemfirmware eine Neustart-Funktion, manchmal kann aber auch das Betriebssystem (bzw. dessen Kernel) selbst einen Prozessor-Reset durchführen.[1]
Es gibt Systeme mit unterschiedlichen Neustart-Prozeduren in der Firmware. Beispielsweise besitzt das BIOS des IBM PC von 1981 eine Logik für zwei unterschiedliche Neustarts. Im Regelfall wird ein „warmer“ Neustart ausgeführt, bei dem BIOS-basierte IBM-PC-kompatible Computer eine verkürzte Boot-Prozedur durchlaufen. Der markanteste Unterschied zum Kaltstart ist dabei ein verkürzter Power On Self-Test (POST), indem u. a. die Überprüfung des Hauptspeichers (RAM) übersprungen wird. Die andere Art ist ein „kalter“ Neustart (cold restart): obwohl das System dabei nicht, wie bei einem echten Kaltstart (cold start) vom ausgeschalteten Zustand startet, sondern bereits läuft, wird hier der vollständige POST durchgeführt – gleich, wie auch beim Einschalten des Rechners.[2][3][4]
Eine sehr schnelle Art des Neustarts ist die komplette Umgehung einer darüber liegenden Neustart-Prozedur, indem jene Komponente, die den Neustart durchführt, einfach nochmals dort beginnt, wo sie auch beim regulären Startvorgang zu laufen beginnt. Beispielsweise kann der laufende Betriebssystem-Kernel, statt das gesamte System neu zu starten, einen neuen (denselben, einen aktualisierten, oder einen gänzlich anderen) Kernel direkt laden und die Kontrolle übergeben. Der den Neustart initiierende Kernel wird dadurch beendet. Der neu geladene startet das System dann genau gleich wie auch nach dem Einschalten des Computersystems, wenn er das erste Mal geladen wird.[5][6] Ein anderes Beispiel sind Unix-init-Systeme: so kann sich beispielsweise systemd selbst in gleicher Weise neu starten, wobei hier selbst der Neustart des Kernels umgangen wird.[7] Dies wird auch manchmal als „soft reboot“ (übersetzt in etwa „sanfter Neustart“) bezeichnet.
Ein „kalter“ Neustart bzw. cold reboot ist in dem Sinn anders als ein Kaltstart, als dass bei letzterem der Rechner wirklich abgeschaltet sein muss. Um bei einem System also einen echten Kaltstart durchzuführen, muss dieses heruntergefahren und ausgeschaltet werden. Wird das System nun wieder eingeschaltet, so spricht man von einem Kaltstart. Manchmal lassen sich Fehler nur so beheben.[8]
Funktionsweise
Ein Neustart kann durch manuelle Eingabe per Maus oder Tastatur oder durch laufende Programme (z. B. das Betriebssystem) ausgelöst werden.
Beispiele für manuelle Auslösung sind:
- Auf PC-kompatiblen Systemen kann mit der Tastenkombination Strg + Alt + Entf – dem sogenannten Klammergriff – ein warmer Neustart ausgelöst werden. Diese Funktion ist im PC-BIOS implementiert, die Kontrolle kann vom jeweiligen Betriebssystem jedoch auch übernommen und die Funktion somit unterbunden werden. (Unter Windows NT z. B. führt die Tastenkombination zu einem Menü, das es u. a. erlaubt, den Task-Manager auszuführen.)
- Unter Windows durch Auswahl der Option
Neu startenim Dialog zum Herunterfahren des Systems. Durch Aufruf vonshutdown.exe(XP und neuer) bzw.rundll32.exe(NT bis 2000) ist das Auslösen eines kontrollierten Neustarts auch auf der Eingabeaufforderung möglich. - Auf Macs kann ein Neustart mit der Tastenkombination Strg + ⌘ + ⏻ ausgelöst werden, allerdings ist die Power-Taste nur auf älteren Mac-Tastaturen vorhanden.
Beispiele für einen Neustart über einen Systembefehl:
- viele Unix-Systeme, z. B. FreeBSD, HP-UX, Linux, macOS, bieten einen der folgenden Shell-Befehle (teils müssen die Befehle mit
sudoausgeführt werden):- auf Systemen mit SysVinit als init-System ist es meist üblich, dass Runlevel 6 den Computer neu startet:
init 6 shutdown, meist mit den Parameter-rfür „reboot“ und einer Zeitangabe, z. B.shutdown -r nowoder (unter HP-UX)shutdown -r -y nowreboot[9][10]- systemd kann mit
systemctl rebooteinen Neustart einleiten;systemctl kexecnützt den kexec-Befehl, um einen neuen Kernel zu starten und umgeht somit die Systemfirmware; mitsystemctl soft-rebootwird nur das init-System neu gestartet (der Kernel bleibt geladen)
- auf Systemen mit SysVinit als init-System ist es meist üblich, dass Runlevel 6 den Computer neu startet:
- OpenVMS:
@SYS$SYSTEM:SHUTDOWN - Windows:
shutdown -r -f -t 0[11]
Herunterfahren
Der erste Teil eines Neustarts besteht im Herunterfahren (Shutdown) des laufenden Systems. Dabei werden alle geöffneten Anwendungen geschlossen (Mnemonik: Close bzw. Terminate, der Befehl, alle Datenträger- und Protokollzugriffe freizugeben, und Kill, das Beenden der Anwendung selbst) und das Betriebssystem analog beendet.
Wenn dies durch blockierende Anwendungen nicht mehr möglich ist, bleibt meist nur noch die Variante, den Reset-Knopf am Rechner zu drücken, der bei modernen Computern immer häufiger fehlt. Dadurch wird ein sofortiger Abbruch aller Prozesse und sofort mit dem Hochfahren (s. u.) begonnen.
Unter Linux (zum Teil auch bei UNIX-Varianten) kann in einer solchen Situation oft noch der Magische S-Abf-Taste helfen, den PC neu zu starten, ohne das Dateisystem zu beschädigen oder den Reset-Knopf am Rechner selbst zu drücken.
Hochfahren
Der danach folgende zweite Teil des Neustarts entspricht dem Hochfahren (Booten) eines Rechners, wenn dieser ausgeschaltet war (Kaltstart, auch Reset). Bei PCs mit BIOS werden nicht alle Routinen erneut ausgeführt; in einigen seltenen Fällen ist deshalb ein Kaltneustart, also ein Herunterfahren und erneutes Hochfahren des Rechners nötig. Unter Windows-Betriebssystemen passiert das über einen dafür eingerichteten Interrupt mit der Kennung Int 19h.
Siehe auch
- Energieeinsparung#Computer, Unterhaltungselektronik und Kleingeräte – Inaktivitätsmodi, die nicht unbedingt einen Neustart erfordern