Neustift (Freising)
Ortsteil der Stadt Freising im oberbayerischen Landkreis Freising
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Neustift ist ein im Nordosten des geschlossenen Stadtgebietes gelegener Stadtteil der Großen Kreisstadt Freising im oberbayerischen Landkreis Freising.
Neustift Stadt Freising | |
|---|---|
| Koordinaten: | 48° 24′ N, 11° 45′ O |
| Einwohner: | 6963 (1. Juli 2024)[1] |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1905 |
| Postleitzahl: | 85356 |
| Vorwahl: | 08161 |
Geschichte
Durchgeführte Grabungen zeigten schon eine befestigte Höhensiedlung der Hallstattzeit. Das St. Peter und Paul geweihte Prämonstratenserkloster in Neustift wurde 1141 durch Bischof Otto I. von Freising mit Unterstützung der Markgrafen von Österreich als Nova Cella gegründet. Es handelte sich um ein Doppelkloster mit angeschlossenem Hospital. Bereits 1143 war der Bau der Klosterkirche Peter-und-Paul beendet und die päpstliche Bestätigung der Probstei lag vor.[2] Um dem Klosterkomplex bildete sich eine kleine Ortschaft. Der Ort Neustift gehörte zum Hochstift und wurde von Vögten verwaltet. Als Vögte wurde von Bischof Otto das Geschlecht der Fraunhofer ausgewählt. Wie beim Kloster Weihenstephan konnten auch hier die Wittelsbacher im 14. Jahrhundert die Vogtei an sich reißen und das Kloster 1353 aus dem Freisinger Burgfrieden ausgliedern, obwohl es ringsum vom Hochstift umgeben und nur durch eine Straße mit dem Herzogtum Niederbaiern verbunden war. Neustift wurde zu einer Klosterhofmark mit eigener niederen Gerichtsbarkeit. 1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgelöst und diente von 1803 bis 1905 als Kaserne. 1906 veräußerte der Staat die Gebäude an die Stadt Freising. Diese verkaufte sie am 12. Juli 1906 für 60.000 Mark weiter an den Tuchfabrikanten Carl Feller.[3] Die Fabrik Loden Feller existierte bis 1971; es waren auch Wohnungen und Büroräume untergebracht. Seit 1987 ist Neustift Sitz des Landratsamts Freising. Der ehemalige Festsaal des Klosters ist heute Sitzungssaal des Kreistags.
Die 1818 gegründete Gemeinde Neustift umfasste auch die heutigen Freisinger Ortsteile Ast, Tuching, Altenhausen[4]. Am 1. Januar 1905 wurde Neustift wegen der desolaten finanziellen Lage auf eigenen Wunsch nach Freising eingemeindet.[5] Der heutige Stadtteil Neustift umfasst mehr als ehemalige Gemeindegebiet und wird im Westen durch die Mainburger Straße begrenzt.[6]
An der im Süden verlaufenden Bahnstrecke München–Regensburg gab es den Haltepunkt Neustift⊙, an dem bis 1973 die Züge der Hallertauer Lokalbahn hielten.[7]
Einwohner
Neustift hatte 2014 insgesamt 6003 Einwohner. Zum 1. Januar 2019 war die Einwohnerzahl auf 6796 angewachsen[8]. Das Gelände der ehemalige General-von-Stein-Kaserne im Nordwesten des Stadtteils wird zu einem Wohngebiet umgestaltet in dem auch ein Einkaufszentrum und eine Schule entstanden bzw. im Bau sind. Die bestehende Sternschule wird im Anschluss geschlossen.
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1871 | 2183 |
| 1925 | 2465 |
| 2014 | 6003 |
| 2019 | 6796 |
| 2024 | 6963 |
Standort Neustift
Die Kaserne war der wesentliche wirtschaftliche Faktor der Gemeinde. Als 1905 Pläne bekannt wurden, dass die Kaserne aufgegeben werden soll, bot Neustift neue Grundstücke wie im Ortsteil Tuching oder im Norden der alten Kaserne an. Diese wurden jedoch von der Regierung mit der Begründung abgelehnt, das Gelände sei zu hügelig, schwer zugänglich und hätte eine schlechte Wasserversorgung. Von 1803 bis 1905 waren folgende Einheiten in Neustift stationiert:[9]
| Jahr | Einheit |
|---|---|
| 1803 – 1810 | Chevauleger-Regiment „Fugger“; ab 11. März 1804 in 1. Dragoner-Regiment „Graf Minucci“ umbenannt, ab 27. Juli 1807 „vacant Minucci“ |
| 1810–1815 | Dragoner Reserve; ab 12.08.1813 in 7. Chevauleger Regiment „Prinz Carl von Bayern“ umbenannt; 781 Soldaten. Ab 23.03.1815 umgewandelt in 1. Kürassier-Regiment „Prinz Carl von Bayern“ |
| Herbst 1815 – November 1816 | 1. Ulanen-Regiment |
| Mai 1816 – November 1825 | Ab 6. Mai 1. Kürassier-Regiment „Prinz Carl von Bayern“ |
| November 1825 – November 1862 | 2. Kürassier-Regiment „Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este“ |
| November 1862 – März 1863 | 4. Gezogene (Sechspfünder) Feldbatterie des 1. Feldartillerie-Regiments „Prinz Luitpold“ |
| April 1863 – Dezember 1863 | 5. Feldbatterie des 1. Feldartillerie-Regiments „Prinz Luitpold“ |
| Dezember 1863 – Mai 1867 | zusätzlich zur 5. Feldbatterie die 1. und 2. Eskadron des 3. Kürassier-Regiments „Großfürst Konstantin Nikolajewitsch“ |
| Mai 1867 – September 1890 | Das 3. Kürassier-Regiment wird im Mai 1867 aufgelöst. Dafür wird das 3. Chevauleger-Regiment „Herzog Maximilian“ mit Stab und 3., 4. und 5. Eskadron stationiert |
| 1869 – Juli 1870 | hinzu kommen Teile des 1. Feldartillerie-Regiments „Prinz Luitpold“ |
| Juli 1870 – Mai 1871 | Die Kaserne dient als Kriegsgefangenenlager für 25 französische Offiziere und 960 Unteroffiziere und Soldaten |
| Oktober 1890 – 1900 | II. Abteilung des 1. Feldartillerie-Regiments „Prinzregent Luitpold“ mit 18 Geschützen und 270 Soldaten |
| 1900 – September 1901 | Die I. Abteilung des 3. Feldartillerie-Regiments „Königin Mutter“ löst die II. Abteilung ab. |
| Oktober 1901 – 17. August 1905 | 1. Abteilung des 9. Feldartillerie-Regiment mit Regimentsstab und Musikkorps |
Sehenswürdigkeiten
- Kloster Neustift
- Pfarrkirche St. Peter und Paul
- Pfarrhaus Neustift, nachklassizistisch, 1859
- Sankt Peter und Paul (im Vordergrund das Kriegerdenkmal)
- Der Innenhof des Klosters Neustift (heute Landratsamt), im Hintergrund Sankt Peter und Paul
- Alte Ansicht des Klosters